Wie gesellschaftliche Veränderungen unser Wohndesign beeinflussen

Wer macht eigentlich Trends?

Ein Trend taucht nicht einfach aus dem Nichts auf. Ihm voraus geht immer eine Entwicklung. Diese kann insbesondere bei modischen Trends durchaus von einflussreichen Trendmachern gesetzt werden, bei langfristigen Einrichtungstrends jedoch kommen Trends oftmals aus konkreten Bedürfnissen der Gesellschaft heraus oder entstehen aus großen technischen Innovationen. Katrin de Louw

Um die Frage „Wer macht eigentlich die Trends?“ vollständig zu beantworten, braucht es wohl mehr als einen Artikel darüber. Aber ich versuche es gerne: Es gibt kurz-, mittel- und langfristige Trends, die wir in der Einrichtungsbranche betrachten. Alle haben andere Impulsgeber und Einflussfaktoren. Nehmen wir einmal die kurzlebigen, modischen Trends, wie z. B. Farben und Muster, die wir oftmals in Wandgestaltungen, Stoffen und Wohnaccessoires umsetzen, da diese nur eine Gültigkeit von maximal fünf Jahren haben und deshalb gerne erneuerbar ausgeführt werden. Diese modischen Trends werden von Nachbarbranchen wie Lifestyle, Marketing und Mode stark beeinflusst. Dann gibt es die etwas längerfristigen Trends, die sowohl Materialien und Formen der Möbel beschreiben als auch deren integrierte Technik. Hier suchen wir eine Attraktivität, die mindestens fünf bis zehn Jahre dauern sollte. Die Tendenz hier ist steigend, denn wir wollen immer mehr ein langfristiges Möbeldesign und keinen schnellen Konsum. Bei diesen mittelfristigen Designtrends gibt es bereits bedeutende Megatrends der Gesellschaft, wie z. B. die Nachhaltigkeit, die Material und Form beeinflusst. Aber diese mittelfristig gültigen Designs werden auch stark von technologischen Entwicklungen der Industrie getrieben, wie z. B. denen der Materialhersteller.

Über allem aber sehen wir die langfristigen Trends. Sie basieren auf der gesellschaftlichen Veränderung in zehn bis zwanzig Jahren und darüber hinaus. Hier versuchen Trendforscher, die Entwicklung der Gesellschaft, der Architektur, der Technologie auf die zu erwartende Gestaltung unseres Wohn- und Lebensraumes zu applizieren. Da wäre als eine wichtige gesellschaftliche Größe zum Beispiel der demografische Wandel zu nennen. Das statistische Bundesamt schätzt bereits im Jahr 2030 jede dritte Person in der Bundesrepublik Deutschland auf 60 Jahre und älter. Gleichzeitig gibt es die Tendenz zum „Down-Aging“, welche beschreibt, dass diese Generation heute keineswegs zu vergleichen ist mit den Ü60-Jährigen von vor 50 Jahren. Durch Einflüsse, wie die erhöhte Lebenserwartung aber auch die digitalen Medien und die Mobilität, fühlen sich die heute 60-Jährigen „mitten im Leben“, denken an eine zweite Karriere statt an den Ruhestand und wollen schick wohnen, aber bitte ohne „Seniorenmöbel“! Der Fachbegriff „Universal Design“ beschreibt in seinem Wortursprung Design, welches für jedermann/-frau gemacht ist, meint aber im Fachjargon vor allem: auch im Alter noch funktionell. Wir suchen also heute schicke Einrichtungen, die stylish sind und trotzdem mit einem alt werden können. Wir sehen die Einflüsse des demografischen Wandels schon jetzt in den Einrichtungstrends: Sitzhöhen bei Betten und Sofas werden wieder höher, um auch älteren Menschen das Aufstehen zu erleichtern. Sitzbänke und Hocker haben ein Revival und bieten auch im Flur und im Bad Sitzgelegenheiten. Auch der riesige Gesundheitstrend profitiert von einer alternden Gesellschaft: Gesundheitsfördernde Inneneinrichtungen, Materialien und Techniken werden in den kommenden Jahrzehnten weiter an Bedeutung gewinnen. Es wird bereits Bettwäsche entwickelt, die unsere Gesundheit überwacht, und Staubsauger, die unsere Haare aus gleichem Grund analysieren.
Ein weiterer Trend, der unser Wohnumfeld beeinflusst, ist die Veränderung der Arbeitswelten. Zukünftig werden immer mehr Menschen, wenn es ihre Arbeit erlaubt, von überall aus arbeiten. Die ständige Datenverfügbarkeit verursacht nicht nur eine räumliche Auflösung der bisherigen Arbeitswelt, sondern auch eine zeitliche. Arbeitgeber der Zukunft erlauben ihren Managern, Kopfarbeitern und Kreativen flexible Arbeitszeiten und -orte. Wir sehen in den Einrichtungstrends immer mehr Möbel, die Platz bieten für Arbeitsutensilien, wie ein Tablet, oder sogar unauffällige Arbeitsplatzvarianten versteckt in Wohnraummöbeln. Auch Sofas und Sitzgruppen werden elektrifiziert, um die elektronischen Geräte laden zu können, mit denen man entspannt auf dem Sofa arbeitet. Genauso wie das Wohnumfeld sich der Arbeit anpasst, passen sich die Arbeitsplätze der Freizeit an. Es wird verstärkt auf die Gesundheit geachtet, höhenverstellbare Besprechungsplätze entstehen genauso wie Loungebereiche zum informellen Austausch im Büro.
Das Internet der Dinge, auch IOT (Internet Of Things) genannt, bestimmt ebenfalls unsere Einrichtung von morgen. Wir sind vernetzt, sowohl in kleineren, privaten Netzwerken, wie z.B. der Haustechnik, als auch in größeren bis weltweiten Netzstrukturen, wie dem Internet. Dabei ist es natürlich praktisch, von unterwegs zu schauen, ob die Kaffeemaschine aus ist, oder über die Glas-Arbeitsplatte in der Küche im Internet nach neuen Rezepten zu suchen. Ein vorbildliches Beispiel für die Vernetzung unserer Einrichtung ist zum Beispiel ein Sensorboden, der unter verschiedenen Bodenbelägen, auch Parkett und Laminat, angebracht werden kann und anzeigt, wenn jemand darauf steht, und vor allem: Dann, wenn jemand darauf liegt, Alarm schlagen kann – z.B. für Krankenhäuser und Altenheime eine sinnvolle, wenn auch kostspielige Erfindung.
Aber jeder Trend hat einen Gegentrend – mal stärker und mal weniger stark ausgeprägt. Und der Gegentrend zum IOT ist schon jetzt gut sichtbar und wird sich ebenfalls weiter verstärken: OFFLINE sein. Das Handy im Urlaub auszustellen, ist sehr angesagt. Auch Firmen begreifen immer mehr, dass das „Abschalten“ wichtig ist für gesunde und glückliche Mitarbeiter. Auch gewinnen alle Sinne, die das Internet nicht oder noch nicht bedienen kann, wie der Geschmack, der Geruchssinn und der Tastsinn an Bedeutung. Dies ist insbesondere im Ladenbau der Fall, wo man sich neue Konzepte überlegen muss, um die Menschen wieder in die Läden zu holen. Es werden neue Plätze der realen Begegnung geschaffen. In der sonst so glatten und gläsernen Welt der Benutzeroberflächen gewinnt auch die Haptik der realen Oberflächen weiter an Bedeutung. Auch das Handwerk sowie Dinge, die die Feinmotorik schulen, bekommen neuen Aufwind. Das real Erlebbare sowie selbst hergestellte Produktlösungen für den individuellen Kundenanspruch werden wieder mehr wertgeschätzt. I

Die Autorin

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Katrin de Louw, Innenarchitektin und Inhaberin von Trendfilter, ist als Trendscout und Designmanagerin für die Möbelindustrie tätig.

Wie wir künftig wohnen werden

Katrin de Louw gestaltet Sonderschau auf der ZOW

Katrin de Louw gestaltet auf der ZOW 2016 eine Sonderfläche zum Thema „Einrichtungs- und Möbeltrends im gesellschaftlichen Wandel“. „Neben innovativen Produktneuheiten werden in Halle 20 auch inspirierende Ideen und Projekte von Hochschulen gezeigt“, verrät die Trendforscherin. „Damit geben wir den Besuchern aus Industrie, Design und Innenarchitektur weitreichende Informationen zur zukunftsfähigen Produktentwicklung an die Hand.“
Die Trendfläche ist in die Bereiche ON, ON+OFF und OFF unter-teilt: Die erste Trendbox mit dem Titel „ON“ thematisiert das Internet der Dinge, den derzeit wichtigsten technologischen Trend. In der ON+OFF-Trendbox wird die Veränderung der Arbeitswelt durch die allgegenwärtige Datenverfügbarkeit thematisiert. Die OFF-Trendbox wird dagegen der zunehmenden Sehnsucht nach Achtsamkeit, echten Erfahrungen und Erlebnissen gerecht.
Im ZOW-Update-Vortragsforum in Halle 21 wird Katrin de Louw Dienstag bis Donnerstag um 11.30 Uhr zum Thema referieren. Führungen über die Trendfläche werden Dienstag bis Donnerstag um 14.30 Uhr angeboten.

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