Auf den Zahn gefühlt: Was können NoNoise und SuperSilent?

Blattgeflüster

Ultraleise mit hoher Standzeit, feine Schnittkanten und fast ausrissfrei auf der Unterseite vieler Werkstoffe – was nach einer eierlegenden Wollmilchsau klingt, bieten AKE und Leuco mit neuartigen Sägeblättern. Halten SuperSilent und NoNoise was ihre Schöpfer versprechen? Peter Winklhofer

Im Schreiner- und Tischlerhandwerk bilden Sägeblätter einen Großteil der Maschinenwerkzeuge, um Holz bzw. Werkstoffe aller Art zu bearbeiten. Ganz neue Eigenschaften bringen AKE und Leuco mit ihren Sägeblättern SuperSilent (SuSi) und NoNoise (NN) ins Spiel. Entwicklungsziel beider Sägeblattgenerationen war es, die Geräuschentwicklung zu reduzieren und die Standzeit zu verlängern sowie eine feine Schnittqualität zu erzielen – und zwar in einem möglichst breiten Einsatzbereich. In einer Holztechnikerarbeit an der Heinrich-Hübsch-Schule, Karlsruhe, wurden nun die vielseitigen Leise-Säger unter die Lupe genommen, ihre Leistung den Versprechungen der Hersteller gegenübergestellt und die Stärken der Sägeblätter in unterschiedlichen Materialien geprüft und verglichen.

Voraussetzungen für präzise Resultate
Bevor wir zu den Testergebnissen kommen, muss erwähnt werden, dass das beste Werkzeug nur dann nützt, wenn auch die Kreissäge Laufruhe besitzt. Zu einem schweren Maschinenständer gehört daher eine gut gewuchtete Welle, die spielfrei gelagert ist. Um aussagekräftige Testergebnisse zu erhalten, muss sie die vom Hersteller geforderten Grenzen im Planlauf von 0,02 mm und im Rundlauf von 0,05 mm einhalten.
Im Test auf der Formatkreissäge Altendorf F45: ein NoNoise-DP-Flex-Sägeblatt (303 mm) aus der NN-Serie von Leuco und die Sägeblätter SuSi 2 und Susi 3 von AKE, die sich in Schnittbreite und Durchmesser voneinander unterscheiden. Details zu den Werkzeugen finden Sie in der Tabelle am Ende des Beitrags.
Bei ihrer Prüfung haben sich die angehenden Holztechniker Mario Bartholomäus und Roman Milde so weit wie möglich an die Empfehlungen und Vorgaben beider Hersteller gehalten. Untersucht wurden gängige Materialien aus dem Werkstattalltag. Schnittversuche wurden sowohl mit Handvorschub als auch mit Zugvorrichtung ausgeführt.
Geheimnis der leisen Blätter
Die NN-Säge ist auf den ersten Blick ein ganz normales Sägeblatt. Erst beim näheren Hinsehen stellt man fest, dass so gut wie keine Spanräume vorhanden sind. Auch SuSi hat keine Spanräume im herkömmlichen Sinne. Die T-Form der Diamantzähne leitet die Späne in den sog. ChipBelt, einen umlaufend verjüngten Teil des Stammblattes (s. Foto).
Die stark verkleinerten Spanräume sind das Geheimnis der Geräuschreduzierung, denn Hauptursache für die Lautstärkeentwicklung beim Sägen ist die Luftverwirbelung, die entsteht, wenn die Sägezähne zwischen den Tischlippen in den Tisch eintreten. Besonders eindrucksvoll kann dieses Phänomen auf Messen beobachtet werden, wenn statt dem Sägeblatt einfach nur eine Scheibe verwendet wird. Hier ist die Geräuschentwicklung gleich null. Je kleiner also die Spanräume, umso geringer die Luftverwirbelung an der Tischkante und somit die Geräuschentwicklung beim Sägen oder im Leerlauf.
Wie laut ist leise wirklich?
Beim Untersuchen der Geräuschentwicklung stellten die Karlsruher Schreiner fest, dass die Maschine ohne Sägeblatt, je nach Drehzahl, eine Lautstärke von ca. 69 bis 74 dB(A) aufweist. Legt man nun die Sägen ein, hat SuSi einen Schallpegel von ca. 70 bis 74 dB(A). Beim NN-Blatt sind die Messwerte im Schnitt um etwa 1 dB(A) geringer. Herkömmliche Standardsägeblätter erzeugen einen Geräuschpegel zwischen 90 und 95dB(A). SuSi und NN sind innerhalb der Messtoleranz also vergleichbar leise. In der menschlichen Wahrnehmung liegen wir bei einem Viertel der empfundenen Lautstärke und in der Auswirkung auf das Gehör bei etwa einem Zehntel des Schalldrucks.
So sind diese Sägen extrem leise und würden alleine keinen Gehörschutz mehr erfordern. Dies kommt in der Werkstatt aber nur selten vor, da die meisten anderen Maschinen und die Absauganlagen weit lauter sind. Zur Umgewöhnung auf die neuen Blättergehört auch, dass man in der Geräuschkulisse einer Werkstatt nicht mehr wahrnimmt, wenn die Säge läuft und so unbeabsichtigt mit dem Blatt in Berührung kommen könnte.
Auf der Baustelle kann man allerdings darauf verzichten, bei jedem Schnitt einen Gehörschutz anzulegen. Bis jetzt bietet aber nur Leuco sein Blatt in passenden Durchmessern für Kapp- oder Unterflurzugsägen an.
Runder Lauf mit dünnem Schnitt
Auffällig ist die Dicke der Sägeblätter. Dabei wirkt das nur 1,8 mm dünne SuSi-Sägeblatt deutlich schlanker als das NN-Werkzeug mit seinem 2,0 mm dicken Stammblatt. Diese Wahrnehmung entsteht bei SuSi auch durch ihren Chip-Belt, der Verjüngung der Außenkante auf ca. 1,1 mm. NN und SuSi sind somit um mindestens 0,2 bis 0,5 mm dünner als herkömmliche Stammblätter.
Qualität sorgt für sauberen Rundlauf
Dauerhafte Rundlaufgenauigkeit von Sägeblättern beginnt bei der Herstellungsqualität. Um einen ruhigen Lauf zu garantieren und ein Aufschwingen der Säge im Leerlauf und im Schnitt zu vermeiden, werden heute diverse Verfahren eingesetzt: Vorspannung durch einen Walzring, Laserschnitte und Dehnungsschlitze, von Hand wuchten, ungerade oder auch asymmetrische Aufteilung der Sägezähne.
Diese Verfahren helfen zu vermeiden, dass der Sägeblattkörper beim Schnitt die Materialkante streift und sich dadurch erhitzt. Zudem sorgen sie dafür, dass sich das Blatt bei Erwärmung definiert ausdehnt.
Kann es sich nicht definiert ausdehnen, wird es sich dauerhaft verziehen. Für zusätzliche Verschlechterung der Schnittqualität sorgt ein resultierender Belag am Sägeblatt, der zu noch mehr Reibung führt.
Die Schnittversuche attestieren SuSi und NN einen sauberen Rundlauf und haben ergeben, dass die Erwärmung der Sägeblätter bei sachgemäßem Gebrauch vernachlässigt werden kann. Bei so gut wie allen Einsätzen war die Erwärmung der Sägeblätter aufgrund klimatischer Temperaturschwankungen im Raum und der Sägewelle größer, als die Erwärmung durch die Schnitte selbst.
Nur wer langsam schiebt, kann punkten
Saubere Schnittergebnisse hängen maßgeblich von der richtigen Vorschubgeschwindigkeit und dem resultierenden Schnittdruck ab.
Entscheidend ist dabei die Größe des Spanwinkels der Sägezähne. Je schräger der Zahn, umso schneller darf der Vorschub sein.
Sowohl NN als auch SuSi sind mit Zähnen aus polycristallinem Diamant (DP) bestückt. Anders als eine herkömmlich Hartmetallbestückung (HW) schränkt dieser Schneidstoff durch seine enorme Härte die Größe des Spanwinkels ein. Die Folge: Wer saubere Schnittergebnisse erzielen möchte, darf das Material nicht durchs Sägeblatt jagen.
Die Unterschiede wurden im Test deutlich, als die Sägeschnitte mit Handvorschub langsam oder mit definiertem Gewicht der Zugvorrichtung durchgeführt wurden. Ein zu hoher Schnittdruck gegen die Säge bewirkt ein Aufschwingen, welches zu unrundem Lauf führt. Dies wiederum ist dann im Schnittverlauf an der Kante zu sehen: Wellig erscheinende Riefenbildung an der Plattenkante und Ausbrüche an der Beschichtung auf der Oberfläche sind die Folgen zu schnellen Vorschubs.
Der richtige Dreh für saubere Schnitte
Ein weiterer Faktor ist die Drehzahl. Besonders AKE weist bei den Sägen SuSi2 und SuSi3 darauf hin, den empfohlenen Drehzahlbereich von 5000 bis 6000 min-1 einzuhalten, damit der Vorschub pro Zahn, die Belastung von Zähnen und Sägeblatt sowie der Schnittdruck gering bleiben. Die Versuche haben dies bestätigt. Die Schnittqualität steigt bei der Susi mit der Drehzahl an.
Leuco gibt für die 303-mm-NN-Säge eine maximale Drehzahl von 4900 min-1 an. Hier wird die Qualität bei geringerer Drehzahl bei manchen Matrialien sogar leicht besser.
Die Kandidaten im Schnitttest
NoNoise sowie SuperSilent eignen sich für den Zuschnitt von (Voll-)Holz ebenso wie (Holz-)Werkstoffen und auch für alle Arten von Materialmixen (z. B. Spanplatte mit Alu-Beschichting, GFK mit Dämmstoff, Gipsfaser furniert, MDF-Polystyrol, usw.).
Dank ihrer DP-Bestückung nimmt die Schärfe auch bei abrassiven Mischungen, wie Gips oder GFK nur langsam ab. Verglichen mit HW-bestückten Sägen sprechen wir von einer 15- bis 20-fachen Standzeit, was sich bezogen auf die etwa dreifachen Anschaffungskosten durchaus rechnet. Zudem spart man durch die Allesschneider viele Werkzeugwechsel.
Betrachtet man SuSi und NN untereinander bezogen auf die Schnittgüte in unterschiedlichen Materialien, halten sich die Sägen die Waage. Die Oberseite der Werkstoffe ist splitterfrei und scharfkantig. Auch die Unterseite ist weitgehend ausrissfrei – sowohl bei beschichteten Werkstoffen als auch bei Vollholzschnitten quer zur Faser. In vielen Fällen kann man daher auf den Vorritzer verzichten.
Von Vorteil, wenn sich das Einstellen des Vorritzers, wegen weniger Teile nicht lohnt, hervorragend bei Gehrungsschnitten und sinnvoll auf der Baustelle. Bei beschichteten Spanplatten, Mineralwerkstoff, Multiplex oder Vollholz längs waren die Schnittergebnisse von SuSi2 geringfügig besser als die von NN. Wogegen NN bei Hart- und Weichholz quer, HPL und MDF leicht die Nase vorne hatte. Allgemein handelt es dabei sich aber nur um Nuancen.
Die dünnere SuSi2 bietet weniger Sägewiderstand als SuSi3 und NN. Dank höherer Zähnezahl (Z60) reduziert sich wiederum bei NN die Zerspanungsarbeit pro Zahn. Sie sägt sich bei den meisten Werkstoffen leichter als die SuSi3. Durch das dickere Stammblatt, zeigt diese bessere Ergebnisse bei harten Materialien wie MDF- oder HPL-belegten Platten als ihre Schwester SuSi2.
Was heißt das für die Auswahl?
Für welches Blatt man sich entscheidet, hängt also davon ab, welches Material mehrheitlich geschnitten wird, so das Testergebnis.
Bei den Ergebnissen sehen wir den Zusammenhang vorwiegend in der Zahnform begründet. Zahnformen, die von der Fertigkante zur Schnittmitte hin arbeiten (ziehende Zahnformen wie Wechselzahn oder Hohlzahn), haben Vorteile bei Werkstoffen die einen Faserverlauf haben wie Vollholz oder furnierte Platten.
Zahnformen, die von der Schnittmitte zur Fertigkante hin arbeiten (drückende Zahnformen, wie Flachzahn mit Fase, Dach- oder Trapezzahn), bringen seit jeher bessere Ergebnisse bei beschichteten Platten oder auch Mineralwerkstoff, da die Abstumpfung an den „stumpfwinkligen“ Schneidkanten in der Summe geringer ausfällt. Was SuSi mit der Zahnform vorlegt, gleicht NN meist mit Stabilität und Laufruhe des Sägeblattes aus. Erwähnenswert ist auch, dass bei abrassiven Materialien (Gips oder GFK) die Hohlzahnform des Leuco-Blattes mehr leidet als die Dachform von AKE.
Wichtige Praxistipps – unbedingt beachten!
Beim Einbau der Säge sollten die Flächen des Flansches und des Sägeblattes sehr sorgfältig gereinigt und die Mutter nicht mit Gewalt festgezogen werden. Dann bleiben nur wenige Einsatzbereiche, die man meiden sollte. So z. B. massive NE-Metalle, denn ihre langen Späne können nicht abtransportiert werden. Alu-Beschichtungen hingegen sind kein Problem. Nicht empfehlenswert ist es, feuchte Hölzern zu schneiden. Sie neigen vermehrt zu Spannungen und zwicken gern das Sägeblatt. Da die dünnen Stammblätter weniger Querkräfte aufnehmen können als herkömmliche Sägen, sollte man auch darauf achten, die Werkstücke exakt parallel am Sägeblatt entlang zu schieben. Wie bei allen Sägen, nimmt die Schnittqualität der Sägen gegenüber dem Neuzustand ab.
Sinnvoll ist, nach Möglichkeit auf die Materialreihenfolge zu achten. Es gilt: erst leicht zerspanbare, dann abrassive Werkstoffe.
Wer die Sägen regelmäßig von Belägen reinigt, kann sich über bessere Schnittqualität freuen. Hier werden spezielle Reinigungsmittel angeboten. Nach Gebrauch müssendie Sägen sicher verwahrt werden, um die stoßempfindlichen Schneiden zu schonen.
Wirtschaftliche Kontrahenten auf Augenhöhe
Der Test bestätigt die Versprechungen der Hersteller – vorausgesetzt man arbeitet nach deren Empfehlungen. Durch das derzeitige Angebot unterschiedlicher Sägegrößen der NN-Serie kann Leuco ein breiteres Einsatzfeld abdecken. Da sowohl die SuperSilent- von AKE sowie die NoNoise-Blätter in vielen Bereichen sehr gute Ergebnisse liefern, ist für die Auswahl entscheidender, auf welcher Maschine die Säge eingesetzt und welches Material bearbeitet werden soll.
Trotz höherer Anschaffungskosten sind sie auf jeden Fall als wirtschaftlich anzusehen – wenn im Betrieb sorgfältig damit umgegangen wird. Sie sind eben Sägeblätter für das Feine.

Die Sägeblätter im Überblick: Daten, Fakten, Eigenschaften
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Fotostrecke zum Beitrag

Ganz nah dran: Hier finden Sie ergänzende Infos zum Beitrag und weitere Detailbilder aus dem Sägentest.

Der Autor

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Schreinermeister und Fachbuchautor Peter Winklhofer betreut als technischer Oberlehrer den Holztechnikbereich der Heinrich-Hübsch-Schule Karlsruhe.

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