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Die Hummel und das Vakuum

Warum die Vakuumpresse inzwischen als Standardmaschine gilt
Die Hummel und das Vakuum

Nach den Gesetzen der Physik kann eine Hummel nicht fliegen. Sie tut es trotzdem. Ähnlich verhält es sich mit einer Klebetechnik, die viele Holzverarbeiter nach wie vor verunsichert, von einigen aber gewinnbringend eingesetzt wird: Verleimen mit Vakuum.

Vakuumpressen – ursprünglich entwickelt, um Formverleimungen ohne Gegenschablone zu realisieren – werden inzwischen immer häufiger zum Furnieren und Belegen diverser Trägermaterialien mit HPL oder anderen Schichtstoffen eingesetzt. Doch wie funktioniert das? Wie kann eine dünne Membran aus Naturkautschuk einen ausreichend großen Druck ausüben, um perfekte Leimergebnisse zu gewährleisten?

Wie Tauchen im riesigen Luftmeer
An diesem Punkt kommt die Physik ins Spiel. Den Druck übt nämlich nicht die Membran aus, sondern es wirkt hier einzig und allein der Druck der Atmosphäre: Je mehr Luft aus dem geschlossenen Raum unter der Membran evakuiert wird, je größer also die Differenz zwischen Umgebungsdruck und dem Druck unter der Membran, desto stärker „drückt“ die Atmosphäre auf das Werkstück – ähnlich wie beim Tauchen, wo sich der Druck erhöht, je tiefer man unter die Wasseroberfläche gelangt. Bei der Vakuumtechnik befinden wir uns auf dem Grund eines riesigen Luftmeeres und nutzen die Luftsäule, welche bei einem Vakuum von 98 % (was beim Einsatz einer ölgeschmierten Vakuumpumpe erreicht wird) einen Druck von 10 t/m² auf das Werkstück ausübt. Dieser immense Druck herrscht an jedem Quadratzentimeter genau gleich, weshalb Differenzen im Plattenmaterial, bei Furnier oder Schichtstoff sowie beim Leimauftrag keine Rolle spielen.
Schnell trocken, wenig Strom
Zusätzlich zum gleichmäßigen Druck bietet das hohe Vakuum einen weiteren Vorteil, welcher die Technik wirtschaftlich interessant macht: Es senkt die Siedetemperatur von Wasser und reduziert so die Trocknungszeit von Weißleim deutlich. Bei einer Vakuumpresse mit ölgeschmierter Pumpe sind fast dieselben Leimzeiten möglich wie bei einer beheizten Furnierpresse – allerdings mit dem Unterschied, dass hierfür keine Heizplatten mit einem Stundenverbrauch von 15 kW oder mehr notwendig sind, sondern lediglich 120 bis 150 W/h.
Schonender Druck
Weil die Membran der Vakuumpresse keinen mechanischen Druck auf das Werkstück ausübt, spielt es auch bei empfindlichen Oberflächen wie z. B. Hochglanz-HPL keine Rolle, ob auf der Platte oder an der Membran ein Staubkorn, feine Späne, Klebeband zur Fixierung oder Leimreste vorhanden sind. Durch die physikalischen Eigenschaften des identischen Druckes an jeder Stelle gibt es definitiv keine Abdrücke. Achtung: Dies gilt nur für die Oberseite des Werkstückes! Auf der Unterseite muss mit der gleichen Sorgfalt wie bei einer normalen Furnierpresse gearbeitet werden.
Die Vielseitigkeit ist wohl die Eigenschaft, wegen der Anwender ihre Vakuumpresse am meisten zu schätzen wissen. Neben den bereits angesprochenen Klassikern (Form- und Flächenverleimungen) leistet die Vakuumtechnik auch bei Ummantelungen, beim Kantenanleimen sowie z. B. beim Verleimen von Vertäfelungen mit Alt- oder Spaltholz großartige Dienste.
Der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt
Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Verformung von Mineralwerkstoffen wie Corian, Hi-Macs oder Rauvisio sowie anderen thermoplastischen Materialien wie z. B. Agrylglas (PMMA) oder ABS. Hierzu wird der Thermoplast in einer Vorheizstation auf die optimale Temperatur erhitzt und dann in der Vakuumpresse durch die perfekte Druckverteilung in Form gebracht. Um den hohen Temperaturen standzuhalten, wird für diese Anwendungen eine Silikonmembran verwendet.
Die Vorteile der Vakuumtechnik liegen auf der Hand, weshalb Vakuumpressen für viele Anwender nach kurzer Zeit schon nicht mehr aus dem Betrieb wegzudenken sind. Weiteren Möglichkeiten setzt nur die eigene Kreativität Grenzen – und manchmal die Physik. Denken Sie an die Hummel …
Barth GmbH
84550 Feichten a. d. Alz
www.barth-maschinenbau.de

Vakuum richtig einsetzen

Praxistipps

Praxis-Tipp 1: Bei Ummantelungen sollte das Furnier gut durchfeuchtet werden, um eine höhere Elastizität zu erhalten. Klebeband über den Radien stabilisiert das Furnier und mindert die Entstehung von Rissen, weil es verhindert, dass die Membran in die Holzstruktur eindringt.
Praxis-Tipp 2: Um bei Vertäfelungen sicher geschlossene Fugen zu erhalten, kann mit Schraubzwingen eine Vorspannung erzeugt werden. Für die flächige Verleimung werden die Zwingen dann einfach mit unter der Membran eingespannt (siehe Foto).
Praxis-Tipp 3: Muss an eine runde oder nierenförmige Tischplatte eine Kante angeleimt werden, kann auch hierfür die Vakuumpresse verwendet werden. Man lässt die Kante überlappen und gibt im Bereich der Überlappung keinen Leim an. Nach dem ersten Pressvorgang sägt man an dieser Stelle mit einer Japansäge im 90°-Winkel durch beide Kanten und gibt vor dem zweiten Pressvorgang Leim an der noch lockeren Stelle an.
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