Leistung und Kapazität: So entwickelt sich die Akkutechnik. Immer mehr drin? - BM online

Leistung und Kapazität: So entwickelt sich die Akkutechnik

Immer mehr drin?

Von Jahr zu Jahr wachsen Leistungsvermögen und Ausdauer von Akkuwerkzeugen. Wir haben die aktuellen Trends zusammengestellt und zeigen, was heute drin sein kann.

Heinz-Alfred Losch

Noch vor wenigen Jahren war die „kabellose Baustelle“ nur eine von vielen belächelte Vision von Metabo-Chef Horst W. Garbrecht. Mittlerweile sind Ausdauer und Leistung der Lithium-Ionen-Akkus so weit gestiegen, dass fast alle auf der Baustelle gebräuchlichen Elektrowerkzeuge per Akku betrieben werden können. Wichtig für Schreiner und Tischler: Leistungsfähige Akku-Handkreissägen sowie Kapp- und Gehrungssägen haben bereits mehrere Hersteller im Programm und auch Akku-Tischkreissägen sind im Kommen. Wie kam es dazu und wo stehen wir heute?

Akkukapazität steigt als Erstes spürbar an

In den letzten sechs Jahren hat sich die Akkukapazität bei Elektrowerkzeugen mehr als verdoppelt. 2012 führte Metabo als erster Elektrowerkzeughersteller Akkupacks mit 4,0 Ah (Amperestunden) ein. Schon im Jahr drauf präsentierten die Nürtinger stolz die ersten Werkzeug-Akkus mit 5,2 Ah.

Drahtloses Laden eher für feste Arbeitsplätze

2014 überraschte Bosch mit dem „Wireless Charging System“, bei dem spezielle Akkupacks mit 18 V (Volt) Spannung und 2,0 Ah Kapazität kontaktlos aufgeladen werden können. Obwohl es spezielle Lösungen zum Laden im Werkstattwagen gibt, ist diese Technik eher für feste Arbeitsplätze geeignet, bei dem das Akkugerät in den Arbeitspausen immer wieder auf der Ladestation abgestellt werden kann. Auch wenn Bosch mittlerweile 4,0-Ah-Akkupacks mit der drahtlosen Ladetechnik ausstattet, bleibt diese Lösung wohl weiterhin eine Nischenlösung für Anwendungen in der industriellen Fertigung.

Neue Akkuzellen für mehr Leistung

Im Jahr 2015 setzte Metabo die Kapazitäts- und Leistungsgrenze von Werkzeug-Akkus mal wieder eine Stufe höher und setzte als erster Elektrowerkzeughersteller auf die 21700er-Akkuzelle von Panasonic.

Sie besaß eine Kapazität von 3,1 Ah und erwärmte sich auch bei höheren Strömen geringer. Ein zweireihiger Akkupack mit jeweils fünf parallel geschalteten Akkuzellen lieferte entsprechend 6,2 Ah. Mit dem 18-V-Winkelschleifer konnte ein Leistungsniveau erreicht werden, das einer Netzmaschine mit etwa 1000 W (Watt) entsprach. Die neuen Akkupacks nannten die Nürtinger LiHD, um auf das höhere Leistungsniveau hinzuweisen.

Für noch höhere Leistungen stellte Metabo 2015 auch erstmals sein 36-V-System vor und zeigte den ersten akkubetriebenen Zweihand-Winkelschleifer sowie die erste Akku-Tischkreissäge, die beide aber erst im Folgejahr auf den Markt kamen.

Andere Hersteller wie Bosch und Milwaukee setzten auf 6,0-Ah-Akkupacks mit den bisherigen 18650er-Zellen. Allerdings waren diese anfangs kaum für Hochstromanwendungen geeignet. Sie wurden viel zu schnell heiß.

Was hat es mit 54-V-Akkupacks auf sich?

2016 überraschte Dewalt mit einem neuen, dreireihigen Akkukonzept. Der Flexvolt-Akku ist ein dreireihiger 18-V-Akkupack (Li-Ion), bei dem die drei parallelen Zellreihen auch in Reihe geschalteten werden können (3 x 18 V = 54 V). Der 18-V-Akkupack mit 6 Ah hat bei 54 V noch ein Drittel an Kapazität, also 2,0 Ah. Auf dem Akkupack ist diese Angabe leider nicht vorhanden. Der Vorteil der höheren Spannung ist gering. Mehrleistung bieten die Flexvolt-Akkupacks aber durch die dritte Zellenreihe. Diese hat aber auch ein zusätzliches Gewicht. Bei hoher Belastung besteht zudem die Gefahr, dass die Zellen in der mittleren Reihe überhitzen.

Für die Nennspannung von 54 V bietet Dewalt spezielle Maschinen an. Die Flexvolt-Akkupacks können auch in den meisten 18-V-Maschinen von Dewalt eingesetzt werden – sind für diese aber eigentlich zu schwer und zu unhandlich.

Auch Milwaukee setzte ab 2016 auf einen dreireihigen Akkupack für Poweranwendungen, allerdings mit für Hochstromanwendungen weniger geeigneten 3,0-Ah-Zellen.

Der 9,0-Ah-Akkupack zeigte sich im harten Einsatz deshalb kaum leistungsfähiger als die viel leichteren LiHD-Akkupacks von Metabo.

2016 stieg auch Bosch in die neue Technik ein.

Sie nannten den Akkupack mit den 20700er-Zellen Eneracer und labelten ihn mit 6,3 Ah. Im Folgejahr wurde die Kapazität der 20700er-Zellen auf 3,5 Ah gesteigert. Akkupacks mit 3,5 und 7,0 Ah kamen auf den Markt.

Das Kapazitäts- und Leistungsrennen in 2018

Bosch preschte mit der Ankündigung seiner Procore-18-V-Serie auf Basis noch größerer 21700er-Zellen schon im Frühjahr 2018 voran.

Liefern konnte dann aber doch zuerst Metabo. Die Nürtinger bieten jetzt 18-V-Akkupacks mit 4,0 Ah, 5,5 Ah und 8,0 Ah.

Bosch hatte Procore-18-V-Akkus mit 4,0 Ah (einreihig), 8,0 Ah und als dreireihige Version mit 12,0 Ah angekündigt – und eine mit einem 1600-W-Netzgerät vergleichbare Leistung für den 8,0-Ah-Akku. Ob die neuen Zellen dieses Versprechen einhalten, müssen Tests noch zeigen, denn erst Anfang Oktober 2018 waren die 4,0- und 8,0-Ah-Akkus lieferbar. Auf die stärkere 12,0-Ah-Variante müssen die Anwender wohl noch etwas warten.

Auch Milwaukee setzt auf die neuen 21700er-Zellen und bietet bereits besonders leistungsfähige Maschinen wie die Handkreissäge M18 FCS66-121C mit einem dreireihigen 12,0-Ah-Akku an.

Dewalt will mit seinem Flexvolt-System auch bei den 21700er-Zellen mitziehen und hat schon mal einen Akkupack mit 12 Ah bei 18 V (entspricht 4,0 Ah bei 54 V) gezeigt. In Europa soll er ab Ende Oktober 2018 lieferbar sein.

Allerdings setzten längst nicht alle Elektrowerkzeughersteller auf die größeren Akkuzellen oder gar die dreireihigen Akkupacks. Festool scheint mit seinen 6,2-Ah-Akkupacks zufrieden zu sein. Auch Fein will mit seinen High-Power Li-Ion-Akkus nicht über 5,2 Ah hinaus. Bei Flex sind nur max. 5,0 Ah erhältlich. Makita, obwohl lange führend bei Akkuwerkzeugen, hinkt nun im Akkutechnik-Rennen hinterher. Immerhin sind 6,0-Ah-Akkus lieferbar.

Systemgedanken – ein Akkupack für alles?

Doch es geht längst nicht nur um Kapazitäts- und Leistungssteigerungen, sondern auch um die Breite der jeweiligen Akkusysteme. Hier ist Makita zusammen mit der Gartengeräte-Tochter Dolmar immer noch führend. Mittlerweile gibt es über 200 Akkugeräte für das 18-V-System des Herstellers. Allerdings hapert es bei einigen älteren Modellen etwas an der Kompatibilität. Auch Milwaukee und Bosch haben ein umfangreiches Geräteprogramm für ihre Akkupacks im Sortiment.

Auch wenn einige Hersteller ihre Maschinen und Akkupacks an Partner verkaufen, so setzt lediglich Metabo seit Juni 2018 mit dem CAS-System offensiv auf eine gemeinsame Akkuplattform mit anderen Herstellern.

Dem Cordless-Alliance-System (CAS) haben sich bisher neben Metabo acht weitere Hersteller angeschlossen. Die CAS-Akkupacks können also auch auf Akkuwerkzeugen von Mafell, Rothenberger, Collomix, Eisenblätter, Eibenstock, Starmix, Haaga und Steinel verwendet werden.

Auch wenn nicht alle Produkte dieser Hersteller für Schreiner relevant sind, so erleichtert doch die Schaffung einer herstellerübergreifenden Plattform den Einsatz unterschiedlicher Akkumaschinen. Die Alliance soll für weitere Hersteller offen sein. Anwender spekulieren sogar, ob Fein oder Festool vielleicht dazukommen und so einfacher an ein leistungsfähigeres Akkusystem gelangen.

Es gibt nicht nur 18-V-Maschinen

Neben den 18-V-Systemen spielen Akkugeräte mit 10,8 V (von manchen Herstellern mit 12 V angepriesen) eher bei leichten Anwendungen eine Rolle. Am anderen Ende der Leistungsskala stehen Akkuwerkzeuge mit 36 V. Das älteste 36-V-Akkusystem für Elektrowerkzeuge stammt von Bosch. Es wird aber seit Jahren kaum mehr gepflegt – im Gegensatz zum 36-V-System von Metabo, z. B. für den großen Winkelschleifer, einen 5-kg-Bohrhammer und die Tischkreissäge. Die meisten 36-V-Maschinen von Metabo gibts auch als 2 x 18-V-Versionen. Auch Festool und Makita setzen für besonders leistungsfähige Maschinen wie Handkreissägen auf die 2 x 18-V-Technik. Doch Achtung: Die Festool-Handkreissäge läuft auch mit einem Akku. Die Makita-Maschinen erfordern immer den Einsatz von zwei Akkus.

Bei der Entwicklung von Akkuwerkzeugen zeigt sich der Fortschritt aber nicht nur im und um den Akku. Auch die Maschinen entwickeln sich weiter. Immer mehr Hersteller setzen auf leistungsfähigere und effizientere Motoren – vor allem bürstenlose Motoren. Die Bauweise vieler Maschinen wird von Generation zu Generation kompakter und ergonomischer. Auch Apps und Bluetooth spielen eine Rolle in Sachen Komfort. Doch dazu ein andermal mehr.


Der Autor

Heinz-Alfred Losch ist als freier Journalist spezialisiert auf die Bereiche Elektro- und Handwerkzeuge sowie Messtechnik.



Herstellerverzeichnis
Hier finden Sie mehr über:

Herstellerinformation

BM-Titelstars: Schreiner wie wir

Herstellerinformation

Wissen testen – Preis absahnen

BM-Themenseite: Innentüren

Herstellerinformation

BM bei Facebook

Herstellerinformation

Alles bio? Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk

Im Fokus: Gestaltung

Herstellerinformation


BM Bestellservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der BM Bestellservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum BM Bestellservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des BM Bestellservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de