Was bei Holzverklebungen schiefgehen kann. Ist das eigentlich lecker? Die Honigbrot-Struktur - BM online

Was bei Holzverklebungen schiefgehen kann

Ist das eigentlich lecker? Die Honigbrot-Struktur

Wenn es um die Schadensanalyse von Holzverklebungen geht, tauchen Begriffe wie „Honigbrotstruktur“ auf. Was es damit auf sich hat und was beim Verkleben von Holz alles schief gehen kann, erläutert unser Autor in diesem Beitrag.

Dirk Lukowsky

Das Verkleben von Holz ist kein Hexenwerk: Der für den Anwendungsbereich passende Klebstoff auf saubere Flächen und in ausreichender Menge aufgetragen, der passende Druck für ausreichend lange Zeit – und der Erfolg ist garantiert. Eigentlich … in seltenen Fällen geht aber trotzdem etwas schief, und es muss geklärt werden, was die Ursache war.

Das Versagen einer Verklebung muss sich dabei nicht zwangsläufig als Ablösung zeigen. In vielen Anwendungen, z. B. Anleimern in Küchen oder den Eckverbindungen von Fenstern, dient der Klebstoff auch als Dichtstoff. Wenn die Verklebung versagt, äußert sich dies dann als Quellung. Auch Risse können Merkmal für versagende Verklebungen sein: Auf Leimholzplatten, führen sich leicht öffnende Klebstofffugen zu Rissen in der Lackierung und Risse sind auch ein typisches Merkmal von schlecht verklebten Furnieren, Schichtstoffen und anderen mehrschichtig verklebten Werkstoffen.

Durch Kaliumiodid oder UV-Licht sichtbar

Welche Ursache Schadensfälle an Verklebungen haben, kann in manchen Fällen schon durch relativ einfache Untersuchungen geklärt werden. Voraussetzung ist in den meisten Fällen, dass die dünne Klebstoffschicht sichtbar gemacht werden kann. Bei Weißleim ist das zum Glück sehr einfach: Dieser Klebstofftyp lässt sich mit Iod-Tinktur oder einer Lösung aus Iod/Kaliumiodid, das man als Lugolsche Lösung in der Apotheke bekommt, anfärben. Andere Klebstoffe können manchmal anhand ihrer Fluoreszenz erkannt werden. Dazu genügt oft schon ein Geldscheinprüfer, der mit UV-Licht arbeitet. In einem abgedunkelten Raum leuchten dann viele Polyurethanklebstoffe, manchmal aber auch andere Klebstofftypen aufgrund ihrer Fluoreszenz.

An der Oberflächenstruktur wird es deutlich

Wenn der Klebstoff erkennbar wird, lassen sich Querschnitte oder die versagenden Klebeflächen auf verschiedene Merkmale untersuchen: Am einfachsten ist die Analyse, wenn Klebstoff stellenweise fehlt. Ähnlich aufschlussreich ist es, wenn streifenförmig aufgetragener Klebstoff noch die Streifenstruktur aufweist, denn dann fehlte entweder der ausreichende Pressdruck oder die offene Zeit des Klebstoffs war überschritten.

In den allermeisten Fällen wird Klebstoff nur auf einer Fügefläche aufgetragen. Wenn auf den geöffneten Fugen der Klebstoff nur auf einer Fügefläche vorhanden ist und der Klebstoff auf der anderen Seite auffällig glatt ist und glänzt, weiß man, dass die beiden Fügeflächen beim Aushärten des Klebstoffs keinen Kontakt miteinander hatten. Denn wie auf einem Brot mit flüssigem Honig, bleibt ungestörter Klebstoff auf einer Fläche glatt und glänzend.

Das Honigbrot veranschaulicht noch ein weiteres mögliches Merkmal: Ein Honigbrot, das auf die „falsche“ Seite fällt, zeigt beim Aufnehmen charakteristische dendritische (lat. dendriticus = verzweigt) Struktur. Wenn Klebstoff eine solche Struktur zeigt, ist eindeutig, dass die Fügeflächen zwar miteinander Kontakt hatten, sich die Fuge aber wieder geöffnet hat, als der Klebstoff noch die Konsistenz von flüssigem Honig hatte. Mit einem Tropfen Honig, Butter oder Sirup zwischen zwei Messerklingen kann man solche Strukturen beim Frühstück nachstellen.

Erkennt man auf der Klebstoffoberfläche dagegen eine wabenartige Struktur, hat sich die Fuge geöffnet als der Klebstoff schon etwas angezogen hatte.

Unter dem Mikroskop

Spezialisierte Labore können versagende Verklebungen tiefergehend analysieren. Unter dem Mikroskop lässt sich in der Regel feststellen, ob die Fügeflächen glatt, sauber und ohne Quetschung der Holzstruktur hergestellt wurden, ob die richtige Klebstoffmenge verwendet wurde und ob der Pressdruck ausreichend war.

Art der Verklebung muss definiert sein

Größere Probleme bei der Zuordnung der Verantwortlichkeit von Schäden (Vorlieferant, Hersteller, Kunde) gibt es auch immer wieder, wenn in der Bestellung die Art der Verklebung nicht ausreichend definiert wird. Zum Beispiel werden oft D3- oder D4-Verklebungen ausgeschrieben. Dummerweise gibt es keine D3- oder D4-Verklebungen, sondern nur D3- oder D4-Klebstoffe, also Klebstoffe, die unter Laborbedingungen auf Buche bestimmte Feuchtebeständigkeiten zeigen. Solche Klebstoffe können aber z. B. für bestimmte tropische Holzarten, aber auch für Eiche ungeeignet sein. Ausschreibungen sollten daher auf die Performance der tatsächlich hergestellten Verklebung abzielen. Das kann entweder durch Bezug auf relevante Normen (z. B. Massivholzplatten) oder durch eindeutige Beschreibung des Einsatzzwecks erfolgen.


Der Autor

Dr. Dirk Lukowsky leitet am Fraunhofer Institut für Holzforschung (WKI) den Bereich Schadensanalysen. Er ist Autor des Buches „Schadensanalysen Holz und Holzwerkstoffe“.


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