Langlebige Beschichtungen auf maßhaltigen Holz-Außenbauteilen. Kein Hexenwerk - BM online

Langlebige Beschichtungen auf maßhaltigen Holz-Außenbauteilen

Kein Hexenwerk

Holzbeschichtung im Außenbereich war das Thema eines Forschungsprojektes, an dem der Verband Fenster + Fassade maßgeblich beteiligt war. Die Ergebnisse führten dazu, dass das Merkblatt HO.01 „Klassifizierung von Beschichtungen für Holzfenster, -haustüren und -fassaden“ überarbeitet und das Merkblatt HO.12 „Werterhaltungsmaßnahmen für Beschichtungen auf maßhaltigen Außenbauteilen aus Holz“ neu entwickelt wurde.

von Eike Gehrts

In dem umfassenden europäischen Projekt „Servowood“ ging es darum, die Leistungsfähigkeit von Holzbeschichtungen im Außenbereich zu prüfen, um Voraussagen über die Dauerhaftigkeit treffen zu können.

Basierend auf Arbeiten der Holzforschung Austria beschäftigte sich das Projekt intensiv damit, Grenzzustände von Beschichtungen zu definieren. Das heißt, es ging darum, Merkmale zu charakterisieren, die bestimmte Veränderungen im Beschichtungsfilm anzeigen und entsprechende Maßnahmen erfordern. Handelt es sich zum Beispiel lediglich um ästhetische Veränderungen, wie Farb- und Glanzveränderungen oder Algenbewuchs, ist eine Reinigung und Pflege zu empfehlen.

Wartungsbeschichtung …

Für eine rechtzeitige Instandhaltung der Beschichtungen wird der Grenzzustand L-D1 wie folgt definiert (L = limit (engl.): Grenzzustand, D = durability (engl.): Dauerhaftigkeit):

  • Beschreibung des Grenzzustandes : geringe Schäden, die keine Entfernung der Originalbeschichtung erfordern
  • Abwitterungserscheinungen: beginnende Vergrauung und/oder intensive Kreidung (siehe Bild 2), Risse im Beschichtungsfilm (ohne Verfärbungen) , Beschichtungsrisse durch Hagel (ohne Verfärbungen) , oberflächlicher Bewuchs mit Schimmel- oder Bläuepilzen
  • Erforderliche Maßnahmen: Wartungsbeschichtung (Instandhaltung) erforderlich .

Bei diesem Grenzzustand reicht eine Wartungsbeschichtung zur Werterhaltung aus, wobei ein Beschichtungsfilm auf die bestehende Oberfläche aufgebracht wird, ohne dass die Altbeschichtung komplett oder teilweise entfernt werden muss.

… oder umfangreiche Sanierung?

Bei dem nachfolgenden Grenzzustand L-D2 ist die Beschichtung bereits stärker angegriffen, ist eine Renovierungsbeschichtung mit z. T. mehrschichtigem Aufbau erforderlich.

Beim Grenzzustand L-D3 ist auch der Holzuntergrund betroffen, was umfangreiche Sanierungsmaßnahmen nach sich zieht.

VFF-Merkblätter HO.01 und HO.12

Die Ergebnisse von Servowood veranlassten den Verband Fenster + Fassade (VFF), das Merkblatt HO.01 zu überarbeiten. Im Merkblatt HO.01 wurden umfangreiche Begriffsdefinitionen ergänzt, u. a. zu Inspektion, Wartung und Pflege. Zu letzterem Thema wurde festgelegt, dass die jährliche Pflege grundsätzlich die Anwendung von Pflegemitteln nach Angaben des Herstellers umfasst. Weiterhin wurden die Themen Konstruktion und Verarbeitung sowie Klimabeanspruchung ausführlicher gestaltet und mit Illustrationen versehen.

Überarbeitet und z. T. erheblich ausgedehnt wurde die Tabelle der zu erwartenden Wartungsintervalle. Es wird nunmehr nur noch nach Art der Beschichtung, Lage und Farbton unterschieden. Bei den Wartungsintervallen wurden die Pflegemaßnahmen in einer neuen Spalte extra berücksichtigt. So ergeben sich z. B. bei einer lasierenden Beschichtung mit einem mittleren Farbton und normaler Bewitterung Wartungsintervalle von fünf Jahren (ohne Pflege) und zehn Jahren (mit Pflege). Bei einer deckenden Beschichtung ergeben sich unter gleichen Voraussetzungen Wartungsintervalle von zehn bzw. zwölf Jahren.

Ausführliche Hinweise und Empfehlungen

Das neue VFF-Merkblatt HO.12 greift die Beschreibungen der Grenzzustände auf und dokumentiert die zum Grenzzustand L-D1 gehörenden Abwitterungskriterien mit ausführlichem Bildmaterial. Zudem beschreibt das Merkblatt die je nach Grenzzustand erforderlichen Maßnahmen und gibt ausführliche Hinweise und Empfehlungen zu Ablauf und Durchführung der Wartungsbeschichtung (Grenzzustand L-D1).

Die Wartungsmaßnahme sollte möglichst im Frühjahr, Frühsommer oder Frühherbst durchgeführt werden. Die Oberflächen sind zunächst gründlich zu reinigen und danach kräftig anzuschleifen, bevor das Beschichtungsmittel aufgetragen wird. Dabei sind die Verarbeitungsempfehlungen des Beschichtungsmittelherstellers zu befolgen und die Verträglichkeit mit der Erstbeschichtung sicherzustellen. Oberflächen, die mit Lasuren behandelt wurden, müssen bei einer Beschichtung mit einer helleren Lasur behandelt werden, um deutliche Farbtonveränderungen zum Bestand zu vermeiden.

Wartungsintervalle können verlängert werden

Selbstverständlich ist bei alledem immer noch auf eine einwandfreie Holzqualität und sorgfältige Auswahl der Holzart, eine fachgerechte Konstruktion und sorgfältige Verarbeitung zu achten (vgl. VFF-Merkblätter HO.02, HO.11 und Merkblattreihe HO.06). Werden dann die vom Hersteller empfohlenen Pflegemaßnahmen durchgeführt, können Wartungsintervalle in der Regel erheblich verlängert werden.

Wer all das beachtet, für den sind perfekte Beschichtungen auf maßhaltigen Holz-Außenbauteilen wahrlich kein „Hexenwerk“.


Der Autor

Diplom-Holzwirt Eike Gehrts ist Experte des Verbands Fenster + Fassade, (VFF) für Holz und Holzprodukte. Er brachte aus der Arbeitsgruppe „Holzbeschichtung“ aktiv die Interessen der Anwender in das Projekt „Servowood“ ein.

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