Tipps rund um das Arbeiten mit Druckluft

Luft statt Strom

Holzhandwerker greifen eher selten zu druckluftbetriebenen Werkzeugen. Doch die richtige Kombination von Druckluftwerkzeugen und Kompressoren kann bei der Arbeit viele Vorteile bringen.

von Susanne Hinderer und Mario Heidrich

Professionelle druckluftbetriebene Werkzeuge stehen oft im Schatten ihrer akkubetriebenen oder kabelgebundenen Pendants. Richtig eingesetzt, haben Druckluftgeräte jedoch besondere Stärken: Sie sind nicht nur sehr kompakt und handlich, sondern auch langlebig und wenig wartungsintensiv. Bei der Auswahl des richtigen Druckluftsystems stehen drei Fragen im Mittelpunkt: Für welche Anwendungen eignen sich Druckluftwerkzeuge? Welches ist das passende Werkzeug? Welcher Kompressor ist der richtige?

Für welche Anwendungen eignen sie sich?

Druckluftwerkzeuge haben immer dann große Vorteile, wenn Handwerker lange und mit vielen Wiederholungen arbeiten müssen – zum Beispiel bei der Dachsanierung oder im Innenausbau. Beim Einlatten von Dächern, beim Befestigen von Wand- und Deckenverkleidungen oder beim Anbringen von Leisten, Nut- und Federbrettern müssen Zimmerleute und Schreiner unzählige Nägel oder Klammern zügig ins Holz treiben. Weil Druckluftwerkzeuge keinen elektrischen Motor haben, sind sie sehr handlich, kompakt und vor allem leicht. Die körperliche Belastung für den Handwerker ist also spürbar geringer. Auch an schwer zugänglichen Stellen wie etwa in Dachstühlen oder beim Arbeiten über Kopf zahlen sich die kompakten Maße und das ergonomische Design professioneller Druckluftgeräte aus.

Mitunter steht Druckluft im Verdacht, weniger energieeffizient zu sein als Elektrowerkzeuge. Doch der Wirkungsgrad eines Druckluftsystems hängt stark davon ab, wie gut Anwendung, Werkzeug und Kompressor aufeinander abgestimmt sind. Druckluft kann also durchaus in einigen Anwendungsbereichen die energetisch und wirtschaftlich sinnvollste Alternative sein.

Welches ist das passende Werkzeug?

Ob trennen, schleifen, sprühen, sandstrahlen, schrauben, klammern, lackieren, abdichten oder ausblasen – technisch sind dem Einsatz von druckluftbetriebenen Werkzeugen wenig Grenzen gesetzt. Metabo beispielsweise hat mehr als 50 Druckluftwerkzeuge im Sortiment. Innerhalb der Werkzeuggruppen gibt es jedoch große Unterschiede. Bei der Auswahl des passenden Druckluftwerkzeugs ist es besonders wichtig, die geplante Anwendung genau im Blick zu haben.

Beispiel Klammer- und Nagelgeräte im Innenausbau: Geräte für Arbeiten mit Paletten oder Trockenbauplatten brauchen bis zu 1,5 l Druckluft pro Schlag und damit deutlich mehr als Geräte für Anwendungen mit Folie oder Stoff, für die bereits 0,34 l Druckluft genügen. Möchte ein Renovierungsfachmann aber nicht nur Stoffe oder Isoliermaterial befestigen, sondern auch Leisten oder Wandverkleidungen anbringen, so muss er für die Auswahl des richtigen Werkzeugs den entsprechend höheren Luftbedarf berücksichtigen.

Vibrationsreduzierende Zusatzhandgriffe

Neben dem Anwendungsbereich sind, wie bei Elektrowerkzeugen auch, Ergonomie und Anwenderschutz wichtige Entscheidungskriterien. Wenn man lange mit der gleichen Maschine arbeitet, ist es wichtig, dass sie gut in der Hand liegt sowie sicher und einfach zu bedienen ist. Große gummierte Handgriffe sind beispielsweise besonders hilfreich. Vor allem Vibrationen belasten den Anwender, etwa bei der Arbeit mit Winkelschleifern. Werkzeuge mit vibrationsreduzierenden Zusatzhandgriffen sind daher empfehlenswert.

Welcher Kompressor ist der richtige?

Der Kompressor ist absolut entscheidend für den effizienten und effektiven Einsatz von Druckluftwerkzeugen. Welcher Kompressor sich eignet, hängt von zwei Faktoren ab: vom Druckluftbedarf des jeweiligen Werkzeugs und davon, ob es eher kurzzeitig oder dauerhaft in Betrieb ist. Der wichtigste Kennwert ist dabei die effektive Liefermenge des Kompressors. Sie bezeichnet die nach Norm gemessene Luftmenge, die der Kompressor in einer Minute abgibt. Mit dieser Angabe kann der Anwender verschiedene Kompressoren einfach miteinander vergleichen und den passenden Verdichter für die gewünschte Anwendung finden.

Wichtig zu wissen: Bei Kolbenkompressoren gibt es aktuell zwei Motorenklassen mit unterschiedlicher Nennbetriebsart. Die Nennbetriebsart besagt, wie stark eine elektrische Maschine beansprucht werden kann. Die meisten fahrbaren Kolbenkompressoren haben die Nennbetriebsart S3. Das heißt, sie sind für den periodischen Aussetzbetrieb ausgelegt und müssen regelmäßig zur Kühlung ausgeschaltet werden. Die Kompressoren haben dadurch eine Einschaltdauer von etwa 60 %. Seit einiger Zeit gibt es aber auch Kompressoren mit der Nennbetriebsart S1. Diese Geräte sind auf den Dauerbetrieb mit konstanter Belastung ausgelegt. Wer den Kompessor also beispielsweise für lang andauernde Arbeiten wie das Einlatten von Dächern einsetzt, sollte ein Gerät mit der Nennbetriebsart S1 auswählen. Damit kommt man schnell voran und muss nicht pausieren.

Wer den Kompressor vor allem auf Baustellen nutzen will, sollte außerdem darauf achten, dass er sich einfach transportieren lässt. Umfragen unter Handwerkern haben gezeigt, dass Ölleckagen beim Transport von Kompressoren ein häufiges Problem darstellen und viele Handwerker davon abhalten, Druckluftgeräte zu verwenden. Ideal für den Einsatz auf der Baustelle sind daher ölfreie Geräte. Sie sind wartungsarm und lassen sich in allen Positionen transportieren.


Die wichtigsten Druckluft-Kennwerte

Effektive Liefermenge: Die effektive Liefermenge ist der entscheidende Wert für die Auswahl des richtigen Kompressors. Die effektive Liefermenge bezeichnet die tatsächlich gemessene Luftmenge, die der Kompressor in einer Minute abgibt. Mit diesem Wert lassen sich verschiedene Kompressoren einfach miteinander vergleichen und der Anwender findet so für jede Tätigkeit schnell den passenden Verdichter.

Füllleistung: Die Füllleistung ist die berechnete Luftmenge in Litern, die der Kompressor in einer Minute abgibt. Dieser Wert ist jedoch ungenau und weicht meist 10 bis 20 % von der effektiven Liefermenge ab.

Ansaugleistung: Die Ansaugleistung ist die theoretische Luftmenge in Litern, die ein Kompressor in einer Minute ansaugt. Relevant für die Auswahl des passenden Kompressors ist jedoch die effektive Liefermenge.


Die Autoren

Susanne Hinderer leitet das Kompetenzcenter Druckluft/Outdoor bei Metabo, Mario Heidrich das Business Development Vertrieb Europa.

www.metabo.de