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Mehr als eine App

Wie Festool Werkzeuge mit dem Internet of Things (IOT) vernetzt
Mehr als eine App

Sie befreien den Chef von Aufgaben, helfen, wenn der Sauger pfeift, und zeigen, wo der Akku liegt. Festool hat seine Apps aber noch weitergedacht: als solide Zukunftsbasis.

BM-Redakteur Marc Hildebrand

„Chef, die 4x60er-Schrauben sind aus und das Klebeband auch bald.“ Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Im besten Fall notiert es Ihr Kollege direkt auf einem Zettel, den dann jemand am PC abtippt – also, falls es dieser Zettel rechtzeitig vor der nächsten Bestellung von der Baustelle ins Büro schafft.

Und wenn nicht?

Mit seinen Apps widmet sich Festool in bewährter, praxiserprobter Weise Alltagsproblemen wie diesem. Aber in der Order- und der Work-App versteckt sich weiterer zeitsparender Mehrwert, den der Elektrowerkzeughersteller Handwerkern quasi direkt in die Hand bzw. aufs Smartphone oder Tablet programmierte – von digitaler Ordnung mit System bis zu Features, die bislang wohl einzigartig sind.

BM zu Besuch bei Festool (v.l.) Michael Betz (Projektleiter Mobile Solutions), BM-Redakteur Marc Hildebrand und Anwendungstechniker Simon Illing. Foto: Evelyn Becker
BM zu Besuch bei Festool (v.l.) Michael Betz (Projektleiter Mobile Solutions), BM-Redakteur Marc Hildebrand und Anwendungstechniker Simon Illing. Foto: Evelyn Becker

Wir haben mit Festools App-Entwickler Michael Betz und Anwendungstechniker Simon Illing gesprochen und blicken hinter die Kulissen sowie auf Festools Weg in die Welt des IOT, an dem wie immer auch Schreiner und Tischler intensiv mitwirkten. Am Ende sah alles ganz einfach aus – soll es ja auch.

Gibts da nicht ne App für? Ja – sogar zwei!

Festools Order-App hilft zum einen dabei, gezielt die richtige Festool-Maschine oder Zubehör finden und zu bestellen. Zum anderen unterstützt sie markenübergreifend den Einkauf von Verbrauchsmaterial und kann den leidigen Zettel an der Wand ablösen. Sie vermeidet somit Fehlbestellungen oder Materialengpässe und spart daher einfach Zeit.

Die Work-App verschafft einen detaillierten Überblick über registrierte Werkzeuge, kann Komponenten miteinander verbinden, steuern und updaten. Sie gibt u. a. Hilfestellung bei Fehlfunktionen und erleichtert die Service-Registrierung bzw. den Workflow im Garantiefall. Doch Anfang 2016, vor Geburt der Order-App, war dieses Ergebnis alles andere als klar.

Der Weg ist das Ziel – oder doch der Umweg?

Zunächst stand einzig fest: Wie bei Festools Werkzeugen sollte der Praxisbedarf auch das Ergebnis in Sachen App vorgeben. Also tourte Betz mit diversen Ideen im Gepäck durch die Lande und besuchte Handwerker. Doch die Frage „Willst du so was haben?“ erntete pure Ernüchterung. Viele Ideen stießen auf Desinteresse. Eine digitale Holzmustermappe kam ebenso wenig an, wie spaßige Features zum Zeitvertreib, und auch Handwerkersoftware wie eine Zuschnittoptimierung floppte.

„Also zurück auf Start – mit der Erkenntnis: Spielereien sind unerwünscht und Du machst aktuell keine Handwerkersoftware“, lacht Betz heute, während er zurückblickt. Natürlich brachte er auch einige neue Ansätze mit.

Im Austausch mit Festool-Kollegen aus vielen anderen Unternehmensbereichen formten sich daraus Ideen, die dann im zweiten Anlauf einen Nerv in den Betrieben trafen.

Schritt für Schritt in die Order-App

Einer der neuen Ansätze befasste sich dann mit dem Bestell-Workflow in den Betrieben. Als zeitaufwendig zeigte sich sowohl das Finden des passenden Werkzeugzubehörs sowie resultierende Fehlbestellungen. Der Gedanke einer Einkaufsliste lag im Folgenden genauso nahe wie jener, auch Verbrauchsmaterial einfach per App zu bestellen.

Schön wäre auch, wenn alles individuell sortiert angezeigt werden könnte. Doch die finale Bestellung möge doch wie gehabt beim Händler des Vertrauens eingehen. Außerdem will man natürlich auch Verbrauchsmaterial von anderen Marken direkt mitbestellen – aber bitte nicht jeder Mitarbeiter. Nur ausgewählte Personen dürfen den Bestellknopf drücken. Bestücken wiederum darf die Liste natürlich jeder – also jede Menge Hausaufgaben für Betz seine Kollegen sowie unterstützende Partner, die sie Stück für Stück umsetzten und schrittweise mit Anwendern optimierten. Auch bei der intuitiven, übersichtlichen App-Bedienung waren Handwerker quasi live mit im Boot.

Aktuell lässt sich mit der Order-App passendes Zubehör über den integrierten Festool-Produktkatalog auswählen. Zudem ist die App mit dem My-Festool-Web-Account sowie auch mit dem Werkzeug verknüpft und zeigt registrierte Geräte zur Suche des passenden Zubehörs an. Zudem gibts eine herkömmliche Suche und eine Scanfunktion per Smartphonekamera, mit der wie erwähnt auch Produkte anderer Marken in den Einkaufswagen gelangen.

Fällt einem Kollegen auf, dass etwas zur Neige geht, so scannt er das Produkt und der Chef in seiner Rolle als Einkäufer muss etwaige Unklarheiten nur noch kurz im Teammeeting durchsprechen, statt in der Werkstatt leere Schraubenschachteln oder Schmierzettel zu jagen. Durchdacht: Wird das gleiche Produkt gescannt, erhöht sich die Anzahl in der Liste. Speichern erlaubt schnelleren Zugriff beim wiederholten Bestellen und individuell angelegte Ordner sorgen für Ordnung mit System. Zu guter Letzt bleibt jedem selbst überlassen, ob er seine Bestellung direkt per Mail sendet oder ausdruckt und seinem Händler auf den Tresen legt. Was die Preisfrage angeht, so zeigt die App den UVP seitens Festool. Alles weitere ist Händlersache.

Final überzeugte die App auch Festools kritische Tester: „Statt meines Schmierzettels hänge ich mir jetzt einfach ein günstiges Tablet in die Werkstatt.“ Und auch die Zahl der Downloads spricht für ein gelungenes Ergebnis. Sie liegt bereits im sechsstelligen Bereich.

Etwas zeitversetzt, im Zuge der Kopplung der Akkus mit Werkzeugen via Bluetooth, entstand die Work-App als zweite hilfreiche Applikation.

Wichtige Funktionen der Order-App kompakt gezeigt


(Quelle Frame: Youtube /Festool)

Work-App ergänzt Werkzeug-Features

„Wenn der Akku schon mit dem Sauger kommuniziert, warum nicht auch mit der App“, dachten sich die Entwickler, entschieden sich bewusst für eine separate App, gingen abermals auf Tour zu den Handwerkern und stellten dort die Frage: „Willst du so was haben?“

Wie der Name verrät, dreht sich bei der Work-App alles ums Werkzeug. Auch sie ist verknüpft mit dem persönlichen My-Festool-Account (somit auch mit der Order-App zur Bestellung von Zubehör), kann Werkzeug per Scan zur Garantie bzw. zum Service anmelden und verwalten, koppeln oder einen Reparaturauftrag senden – und sie kommuniziert live mit den Bluetooth-Werkzeugen. Ebenfalls per Bluetooth lassen sich die entsprechenden Akkupacks mit dem Smartphone verbinden und Daten wie Füllstand, Temperatur sowie die Anzahl der bisherigen Ladezyklen anzeigen. Ist ein Software-Update verfügbar, kann dies selbst aufgespielt werden – ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Ist der Akku mit dem Smartphone gekoppelt, lässt sich die letzte Ortung des Akkus über GPS-Matching ebenfalls anzeigen – auf ca. 30 m genau. Optional sendet die App Push-Nachrichten aufs Handy, z. B. wenn man einen Akku vor Ort vergessen hat und sich entfernt oder wenn ein Fehler am Werkzeug auftritt. Hier liefert die Work-App direkt anschauliche Lösungsvorschläge und -tutorials.

Wichtig: Nach wie vor können die Akkus auch ohne App per Knopfdruck mit dem Sauger verbunden werden.

Wichtige Funktionen der Work-App kompakt gezeigt


(Quelle Frame: Youtube /Festool)

Und wie stehts um den Datenschutz?

Ob Order- oder Work-App – außerhalb des My-Festool-Web-Accounts sind alle Nutzerdaten anonym, verspricht Michael Betz. Wer gar nicht getrackt werden möchte, kann die Auswertung durch Google Analytics komplett deaktivieren. Um den kompletten Funktionsumfang nutzen zu können, ist ein My-Festool-Account erforderlich. Auch z. B. die Gruppenverwaltung ist an diesen Account gekoppelt. Die Speicherung der weiteren anonymen Userdaten erfolgt auf Servern in den USA.

Nutzerfreundlich ist (obwohl es sich bei einer kostenfreien Shopping-App fast aufzwängt): Die Order-App spielt keine Werbung aus.

Solide Basis für zukünftige Möglichkeiten

Für Tischler und Schreiner können die Festool-Apps aktuell u. a. eine Möglichkeit sein, ihre Bestellung von Zubehör und Verbrauchsmaterial zu optimieren oder ihr Werkzeug um einige hilfreiche Features zu erweitern.

Für Festool war dieser Schritt in die IOT-Welt weit mehr als eine App bzw. eine alleinstehende Softwareentwicklung. Während des Prozesses entpuppte er sich als digitale Transformation der Produktwelt. Für die Zukunft eröffnet die Umwandlung ganz neue Möglichkeiten – auch in puncto Werkzeugmanagement. Denn nicht zuletzt der Vormarsch der bürstenlosen Motoren in Verbindung mit der EC-TEC-Elektronik bietet viel Potenzial, um IOT-Schnittstellen bei der Werkzeugentwicklung frühzeitig zu berücksichtigen – da, wo es für die Praxis wirklich sinnvoll ist. Zunächst soll jedoch bald eine weitere App für Android und IOS kommen. Mehr darf noch nicht verraten werden. Doch anfangs standen wohl auch hier wieder viele Handwerker vor der Frage: „Willst du so was haben?“


Kompakt auf einen Blick:

Wichtige Funktionen der Apps

Order-App: zeitsparend bestellen

  • Festool-Werkzeuge einfach beim favorisierten Händler bestellen und das passende Zubehör finden und verwalten
  • Verbrauchsmaterial (auch von anderen Herstellern) per Barcode einlesen und in individuellen Ordnern verwalten
  • Favoritenlisten des meistgenutzten Zubehörs anlegen und Speichern wiederkehrender Produkte
  • das Team einbinden, Rollen bzw. Rechte zuordnen und Bestellungen aller sammeln
  • eigene Einkaufslisten digital erstellen, teilen, drucken oder direkt per E-Mail senden
  • Übergreifende Web-Verknüpfung möglich: der jeweilige My-Festool-Account sowie die Work-App sind dann allzeit auf demselben Datenstand.

Weitere Infos, Details und Download-Link  bietet Festool hier: https://www.festool.de/wissen/festool-apps/festool-order-app

Work-App: Werkzeuge im Griff

  • Infos zu registrierten Festool-Werkzeugen (konventionell und bluetoothfähig) sortiert nach verschiedenen Kriterien abrufen
  • Live-Anzeige des Akkustatus inkl. Anzahl bisheriger Ladezyklen, Temperatur etc.
  • Werkzeug-Software selbst updaten
  • sendet bei Bedarf Push-Nachrichten (z. B. Fehlermeldung oder Werkzeug-Tracking)
  • Händlersuche und Verknüpfung mit Order-App zum Bestellen von Maschinen und Zubehör
  • einfacher Kontakt zum Garantie-Service

Weitere Infos, Details und Download-Link bietet Festool hier: https://www.festool.de/wissen/festool-apps/festool-work-app

www.festool.de/service



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