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Ordnung braucht System

Neue BM-Serie, Teil 1: Werkstattoptimierung in der Praxis
Ordnung braucht System

Ordnung in der Werkstatt ist das zentrale Werkzeug für eine effiziente Fertigung. Reine Disziplin ist hier aber nicht ausreichend, ausschlaggebend ist das System. Was das konkret heißt, wo die zahlreichen Herausforderungen liegen und wie Optimierungsansätze erfolgreich umgesetzt und vor allem auch gehalten werden können, ist Thema dieser neuen BM-Serie „Ordnung mit System“.

Martin Buck

Ordnung in der Werkstatt ist ein immer wiederkehrendes Thema: „Wenn meine Mitarbeiter/meine Kollegen doch nur Ordnung halten würden …“. Das ist eine Aussage, die in Betrieben häufig zu hören ist. Aber was genau ist das Entscheidende für eine gute Ordnung in der Werkstatt?

Ein funktionsfähiges Ordnungssystem

Eine gute Ordnung entsteht nicht durch Disziplin, sondern durch System. Schon der Begriff „System“ in Verbindung mit „Ordnung“ macht deutlich, worauf es ankommt. Es wird ein durchgängiges, logisches, eindeutiges und nachvollziehbares Ordnungssystem benötigt. Und in einem funktionsfähigen Ordnungssystem müssen alle diese vier Elemente gleichermaßen gut berücksichtigt werden.

Das durchgängige Ordnungssystem

Wenn man sich für ein bestimmtes Ordnungssystem entschieden hat, muss das an jeder Stelle der Werkstatt in jeglichem Zusammenhang gelten. Ein gutes Beispiel dafür ist das bekannte Schattenbrett. Es wird zur Aufbewahrung von Kleinwerkzeugen an einer Hakenwand oder ähnlichem genutzt, bei dem die Umrisse aller Werkzeuge aufgemalt sind. In fast jeder Werkstatt gibt es ein solches Schattenbrett und in fast jeder Werkstatt funktioniert es nicht. Das liegt aber nicht daran, dass das Prinzip schlecht ist, sondern daran, dass dieses Prinzip nicht an jeder Stelle in der Werkstatt, an der Kleinwerkzeuge benötigt werden, genau in dieser Form angewendet wird. Es muss für alle vorhandenen Kleinwerkzeuge Standard sein.

Das logische Ordnungssystem

Das beste Ordnungssystem kann nicht funktionieren, wenn es nicht überall logisch ist. Man kann beispielsweise einen in sich perfekten Werkzeugschrank hinter der Tischfräse an der Wand gestalten, in dem alle Werkzeuge der Maschine ihren Platz haben. Aber weil der Maulschlüssel für die Spindel, die Messuhr, die Distanzringe oder bestimmte Inbusschlüssel direkt an der Maschine benötigt werden, finden sie längst nicht immer den Weg zu ihrem vorgeschriebenen Platz zurück. Die logische Aufbewahrung dieser Kleinteile kann nur direkt am Nutzungsort erfolgen.

Das eindeutige Ordnungssystem

Es muss entschieden werden, wie die Ordnung aufgebaut ist. Zum Beispiel ist die häufig getätigte Aussage „Im Plattenrestelager muss Ordnung gehalten werden!“ von dieser Eindeutigkeit oft weit entfernt. Werden die Plattenreste nach Größe sortiert oder nach Plattenart? Wann ist ein Rest so klein, dass er entsorgt werden kann? Eine mögliche Orientierung ist z. B. eine Entsorgung unter 0,4 m2 (500 × 600 mm), gilt das auch für Reste von 2000 × 150 mm? Gilt die Aussage von Senior- oder Juniorchef? Trifft die Aussage für eine Spanplatte genauso wie für einer 38er-Multiplex zu? Hier bedarf es sehr genauer Definitionen, um eine Eindeutigkeit zu erreichen.

Das nachvollziehbare Ordnungssystem

Es muss für jeden sofort erkennbar sein, wie das Ordnungssystem gemeint ist. Beispielsweise sind Wegemarkierungen auf dem Boden für jeden verständlich, auch international. Dafür muss aber jeder Weg auf beiden Seiten eine Linie haben und andere Flächen, wie Zwischenlagerflächen, sollten möglichst in einer anderen Farbe gekennzeichnet werden.

Das Zusammenspiel aller vier Faktoren

Schon an den Beispielen wird deutlich, dass immer alle vier Faktoren berücksichtigt werden müssen. Das durchgängig angewendete Schattenbrett ist eindeutig und so auch gut nachvollziehbar. Aber wenn es sich nicht immer am logischen Standort befindet, entsteht auch hier eine Fehlerquelle.

Eindeutige Transportwege müssen auch durchgängig in der ganzen Werkstatt angelegt werden. Aber nur wenn sie auch logisch verlaufen, ist ihre Nutzung nachvollziehbar. Nicht logisch sind Transportwege, die durch den Arbeitsbereich einer Maschine verlaufen. Genauso wenig ist es für den Transport von langen Werkstücken nachvollziehbar, wenn ein rechtwinkliger Richtungswechsel der Wege erfolgt.

Ordnung für den Workflow

Wenn man einmal den Aufwand für ein solch vollständiges Ordnungssystem betrieben hat, erleichtert es die Zusammenarbeit deutlich. Denn es entstehen sehr viel seltener Diskussionen durch persönliche Einschätzungen von Ordnung und Unordnung. Ein Ordnungssystem beginnt bei der Anordnung von Lagern, Maschinen, Arbeitsbereichen und endet bei der geordneten Abfallentsorgung.

Serienmäßig zu Ordnung mit System

In den folgenden Teilen der Serie werden Sie praxistaugliche Anregungen für Ihr Unternehmen erhalten, um Ordnungssysteme in der Werkstatt erfolgreich einzuführen. Zahlreiche Beispiele, Skizzen und Fotos veranschaulichen verschiedene Optimierungspotenziale und deren Sinn. Dabei geht es nicht nur darum, die „Hardware“ neu zu organisieren, sondern auch darum, Prozesse neu zu gestalten.

In der BM-Juniausgabe geht es um das Thema „Ordnung mit System“ bei Montagematerial und Montagefahrzeug.


Der Autor

Martin Buck ist Tischlermeister und Diplom Industrie Designer (FH). Diese beiden Qualifikationen ermöglichen es ihm in besonderer Weise, Lösungen für die systematische Ordnung zu entwickeln. Er kennt den Arbeitsalltag und die ständig darin auftauchenden kleinen Unordentlichkeiten genauso wie die großen Herausforderungen im Ablauf einer Schreinerwerkstatt.

Als Designer hat er gelernt, Dinge so zu gestalten, dass sie intuitiv richtig bedient werden und wie man mit dem Werkzeug des „Visuellen Managements“ ein Ordnungssystem erklärt.

Seit nun fast 20 Jahren berät Martin Buck Unternehmen und kann aus zahlreichen großen und kleinen Projekten permanent weitere Erfahrungen in die Entwicklung neuer Ideen und Lösungswege einfließen lassen.

Er verbindet in seinen Beratungen das Fachwissen des Tischlers mit der Denkweise eines Designers. Er ist davon überzeugt, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt, wenn man sie systematisch erarbeitet. Dabei ist ihm bewusst, dass Frustration immer ein Teil des Lösungsweges ist.

Die Kombination von Tischler und Designer hilft ihm auch noch in einem anderen Sinne weiter. Martin Buck versteht und spricht sowohl die Sprache des Hilfsarbeiters als auch des akademischen Geschäftsführers. Weil seine Beratungsprojekte im Wesentlichen immer aus Workshops mit den Beschäftigten bestehen, ist das ein Schlüssel für den Erfolg seiner Tätigkeit.

Das von ihm erworbene Wissen an „sein“ Handwerk weiterzugeben, ist seine ganz persönliche Motivation.

www.buckoptimal.de


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