Massivholz, Furnier oder Holzwerkstoffplatten fachgerecht aufbewahren. Qualität ab Lager - BM online

Massivholz, Furnier oder Holzwerkstoffplatten fachgerecht aufbewahren

Qualität ab Lager

Das Schreinerhandwerk steht für Veredelung von Massivholz und Holzwerkstoffen zu hochwertigen Fertig- und Halbfertigwaren. Der Beitrag, den eine fachgerechte Lagerhaltung hierbei leistet, sollte nicht unterschätzt werden. Wir sagen Ihnen, worauf es ankommt.

Dr. Oliver Dünisch

Schlagworte wie „Just-in-time“ und „Lean-Production“ suggerieren, dass bei perfekter Betriebsorganisation nahezu vollständig auf die Lagerhaltung verzichtet werden kann. Lagerhaltung wird mit vermeidbaren Kosten und damit ineffizienter Unternehmensführung gleichgesetzt. Tatsache ist aber auch, dass es gerade für das Schreinerhandwerk gute Gründe gibt, ein Massivholz-, Furnier- oder auch Plattenlager vorzuhalten: Ein Holzlager puffert Schwankungen bei Lieferzeiten und Lieferengpässe ab, kompensiert zumindest in Teilen Marktpreisschwankungen, erlaubt größere Abnahmemengen und damit verbunden bessere Einkaufskonditionen und ermöglicht es, dem Kunden nicht nur „virtuelle“, sondern „reale“ Materialvorschläge zu machen – die Liste ließe sich problemlos weiterführen. Einerseits ist es natürlich notwendig, für jedes Unternehmen eine aus betriebswirtschaftlicher Sicht individuell optimale Lagermenge festzulegen, deren Verwaltung bestmöglich zu organisieren ist. Aber es kommt auch darauf an, den Materialbestand qualitativ zu erhalten. Dies gilt für den Werkstoff Holz aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften in ganz besonderem Maße.

Eingangskontrolle als Teil jedes QM-Systems

Das Materiallager stellt die Schnittstelle zwischen der Beschaffung und der eigentlichen Produktion dar. Der erste Schritt zur Qualitätssicherung ist daher die Erfassung und Kontrolle beim Wareneingang. Neben Überprüfung der gelieferten Mengen und den Dimensionen, sollte die Qualität der gelieferten Ware kontrolliert werden.

Hierzu sollte selbstverständlicherweise auch die Überprüfung der Holzfeuchte gehören, denn nicht selten stimmen die Lieferangaben nicht mit den tatsächlichen Holzfeuchten überein, was insbesondere bei kurzen Lagerzeiten, in denen keine vollständige Anpassung der Holzfeuchte an die Umgebungsbedingungen erfolgt, zu erheblichen Problemen in der späteren Weiterverarbeitung führen kann. Viele Schreinereien und Tischlereien haben bereits ein Qualitätsmanagementsystem etabliert oder tragen sich mit dem Gedanken, dieses einzuführen. Ein solches QM-System kann beispielsweise nach DIN EN ISO 9001 im Zusammenhang mit CE-kennzeichnungspflichtigen Produkten stehen.

Für diesen Fall bietet es sich an, die bereits beim Wareneingang erhobenen Daten in das QM-System einzupflegen. Für den schnellen Zugriff im Rahmen der Sortierung, Materialauswahl für unterschiedliche Aufträge sowie die Bestandsverwaltung setzen Handwerksbetriebe mittlerweile verstärkt auf den Einsatz von Barcodeetiketten. Diese Kennzeichnung ermöglicht eine einfache und sichere Nachverfolgung des Materials in der Weiterverarbeitung. Erst nach Prüfung des Wareneingangs sollte das Material in das Massivholz-, Furnier- bzw. Plattenlager einsortiert werden.

Während für Massivholz mit höheren Holzfeuchten aus Kosten- und Platzgründen auch eine Lagerung im Außenbereich in Frage kommt, ist eine Lagerung von getrocknetem Massivholz, Furnier und Plattenmaterial nur in Innenbereichen sinnvoll, wo relativ geringe Klimaschwankungen vorherrschen.

Auf das Klima kommt es an

Klimaschwankungen führen zu Änderungen der Holzfeuchte und damit verbundenen Formänderungen bis hin zu Rissbildungen, die wiederum meist eine erhebliche Materialentwertung zur Folge haben. Niedrige Temperaturen und hohe relative Luftfeuchten führen zu einem Anstieg der Holzfeuchte, die die Gefahr für Holzschäden durch Pilze sowie für Verfärbungen deutlich erhöhen.

So führt bereits eine Absenkung der Raumtemperatur von 20 °C auf 16 °C und eine Zunahme der relativen Luftfeuchte von 40 auf 60 % führt zu einer Zunahme der Holzfeuchte um ca. 3,5 % und beispielsweise bei Eiche zu Formänderungen von bis zu 1,5 %.

Empfehlungen fürs Massivholzlager

Damit sind Außenlager von Hause aus anfälliger für lagerungsbedingte Wertminderungen des Holzes als Innenlager, weshalb für Massivholzlager im Freien folgende Empfehlungen gelten: Schutz vor Regen und direkter Sonneneinstrahlung, kein stehendes Wasser und Pflanzenbewuchs auf dem Untergrund, Abstand des Holzes vom Untergrund  50 cm, Ausrichtung des Holzstapels quer zur Hauptwindrichtung, sachgerechte Stapelung der Brettware mit entsprechenden Stapelleisten.

Da die Einlagerung von neuem Holz auch immer die Möglichkeit in sich birgt, dass hierdurch Holzschädlinge wie Insekten in das Lager eingebracht werden, sollte der Lagerbestand auch dahingehend kontinuierlich beobachtet werden und in Innenlagern möglichst nur kammergetrocknetes Material mit relativ niedrigen Holzfeuchten eingelagert werden. Denn ein Insektenbefall findet hier ideale Bedingungen für seine Ausbreitung und ist nur mit erheblichem Aufwand zu bekämpfen.

Lagerräume einrichten und überwachen

Möglichst gleichbleibende Raumklimabedingungen sollten deshalb oberstes Ziel einer qualitätsorientierten Holzlagerhaltung sein. Das Raumklima kann natürlich über Heizungen, Klimaanlagen und Raumbefeuchtungsanlegen technisch eingestellt werden, was allerdings hohe Anschaffungs- und Betriebskosten mit sich bringt. Auch um diese möglichst gering zu halten, lohnt es sich, sich über die räumliche Anordnung des Lagerbereichs innerhalb der Schreinerei Gedanken zu machen.

So unterliegen schlecht isolierte Dachböden, Räume mit Südausrichtung der Fensterfronten sowie Werkstattbereiche im unmittelbaren Einzugsbereich offen stehender Werkstatttore deutlich größeren Temperatur- und Luftfeuchteschwankungen als Räume mit Nordausrichtung.

Um das Klima in den Lagerräumen im Blick zu haben, eignen sich klassischerweise einfache Thermohygrometer, die entweder den momentanen Zustand anzeigen oder den Verlauf über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen analog aufzeichnen.

Mittlerweile bieten sich hierfür aber auch preiswerte digitale Datenlogger an, die auch mit einer Alarmfunktion versehen werden können, wenn vorher definierte Grenzwerte des Raumklimas über- oder unterschritten werden.

Die Daten sowie die Alarmfunktion sind über das eigene Netzwerk oder eine Daten-Cloud jederzeit und von unterschiedlichsten Endgeräten abrufbar, sodass die Kontrolle des Raumklimas nahezu vollständig automatisiert abläuft und in das Konzept einer vernetzten Werkstatt und das QM-Systems des Betriebes eingebunden werden kann.

Farbveränderungen sind ein teures Ärgernis

Neben veränderten Temperatur- und Luftfeuchtbedingungen reagieren Hölzer, aber auch andere Oberflächenbeschichtungen, auf Lichteinwirkung mit zum Teil deutlichen Farbveränderungen. Dies liegt daran, dass die farbgebenden chemischen Komponenten des Holzes häufig nicht UV-stabil sind. Holzoberflächen, die sichtbar bleiben sowie bereits beschichtete Plattenwerkstoffe sollten deshalb möglichst so gelagert werden, dass sie dem Licht gar nicht oder nur in sehr geringem Maße ausgesetzt sind. Deshalb haben sich insbesondere für die Aufbewahrung von Furnieren, die in Schreinereien häufig über Jahre oder sogar Jahrzehnte gelagert werden, fensterlose Räume bewährt. Allerdings ist seit Jahren die Verarbeitung von Furnieren in Schreinereien rückläufig, sodass häufig nur noch geringe Mengen gelagert werden. Hierfür bieten sich beispielsweise platzsparende Schubkastensysteme an, die auch mobil gestaltet werden können, was die Begutachtung im Zuge einer Bemusterung bei Tageslicht erleichtert.

Neben Farbveränderungen durch Lichteinfluss kommt es auch durch chemische Reaktionen zu Verfärbungen auf gelagertem Holz.

Aufgrund des seit Jahren anhaltenden Trends zu hochwertigen Eichenoberflächen, kommt es verstärkt zu Verfärbungen von gelagerter Eiche durch Eisenkontakt, der bei der Lagerung unbedingt zu vermeiden ist. Dementsprechend sollte geräuchertes Holz auch nicht unmittelbar neben ungeräuchertem Material gelagert werden, da auch ausdünstendes Restammoniak zu Verfärbungen auf unbehandeltem Holz führen kann.

Auch Brandschutz ist Qualitätssicherung

Schreinereien sind aufgrund der verarbeiteten Materialien (insbesondere Holz) als Betriebe mit einer erhöhten Brandgefährdung eingestuft. Aufgrund der hohen Dichte brennbaren Materials in den Lagerbereichen und der nicht stetigen Überwachung dieser Räumlichkeiten, sollten die Massivholz-, Furnier- und Plattenlager unbedingt in die Brandmeldeanlage der Schreinerei eingebunden sind.

Die Lagerung von Holz sollte deshalb auch nicht in Bereichen erfolgen, in denen etwa durch Funkenflug (Schärfarbeiten etc.) eine Brandentstehung begünstigt wird.


Der Autor

Dr. Oliver Dünisch, Schulleiter der Meisterschule Ebern für das Schreinerhandwerk, ist überzeugt: gerade für das Schreinerhandwerk gibt es gute Gründe, ein Lager vorzuhalten. Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und Regionalität sieht er zudem weiter Bedarf für Schnittholztrocknung in Massivholz verarbeitenden Betrieben.

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