Kreissägeblätter für handgeführte Elektrowerkzeuge

Zahn für Zahn zum guten Schnitt

Kreissägeblätter haben viele verborgene Geheimnisse. Wir sagen Ihnen, worauf Sie bei der Auswahl des jeweils optimalen Blattes für Handkreis- und Kappsägen achten sollten. Heinz-Alfred Losch

I Bauhandwerkern, die Schalungsbretter auf der Baustelle zuschneiden, sind Geometrien der Sägeblätter von Handkreis- und Kappsägen meist ziemlich egal – solange noch alle Zähne dran sind. Hier müssen die Blätter einzig robust sein und am besten auch Nägel und Schrauben im Holz problemlos durchtrennen ohne Schaden zu nehmen. Zu diesen Construction-Sägeblättern fürs Grobe, die eben auch Holz mit Nägeln schneiden, greifen Schreiner und Tischler höchstens, wenn sie alte Fachwerkbalken auftrennen oder Bohlen, bei denen mit Granatsplittern zu rechnen ist. Ansonsten gilt auch bei Handmaschinen: Je nach Material und Schnittrichtung bzw. gewünschter Schnittqualität und Maschine werden unterschiedliche Sägeblätter angeboten, denn das für alles geeignete Universal-Sägeblatt ist noch nicht erfunden. Und auch im Bereich Akku-Werkzeuge wollen feine Unterschiede berücksichtigt werden.

Gängige Zahnformen für den mobilen Schnitt
Dass man für Quer- und Längsschnitte in Massivholz verschiedene Sägeblätter nimmt, lernen Schreiner und Tischler ja schon in der Ausbildung. Schließlich durchtrennen Sägeblätter mit vielen Zähnen die Fasern beim Querschnitt sauberer. Beim Längsschnitt sind Blätter mit wenigen Zähnen im Vorteil, denn der große Spanraum sorgt für einen besseren Abtransport der Späne und ermöglicht so eine schnelle Schnittgeschwindigkeit.
Und was bei großen Stationärmaschinen eine Selbstverständlichkeit ist, sollte es auch beim mobilen Schnitt sein: der Blattwechsel auf das richtige Werkzeug mit der entsprechenden Zahnform, um optimale Schnittqualität je nach Material zu erreichen. Denn auch bei Handkreis- und Kappsägeblättern stehen die typischen Zahnvarianten zur Verfügung – Wechselzahn, Trapezzahn, Flachzahn, Dachzahn und Hohlzahn. Zur Erinnerung:
Wechselzahn-Blätter sind die Standardblätter für alle Arbeiten in Holz- und Holzwerkstoffen. Ihre Hartmetallzähne sind abwechselnd nach rechts und links abgeschrägt.
Beim Trapezzahn sind beide Seiten des Zahnes abgeschrägt. Er kommt meist abwechselnd mit einem Flachzahn zum Einsatz, der gerade, nicht abgeschrägte Schnittkanten hat. Die sogenannten Trapez-Flachzahn-Sägeblätter eignen sich zum Sägen von Aluminium sowie harten Kunststoffen und anderen Materialien mit sehr harten Oberflächen. Reine Flachzahn-Sägeblätter werden zum Sägen von Stahl bei langsamer Schnittgeschwindigkeit benutzt. Dachzähne haben eine spitz zulaufende Schneidkante, bei Hohlzähnen ist sie leicht rund ausgeschliffen. Sägeblätter mit der Kombination dieser beiden Zahnarten werden zum Schneiden von abrasiv beschichteten Plattenwerkstoffen empfohlen.
Der Spanwinkel: je härter desto steiler
Der optimale Spanwinkel ist wesentlich für die Schnittqualität verantwortlich. Er ist von von Material und Maschinentyp abhängig . Prinzipiell gilt: Ein positiver Winkel, also nach vorn geneigte Schnittkanten der Zähne, ist der Standard bei Handkreissägeblättern zum Schneiden von Holz und Holzwerkstoffen. Je härter das Material bzw. seine Oberfläche ist, desto steiler sollten die Zähne stehen, damit möglichst wenig Ausrisse entstehen. Ein negativer Zahnwinkel (die Zähne sind nach hinten geneigt) wird für den sauberen Schnitt von Holzleisten und beschichteten Paneelen mit der Kapp- und Gehrungssäge bevorzugt – und für metallene Werkstoffe.
Das Material bestimmt den Zahnverschleiß
Auch das Material der Zähne spielt eine wichtige Rolle, wenn es um Schnittqualität und Verschleiß des Sägeblattes geht. Manche Hersteller schwören hier auf ihre Hartmetallzusammensetzung, die wohl ein streng gehütetes Geheimnis ist. Doch welches Material hier den eigenen Anforderungen am besten entspricht, sollte jeder für sich in der Praxis herausfinden. So eignen sich die Feinschnittsägeblätter aus Hochleistungs-Schnellschnittstahl (HS) mit ihren vielen kleinen Zähnen zwar gut zum Sägen von Weichholz, sind aber heute kaum mehr üblich, da sie schnell verschleißen. Diamantsägeblätter zeichnen sich dagegen durch einen besonders geringen Verschleiß aus. Bei ihnen ist eine Diamant-Schicht auf die Hartmetallzähne aufgesintert. Sie ist etwa zwei- bis dreimal so hart wie herkömmliche Hartmetallzähne. Der Einsatz dieser teureren Sägeblätter lohnt vor allem beim Sägen von Holzwerkstoffen und abrasiven Materialien. Doch Vorsicht: Die harte Diamantbeschichtung ist zugleich spröde und somit bruchanfällig. Dies erfordert sorgsamen Umgang mit Sägeblatt und Maschine.
Die Auswahl: Codierungen und Standards
Um die korrekte Blattwahl für die jeweiligen Anwendungen zu erleichtern, haben Hersteller für ihre Sägeblätter teils farbige Codierungen entwickelt. Gelb steht z. B. für Holz, Rot für Mineralwerkstoffe und harte Kunststoffe oder Blau für Alu. Andere Anbieter versuchen mit anwendungsbezogenen Bezeichnungen, wie „Expert for Laminat“, die Wahl des jeweils optimalen Sägeblattes zu vereinfachen.
Dass man bei der Auswahl des richtigen Sägeblattes auf die zur Maschine passenden Abmessungen (Außendurchmesser und Bohrung) achtet, sollte selbstverständlich sein. Aber auch die Dicke des Sägeblattes (Stammblatt und Zähne) sollte zur Maschine passen. Einige Sägenhersteller verwenden in ihren Maschinen serienmäßig Sägeblätter, deren Dicke leicht vom Standard abweicht. Diese sollen für die Leistung der Maschine optimiert sein, garantieren aber in jedem Fall dem Hersteller einen guten Absatz seiner eigenen Sägeblätter. Auch wenn man auf solchen Maschinen Sägeblätter in der Standarddicke benutzen kann, ersparen die Originalsägeblätter meist ein umfangreiches Nachjustieren der Maschine. Einige Sägeblatthersteller haben sich darauf eingeschossen und liefern ihre Blätter heute auch in den abweichenden Dicken mancher Maschinenlieferanten.
Netz- oder Akkubetrieb ist auch Blattsache
In den letzten Jahren wurden vermehrt dünne Sägeblätter angeboten. Sie besitzen ein dünneres Stammblatt sowie schmälere Zähne. Durch den geringeren Widerstand beim Schneiden steigt der Sägefortschritt und der Energiebedarf sinkt – praktisch vor allem bei Akkusägen, denn mit einem solch dünnen Sägeblatt lassen sich deutlich mehr Schnitte pro Akkuladung ausführen. Bei sehr hochwertigen Materialien ist außerdem von Vorteil, dass nur sehr wenig davon abgetragen wird. Dünne Sägeblätter werden vor allem bei Sägen ohne Spaltkeil verwendet, denn der muss sonst auf die jeweilige Stammblattdicke abgestimmt sein. Nachteil der dünnen Sägeblätter: Sie vibrieren leichter. Was sich negativ auf die Schnittqualität der Kante auswirken kann. Die dickeren Sägeblätter sind aber nicht nur laufruhiger. Auch ihre Zähne lassen sich öfter nachschleifen, weshalb sie weiterhin überwiegend in netzbetriebenen Maschinen zum Einsatz kommen.
Schlitze und Ornamente im Stammblatt
Mancher Anwender wird sich fragen, warum viele Kreissägeblätter eingeschnitten sind oder seltsame Ausstanzungen mitten im Stammblatt haben. Hierbei handelt es sich um Dehnungsschlitze und Dämpfungslinien, die für einen ruhigen, vibrationsarmen Lauf des Sägeblattes sorgen sollen. Geräuscharme Sägeblätter, wie sie bei Stationärmaschinen immer beliebter werden, spielen bei Handmaschinen bisher kaum eine Rolle, da Motor und Staubsauger ohnehin schon relativ laut sind – also: Gehörschutz nicht vergessen. I

Der Autor
Heinz-Alfred Losch ist als freier Journalist spezialisiert auf die Bereiche Elektro- und Handwerkzeuge sowie Messtechnik.