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Das Spielfeld verlassen

BM-Serie, Teil 2: Das Erfolgsgeheimnis guter Unternehmer im Handwerk
Das Spielfeld verlassen

Ich kenne keinen erfolgreichen Vorstand oder Geschäftsführer eines Proficlubs (egal welcher Sportart), der gleichzeitig als Spieler erfolgreich ist. Du kannst als Spieler mal ein Spiel herumreißen, weil Du ein Tor schießt oder einen Korb wirfst. Das fühlt sich für den Tag sicher gut an. Aber es hat nichts mit den eigentlichen Aufgaben zu tun, die sich einer Clubführung stellen. Die gehen nämlich weit über einen Tagessieg hinaus.

Roland Schraut

Im Tischler- bzw. Schreinerbetrieb ist das im Prinzip nichts anderes. Die Kernaufgaben der Führung sind vergleichbar. Was im Tischlerhandwerk leider sehr viel stärker ausgeprägt ist als in anderen Branchen, ist die Neigung der Unternehmer „auf dem Spielfeld selbst mitzuspielen.“ Gelegenheiten dazu gibt es viele: von der Arbeitsvorbereitung über die Fertigung, das Angebotswesen oder auch den Verkauf bis hin zu Montagen.

Tischler- und Schreinermeister sind Macher, sie packen eben mit Leidenschaft an und arbeiten gerne im Betrieb. Seltener oder zu wenig am Betrieb, also an der Entwicklung und Steuerung des Unternehmens. Je mehr ein Unternehmer im Betrieb beschäftigt ist, umso drastischer sind die Folgen: Wenig Übersicht, geringe Planungsaktivitäten, häufiger Krisenmodus, steigende Fehlerquote, angespanntes Betriebsklima. Hinzu kommt das stetige Gefühl, dem Geschehen hinterherzulaufen und unter Druck die Dinge immer wieder richten zu müssen. Die unternehmerischen Kernaufgaben bleiben auf der Strecke. Betriebe stagnieren.

Top-Meister = Top-Unternehmer?

Ich wünschte, dem wäre so. Die Gleichung entspricht leider nicht der Realität. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Meister, der als Unternehmer startet, mit ausgezeichnetem Fachwissen, voller Begeisterung und mit einzigartiger Leistungsbereitschaft agiert. Dann beginnt ein schleichender Prozess im normalen Tischleralltag. Die vielfältigen Aufgabenstellungen prasseln auf den Unternehmer ein. Die Anforderungen steigen. Für manche werden sie übermächtig. Im Laufe der Zeit geben Unternehmer, für sie selbst unbemerkt, das Steuer der Selbstbestimmung aus der Hand. Immer häufiger würden sie gerne einmal „Nein“ sagen und etwas Luft holen. Beispielsweise, wenn keine Zeit mehr für die Familie bleibt oder trotz großer Anstrengung am Ende nichts verdient wird. Dennoch macht der Unternehmer genau so weiter. Mit einer unguten Veränderung: Er investiert noch mehr Zeit in gleiche Handlungsmuster. Denn wenn es eng wird, muss man einfach noch eine Schippe drauflegen und mehr arbeiten. Damit sorgt er selbst dauerhaft für die Beschleunigung der eigenen Überlastung.

Erfolgreiche Unternehmer sind rastlos

Inwieweit ein Tischlermeister als Unternehmer Erfolg hat, hat weniger damit zu tun, wie gut er als Tischler ist. Es sind andere Eigenschaften und Fähigkeiten, die man bei erfolgreichen Unternehmern immer wieder beobachten kann. Eine grundlegende Voraussetzung ist der unerschütterliche Glaube an das eigene Vorhaben und Wirken. Verfügt ein Unternehmer über diese Überzeugung, ist er in der Lage, Rückschläge leichter wegzustecken und Fehler nicht als Scheitern, sondern als Chance zu bewerten. Ein weiteres Merkmal ist eine ausgeprägte Risikobereitschaft. Aktive Unternehmer hassen es förmlich, auf der Stelle zu treten oder in ihrer Entscheidungskraft eingeschränkt zu sein. Stillstand ist für sie ein Gräuel. Deshalb handeln sie lieber und treiben die Entwicklung stetig voran, auch wenn es riskant sein sollte.

Umsichtige Unternehmer wissen, dass ihr Erfolg immer auf mehreren Schultern ruht. Ihr Bestreben ist deshalb, das eigene Team und Menschen, die sie begleiten, für ihre Sache zu begeistern. Mit einer charismatischen Ausstrahlung wird dies leichter gelingen. Erfolgreiche Unternehmer sind häufig auf eine gewisse Weise rastlos. Sie suchen ständig Ansätze und Ideen, was Menschen am Markt brauchen und wie ihr Betrieb dabei helfen könnte. Nur Bruchteile davon funktionieren oder kommen an. Aber immer wieder entdecken sie dadurch neue Chancen.

Am Betrieb arbeiten – was heißt das konkret?

Was würden Sie als Clubchef tun? Worum würden Sie sich kümmern, wenn Sie einen Proficlub führen würden? Weder die Mannschaft noch das Ergebnis am kommenden Spieltag gehören zu Ihren Aufgaben. Sie würden definieren, in welcher Liga Sie langfristig spielen wollen. Sie würden Sponsoren ins Boot holen und bestrebt sein, Ihren Club finanziell bestens aufzustellen. Täglich würden Sie darauf hinarbeiten, mit allen Beteiligten eine Philosophie, eine tragende Idee mit Leben zu füllen.

Sie würden für jeden Bereich Fachleute engagieren und Maßnahmen ergreifen, mit denen Sie dauerhaft Fans gewinnen. Sie würden Ihren Club gezielt in eine zukunftsfähige Richtung entwickeln. Was Sie absolut nicht tun würden, wäre regelmäßig mitspielen!

Was sind unternehmerische Kernaufgaben?

Wenn Sie steuern und Ihren Betrieb auf eine höhere Erfolgsstufe anheben wollen, sollten folgende Themen im Fokus stehen:

  • Werte und Strategie
  • Klare Positionierung
  • Finanzieller Freiraum/Liquidität
  • Mitarbeit mit Identifikation
  • Sichtbarkeit am Markt
  • Kontinuierliche Erneuerung
  • Kontrolle
  • Persönliche Weiterentwicklung

Das bedeutet nicht, dass der Unternehmer am Beispiel der „Sichtbarkeit am Markt“, die Aufgabe – also hier Vermarktungsaktivitäten – selbst durchführen soll. Aber es ist eindeutig seine Aufgabe dafür zu sorgen, dass Marketingaktivitäten konzipiert werden und erfolgen. Bei „Kontrolle“ geht es nicht um Mitarbeiter. Unternehmer müssen prüfen, inwieweit das Unternehmen auf Kurs ist. Geht die Entwicklung in die anvisierte Richtung? Passt die Strategie? Werden definierte Werte im Betriebsalltag gelebt und erreicht man seine Wunschkunden?

Nichts tun ist keine Lösung

Viele Unternehmer sind Tischler geworden, weil sie kreativ sein wollten und den Rohstoff Holz und die schier grenzenlosen Gestaltungsmöglichkeiten damit lieben. Nicht weil sie Positionierungs-Workshops besuchen, Marketingaktivitäten planen oder Finanzthemen durchackern wollten. Das ist verständlich und nachvollziehbar. Doch die große Mehrheit reibt sich heute im täglichen Geschehen auf, weil sie die Kernaufgaben einfach ausblendet. Es passiert in den genannten Bereichen nichts oder zu wenig. Die Folgen davon kennen Sie. Wer die Unternehmeraufgaben dauerhaft im Blick und entsprechend organisiert hat, ist klar fokussiert. Er verschafft sich Übersicht, Gelassenheit und außergewöhnliche Wachstumschancen. Der erste Schritt dazu? Runter vom Spielfeld!


Der Autor

Roland Schraut ist Autor, Unternehmer und Mentor im Handwerk. In der Roland-Schraut-Akademie führt er Betriebe zu mehr Erfolg. Die Akademie findet 2021 in Möhnesee/Warstein und Nürnberg statt.

www.rolandschraut.com


Das Erfolgsgeheimnis guter Unternehmer

Die BM-Serie im Überblick

Weiter wie bisher oder weiter als je zuvor? In dieser BM-Serie zeigt Roland Schraut Schritte auf, die er mit vielen Betrieben gemeinsam gegangen ist und die zu mehr Ertrag, Klarheit und zu der so wichtigen unternehmerischen Leichtigkeit führen werden. Die Serie im Überblick:

Entscheidend ist, sich auf den Weg zu machen

Der Weg von der Fachkraft zum Unternehmer

  • BM 3/2021: Die Rebellion

Warum gerade das Handwerk eine Position braucht

  • BM 4/2021: Die Stundenfalle

Wir bestimmen selbst unsere Preisklasse

  • BM 5/2021: Wer schweigt, verliert

Die Welt weiß nicht genug über uns

  • BM 6/2021: Kunden wollen kaufen

Und plötzlich kann verkaufen so einfach sein

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