Zertifiziertes Holz für öffentliche Aufträge

Des einen Freud, des andern Leid

Ein neuer Leitfaden legt fest, dass zukünftig nur Holz aus „legaler und nachhaltiger Waldwirtschaft“ bei öffentlichen Aufträgen des Bundes zum Einsatz kommen soll. „Endlich!“, jubeln die Zertifizierer. „Viel zu bürokratisch!“, ärgert sich der Bundesverband TSD.

Am 6. Oktober war es soweit: Vier Bundesministerien haben sich auf einen neuen gemeinsamen Leitfaden zur Beschaffung von Holzprodukten auf Bundesebene geeinigt. Die Regelungen sind sogleich in Kraft getreten.

Die neuen Regeln im Überblick

Zukünftig muss ein Bieter bei Angebotsabgabe das Formblatt „Erklärung zur Verwendung von Holzprodukten“ ausfüllen und erklären, in welcher Form er den erforderlichen Nachhaltigkeitsnachweis vorlegt. Grundsätzlich gibt es dafür zwei gleichwertige, alternative Verfahren: die herkömmliche Produktkettenzertifizierung durch FSC, PEFC oder gleichwertige Zertifikate (COC-Zertifikat) und den sogenannten geprüften Einzelnachweis für Betriebe ohne Unternehmenszertifizierung. Hier muss nun ein unabhängiger Dritter die Rechtmäßigkeit prüfen.

Als unabhängige Dritte werden neben den akkreditierten Zertifizierungsanbietern auch die öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen der Handwerkskammern (Sachgebiet Tischler und Zimmerer) sowie der Industrie- und Handelskammern (Sachgebiete Holz und Holzbau) aufgeführt. Auch das „Deutsche Institut für umweltgerechte Produktion und gesundes Wohnklima GmbH“, angesiedelt bei Hessen Tischler in Bad Wildungen, bietet jetzt Einzelnachweise an (www.leben-raum-gestaltung.de/diug.html).

Sonderfall fertige Holzprodukte

Ein Sonderfall des geprüften Einzelnachweises sind die sogenannten „einfachen Fälle“ für bereits fertig konfektionierte Holzprodukte, die nur noch montiert und aufgestellt werden. Hier dürfen auch Architekten oder für die Bauüberwachung zuständige Bauleiter den Nachhaltigkeitsnachweis überprüfen. „Einfach wird es dadurch für Tischler und Schreiner keineswegs“, meint dazu der Hauptgeschäftsführer von Tischler Schreiner Deutschland, Martin Paukner. Erstens erhielten reine Montagebetriebe gegenüber Tischlern und Schreinern einen Wettbewerbsvorteil, da sie die externen Kosten für die Überprüfung des Einzelnachweises sparten. Zweitens würden Tischler und Schreiner benachteiligt, wenn sie selbst Holzfertigprodukte wie Fenster oder Möbel zur Endmontage an Dritte vertrieben. Denn der Leitfaden schreibt auch vor, dass für die „einfachen Fälle“ nur Holzprodukte infrage kommen, die bei einem FSC- oder PEFC-zertifizierten Unternehmen erworben wurden. „Das ist für Betriebe, die zuliefern, nichts anderes als eine Zwangszertifizierung durch die Hintertür“, kritisiert Paukner.

Bagatellgrenze bis 2000 Euro

Mit dem Ziel kleinere und mittlere Unternehmen zu entlasten, haben die Ministerien zudem eine Bagatellgrenze bis zu einem Nettowarenwert von 2000 Euro eingeführt. Insbesondere Maßnahmen wie kleine Sanierungs- und Reparaturarbeiten sollen dabei nicht durch zusätzliche Kosten belastet werden. Ein zusätzlicher Nachweis ist in diesen Fällen nicht erforderlich. „Die Bagatellgrenze ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung, doch gibt es Zweifel daran, dass die geringe Höhe überhaupt bei öffentlichen Ausschreibungen des Bundes zum Tragen kommt“, so Paukner.

Noch immer zu aufwendig

„Zwar ist der Zwang zur Zertifizierung vom Tisch, allerdings sind die neuen Bestimmungen noch immer zu aufwendig. Da wäre mehr drin gewesen“, meint Martin Paukner. Ärgerlich sei: Die Chance auf eine einfache Neuregelung, ohne zusätzliche Bürokratiekosten und ohne Benachteiligung für die kleinen und mittelständischen Handwerksbetriebe des Tischler- und Schreinerhandwerks, wurde nicht ergriffen.

Doch der Verband schaut nach vorn: In den kommenden zwei Jahren sollen die Praktikabilität und die tatsächlichen Belastungen für die Betriebe durch den neuen Leitfaden evaluiert werden. „Damit ergibt sich für uns eine weitere Chance, den Nachweisprozess gerechter und einfacher zu gestalten.“(ra/Quellen: TSD/PEFC/FSC)

www.tischler-schreiner.de

www.pefc.de

www.fsc-deutschland.de