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Dass dieser Tisch schon mal ein anderes Leben hatte, ist klar erkennbar. Die Geschichte dazu weiß Ulf Geyersbach.
Foto: Philipp Lohöfener
BM-Serie, Teil 1: Kundenbindung mit Storytelling

Erzähl doch mal was!

Karl Valentin stellte einst fest: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“ Valentin war gelernter Tischler und hatte wie die meisten Handwerker wenig übrig für Geschwätzigkeit. Gerade deswegen war er ein großartiger Geschichtenerzähler. Worauf es beim modernen Storytelling ankommt und wie dadurch Kunden gewonnen werden, zeigt diese neue Serie anhand konkreter Beispiele.

von Christian Gülde

Storytelling ist ein Begriff, der immer öfter angeführt wird, wenn es darum geht, bestehende Kunden zu binden und neue zu gewinnen. Doch die meisten Menschen haben nur eine vage Vorstellung davon, was das in der Praxis bedeutet. Es scheint irgendetwas mit einer Kommunikation zu tun zu haben, die nicht allein auf Fakten, Fakten, Fakten setzt.

Handwerker haben etwas zu erzählen

Doch Storytelling bedeutet auch nicht, „Märchen“ zu erzählen. Es geht vielmehr darum, Fakten so miteinander in Beziehung zu setzen, dass das Ganze einen Sinn ergibt – nicht allein für das Unternehmen, sondern auch für dessen Kunden. Hier zeigte sich, dass das Handwerk mit seiner großen Tradition einen Vorteil gegenüber den neuen, schnelllebigen Branchen hat, die die Entdeckung des Storytellings für sich reklamieren. „Schildkröten können dir mehr über den Weg erzählen als Hasen“, sagt man in China. Mit anderen Worten: Guten Geschichten liegen genaue Beobachtungen zugrunde. Sind dann Bau- und Möbelschreiner, die auf jedes Detail achten und die Einzelteile ihres Werkstücks wie Fakten so miteinander in Beziehung setzen, dass das Ganze einen Sinn ergibt, nicht die geborenen Geschichtenerzähler? Ja, sie sind es – sie müssen nur ihrer eigenen Sprache vertrauen. Wer authentisch ist, wird nicht nur verstanden, ihm wird auch geglaubt.

Sehnsucht nach Sinn

Der Mensch ist ein kommunikatives Wesen. Wer daheim von seinen Gästen auf ein neues Möbel angesprochen wird, möchte gerne mehr darüber erzählen können – nicht nur, was das gute Stück gekostet hat. Schließlich will man nicht der von Oscar Wilde beschriebene Zyniker sein, der von allem den Preis, von nichts jedoch den Wert kennt. Tischler, die Storytelling einsetzen, geben deshalb ihren Kunden Informationen, die über ihre Produkte hinausweisen.

Das Holzhandwerk hat hier viele Möglichkeiten – wahrscheinlich mehr als die meisten Branchen. Im Gegensatz zu Unternehmensberatern und Investmentbankern haben Schreiner, Tischler und Fensterbauer es nicht nötig, die Sinnhaftigkeit ihres Tuns herbeizureden. Sie wohnt ihren Werkstücken bereits inne. Sie brauchen nur noch davon zu erzählen – zum Beispiel wie Ulf Geyersbach, den wir für diesen ersten Teil unserer Serie über Storytelling interviewt haben. Mit seiner Firma „Geyersbach. recycled furniture.“ schenkt er ausgedienten Hölzern ein zweites Leben als Möbelunikat. Die Wiedergeburt erfolgt zwischen Zerlegestation und Formatkreissäge.

Lesen Sie hier das Interview mit Ulf Geyersbach: „Was einst auf Papier stand, steht heute im Raum