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„Ich bin doch kein Unmensch“

Mitarbeiterführung, Teil 7: Was für ein Chef will ich sein?
„Ich bin doch kein Unmensch“

Wenn Mitarbeiter unmotiviert arbeiten, schlechte Qualität abliefern oder häufig krank sind, kann eine mögliche Ursache auch in der Führung oder der Struktur und Organisation des Betriebs liegen. In dieser Folge zum Thema Mitarbeiterführung soll es um die Gestaltung des eigenen Führungs- verhaltens gehen und darum, welche Art von Chef man ist oder sein möchte. Nicht zuletzt geht es auch um die eigene Zufriedenheit und Gesundheit als Unternehmer, wenn man sich Gedanken über seinen Führungsstil macht.

Gerade für den Bereich Führung gilt der Grundsatz, dass man andere Menschen kaum ändern kann. Der einzige, den man ändern kann, ist man selbst. Wobei die Folge oft ist, dass sich dann auch das Verhalten der anderen ändert. Hier einige Grundüberlegungen:

  • 1. Nehmen Sie sich Zeit für Ihre Personalführungsaufgaben. Wenn Sie Ihr Unternehmen entwickeln evtl. auch vergrößern wollen, braucht der Bereich der Führung Raum, damit Sie sich um die Mitarbeiter kümmern können. Dies ist ein ebenso wichtiger Tätigkeitsbereich eines Chefs wie die anderen auch. Je größer Ihr Betrieb ist, desto mehr Zeit sollten Sie reservieren, um sich um Ihre Führungsaufgabe kümmern zu können. Mitarbeiter, die spüren, dass Ihr Chef sich um sie kümmert und sie wahrnimmt, arbeiten normalerweise besser und werden weniger krank.
  • 2. Setzen Sie sich mit Ihren Zielen auseinander: Was wollen Sie eigentlich für sich und Ihr Leben erreichen? Welche Rolle soll Ihr Betrieb darin spielen? Wenn Sie Wert darauf legen, auch Privatleben und Hobbies zu haben, lohnt es sich, in den Bereich Vertrauen zu investieren, damit Sie Mitarbeiter haben, die selbstständig und eigenverantwortlich handeln (wollen), so dass Sie mit einem guten Gefühl Aufgaben abgeben können.
  • 3. Fragen Sie sich einmal, wie Sie über Menschen denken. Denken Sie eher, Menschen sind von Natur aus unzuverlässig? Oder glauben Sie, Menschen trachten nur nach dem eigenen Vorteil und nehmen dafür eine Schädigung anderer in Kauf? Welche Überzeugungen über Menschen und Mitarbeiter tragen Sie (vielleicht bisher unbemerkt) mit sich, welche haben Sie vererbt bekommen, welche werden von Ihren Freunden oder Kollegen bestätigt? Oft ist es nämlich so, dass wir das, was wir erwarten, auch bekommen (wir suchen im Übrigen dann auch Beweise vor allem dafür und blenden vieles andere aus). Dies kann sogar soweit gehen, dass wir Mitarbeiter (natürlich unbewusst) so aussuchen, dass diese Überzeugungen bestätigt werden. Insofern verdient diese Fragestellung viel Aufmerksamkeit.
  • 4. Überprüfen Sie Ihr Führungsverhalten. Stimmt das Bild, das Sie von einem Chef haben, mit dem eigenen Verhalten überein: Predige ich Vertrauen, traue selbst aber den Mitarbeitern nicht und kontrolliere eng? Erwarte ich Zuverlässigkeit, setze aber selbst nicht um, was ich ankündige? Möchte ich gern ein „starker“ Chef sein, gebe aber häufig nach oder vermeide es, Konflikte anzusprechen? Sage ich über mich selbst, ich sei tolerant und eigentlich ein freundlicher Mensch, fahre aber bei vielen Gelegenheiten aus der Haut? Möchte ich eher Distanz zu den Mitarbeitern oder ein enges Verhältnis? Manchmal ist es auch nützlich, jemand anderen das eigene Führungsverhalten überprüfen zu lassen – wie wir uns selbst sehen, stimmt nicht immer damit überein, wie andere uns sehen; und aus diesem Mißverhältnis entstehen oft Führungsprobleme. Wenn Sie als Chef kongruent und stimmig erlebt werden, wenn also Ihr Verhalten als mit Ihren Worten übereinstimmend erscheint, werden viele Führungsprobleme gar nicht erst entstehen.
  • 5. Sind Sie bereit, Ihren Betrieb, Ihre Maßnahmen und Ihre Ziele auch einmal aus der Perspektive der Mitarbeiter zu betrachten? Wissen Sie wirklich, was Ihre Mitarbeiter treibt, welche Ziele (und zwar positiv formulierte) sie für sich, ihren Beruf und ihr Leben verfolgen? Und haben auch diese Interessen Platz bzw. kennen Sie sie überhaupt? Eigentlich steckt hinter dieser Frage eine andere: Wie interessiert an Ihren Mitarbeitern werden Sie als Chef eigentlich erlebt? Auch daran entscheidet sich, wie einsatzfreudig Mitarbeiter sind und damit auch, wie gut es Ihnen als Chef geht. Und hier geht es nicht darum, Ihre eigenen Interessen zurückzustellen, sondern auch den anderen Platz zu geben.
  • 6. Daran schließt sich eine weitere Überlegung an: Erledigen Sie die interessantesten und herausforderndsten Arbeiten eher selbst (weil es eh’ niemand sonst so gut macht) oder überlassen Sie diese auch gern einmal Mitarbeitern? Mitarbeiter, denen nichts zugetraut wird, verlieren irgendwann auch das Zutrauen in sich selbst, was für eine motivierte und qualitativ hochwertige Arbeit richtig schädlich ist.
Immer ein kritisches Auge
Vielleicht ist es hilfreich, das Unternehmen als einen lebendigen Organismus zu betrachten: Nur wenn alle Teile gesund sind und gepflegt bzw. trainiert werden, kann es sich gut und stabil entwickeln. Für Sie als Chef und Unternehmer kann es hilfreich sein, hin und wieder mal einen Blick von außen auf das Unternehmen zu werfen und zu fragen, ob alle Teile in Ordnung sind und gut zusammenspielen können. Es kommt nicht darauf an, immer alles richtig zu machen, sondern Schlüsse zu ziehen, wenn etwas nicht so läuft, wie es soll. Insofern kann es vielleicht eine Schlüsselqualifikation für Mitarbeiterführung sein, sich selbst auch mal mit einem kritischen Auge zu betrachten oder sich zu fragen, ob man sich selbst eigentlich als Chef haben möchte.

Die BM-Serie im Überblick:

Teil 1: Über die Bedeutung von Vor- und Nachbesprechung

Teil 2: Eindeutige Aussagen und aktives Zuhören fördern das Verständnis füreinander

Teil 3: Zeit, die in Fragen und Zuhören investiert wird, zahlt sich aus

Teil 4: Hinweise für ein wirkungsvolles Feedback

Teil 5: Mitarbeitergespräche für die Betriebsentwicklung nutzen

Teil 6: Stellen Sie sich auf Ihre Mitarbeiter ein, gestalten Sie Ihr Führungsverhalten variabel

Teil 7: Was für ein Chef will ich sein?

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