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Mentale Stärke

Mit positiver Stimmung eigene Potenziale aktivieren
Mentale Stärke

Erfolg ist auch eine Frage der Stimmung: Wenn wir gut drauf sind, bleiben wir bei Herausforderungen gelassen, denn wir erleben uns als kraftvoll, ideenreich und flexibel. Kippt die Stimmung, sind diese Potenziale wie abgeschnitten. Welche Methoden gibt es, um aus einem Stimmungstief herauszukommen?

Andrea Eigel

Das kennt wohl jeder: Wir haben uns etwas vorgenommen und malen uns den Erfolg bereits in den schönsten Farben aus. Doch in der Praxis bekommen wir es – aus welchen Gründen auch immer – einfach nicht hin. Das schlägt auf die Stimmung. Wir wissen genau, was wir jetzt tun sollten: analysieren, was schiefgelaufen ist, daraus lernen, unsere Strategie entsprechend anpassen, den Misserfolg abhaken und – unser Ziel fest im Auge – selbstbewusst weitermachen. Das funktioniert aber leider nicht immer. Besonders wenn weitere berufliche oder private Herausforderungen und Probleme dazukommen, kann uns eine Niederlage in ein echtes Stimmungstief katapultieren. Wie gelingt es, da möglichst schnell wieder herauszukommen? Und warum ist das wichtig?

Handlungsfähig oder nicht

Unsere Stimmung hat starke Auswirkungen auf unsere Handlungsfähigkeit. Sind wir positiv gestimmt, fühlen wir uns kraftvoll und motiviert, sind kreativ, begeisterungsfähig, einnehmend und sogar weitgehend stressresistent. Sprich: Wir können auf unser volles Potenzial zugreifen. Ist unsere Stimmung dagegen am Boden, leiden unser Energieniveau, unsere Ausstrahlung, unsere Überzeugungskraft und unsere Gesundheit. Ein einengender Tunnelblick beschränkt uns auf bekannte Lösungen.

Besonders für Chefs und Leitungskräfte, deren Aufgabe es ist, ein Team mitzunehmen und ihren Betrieb erfolgreich zu führen, ist es daher ratsam, sich zügig zu befreien, wenn die Schlechte-Stimmungs-Falle zugeschnappt ist. Dafür gibt es drei Hebel: unsere Gedanken, die Teamkultur im Unternehmen sowie die Menschen, mit denen wir uns umgeben.

Gedanken: Wir fühlen, was wir denken

Nachweislich denken Menschen viel über negative Aspekte in ihrem Leben und ihrem Umfeld nach. 90 % ihrer Zeit grübeln sie darüber, welche Pannen es in der Vergangenheit gab oder welche Katastrophen sich morgen ereignen könnten. Diese Fokussierung auf Negativthemen hat evolutionäre Gründe: Lange Zeit war es überlebenswichtig für Menschen, möglichst viel über Gefahren zu lernen und entsprechende Situationen rechtzeitig zu erkennen. Doch das hat sich geändert. Heute brauchen wir andere Fähigkeiten, um gut durchs Leben zu kommen.

Gedanken prägen unsere Wahrnehmung

Wissenschaftler haben herausgefunden, wie sich die Fixierung auf ein bestimmtes Thema auf unsere Wahrnehmung auswirkt. Wer etwas in den Blick nimmt, sieht viele Aspekte, die damit zu tun haben. Wer zum Beispiel plant, ein bestimmtes Auto zu kaufen, dem fällt genau dieses Modell plötzlich viel häufiger im Straßenverkehr auf. Sprich: Was uns tagtäglich durch den Kopf geht, prägt unser Wahrnehmungsmuster. Wer sich also stark mit den Negativaspekten in seinem Leben befasst, wird immer mehr davon entdecken.

Fokussieren Sie sich auf das, was gut läuft

Dann ist es vielleicht an der Zeit, den Blickwinkel zu verändern und verstärkt Positives wahrzunehmen. Fokussieren Sie sich auf die Dinge, die gut sind. Das können ganz kleine Sachen sein: ein schöner Sonnenaufgang, ein gutes Gespräch mit einem Kunden, die leckere Tasse Kaffee in einer ruhigen Pause … Wichtig ist, dass Sie sich diese schönen Momente wirklich bewusst machen.

So funktioniert es auch mit Erinnerungen: Wer schlechter Stimmung ist, kann sich hinsetzen und sich klarmachen, was er bereits alles im Leben geleistet hat und worauf er stolz sein kann. Es nicht nur zu denken, sondern auch aufzuschreiben, kann den Effekt noch verstärken. Das mag sich einfach anhören. In mancher Gemütslage kann das jedoch eine echte Herausforderung sein und dann einen wichtigen Impuls für einen Perspektivwechsel geben.

Eine Routine entwickeln

Andere Menschen machen in solchen Situationen gute Erfahrungen damit, abends den Tag mit allen seinen positiven Aspekten Revue passieren zu lassen. Manchen führen sogar ein sogenanntes Erfolgstagebuch, in das sie jeden Abend notieren, was sie am jeweiligen Tag geleistet haben, was schön war und was gut gelungen ist.

An einem sogenannten Visionboard, einer Zielcollage mit Bildern, lassen sich Zukunftswünsche bildlich darstellen. Dabei ist es wichtig, solche Themen auszuwählen, die mit persönlicher Bedeutung aufgeladen und mit Emotionen verknüpft sind.

Wer eine oder mehrere dieser Maßnahmen für einige Zeit ausprobiert, wird merken, dass sich sein Fokus ändert, positive Dinge in den Blick treten und sich die Stimmung aufhellt.

Schlechte Stimmung im Team?

In manchen Unternehmen prägt die Moll-Stimmung die Betriebskultur und den Umgang miteinander. Wenn die Beschäftigten abends aus der Werkstatt oder von der Montage kommen und darüber berichten, wie der Tag war, fokussieren sie sich zum Beispiel oft vor allem auf die Dinge, die schlecht liefen und über die sie sich geärgert haben. Die Negativberichte schrauben sich dann immer weiter hoch und Teammitglieder schieben sich gegenseitig für Pannen die Schuld in die Schuhe. Lösungsorientiert ist dieses Vorgehen nicht, zudem kostet es viel Energie.

Mein Tipp für solche Situationen: Chefs können mit ihren Teams darüber sprechen, wie eine Fixierung auf Negativaspekte die Wahrnehmung verändert und gemeinsam beschließen, ihren Fokus zu verändern. Künftig gehört es dann zu einer Besprechung immer dazu, auch darüber zu berichten, was gut geklappt hat, über erfolgreich abgeschlossene Projekte zu reden, über Lob vom Kunden oder über nette Gesten, die Freude bereiteten.

Natürlich sollen Teams auch darüber sprechen, was nicht gut gelaufen ist. Sie tun dabei allerdings gut daran, auf die Warum-Frage zu verzichten. Sie produziert einen Rechtfertigungsdruck und lässt die Emotionen hochkochen. Zur Lösungsfindung trägt das jedoch nicht bei. Stattdessen könnte das Team vereinbaren, künftig in solchen Fällen das Problem sachlich zu beschreiben und dann Lösungsoptionen zu entwickeln. „Was können wir tun, damit es das nächste Mal besser klappt?“ sollte die Leitfrage lauten (siehe auch Tipp auf Seite 42).

Entdecken Sie Inspirationsquellen

Wie wohl und energiegeladen wir uns fühlen, hängt auch damit zusammen, mit welchen Menschen wir uns umgeben. Ich formuliere es gerne so: „Zeige mir die fünf Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst, und ich sage dir, wie deine Zukunft aussieht.“ Wer von Personen umgeben ist, die überall zunächst nur Schwierigkeiten und Probleme wahrnehmen, wird diese Sichtweise unweigerlich irgendwann teilen. Überlegen Sie, welche Menschen in Ihrem privaten und beruflichen Umfeld Sie inspirieren. Wer nimmt eine positive, lösungsorientierte Haltung ein und tut Ihnen gut? Verbringen Sie mehr Zeit mit solchen Personen. Bei ihnen können Sie regelrecht auftanken.

Eine wichtige Quelle für gute Stimmung ist der Spaß bei der Arbeit. Oft sind es bestimmte Aufträge und Kundentypen, mit denen die Chemie stimmt, die für besondere Freude im Team (und eine gute Rendite) sorgen. Wer analysiert hat, welches diese „guten“ Aufträge sind, kann seinen Betrieb so ausrichten, dass es ihm gelingt, diese Kunden gezielt anzusprechen und vermehrt zu gewinnen.

Herausforderungen bewältigen

Eines ist bei diesem Thema wichtig: Es geht nicht darum, Probleme und Herausforderungen kleinzureden. Ganz im Gegenteil: Die Anforderungen an Führungskräfte im Handwerk nehmen stetig zu. Wer heute geschäftlich erfolgreich sein möchte, benötigt in aller Regel mehr als fachliche Kompetenz. Mentale Stärke ist mindestens ebenso wichtig, um auch noch in schwierigen Zeiten die vielfältigen, auch sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen meistern zu können, die mit der Führung eines Handwerksbetriebs einhergehen. Ich freue mich daher, wenn ich als Coach Menschen dabei unterstützen kann, ihre Potenziale zu nutzen, ihre Kreativität und Innovationskraft zu mobilisieren und Antworten auf die Fragen zu finden, vor die das Unternehmerdasein sie stellt.


Die Autorin

Andrea Eigel ist Beraterin, Trainerin und Rednerin im Handwerk. Sie arbeitet für Handwerksbetriebe, Organisationen des Handwerks und die handwerkszuliefernde Industrie.

www.andreaeigel.de


Wer viel meckert, möchte manchmal Aufmerksamkeit oder sucht Gemeinschaft mit anderen. Hier hilft es, das Gespräch zu suchen.
Foto: Adobe Stock, Annibell82

Bessere Stimmung im Team

Was tun mit Schwarzsehern, Meckerern und Muffeln?

Manch einer hat notorische Nörgler im Team. Mit dauerndem Gemecker ziehen sie die Stimmung herunter und stecken andere mit ihrer negativen Haltung an. Was tun?

Wer meckert, will damit – oft eher unbewusst – etwas bewirken. Er erzielt drei Effekte:

1. Nach dem Motto „Only bad news are good news“ ist den Katastrophenberichterstattern die volle Aufmerksamkeit des Publikums sicher.

2. Wer sich lautstark über Rahmenbedingungen, Vorgesetzte und Kollegen beklagt, stilisiert sich damit oft als Opfer der Umstände und möchte so sicherstellen, dass er selbst für eventuelle Misserfolge nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann.

3. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass sich durch gemeinsames Motzen im Team eine eingeschworene Meckergemeinschaft aufbauen lässt. Das ist einer der Gründe, warum andere oft gerne darauf einsteigen.

Das Gespräch suchen und gegensteuern

Chefs rate ich in einer solchen Situation zumeist dazu, das direkte Gespräch zu suchen und der betreffenden Person mitzuteilen, wie ihr Verhalten auf andere wirkt. Das ist ihr nämlich im Normalfall überhaupt nicht bewusst. Außerdem sollten Vorgesetzte das Gespräch nutzen, um zu klären, welche Themen eventuell hinter der Meckerei stehen. So könnten zum Beispiel private Probleme, ein Gefühl der Überforderung oder die Meinung, mit seiner Leistung nicht richtig gesehen zu werden, Auslöser für die negative Sichtweise sein.

Was kann in dieser Situation helfen? Den Beschäftigten entlastet oft bereits die Möglichkeit, im Betrieb über seine privaten Herausforderungen zu sprechen. Der Chef kann außerdem überlegen, wie der Betroffene im Arbeitsalltag unterstützt werden könnte. Auch die im Hauptbeitrag beschriebenen Maßnahmen für einen Perspektivwechsel können dazu beitragen, dass der Beschäftigte im Betrieb wieder eine positive Sichtweise gewinnt.

Raus aus der Gewohnheit

Es ist allerdings auch möglich, dass sich jemand sein Mecker-Verhalten bereits vor langer Zeit angewöhnt hat, weil es sich damals als nützlich erwies. Wem Schwarzseherei damit quasi zur zweiten Natur geworden ist, für den ist es eine immense Herausforderung, seine Perspektive zu verändern. Von heute auf morgen wird das nicht gelingen. Die Erwartungshaltung sollte daher realistisch bleiben. Auch kleine Schritte im Veränderungsprozess sind Erfolge, die Sie würdigen sollten. Auf diese Weise lohnt sich der Umstieg für den Mitarbeiter emotional, und er bleibt eher am Ball.

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