WWF-Experte Johannes Zahnen zur Umsetzung der EUTR in der Praxis

»Nur der erste Schritt«

Johannes_Zahnen
Johannes Zahnen ist Tischler und Umweltingenieur und seit 2003 beim WWF Deutschland zuständig für die Themen Holz und Papier. Foto: Daniel Seiffert / WWF
Dass die seit sechs Jahren geltende Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR) eine Chance ist, den illegalen Holzeinschlag und -handel zu bekämpfen, bestreitet Johannes Zahnen vom WWF nicht. Doch dazu gehöre auch, dass die zahlreichen Schlupflöcher geschlossen werden und die Strafen schmerzhaft sein müssen.

BM: Herr Zahnen, im vergangenen Jahr wurde öffentlich, dass die Gorch Forck mit illegalem Tropenholz restauriert wurde …

Johannes Zahnen: Ja, der WWF und Report Mainz haben aufgedeckt, dass das Segelschulschiff der Bundeswehr mit verbotenem Teak aus Myanmar restauriert worden ist. Es handelt sich um mehrere Tonnen Holz, das 2017 eingeführt wurde. Der Import verstieß offensichtlich gegen die Beschaffungsrichtlinien der Bundesregierung und gegen die EUTR.

BM: Was ist da schief gelaufen?

Johannes Zahnen: Im Fall der Gorch Fock haben gleich zwei staatliche Behörden versagt. Sowohl die für Importkontrollen zuständige Bundesanstalt für Landwirtschaft als auch die verantwortliche Beschaffungsstelle der Bundeswehr sind entweder überfordert oder scheren sich nicht um geltendes Recht. In Myanmar werden die letzten Tropenwälder von einem kriminellen Regime geplündert und deutsche Behörden drücken beide Augen zu.

BM: War das eine Ausnahme?

Johannes Zahnen: Der WWF kritisiert seit Jahren das laxe Vorgehen staatlicher Stellen, wenn es um die Kontrolle von Holzimporten geht. Wir führen regelmäßig Marktrecherchen zu illegal nach Deutschland importierten Holz- und Papierprodukten durch, um auf die Missstände hinzuweisen.

BM: Was muss sich ändern?

Johannes Zahnen: Zunächst einmal muss der von der EU vorgegebene Rahmen ausgeschöpft und in allen EU-Mitgliedsländern engagiert umgesetzt werden. Doch die praktische Umsetzung macht uns auch in Deutschland Sorgen. Importeure, die durch Import von illegalem Holz auffallen, werden erst dann strafrechtlich belangt, wenn sie entweder „vorsätzlich“ handeln und es dabei auf „groben Eigennutz“ abgesehen haben oder wenn sie „vorsätzlich“ gehandelt haben und diese Handlung „beharrlich wiederholen“. Auch ist das Strafmaß gerade bei teuren Hölzern, für die pro Kubikmeter mehrere tausend Euro bezahlt werden, viel zu gering, um tatsächlich abschreckend zu wirken.

Darüber hinaus werden eine ganze Reihe wichtiger Produktgruppen, wie beispielsweise Stühle, Musikinstrumente, Werkzeuge, bedrucktes Papier, Grillkohle oder Spielzeug, von der EUTR gar nicht erfasst.

Zudem sind Holzimporteure und -händler nicht verpflichtet, die Holzart und Holzherkunft öffentlich zu deklarieren. Das ist somit nicht öffentlich nachvollziehbar und für den Verbraucher intransparent.

BM: Und was ist das Ziel?

Johannes Zahnen: Letztendlich geht es ja bei der EUTR nur um die Legalität von Holz. Nachhaltig aber ist das Holz oft nicht. Die Umwandlung von Wald in andere Nutzungsformen ist in vielen Ländern durchaus legal, obwohl dies klar gegen eine nachhaltige Nutzung der Wälder spricht.

Wir sehen ganz deutlich, dass die EU-Holzhandelsverordnung lediglich der erste Schritt bzw. ein Instrument sein kann. Das Engagement für nachhaltige Waldbewirtschaftung darf durch die zweifelsohne wichtige Arbeit gegen illegales Holz nicht aus dem Auge verloren werden. Hier bedarf es weiterer Schritte, um den Raubbau an den Wäldern zu stoppen.

Das Interview führte BM-Redakteurin Regina Adamczak.

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