Alternativen zur klassischen Kreditfinanzierung

Was tun, wenn die Bank kein Geld gibt?

Zwar wird der Bankkredit weiterhin eine wichtige Rolle spielen, aber die Qualität der Finanzierungsalternativen nimmt zu. Viele Anbieter haben inzwischen auch den kleinen und mittleren Betrieb als Kunden entdeckt (KfW-Bildarchiv)
Für Kleinbetriebe wird es immer schwieriger an Kredite zu kommen – Alternativen sind gefragt. Was schon immer für kleine und mittlere Betriebe ein Problem darstellte, ist durch die Wirtschaftskrise noch problematischer geworden: Ein Kredit von der Hausbank wird immer öfter zum „Luxusgut“. Insbesondere bei Erweiterungen von Betrieben und bei der Beschaffung von Betriebsmitteln ist deshalb die Kreativität des Unternehmensinhabers gefordert.

Inzwischen gibt es tatsächlich interessante Alternativen zum klassischen Bankkredit, die diesen zwar nicht ganz ersetzen, aber dennoch ergänzen können. Geschickt eingesetzt, schonen diese Finanzierungsmittel die Sicherheiten und sichern gleichzeitig das Fortbestehen von Betrieben.

Viele Unternehmensinhaber kennen die Problematik: Selbst wenn die betrieblichen Zahlen einen Kredit bei der Bank erlauben würden, reichen oft die Sicherheiten nicht aus. Dieses Problem hat sich in den letzten Monaten nochmals deutlich verschärft, da die Banken bei dem Verkauf von Sicherheiten insolventer Betriebe in der Wirtschaftskrise teilweise deutlich weniger erzielen konnten, als sie ursprünglich kalkuliert hatten. Die Folge ist eine nochmalige deutliche Korrektur der Sicherheitenwerte nach unten. So setzt ein Kreditinstitut eine Breitbandschleifmaschine beispielsweise kaum mit mehr als 40 Prozent ihres Anschaffungspreises an.
Häufig werden in diesen Fällen alternative Finanzierungsmittel ins Spiel gebracht, die Betrieben helfen können. Doch vermeintliche Geldquellen wie „ABS“ (asset backed securities), Beteiligungsangebote und vieles mehr kommen für kleine und mittlere Betriebe so gut wie nie in Frage. Die Ernüchterung kommt hier spätestens bei den Volumen, die mindestens finanziert werden müssen oder bei den Renditeerwartungen (eine Beteiligungsgesellschaft erwartet in der Regel mindestens eine Verzinsung ihres Geldes von 12 Prozent).
Wirkungsvolle Alternativen zum Bankkredit
Dennoch gibt es wirkliche Ausweichwege für Betriebe, die nach Alternativen zum Bankkredit suchen. Eine altbekannte Möglichkeit ist Leasing. Die Miete von Gegenständen kann heute in fast allen Bereichen eingesetzt werden, bis hin zur Bettwäsche in einem Hotel, die geleast werden kann. Sinn macht Leasing vor allem bei schnell veraltenden Wirtschaftsgütern, wie beispielsweise der EDV oder einer Telefonanlage. Sinn macht Leasing darüber hinaus auch, weil als Sicherheit in der Regel das geleaste Wirtschaftsgut und eine Anzahlung zwischen 10 und 20 Prozent ausreichen und damit keine weiteren Absicherungen – beispielsweise aus dem Privatvermögen – nötig sind. Doch Vorsicht! Ob ein Leasingvertrag billig oder teuer ist, hängt von verschiedenen Kriterien, namentlich der Anzahlung, des Restwertes und der Leasingrate in Kombination ab. Die Leasingrate oder der Leasingfaktor allein sagen nichts darüber aus, ob ein Leasingvertrag wirklich günstig ist.
Eine weitere Möglichkeit, insbesondere zur Liquiditätsbeschaffung, ist Factoring. Was bis vor drei, vier Jahren nur ab Umsatzgrößen von fünf Millionen Euro möglich war, ist heute bereits für Betriebe ab 100.000 Euro Umsatz möglich. Factoring bedeutet den Verkauf aller Forderungen eines Betriebes, der im Gegenzug unmittelbar nach der Rechnungsstellung den Rechnungsbetrag auf seinem Konto gutgeschrieben bekommt. Je nach Anbieter werden hier allerdings Abschläge vorgenommen. In günstigen Fällen liegt die gesamte Gebühr für Factoring bei rund vier Prozent des Umsatzes. Dafür erhält der Betrieb sofortige Liquidität, sichert sich gegen Forderungsausfälle ab (bei Insolvenz des Kunden muss nichts rückvergütet werden), kann Neukunden in der Regel kostenfrei auf Bonität überprüfen lassen und spart sämtliche Aufwendungen für das betriebliche Mahnwesen. Dazu spart man sich teure Kontokorrentzinsen und schont die Betriebsmittellinien bei der Bank. Beim verdeckten Factoring wird dem Kunden auch erst bei der ersten Mahnung offen gelegt, dass die Forderung abgetreten ist, so dass im Normalfall Kunden gar nichts davon erfahren. Aber auch hier gilt es, das Gesamtpaket der Konditionen zu betrachten.
Für Betriebe, die Gewährleistungsbürgschaften stellen müssen, bieten Kautionsversicherungen eine gute Alternative. Bürgschaften, die durch die Hausbank ausgestellt werden, belasten in voller Höhe den Kreditrahmen (und „kosten“ damit Sicherheiten). Zudem stellt die Bearbeitung einer Bürgschaft, die oftmals nur über kleinere Beträge ausgestellt wird, für eine Bank einen hohen Aufwand dar, der dem Kunden über Bearbeitungsgebühren in Rechnung gestellt wird. Bei Bürgschaften über Kautionsversicherungen sind die laufenden Zinsen für die Bürgschaft in aller Regel deutlich billiger, die Erstellung einer Bürgschaft geschieht schnell und unbürokratisch (normalerweise werden Bürgschaften mit einem Faxformular angefordert) und diese „kosten“ nur etwa 10 bis 15 Prozent des bereit gestellten Bürgschaftsrahmens als Sicherheit, während bei der Hausbank normalerweise die gesamte Bürgschaftshöhe zu besichern ist.
Öffentliche Fördermittel nutzen
Öffentliche Kredite, beispielsweise der KfW oder der Länderförderinstitute sind zwar über die Hausbank zu beantragen, jedoch bieten diese häufig so genannte Haftungsfreistellungen, also Klauseln, nach denen bei einer Pleite des Kreditnehmers die Bank nicht den vollen Kreditbetrag an das Förderinstitut zurückzahlen muss. Somit können auch hier Sicherheiten geschont werden, zumal die Haftungsfreistellung oft bis zu 80 Prozent der Kreditsumme geht. Allerdings muss der Kreditnehmer für den vollen Kreditbetrag haften, es erleichtert aber den Zugang zu Geld, vor allem wenn Sicherheiten fehlen. Meistens sind diese Förderkredite auch mit kostenfreien Sondertilgungsmöglichkeiten und attraktiven Zinsen sowie tilgungsfreien Anlaufjahren ausgestattet, so dass man bei einer Finanzierungsberatung praktisch nicht daran vorbei kann. Zu haben sind Förderkredite für neue Investitionen und Betriebsmittel, in der Regel aber nicht für die Umschuldung von Bankkrediten.
Dies waren nur vier Beispiele aus einer Fülle von Alternativen, die in der Praxis tatsächlich helfen können, Betriebe zu finanzieren. Der Bankkredit wird trotzdem weiterhin eine sehr wichtige Rolle spielen und auch nicht vollständig zu ersetzen sein, aber die Qualität der Alternativen nimmt zu. Viele Anbieter haben inzwischen auch den kleinen und mittleren Betrieb als Kunden entdeckt und bieten hier interessante Angebote an, was am Beispiel des Factoring verfolgt werden kann.
Nicht alleine den Zinssatz betrachten
Abschließend ist zu sagen, dass Unternehmer heute nicht alleine auf die monatliche Rate oder den Zinssatz schauen dürfen, sondern das Gesamtpaket einer Finanzierung betrachten müssen. Dieses besteht aus dem Zins, der monatlichen Rate, der Anzahlung und nicht zuletzt aus der Belastung der Sicherheiten, die inzwischen eines der teuersten Güter des Unternehmers geworden sind. Neutrale Hilfe bei der Auswahl der richtigen Finanzierungsmittel bieten die kaufmännischen Berater der Handwerkskammern und Fachverbände, die die Klaviatur der Fördermittel beherrschen und Betriebsinhabern Vor- und Nachteile einzelner Angebote darlegen können. ■

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