Erkennen Sie wiederkehrende Tätigkeiten und schaffen Sie Standards. „Bei uns ist jedes Teil ein Unikat“ - BM online

Erkennen Sie wiederkehrende Tätigkeiten und schaffen Sie Standards

„Bei uns ist jedes Teil ein Unikat“

Um eine dauerhafte Ordnung in die Werkstatt zu bekommen und die Abläufe im Betrieb zu optimieren, müssen Standards und eine Struktur geschaffen werden. Das ist nicht einfach. Und oft hört man als Argument: „Bei uns ist jedes Teil ein Unikat – da kann man nichts standardisieren!“ Dass dieses „Hindernis“ eine Chance sein kann, erläutert Martin Buck in folgendem Beitrag.

Die individuelle Lösung ist das Alleinstellungsmerkmal des Handwerks – und ganz besonders des Tischlerhandwerks – das gilt für den schönen Esstisch genauso wie für den extravaganten Messestand. Auf diese Tatsache ist das Tischlerhandwerk stolz. Gleichzeitig sind individuelle Lösungen aber auch eine Belastung: „Immer ist jedes Teil anders …“

Doch genau darauf gilt es sich einzustellen. „Ich strukturiere mich so, dass ich immer gleich professionell mit ständig unterschiedlichen Anforderungen umgehen kann.“ Das könnte das Motto sein. Es hört sich allerdings einfacher an als es ist. Dennoch: Trotz der sehr unterschiedlichen Produkte sind doch viele Tätigkeiten immer wiederkehrend – und genau hier kann man standardisieren:
  • Sie verwenden immer wiederkehrende Werkstoffe.
  • Sie benutzen immer Säge, Kantenanleim- und CNC-Maschine oder Kreissäge, Hobelmaschine, Fräse, …
  • Sie transportieren immer alle Werkstücke zwischen den Arbeitsschritten durch den Betrieb.
  • Sie montieren immer Beschläge.
  • Sie brauchen immer bestimmte Schrauben.
  • Sie brauchen immer Kanten oder Lacke.
  • Sie verwenden an der Säge immer Sägeblätter.
  • Sie rufen immer den gleichen Händler an.
  • Sie warten immer auf Lieferungen.
  • Sie suchen immer Lieferungen, die irgendwo abgelegt wurden.
  • Ihre Mitarbeiter haben immer eine ähnliche Frage an den Meister.
Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Alle regelmäßig auftretenden Tätigkeiten kann man standardisieren, wenn man eine klare, in jeder Hinsicht eindeutige Struktur geschaffen hat. ▶-
Zunächst muss man im Betrieb eine Grundstruktur erkennen: Welche Arbeitsschritte kommen aufgrund der Produktpalette ständig vor? Wie folgen sie aufgrund der Maschinenausstattung aufeinander? Was wird an welcher Stelle wofür benötigt? Wie häufig wird man mit welcher Situation konfrontiert?
Standards erkennen, Flexibilität erhalten
„Strukturieren“ hört sich zunächst einfach an, ist im Detail aber oft sehr komplex. Denn auch in immer gleichen Schritten tauchen Variationen auf, z. B. durch Häufigkeit, Werkstückgröße, Anzahl, Arbeitsfolge, … Trotzdem bleibt das Ziel, eine Standardisierung mit möglichst hoher Flexibilität zu erreichen. Es gilt herauszufinden, welcher Teil einer Tätigkeit immer wiederkehrend ist und wo die Variationen liegen.
Standardisieren heißt, man legt eindeutig fest, wann welcher Vorgang wie ausgeführt wird. Man muss also klar entscheiden, wie eine bestimmte Tätigkeit immer ausgeführt werden soll. Wenn die Lösung für jeden sofort erkennbar ist und automatisch richtig ausgeführt wird, hat man das Potenzial der Standardisierung voll ausgeschöpft (siehe Tipp).
Wichtig ist es, sich immer bewusst zu sein, dass man niemals alle Situationen mit einer „Standardisierung“ erfassen kann. Anzustreben ist eine 80-Prozent-Lösung. Wenn ich für ca. 80 Prozent der Arbeitssituationen einen ständig wiederkehrenden Ablauf habe, sollte man ihn standardisieren.
Dazu muss man beispielsweise die Frequenz der Tätigkeit hinterfragen: Heißt „Wir nutzen den Langbandschleifer selten …“ – einmal pro Woche eine Stunde oder zweimal im Jahr für eine viertel Stunde? Zudem lässt sich die Frequenz der Nutzung von Kleinteilen hinterfragen: Standard ist meist das 100°-Topfband gekröpft für die 19 mm-Tür und nicht das 270°-Topfband für Stollen mit 28 mm-Tür.
Produkte analysieren, Abläufe planen
Am Anfang steht die Frage „Welche Produkte werden gefertigt?“ Werden spezialisiert nur Treppen gefertigt oder zusätzlich auch Plattenmöbel? Oder produziert der Betrieb neben komplexen Einzelmöbeln auch Kleinserien (siehe Tipp)? Ein Standard lässt sich beispielsweise setzen, indem die Maschinen gemäß der Folge der Arbeitsschritte aufgestellt werden. Variabel sind die Größe und die Anzahl der Werkstücke. Als logische Konsequenz benötigt man jetzt Transportmittel, die zwischen den Arbeitsschritten möglichst vielseitig die Werkstücke aufnehmen. Produktionsspitzen kann man mit einer ausreichend großen Menge an Transportwagen auffangen. Es muss nicht sofort eine zweite Plattensäge angeschafft werden. Die Transportwagen müssen so kons-truiert sein, dass man die Masse der Werkstücke schnell effektiv abfließen lassen kann. Dennoch müssen sie sich an der nächsten Bearbeitungsstation in anderer Reihenfolge schnell entnehmen lassen (siehe Tipp).
Auftragsspitzen auffangen, mehr Spielraum schaffen
Häufig ist es so, dass gerade bei vollen Auftragsbüchern zwar viel gearbeitet aber nicht unbedingt viel Geld verdient wird, weil die Produktivität pro Zeiteinheit durch ständige Behinderung sinkt. Standardisieren heißt auch, sich gut auf Schwankungen der Auftragslage einstellen zu können – denn auch Schwankungen sind „Standard“. Wenn sehr viel zu tun ist und die einzelnen Arbeitsschritte nicht synchron hintereinander durchgeführt werden können, müssen beispielsweise Pufferflächen geschaffen werden, in denen man Werkstücke „parkt“. Die Werkstücke stehen in einer fest definierten Zone und behindern in dieser Zeit nicht den übrigen Produktionsfluss.
Wer standardisiert, erhält mehr Spielraum für alles Individuelle. Wenn man z. B. schnell sägen, hobeln und transportieren kann und die Anlaufringe mit einem Handgriff montiert sind, ist Bogenfräsen gar nicht so teuer. Wirklich teuer sind dagegen Fehler, die man ständig und bei jedem Werkstück mehrmals macht. So ist es zum Beispiel fragwürdig, für den innerbetrieblichen Transport nur Bretter mit Rollen oder Paletten zu verwenden. Auch sollte das Werkstück nicht an jeder Maschine von 20 auf 85 cm Bearbeitungshöhe gehoben und dann wieder auf 20 cm abgelegt werden. Das kostet unnötig Kraft und damit Zeit und damit Geld.
Standard und Strukturen lassen sich nicht von heute auf morgen schaffen, aber es lohnt sich, anzufangen. Am besten sofort. ■

Transportmittel bewusst auswählen und effektiv einsetzen

Tipp: Arbeitsabläufe standardisieren

Um Arbeitsabläufe besser zu strukturieren, setzt man bei den Transportmitteln an: Idealerweise gibt es ein oder zwei Typen von Transportmitteln, die vielseitig für verschiedene Transportsituationen einsetzbar sind. Ich hole einen leeren Standardwagen, der an einen standardisierten Parkplatz für leere Wagen steht – ich muss nicht erst überlegen, welchen Wagentyp ich am besten nutze, ihn suchen, um dann doch einen anderen Wagentyp zu verwenden, weil der passende gerade belegt ist. Ich kann meine verschiedenen Werkstücke sofort in einzelne Fächer legen und an jeder Maschine nach Bedarf entnehmen und wieder ablegen – ich muss nicht mehrfach meine Werkstücke umstapeln.
Ich kann von Arbeitsschritt zu Arbeitsschritt immer auf einem kurzen, gekennzeichneten Weg zum nächsten Arbeitsschritt gelangen – Ich muss nicht ständig andere Wagen oder Paletten zur Seite schieben und dabei auch noch unnötig lange Wege zurücklegen, weil die Maschine nicht passend steht.
Ich habe festgelegte Bereiche, wo ich meinen Transportwagen mit den Werkstücken „parken“ kann, wenn ich unvorhergesehen auf Montage muss. Ich muss anschließend nicht erst meine Werkstücke und einen neuen Wagen suchen.
Ich kann mit einem Blick erkennen, ob sich die benötigte Handmaschine an ihrem Lagerplatz befindet, oder wer sie hat, falls sie gerade verwendet wird – Ich muss mich nicht erst durchfragen, bis ich erfahre, dass sie heute ausnahmsweise mit auf eine Baustelle genommen wurde.

Abfallbehälter bereitstellen, volle Wagen sofort entleeren

Tipp: Holzabfälle

Holzreste sollen von jedem Mitarbeiter immer sofort so klein geschnitten werden, dass sie in die vorhandenen Abfallbehälter passen. Nur so hab ich diesen banalen, aber permanent auftretenden Prozess exakt standardisiert. Aber man muss auch die Voraussetzung schaffen: Es muss zu jedem Zeitpunkt des Tages an jeder Stelle, an der Holzabfälle anfallen, ein nicht überfüllter Abfallwagen so stehen, dass die klein geschnittenen Reste hinter der Säge von selbst in den Wagen fallen. Auch muss es eine klare Regelung geben, wer dafür verantwortlich ist, dass volle Wagen sofort ausgetauscht und entleert werden.

Richtige Reihenfolge

Tipp: Maschinen

Zwei völlig unterschiedliche Standard-Arbeitsabläufe hat man, wenn beispielsweise sowohl Holzfenster als auch Schiffsinneneinrichtungen in Plattenbauweise gefertigt werden. Hier gilt es, die Abfolge der Maschinen zu überdenken.
Stehen die Maschinen beider Abläufe gemischt in einem Raum oder Raumabschnitt (z. B. der Zapfen-stemmer neben der Formatkreissäge), dann erzeugt das in beiden Arbeitsabläufen Behinderungen. Optimal steht der Zapfenstemmer hinter dem Vierseitenhobel und vor der Profilfräse und räumlich getrennt von den Platten verarbeitenden Maschinen. Alles andere unterbricht den Standardablauf.
Die Kosten, die dadurch entstehen, dass man z. B. immer über lange Wege transportiert oder wartet, bis der Kollege an der Formatkreissäge fertig ist, oder sucht, weil der den Wagen mit den Fensterkanteln weggeschoben hat, können sich summieren.

An der Maschine

Tipp: Sägeblätter

An einer Formatsäge benötigt man Sägeblätter. Wie oft ist es der Normalfall, dass man im Falle eines Blattwechsels mehrere Meter zu einem Schrank laufen muss, um dort aus einem Stapel an Kartons ein scharfes Sägeblatt mit passender Zahnform und Durchmesser herauszusuchen? Besser ist es, dafür zu sorgen, dass man direkt an der Säge mit einem Griff ein Blatt von jeder Zahnform entnehmen kann.

Jeder Mitarbeiter erhält ein definiertes Schraubensortiment

Tipp: Schrauben am Arbeitsplatz

Schrauben braucht man bei fast allen Werkstücken. Dabei sind die Abmessungen in 80 Prozent der Fälle gleich. Die Lagerung und Bewirtschaftung der Schraubenvorräte erfolgt sinnvollerweise an einer Stelle. Aber wenn ich sie nur dort zur Verfügung stelle, provoziere ich unnötige Laufwege oder das unkontrollierte „Bunkern“ von Schraubenpaketen an den Arbeitsplätzen. Denn gerade bei Schrauben variiert der Einsatzort in der Werkstatt. Folglich ist es sinnvoll, jedem Mitarbeiter an seinem möglichst mobilen Arbeitsplatz ein eindeutig definiertes Standard-Schraubensortiment ständig zur Verfügung zu stellen. Dabei kann man die Menge durch entsprechende Behältnisse steuern.

Herstellerinformation

Herstellerinformation

BM-Titelstars: Schreiner wie wir

Herstellerinformation

Wissen testen – Preis absahnen

BM-Themenseite: Innentüren

Herstellerinformation

BM bei Facebook

Alles bio? Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk

Im Fokus: Gestaltung

Herstellerinformation


BM Bestellservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der BM Bestellservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum BM Bestellservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des BM Bestellservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de