Staubminimierte Handarbeitsplätze setzen richtiges Absaugen voraus

Dicke Luft muss nicht sein

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Was hier „nur“ unangenehm ist, wird beim Sägen und Schleifen zum Gesundheitsrisiko für sich selbst und die Kollegen – Staub. Für Absauglösungen bestehen daher Regeln und gültige Normen, die es zu beachten gilt.

Autor: Andreas Buck
Holzstaub ist schädlich für die Gesundheit und kann Krankheiten wie Krebs, Asthma, chronische Bronchitis bis hin zu Genveränderungen verursachen. Auch für Schreiner ist es wichtig, sich selbst, die Kollegen und auch den Kunden während der täglichen Arbeit zu schützen und die Stäube direkt an der Entstehungsstelle abzusaugen. Ein kaum überschaubares Angebot an Absauglösungen macht die Auswahl nicht gerade einfach. Diese Informationen sollen dabei helfen, eine passende Absauglösung zu finden, die auch gegenüber berufsgenossenschaftlichen Vorgaben bestehen kann.

Unterschiedliche Staubklassen
Die EU-weit gültige Norm für Absauggeräte IEC 60335-2-69 unterscheidet drei Typen von Absauggeräten: Absauggeräte für Staubklasse L, M oder H (s. Tabelle).
Für alle gesundheitsgefährdenden Stäube gibt es festgeschriebene Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) in mg/m3 Luft. Dieser Wert steht für die maximale Staubkonzentration in der Atemluft, bei der selbst bei längerem Arbeiten (acht Stunden pro Tag, fünf Tage die Woche) keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Je niedriger dieser Wert ist, umso gefährlicher ist der Staub.
Bei Stäuben ohne zugewiesenen Grenzwert gelten die allgemeinen Grenzwerte von 10 mg/m3 für einatembare und 3 mg/m3 für lungengängige Stäube (nach TRGS 900). Jede Staubklasse bei Absauggeräten deckt einen gewissen Bereich an Arbeitsplatzgrenzwerten ab. So können beispielsweise mit der Staubklasse M alle Stäube mit Arbeitsplatzgrenzwerten $ 0,1 mg/m3 abgesaugt werden. Ausführliche Infos, welcher Stoff welchen Arbeitsplatzgrenzwert hat, bietet das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) in Form der „Gefahrstoffliste 2012“ zum kostenlosen Download auf http://publikationen.dguv.de an.
Absauggeräte unterschiedlicher Staubklassen unterscheiden sich neben dem Filtrationsgrad auch in der technischen Ausführung. Staubklasse-M- und H-Geräte müssen per Norm durch einen Ton signalisieren, wenn die Saugleistung nicht mehr ausreichend ist. Konkret passiert dies, wenn die Luftgeschwindigkeit im Saugschlauch 20 m/s unterschreitet.
Wo sind Holzstäube einzuordnen?
Zwar gilt für Holzstaub ein AGW-Wert von 2 mg/m3 (gemessen als einatembarer Staub), dennoch fordert die technische Richtlinie für Gefahrstoffe (TRGS) 553 geprüfte Entstauber oder Industriestaubsauger der Klasse M.
Auch in der EN 60335-2-69 Anhang AA wird Klasse M zur Aufnahme von Holzstaub vorgeschrieben. Diese auf den ersten Blick widersprüchliche Tatsache begründet sich u. a. durch die bei Saugern notwendige Luftrückführung in den Arbeitsbereich. In diesem Fall ist ein maximaler Abscheidegrad des Hauptfilters von ≥ 99,5 % erforderlich. Der Blick in die Tabelle zeigt: Erst ab Staubklasse M ist dieser Filtrationsgrad gegeben. Hinweise zur Umsetzung der TRGS 553 in der Praxis gibt auch die Holz-Berufsgenossenschaft in Form des BGI Reports 739/1.
Auf den Einsatz kommt es an
Neben der Staubklasse spielt auch die Behältergröße eine wichtige Rolle. Im Bereich der Montage/Baustelle sind eher kleine und kompakte Geräte sinnvoll.
Im Werkstattbereich empfiehlt sich die Verwendung großvolumiger Geräte.
Allerdings müssen Absaugmobile mit Behältervolumen u003E 50 l und einer Aufnahmeleistung von 1200 W im Holzbereich zündquellenfrei (Zone 22 Absauggeräte, früher Bauart 1) ausgeführt sein.
Arten von Filtrationssystemen
Generell gibt es zwei Arten von Filterung:
  • Saugen direkt auf den Hauptfilter, unterstützt durch eine zum Teil automatische Abreinigungsfunktion. Diese regelmäßige Reinigung des Hauptfilters sorgt für konstant hohe Saugleistung – sinnvoll speziell bei Arbeiten mit großer Staubmenge und hohem Feinstaubanteil.
  • Standard-Absauggeräte ohne diese Abreinigungsfunktion sollten mit Filtersack betrieben werden. Hier werden die Stäube durch das Filtersackmaterial vorfiltriert und gelangen nicht zum Hauptfilter.
Absaugleistung und Schlauchdurchmesser
Die Qualität eines Absauggeräts wird meist an der Absaugleistung festgemacht. Diese Absaugleistung lässt sich als Produkt aus Volumenstrom und Unterdruck betrachten. Entscheidenden Einfluss darauf haben Länge und Querschnitt des Schlauches. Je dicker und je kürzer der Schlauch ist, umso höher ist die Saugleistung. Dies gilt auch umgekehrt.
Liegt der Schwerpunkt im Bereich Reinigung, empfiehlt sich ein Saugschlauchquerschnitt von u003E35 mm, da in dickeren Schläuchen der Volumenstrom höher ist und damit Rückstände auf dem Boden leichter aufzunehmen sind. Sollen allerdings vorwiegend Elektrowerkzeuge abgesaugt werden, empfehlen sich dünnere Querschnitte (u003C30 mm), um das Handling zu verbessern. Je größer das Staubvolumen ist, umso größer sollte auch der Schlauch gewählt werden, um ein etwaiges Verstopfen zu verhindern.
Lebensverlängernd – auch fürs Werkzeug
Neben dem Gesundheitsschutz und damit der Reduzierung gesundheitsbedingter Ausfälle der Mitarbeiter, verlängern Absauggeräte auch die Lebensdauer des Elektrowerkzeuges bzw. des Verbrauchsmaterials. So verkleben beim Schleifen die Schleifmittel nicht so schnell und da auch weniger Staub in der Umgebungsluft ist, gelangt automatisch nicht so viel Staub in den Motor, ins Lager und in die Elektronik. Speziell im Werkstattbereich kann der Sauger zudem als mobiler Arbeitsplatz bzw. Organisationseinheit eingesetzt werden. So lässt sich z. B. mit einem Sauger auch der komplette Schleifprozess organisieren, indem alle nötigen Arbeitsmittel direkt am Absauggerät verstaut sind.
Zufriedene Kunden
Auch für den Kunden ist ein sauberer, staubfreier Abschluss der Handwerksarbeiten sehr wichtig. Somit ist das Thema Absaugung zugleich ein nicht zu unterschätzendes Vermarktungsinstrument. Ist der Staub einmal im Behälter des Saugers angelangt, kann er sich nicht mehr über die Umgebungsluft im Haus des Kunden verbreiten – bedeutend für einen professionellen Eindruck und somit eine positive Weiterempfehlung. Letztendlich muss jeder Betrieb für sich selbst entscheiden, welcher Sauger für den jeweiligen Einsatz der beste für ihn ist. Der Schreiner ist mit der Staubklasse M auf der sicheren Seite und kann gelassen dem nächsten Besuch der Berufsgenossenschaft entgegensehen.

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