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Holzstaub – weniger ist mehr

Arbeitsschutz
Holzstaub – weniger ist mehr

Holz ist und bleibt einer der wichtigsten natürlichen und ökologischen Werkstoffe. Als Werkstoff ist Holz in Deutschland die Grundlage eines Wirtschaftszweiges mit ca. 660 000 Beschäftigten, in der europäischen Holzwirtschaft sind rund zwei Millionen Menschen tätig. Die Be- und Verarbeitung von Holz und Holzwerkstoffen kann zu Belastungen des menschlichen Organismus führen. Aus diesem Grund muss auch weiterhin nachhaltig auf eine ständige Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes gedrängt werden.

Autorin: Dr. Susanne Bollmus

Definitionsgemäß versteht man unter Staub die feine Verteilung von kleinen Partikeln fester Stoffe in Gasen. Im Arbeitsalltag der Beschäftigten der Holzverarbeitung ist Holzstaub ein bekanntes Problem. Dies gilt für die manuelle Bearbeitung natürlich genauso, wie auf der anderen Seite für den Einsatz von Maschinen. Zur Beurteilung der Gesundheitsgefahren sind einige Faktoren zu beachten:

  • Spezielle gefährliche Wirkung der eingesetzten Werkstoffe
  • Konzentration
  • Dauer der Einwirkung
  • Partikelform.
Die Staubsituation in einem Sägewerk mit grober Zerspanung ist dabei weniger gefährdend als feiner Staub, wie er besonders bei der Verarbeitung beispielsweise in Tischlereien bzw. Schreinereien anfällt.
In einer Werkstatt vorkommende Stäube werden in verschiedene Gruppen, so genannte „Fraktionen“, eingeteilt. Neben der Fraktion der zu Boden fallenden groben Staubpartikeln dringt eine weiter einatembare Fraktion über die Atemwege in den Körper ein. Ein Teil dieses eingeatmeten Staubes dringt bis in die Lungenbläschen vor und wird daher als „alveolengängige“ Fraktion bezeichnet. Für die Beurteilung des Gefährdungspotenzials von Stäuben sind die in den menschlichen Körper eindringenden Fraktionen entscheidend. Entsprechende Geräte sind in der Lage, diese quantitativ zu ermitteln.
Die spezielle gefährliche Wirkung ist jeweils abhängig von der chemischen Zusammensetzung des Staubes. Während Staub von unbehandeltem Holz ausschließlich aus natürlichen Inhaltsstoffen besteht, kommt es bei behandeltem Holz zu einer mehr oder weniger intensiven Durchmischung mit Sekundärstoffen. Darunter versteht man nachträglich auf- bzw. eingebrachte Stoffe, wie zum Beispiel Holzschutzmittel, Leime, Beizen etc.
Krebs-Diskussion längst vom Tisch
Die Frage, ob Holzstaub Krebs erregend ist, wurde in den letzten zwanzig Jahren in Deutschland kontrovers diskutiert. Die Antwort lautet: Nein. Wissenschaftlich anerkannte Ergebnisse von Langzeitversuchen des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg haben gezeigt, dass von reinem Holzstaub keine Krebsgefährdung ausgeht. Stellt sich die Frage: Wie kam es zu der weitläufigen Meinung, dass einige Holzarten krebserregend sind?
Hierzu ein kurzer Rückblick: Seit Anfang der sechziger Jahre konzentrierte sich die Diskussion über die gesundheitsschädliche Wirkung von Holzstaub auf die Bearbeitung von Buchen- und Eichenholz. Erstmals wurde 1970 in England ein möglicher Zusammenhang zwischen Karzinomen der inneren Nase und Beschäftigten der Möbelindustrie vermutet. Eine Hals-Nasen-Ohren-Ärztin stellte fest, dass von 17 Patienten mit diesem Krankheitsbild 15 in der Möbelindustrie beschäftigt waren, die hauptsächlich Buche und Eiche verarbeiteten. Aufgrund dieser Beobachtungen wurde dann eine Studie durchgeführt, in der erstmals Holzstaub mit der Entstehung von Nasenkrebs in Verbindung gebracht wurde. Es handelte sich dabei um sehr seltene Karzinome der Nasenhaupt- und Nebenhöhlen. Durchschnittlich erkranken in Europa 1 – 2 Einwohner pro Million und Jahr an dieser Tumorerkrankung, daher war die beobachtete Häufung der Erkrankungen auffällig. Die Einstufung von Buchen- und Eichenstäuben als Krebs erregende Stoffe erfolgte in Deutschland 1985 nach einer Studie der Holz-BG. Von den im Rahmen dieser Studie untersuchten Patienten arbeiteten fast die Hälfte überwiegend mit Buche und Eiche. Tischler, die ausschließlich mit Nadelholz arbeiteten, waren hingegen nicht betroffen.
Trotz dieser Auffälligkeit war das kanzerogene Wirkungsprinzip nicht bekannt. Lange ging man davon aus, dass eine direkte Beziehung zwischen der Dosis und der Wirkung des Holzstaubes besteht. Dies würde bedeuten, dass Arbeiter, die einer hohen Staubkonzentration ausgesetzt sind, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an Krebs erkranken würden. Diese Vermutung wurde allerdings in keiner Studie nachgewiesen.
Nach derzeitigem Kenntnisstand geht die Gefahr der Krebserkrankung nicht von den Holzarten selbst aus, sondern von den Sekundärstoffen (beispielsweise Beizen, Leime, Lacke etc.). Staubpartikel transportieren diese Sekundärstoffe in den menschlichen Körper.
Bis in die 60er Jahre wurden für die Färbung von Buchen- und Eichenmöbeln chromhaltige Beizen verwendet. Bei der Verarbeitung wurden die Beizen auf das Holz aufgebracht und anschließend die auskristallisierten Rückstände abgeschliffen.
Dadurch gelangten chromhaltige Verbindungen in die Körper der Schreiner und Tischler. Chromate sind in der Arbeitsmedizin seit langem als Verursacher von bösartigen Tumoren bekannt. Daher waren von der Krebserkrankung nur Möbeltischler, nicht aber andere Berufe in der Holzwirtschaft betroffen. Ab ca. 1960 wurden diese arbeitsintensiven Beizverfahren ersetzt, so dass die Gefahr einer Krebserkrankung erheblich gemindert ist.
Gesundheitsgefahren durch Holzstaub
International ist bekannt, dass bei der Be- und Verarbeitung von Holz und Holzwerkstoffen arbeitsbedingte Erkrankungen auftreten können. Dabei unterscheidet man drei Reaktionen des menschlichen Körpers auf Holzstaub.
Allergische Reaktionen: darunter versteht man Überempfindlichkeiten des menschlichen Körpers gegen bestimmte Stoffe. Die Reaktion ist abhängig vom Individuum. Das bedeutet: Nicht alle Personen reagieren auf diese Stoffe. Dies führt dazu, dass nicht betroffene Personen häufig mit Unverständnis auf die Leiden von Allergikern reagieren. Allergien sind aber Beschwerden, die die Lebensqualität der Betroffenen ganz erheblich einschränken können. Bei Allergien unterscheidet man solche, die sofort auftreten und solche, die erst verzögert zu Beschwerden führen wie stark juckende allergische Reaktionen, allergische Erkrankungen beispielsweise der Nasenschleimhäute oder Asthma.
Bei einer Vergiftung treten die Symptome direkt nach dem Kontakt auf. Giftstoffe zeichnen sich generell dadurch aus, dass alle Personen in gleicher Weise betroffen sind. Unter den in Europa üblichen Handelshölzern ist kein giftiges Holz bekannt. Normalerweise klingen die Symptome bei giftigen Holzarten bald nach der Vermeidung des Kontaktes wieder ab. Durch giftige Holzinhaltsstoffe werden akute Entzündungen ausgelöst.
Eine Krebs erregende Wirkung ist ausschließlich durch Sekundärstoffe gegeben. Die oben rechts abgebildete Grafik gibt eine Übersicht über Gesundheitsrisiken bei der Verarbeitung handelsüblicher Hölzer. Grundsätzlich ist es allerdings schwer zu beurteilen, ob die Beschwerden von holzeigenen Inhaltsstoffen hervorgerufen werden, oder aber von Sekundärstoffen.
In die Diskussion um eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch Holzstaub wurde in jüngster Zeit auch der Staub von Mitteldichten Faserplatten (MDF) mit einbezogen. Man bezeichnete die sehr feinen Stäube von MDF bereits als „ Asbest der neunziger Jahre“. Umfangreiche Studien belegen hingegen, dass eine gesundheitsgefährdende Wirkung von MDF-Stäuben auf der Grundlage mechanischer Einwirkungen und toxischer Aspekte ausgeschlossen werden kann. Dieses Ergebnis hat übrigens uneingeschränkt für sämtliche handelsüblichen MDF-Platten Gültigkeit.
Die heftig und intensiv geführte Diskussion um Krebs erregende Eigenschaften von Holz bzw. Holzstaub hat maßgeblich zu einer enormen Sensibilisierung beim Umgang mit dem Thema beigetragen. Auch hat sie unzweifelhaft die enormen technischen Fortschritte im Bereich staubarmer Arbeitsplätze mit vorangetrieben.
Der Verdacht der Krebs erregenden Wirkung ist heute wissenschaftlich eindeutig widerlegt. Dennoch kann bei der Be- und Verarbeitung von Holz- und Holzwerkstoffen das Auftreten von Krankheiten nicht ausgeschlossen werden. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Holz verarbeitenden Handwerk bzw. in der Holz verarbeitenden Industrie bestmöglich vor unnötiger Staubbelastung zu schützen.
Die technischen Möglichkeiten, unterschiedlichste Arbeitsplätze weitgehend oder komplett staubfrei zu gestalten, sind heute enorm vielfältig. Im Bereich der Stationärmaschinen gilt es, die zentrale Späneabsaugung optimal zu gestalten. Hier stehen unterschiedlichste Konzepte zur Verfügung, aus denen Betriebe das für sie optimale auswählen können. Elektrowerkzeuge mit Profi-Anspruch, beispielsweise Exzenter- oder Schwingschleifer, verfügen heute allesamt über Absaugstutzen für den Werkstattbetrieb bzw. über ansteckbare Staubfilter und -sammelbehälter für den mobilen Einsatz. Letztlich liegt es am Anwender, solche wirkungsvollen Optionen auch konsequent zu nutzen.
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