Die Qual der Wahl: Wichtige Kriterien für den Anhängerkauf

Material am Haken

Wer sich einen Anhänger kauft, will diesen möglichst vielseitig einsetzen. Doch das große Angebot erschwert die Entscheidung. Wir empfehlen, systematisch vorzugehen und geben praktische Tipps für die Wahl des passenden Hängers.

Matthias Fischer

Die wichtigste Frage für Schreiner, Tischler und Fensterbauer, die sich einen Anhänger kaufen wollen, ist zunächst: Was soll transportiert werden? Werden beispielsweise überwiegend hochwertige Möbelstücke transportiert, so empfiehlt sich ein Kofferanhänger. Gibt es aber noch viele weitere Einsatzbereiche, müssen Handwerker einen Kompromiss finden und werden wohl eher zu einem Allrounder greifen.

Dies könnte beispielsweise der bewährte Pritschenanhänger sein, der es erlaubt, auch Material zu transportieren, das die Länge des Gefährts überschreitet und sich mit Plane und Spriegel jedoch ebenfalls zu einem wetterfesten Transportmittel aufrüsten lässt.

Das nächste Kriterium ist das Gewicht der Ladung. Sollen große und schwere Lasten transportiert werden, muss der Anhänger eine entsprechende Nutzlast aufweisen. Dabei stellt sich einerseits die Frage, ob ein Einachser oder ein Zweiachser besser geeignet ist und andererseits, ob der Hänger gebremst oder ungebremst sein soll.

Wenn nur kleinere bzw. leichte Gegenstände transportiert werden müssen, kann möglicherweise schon ein Anhänger bis 750 kg Gesamtgewicht die richtige Wahl sein. Bei einem Leergewicht von rund 150 kg haben solche Hänger eine Nutzlast von rund 600 kg.

Sollen große Lasten von beispielsweise über 3000 kg gezogen werden, kommt auch das Zugfahrzeug ins Spiel. Es muss eine Anhängelast haben, die den Einsatz des neuen Hängers erlaubt. Das wiederum hängt unter anderem vom Eigengewicht der Zugmaschine ab.

Informationen über die jeweils mögliche Anhängelast finden sich in den Zulassungspapieren. Ein Eintrag in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 gibt darüber hinaus Auskunft, wie viel gebremste oder ungebremste Last das Fahrzeug ziehen darf. Autos mit Anhänger dürfen übrigens nur von Personen mit einem Führerschein der Klasse B bewegt werden.

Darf‘s auch eine Achse mehr sein?

Bei Schreiner- und Tischlerbetrieben spricht eigentlich vieles für den Anhänger mit zwei Achsen. Solche Anhänger haben meist eine höhere Nutzlast, sie laufen ruhiger und reagieren unempfindlicher beim Überfahren von Spurrillen. Für Einachser hingegen spricht, dass sie sich viel besser rangieren lassen, ein geringeres Eigengewicht haben und in der Anschaffung meist deutlich günstiger sind. Grundsätzlich ist es nicht nur beim Abstellen, sondern auch beim Ankuppeln praktisch, wenn sich der Anhänger auch mit Muskelkraft bewegen lässt – was beim Zweiachser meist deutlich schwerer ist.

Gut gefedert, sicher unterwegs

Entscheidend für die Sicherheit und den Fahrkomfort sind gute Stoßdämpfer und Federelemente, denn sie lassen die Schwingungen der gefederten Massen schnell abklingen.
Die Stoßdämpfung dient übrigens nicht dazu, Fahrbahnunebenheiten abzufangen. Dies ist die Aufgabe der Federung. Stoßdämpfer dämpfen die Aufbauschwingungen eines Anhängers und halten die Reifen bei Kurvenfahrten oder bei einer Vollbremsung sicher auf der Fahrbahn.
Damit die Räder nach dem Einfedern nicht automatisch wieder ausfedern, ist eine Schwingungsdämpfung integriert. Wie beim Pkw würden die Räder sonst beim plötzlichen Ausfedern die Bodenhaftung verlieren und der Anhänger zu rutschen oder zu hüpfen
beginnen.

Besser gebremst oder ungebremst?

Gebremste Anhänger sind zwar teurer, bieten dafür aber deutliche Vorteile. So werden z. B. die Bremsen des Zugfahrzeuges geschont und der Bremsweg verkürzt sich. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Anhänger bei einer Vollbremsung nicht so leicht ausbrechen kann. Daher gelten seitens der Zulassungsstellen oder auch der Fahrzeughersteller für ungebremste Anhänger oft Einschränkungen. So dürfen hauptsächlich kleinere und leichtere Fahrzeuge nur mit gebremsten Anhängern ihre volle Anhängelast nutzen.

Warum es sich lohnt, Qualität zu kaufen

Ein wichtiges Kriterium ist wie so oft die Qualität. Viele Anbieter haben spezielle Profianhänger im Angebot, die qualitativ meist deutlich hochwertiger verarbeitet sind und dementsprechend ihren Preis haben. Aber wie auch im Handwerk allgemein, macht sich Qualität gerade bei häufigen Einsätzen bezahlt. Beim Anhängerkauf auf den letzten Cent zu achten, ist daher sicherlich falsch.
Denn wenn ein besonders „preiswerter“ Anhänger beispielsweise über zu wenige oder zu schwach dimensionierte Befestigungsösen verfügt, lässt sich die Ladung oft nur unzureichend sichern. Und im Falle eines Falles ist der Schaden meist größer als die Investition in entsprechende Features.

Auch in Sachen Reparaturfreundlichkeit schneiden hochwertige Anhänger besser ab als die auf den ersten Blick günstige Variante aus dem Baumarkt oder vom Discounter.
Bei solch knapp kalkulierten Minimalisten sind die Seitenwände oft ziemlich dünn. Auch Klappen und Verbindungswinkel sind oft schwach dimensioniert. Das hat zur Folge, dass sich viele Modelle vor allem im harten Handwerkeralltag schnell verwinden.

Als Materialien für Anhängerkonstruktionen in Profiqualität haben sich z. B. feuerverzinkter Stahl, Aluminium oder auch eine Kombination aus Stahl und Holz bewährt.

Höchstgeschwindigkeit – wohin soll‘s gehen?

Es gibt Anhänger, die nur mit 80 km/h bewegt dürfen, und andere, die eine Zulassung für 100 km/h haben. Letztere sind etwas aufwendiger und damit auch teurer in der Anschaffung. Doch gerade auf längeren Strecken kann sich eine höhere Investition schnell amortisieren, denn der Fahrer ist schneller unterwegs und fährt so eher beim Kunden vor – ganz zu schweigen vom Fahrkomfort auf der Autobahn, wo man erfahrungsgemäß mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h nur allzu gern von Lkws überholt wird.
Ist der Hänger hingegen nur innerorts und auf Kurzstrecken unterwegs, kann die 80er-Zulassung völlig ausreichend sein. Denn die 100er-Marke gilt ohnehin nur auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen. Auf der Landstraße gilt als Tempolimit mit Anhänger immer 80 km/h.

Gib Gummi: Wichtiges zu Rädern und Reifen

Ein wichtiger Sicherheitsaspekt ist die Reifengröße, denn bei plötzlichen Lenkmanövern kann sich ein Hänger aufrichten und im schlimmsten Fall sogar umkippen. Je höher das Anhängergewicht ist und je größer der Reifenumfang, umso geringer ist die Kippneigung. Beim Anhänger wird oft nicht so genau auf das Reifenalter geachtet. Doch gerade bei Anhängern, die mit Tempo 100 bewegt werden, dürfen die Reifen nicht älter als sechs Jahre sein. Spätestens beim TÜV ist sonst Schluss mit lustig. Außerdem müssen sie mindestens den Geschwindigkeitsindex L (120 km/h) aufweisen. Übrigens muss ein Anhänger nicht zwingend mit Winterreifen ausgerüstet werden. Solch eine Pflicht sieht der Gesetzgeber nur für Kraftfahrzeuge vor. Allerdings empfiehlt beispielsweise der ADAC aus Gründen der Sicherheit, auch Anhänger freiwillig mit Winterreifen auszurüsten.

Checkliste und Praxistipps für Gebrauchte

Auch der Kauf eines gebrauchten Anhängers kann die richtige Wahl sein. Damit man keinen Schrott am Haken hat, sollte man auf folgende Punkte besonders achten.

  • TÜV: War der Anhänger bei der vorgeschriebenen Hauptuntersuchung (HU) und ist eine entsprechende Plakette vorhanden? Die Untersuchungsabstände für Anhänger liegen je nach Gewicht zwischen zwölf bzw. 24 Monaten. Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 t müssen ab der ersten Inbetriebnahme jährlich untersucht werden. Hänger mit einem Gesamtgewicht zwischen 0,75 und 3,5 t müssen alle zwei Jahre zum TÜV. Liegt das zulässige Gesamtgewicht unter 750 kg, dann ist der erste TÜV drei Jahre nach der Erstzulassung fällig. Danach muss auch dieser Hänger in Abständen von zwei Jahren zur HU. Trotz gültiger Plakette sollte man jeden Hänger auf Mängel prüfen.
  • Elektrik: Der Kabelbaum sollte auf feste Verlegung und Schadfreiheit der Isolierung kontrolliert werden. Auch der 7- oder 13-polige Stecker, der die Elektrik des Hängers mit dem Auto verbindet, sollte keine Beschädigungen und Flickstellen haben. Bei 7-poligen Steckern werden nur die Grundbeleuchtungsfunktionen auf den Anhänger übertragen, sprich Licht, Bremslicht, Blinker und Nebelschlussleuchte. Mit einem 13-poligen Stecker lassen sich zusätzlich zu den Grundbeleuchtungsfunktionen auch Rückfahrleuchten, eine Dauerplusleitung oder eine Ladeleitung übertragen.
  • Aufbau: Verfügt der Anhänger über eine Plane, sollte diese auf mögliche Brüche und Risse hin untersucht werden. Die Befestigungsgummis sind idealerweise noch elastisch und nicht ausgeleiert.
  • Bremse und Stützrad: Gebremste Anhänger haben eine zusätzliche Feststellbremse. Ihre Mechanik muss freigängig und unbeschädigt sein. Bei angezogener Bremse sollten die Räder blockieren. Ratsam ist auch der Blick auf Stützrad und Handkurbel. Das Rad darf beim Schieben nicht wegknicken und sollte sich sauber drehen lassen. Mit der Kurbel muss es sich leicht auf und ab bewegen lassen.
  • Klappen und Kupplung: Verbeulte Klappen lassen sich nur schwer schließen. Die Verriegelung sollte daher auf Leichtgängigkeit ebenso wie auf vorhandene Sicherungsmöglichkeiten geprüft werden. Die Anhängerkupplung selbst ist bestenfalls innen gefettet und muss sicher auf dem Kupplungshaken arretieren – und zwar spielfrei. Selbstverständlich darf auch das Abreißseil, das im Notfall die Auflaufbremse auslöst, nicht beschädigt sein.
  • Grundsätzlich ist der Kauf eines gebrauchten Anhängers wie auch beim Kraftfahrzeug Vertrauenssache und ein seriöser Händler vermutlich die sicherste Wahl samt breitem Angebot.

Auf einen Blick

Vorteile verschiedener Varianten

Kofferanhänger …

… haben einen festen Kastenaufbau und bieten vielseitige Anwendungsmöglichkeiten. Insbesondere für den Transport von hochwertigen oder empfindlichen Produkten ist ein fester Aufbau ideal, denn der Inhalt ist gegen Diebstahl und Witterungseinflüsse geschützt. Zudem bieten die Seitenwände eine ideale Werbefläche für den Betrieb. Wichtig ist hier eine helle Innenbeleuchtung, um bei Dunkelheit sicher zu beladen oder arbeiten zu können.

Pritschenanhänger …

… sind die Allrounder unter den Hängern. Mit entsprechendem Zubehör lassen sich diverse Erweiterungsmöglichkeiten schaffen. Spriegel und Plane erhöhen das Transportvolumen deutlich und Transportgüter sind weitgehend vor Witterungseinflüssen geschützt. Reffs zum sicheren Transport von Bauelementen wie Türen und Fenstern lassen sich ebenfalls auf Pritschen installieren. Wichtig: Ausfahrbare Stützen sorgen für sicheren Stand beim Be- und Entladen.

Kipper …

… können in manchen Situationen durchaus sinnvoll sein. Auf der einen Seite lassen sie sich wie ein offener Pritschenanhänger nutzen. Und wenn beispielsweise bei einer Sanierung entstandener Bauschutt entsorgt werden muss, geht das Abladen an der Entsorgungsstelle um ein vielfaches schneller als von Hand. Kipper-Anhänger gibt es in verschiedenen Maßen und als Dreiseitenkipper oder rückwärtige Kipper. Wichtig ist, dass die Hänger gegen Über-kippen gesichert sind.

Mehr Infos zu Varianten, Herstellern und jede Menge Wissenswertes finden Sie hier:

www.my-trailer.info


Der Autor

Matthias Fischer ist freier Fachjournalist
mit über 25 Jahren Branchenerfahrung – viele Jahre davon als stellvertretender
Chefredakteur eines Baufachmagazins.