Studenten der BA Melle optimieren Produktionswege und Fertigungsprozesse. Mehr als nur Maschinen rücken! - BM online

Studenten der BA Melle optimieren Produktionswege und Fertigungsprozesse

Mehr als nur Maschinen rücken!

Fremde Augen sehen bekanntlich mehr als betriebseigene! Von dieser Erkenntnis profitierten die renommierten Kuiter-Werkstätten für Innenausbau in einer wegweisenden Zusammenarbeit mit der Berufsakademie Holztechnik Melle. Im Rahmen ihrer Abschlussprüfung erarbeiteten die angehenden Ingenieure Holztechnik der BA für das emsländische Unternehmen eine umfassende Detail- planung zur Erweiterung der Produktionsfläche und zur Optimierung der Produktionsabläufe.

Ermittlung und Analyse des Ist-Zustandes
Die zunehmende Bedeutung Kuiters im Bereich des hochwertigen Ladenbaus und als Zuliefererbetrieb im Messebau erforderte es, in dem gewachsenen Familienunternehmen tradierte Bearbeitungswege auf die sich wandelnden Anforderungen hin zu überprüfen. Den willkommenen Anlass bot die geplante Ausweitung der Produktionsfläche von 5 000 auf 7 500 Quadratmeter. Bei der Analyse des Produktspektrums zeigte sich, dass der Laden- und Messebau durch ein hohes Materialvolumen und einfache, oft standardisierte Bearbeitungsschritte gekennzeichnet ist. Das gilt insbesondere für die Bodenplatten im Messebau.

Hohe Stückzahlen bei mittlerer Komplexität findet man dagegen bei meist melaminharzbeschichteten Kleinmöbelserien, die sowohl im Laden- und Messebau vorkommen. Als dritten Produktschwerpunkt identifizierten die Studierenden die handwerkliche Einzelfertigung – hochwertige Ladeneinrichtung oder beispielsweise einen geschwungenen Empfangstresen für einen Messestand.
Bei der Analyse des Material- und Informationsflusses galt es, heutige Schwachstellen aufzudecken und erste Erkenntnisse für die erweiterte Produktionsfläche zu sammeln. Alle Daten und Beobachtungen, trugen die Studierenden in stundenlanger Detailarbeit zusammen und veranschaulichten diese in Diagrammen und Tabellen. Die Ergebnisse präsentierten sie dem Auftraggeber. Im Anschluss verfeinerten sie Ziele, bildeten Arbeitsgruppen und trugen Lösungsvorschläge zusammen.
Starrer Materialfluss bei hohen Stückzahlen
Rollenbahnen in einer Tischlerei? Undenkbar? Nein, für industriellgeprägte, seriennahe Produkte ein Muss. Dies befanden die Studierenden und integrierten in die neue Produktionshalle einen starren Materialfluss für diese Produktgruppe. Nach den Plänen der angehenden Ingenieure nehmen z. B. die Bodenplatten künftig einen eigenen, räumlich klar abgetrennten Produktionsweg vom Zuschnitt über Format- und Kantenbearbeitung bis zur Verpackung. Für die Serienfertigung von Klein- und Displaymöbeln hingegen entwickelten die Studierenden ein übersichtliches Fertigungsprinzip: Ohne Warteschleifen oder Zwischenstationen wird das Material je nach Bedarf der stationären CNC-Fertigung, der Format- und Kantenbearbeitung oder der handwerklichen Bearbeitung im Bankraum zugeführt. Die stärkere Differenzierung, die sich bei der Gestaltung der Arbeitsplätze fortsetzt, trägt dem gewachsenen Materialfluss Rechnung und sorgt dafür, dass durch ein optimales Handling unnötige Zeitverluste vermieden werden.
Flexible Fertigung bei Losgröße 1
Für die Fertigung von komplexen Einzelstücken des Innenausbaus gestalteten die Studierenden den Materialfluss flexibel. Die Teilefertigung dieser Produkte erfolgt zunächst über den industrienahen Maschinenpark; wird dann jedoch in einem „atmenden“ Bankraum verfeinert, zusammengefügt und endbearbeitet. Durch bewegliche, standardisierte Arbeitsplätze passt sich die Arbeitsfläche an den Raumbedarf an. Die handwerkliche Arbeit wird so den sich wechselnden Arbeitsinhalten angepasst.
Nebenprozesse integrieren
Neben dem Hauptmaterialfluss gibt es Nebentätigkeiten, wie beispielsweise Furnierarbeiten und die Verarbeitung von Massivholz. Hier haben die Studierenden Insellösungen entwickelt und in sich funktionierende Arbeitsbereiche geschaffen. Der Materialfluss innerhalb dieser Arbeitssysteme wurde so gestaltet, dass Betriebsmittel, die von mehreren Arbeitsbereichen benötigt werden, an den Randbereichen (Abteilungsgrenzen) angeordnet sind. Haupt- und Nebenmaterialflüsse finden so ein harmonisches nebeneinander.
Vorgerüstete Arbeitsplätze
Wie können seriennahe Produkte wie Schränke, Displays, Tische, etc. rationell vor- und endmontiert werden? Die Lösung der angehenden Ingenieure sind vorgerüstete Arbeitsplätze: Die Mitarbeiter finden beispielsweise für die Schrankmontage vor und nach der Korpuspresse Arbeitsplätze, an denen alle Werkzeuge, Geräte und Hilfsmittel übersichtlich angeordnet sind. Lediglich die Bauteile muss der Mitarbeiter noch an den Arbeitsplatz bringen. Durch minimalen Rüstaufwand lassen sich sehr schnell arbeitsteilige Strukturen schaffen, die aus einem Handwerksunternehmen kurzzeitig einen Serienhersteller werden lässt.
Betriebswirtschaftliche Berechnungen
Die so geschaffene Verbindung aus industriellem und handwerklichem Anspruch ergänzen betriebswirtschaftliche Untersuchungen mit umfassenden Berechnungen zu Finanzierung und Amortisation. Dabei war der Kontakt zur Maschinen- und Investitionsgüterindustrie sehr wichtig. Experten wurden befragt und erste Angebote zur Kostenermittlung eingeholt. Den angehenden Ingenieuren wurde dabei bewusst, dass jede technische Veränderung in einem Produktionssystem betriebswirtschaftliche Auswirkungen hat: „Technikverliebtheit“ hat hier keine Chance! Investitionen müssen durch Zahlen und Fakten belegt werden.
Nicht virtuell, sondern real!
Die Erkenntnisse bündelten die angehenden Ingenieure auf vielen Seiten in einem breit angelegten Konzept. In der BA Melle ist die Fabrikplanung fester Bestandteil des semester- und fächerübergreifenden Jahrgangsprojektes, das für die Studierenden Theorie und berufliche Praxis verbindet. Ein Projekt darf eine Laufzeit von 12 Wochen nicht überschreiten. Die Studierenden investieren in der Summe zwischen 800 bis 1500 Stunden für eine solche Aufgabe. Jedes Projekt endet mit einer Präsentation vor der Geschäftsleitung des beauftragten Unternehmens. Schließlich gilt in enger Zusammenarbeit mit den Partnerbetrieben die selbst gestellte Anforderung: Aus der Praxis für die Praxis studieren! ■

Herstellerinformation

Herstellerinformation

BM-Titelstars: Schreiner wie wir

Herstellerinformation

Wissen testen – Preis absahnen

BM-Themenseite: Innentüren

Herstellerinformation

BM bei Facebook

Alles bio? Nachhaltigkeit im Tischler- und Schreinerhandwerk

Im Fokus: Gestaltung

Herstellerinformation


BM Bestellservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der BM Bestellservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin-Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum BM Bestellservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des BM Bestellservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de