Praxistipps für Kauf und Optimierung einer Ständerbohrmaschine

Reif für die Bohrinsel?

Sie fristet oft ein Dasein irgendwo im Nirgendwo der Schreinerei, gehört aber zu den meistgenutzten Geräten der Werkstatt – die Ständerbohrmaschine. Wer sich ein wenig Zeit nimmt, grundsätzliche Anforderungen zu berücksichtigen und diese entsprechend umsetzt, spart sich langfristig viel Zeit und Nerven – bessere Arbeitsergebnisse sind dann quasi gratis.

Autor: Dieter Stojan
„Natürlich lässt sich die Drehzahl unserer Ständerbohrmaschine regulieren. Durch Lösen, Umlegen und Spannen des Riemens. Macht aber kaum jemand. Dauert viel zu lange!“ – „Licht? Ja, gibts auch irgendwo.“ Zu schwarzgemalt oder gängige Werkstattpraxis? Hier finden Sie wichtige Kriterien und praktische Tipps zu Kauf bzw. Optimierung einer Maschine, deren Bedeutung oft unterschätzt wird.

Vorher überlegen zahlt sich aus
„Wie soll die Maschine für meine langfristigen Bedürfnisse aussehen?“ – die wichtigste Überlegung beim Kauf einer Ständerbohrmaschine (STB) bzw. der Optimierung des Arbeitsplatzes. Hier ist Spinnen nicht nur gewünscht, sondern zwingend nötig. Details, die jetzt nicht bedacht werden, rächen sich später. Nachträgliches Anpassen kostet mehr. Dabei geht es zum einen um die Maschine selbst. Zum anderen sollte das passende Werkzeug vorhanden und griffbereit sein. Die Gestaltung des Arbeitsplatzes rundet den Anforderungskatalog ab.
Welche Ständerbohrmaschine passt zu mir?
  • Modellwahl: Tischmodelle sind bei gleicher Ausstattung preisgünstiger als Standvarianten und lassen sich an beliebiger Stelle einsetzen und abstellen. Standmodelle hingegen ermöglichen das Bearbeiten dickerer Werkstücke.
  • Gängige Werkstückbreite: Zu beachten ist der Durchlass, gemessen von Mitte Spindel bis zur Tragsäule. Vor allem billige Modelle sind hier sehr eng ausgelegt. Radialbohrmaschinen sind in diesem Punkt jeder normalen STB überlegen, werden aber selten angeboten und sind meist teurer.
  • Gängige Werkstückdicke/Bohrtiefe: Wichtig ist ein ausreichender Abstand zwischen Tisch und Futter. In direktem Zusammenhang steht der Spindelhub. Er bestimmt die maximale Bohrtiefe. Tipp: Prüfen, ob die Bohrtiefe begrenzt, fixiert und abgelesen werden kann.
  • Anschlussart: Ausschlaggebend für die Bohrleistung ist vor allem die Motorisierung. Für die „gängigen“ Arbeiten in der Werkstatt reicht meist Wechselstrom als Energiequelle – gleichgültig bei welchem Typ und welcher Leistungsklasse.
  • Geschwindigkeit: Die Drehzahl muss leicht und schnell veränderbar sein, denn Arbeiten mit optimaler Schnittgeschwindigkeit (abhängig von Material und Werkzeug) ist Voraussetzung für weitgehend ausrissfreie Lochränder. Auch mindert sie den Verschleiß der Bohrer, spart also Schärfkosten. Stand der Technik ist die elektronische Regelung. Sie erlaubt spontanes Ändern der Drehzahl. Besonders wichtig ist dies beim Einsatz z. B. von Schleifwerkzeugen. Ist die STB durch Umlegen der Riemen zu verstellen, müssen die Rüstzeiten gering sein – sonst wird die Drehzahl in der Praxis selten verstellt.
  • Erweiterter Einsatzbereich: Reicht die maximale Drehzahl über 3000 min-1, kann die STB hilfsweise auch als „Oberfräse“ genutzt werden – mit passenden Anschlägen und einer Höhenarretierung der Spindel.
  • Bohrfuttergröße: Der Spannbereich (0 bis 10 mm oder 1 bis 13 mm oder 3 bis 16 mm) begrenzt die Verwendung bestimmter Bohrer. Ein großes Futter schließt die ganz dünnen Bohrer aus. Gute Forstnerbohrer oder Kunstbohrer haben einen Schaftdurchmesser von 13 oder 16 mm. Entscheidet man sich für zwei Futter, muss beim Futterwechsel geprüft werden, ob eine Gewindeaufnahme oder ein Morsekegel (MK) eingesetzt ist. Letzterer unterscheidet die Varianten MK1 und MK2.
  • Tischform: Ob diese eckig oder rund ist, bringt je nach Einsatzbereich individuelle Vor-teile. Die Oberseite kann mit sogenannten T-Nuten versehen sein, um einen Schraubstock oder andere Vorrichtungen bzw. Hilfsmittel sicher zu befestigen.
  • Tischverstellung: Ein schwenkbarer Tisch (alternativ das Oberteil) erweitert den Arbeitsbereich und spart manche Vorrichtung. Ist er drehbar, kann die Werkstückauflage variiert werden. So wird Arbeiten „an der Kante“ möglich, was größere Werkstücke zulässt. Besitzt die Höhenverstellung eine Kurbel und Zahnstange, kann der Tisch genauer positioniert werden. Mit bloßem Schieben bleibt das „Gefühlssache“. Besonders für Oberfräsarbeiten sollte dies ins Pflichtenheft. Auch die Bohrtiefe lässt sich durch Nachsetzen des Tisches erweitern.
  • Fazit: Für jede einzelne Maschine bedeutet jedes „Mehr“ an Technik auch ein „Mehr“ an Arbeitsmöglichkeiten.
Der Unterbau: Stauraum und Fahrwerk
Mit einem durchdachten „Unterbau“ wird auch das Zubehör in Schubladen an seinem bestimmten Platz griffbereit aufbewahrt. Unser Ausstattungsbeispiel (s. Bilder) schlägt einige praktische Werkzeuge und Hilfsmittel vor (Detailauflistung im PDF-Download). Diese subjektive Auswahl soll helfen, den eigenen Bedarf zu ermitteln oder kritisch zu „durchforsten“. Der oben gezeigte Unterschrank ist 780 mm hoch, 520 mm breit und besitzt vier Schubladen (Innenmaß 330 x 550 x 70 mm).
Tipp: Der Inhalt sollte nach der Häufigkeit des Benutzens von oben nach unten geordnet sein. Wer bereits umfassend ausgestattet ist, findet die beste Anordnung wohl durch „Probe-Legen“. Achtung: Viel Platz für Ergänzungen einplanen.
Für das Standmodell bietet sich ein Wagen analog zum „Unterbau“ an, der dann an die gewünschte Stelle gefahren wird. Zwei feststellbare Rollen verhindern den „Bewegungsdrang“.
Tipp: Möglichst große, breite Rollen verwenden – weiche Beschichtung für harten Boden und umgekehrt.
Die ergonomisch richtige Arbeitshöhe
Keine Standardmaschine kann für die Bedürfnisse des einzelnen Nutzers ausgelegt sein. So ist hier neben ergiebigem „Spinnen“ im Vorfeld nachträgliches Optimieren angesagt. Mit dem Unterbau wird das jeweilige STB-Modell der individuellen Arbeitshöhe angepasst. Um wirklich ermüdungsarmes Arbeiten zu realisieren, muss durch mehrmaliges Probestellen die eigene oder durchschnittliche optimale Arbeitshöhe ermittelt werden.
Tipp: Außer der Körpergröße ist auch die geforderte Präzision der Arbeiten zu beachten. Es gilt: je präziser, desto näher. Kleine Teile können dichter an die Augen geführt werden, große bleiben niedriger.
Sinnvolle Anbauten und andere Praxistipps
  • Zwei Ablageflächen – klappbar links und rechts oben am Unterschrank befestigt – optimieren den Arbeitsablauf (s. Bild).
  • Platz für Maschinenzwingen vorsehen
  • Füllt man die mit Rippen „zerklüftete“ Unterseite des Tisches mit passenden Hölzern sind Zwingen leichter anzusetzen.
  • Ein Anschlag, der nach Skala verstellt werden kann, erleichtert auf Dauer viele Arbeiten
  • Zum Ausrichten von Werkstücken, können auch Magnete helfen (s. Bild). Tipp: Ringmagnete aus dem Radiolautsprecher sind eine günstige Lösung. So lässt sich auch der Staubsaugerschlauch positionieren und halten.
  • Wer eine sinnvolle Auswahl an Zulagen bereithält, erspart sich zeitraubendes Suchen.
  • Eine integrierte Leuchte sorgt nicht nur für präzise Ergebnisse, sondern auch für zügiges Arbeiten. Tipp: Eine schlichte „Nähmaschinen“-Leuchte oder batteriebetriebene LED-Leuchte verbessert die Situation mit wenig Aufwand.
  • An gut sichtbarer Stelle die Drehzahltabelle (siehe PDF-Download) anbringen.
  • Beim Anpassen der optimalen Arbeitshöhe die Rollen des Fahrgestells berücksichtigen.
  • Bedenken, dass Rollen den Raum für Werkzeuge mindern.
  • Zum Schluss und dennoch wichtig: die Farbgestaltung – nach Geschmack, passend zur Werkstatteinrichtung.
So entsteht ein gutes Gesamtbild und die Freude an der gelungenen Arbeitsplatzgestaltung bleibt lange erhalten.

Der Autor: Dieter Stojan ist Diplom-Holzwirt. Er baute die Meisterschule Ebern für das Schreinerhandwerk in Franken auf und leitete sie von 1984 bis 2005.


> Viele weitere nützliche Arbeitshilfen für den Werkstattalltag von Schreinern und Tischlern haben Dieter Stojan und Willi Brokbals hier zusammengestellt.

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