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Spielplatz der Kulturen

Hamburg und Mosambik: Mit vereinten (Handwerks-) Kräften
Spielplatz der Kulturen

Im August 2009 machten sich 15 Schüler und Schülerinnen sowie zwei Lehrer der Gewerbeschule 6 aus Hamburg auf den Weg nach Mosambik. Vor Ort sollte ein multifunktionales Spielgerät, das auch die motorischen Fähigkeiten fördert, für die in der Gemeinde lebenden Kinder erbaut werden. Die deutschen Beteiligten haben sich mit den Schülern der mosambikanischen Partnerschulen in eine Tischlergruppe sowie in eine Malergruppe aufgeteilt. Gemeinschaftlich haben die Schüler ihre künstlerisch-kreativen Fähigkeiten ausgetauscht und das handwerklichen Arbeiten geübt.

Die deutschen Auszubildenden waren in Moamba zusammen mit den Schülern aus dem ca. 60 km entfernten Maputo – die Hauptstadt der Republik Mosambik – in der Partnerschule „Escola Profissional de Moamba“ untergebracht. Durch die Zusammenarbeit mit den Schülern der Partnerschulen sollten die bestehenden Kontakte intensiviert (Berufs- und Sekundarschule von Moamba) beziehungsweise die neu entwickelte Beziehung zur Escola Nacional de Artes Visuais de Maputo vertieft werden.

Zu den Beschäftigten der afrikanischen Berufsschule, die vom Orden der Salesianer „Dom Bosco“ geleitet wird sowie zu einigen Schülern bestanden schon persönliche Kontakte aus vorherigen Begegnungen in Mosambik und Hamburg.
Großzügige Hilfsmittel
Der Eigenbeitrag zu den Reisekosten der deutschen Schüler und Schülerinnen betrug rund 900 Euro. Zuschüsse erhielt das gemeinschaftliche Projekt von der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung, dem Arbeitskreis Kirchliche Weltdienste der Nordelbischen ev. luth. Kirche sowie dem Hamburger Institut für Berufliche Bildung. Aus den Mitteln der Reisekasse wurden Unterkunft, Verpflegung, Fahrtkosten und Kosten des Kulturprogramms bezahlt. Zudem übernahm die deutsche Gruppe die Verpflegungskosten für die Schüler aus Maputo während des Aufenthaltes an der Berufsschule. Die Gruppe aus Hamburg brachte auch Handwerkzeuge, Kleinmaschinen und Projektmaterial aus Deutschland mit, die von Firmen, Institutionen und Privatpersonen gestiftet wurden und zum Verbleib an den Partnerschulen bestimmt sind.
Tischler-Azubis berichten
Nach langer Vorbereitung und Planung ist es endlich soweit: Unser Projekt „Spielplatz“ startet. Ein Lager bilden die Schüler unserer Gastschule in Moamba, die zweite Gruppe besteht aus den angereisten fünf Schülern plus Lehrer der Kunstschule aus Maputo, und der dritte Teil sind wir Hamburger: Stefanie König (Ausbildungsbetrieb Tischlerinnung Hamburg), Daniel Laack (Tischlerei Willi Curdt und Sohn), Hannah Purps (Tischlerei Holzverbindungen Bergedorf), Andrew Meyer (Tischlerei Zeze Möbelbau GmbH) und Nik Dabelstein (Tischlerei Oberwemmer)
Durch das Internet haben wir im Vorfeld unsere Ideen und Vorstellungen bezüglich der Gestaltung des Spielplatzes zum Teil austauschen können. Dennoch sind wir bei unseren ersten Projektbesprechungen und bei der Arbeit innerhalb kleinerer Arbeitsgruppen sehr überrascht, wie gut unsere „Spielplatzumrisse“ zueinander passen und sich kombinieren lassen.
Unser Spielplatz soll ein aus mehreren Elementen zusammengesetztes Fantasietier darstellen. Es besteht aus einem großen, begeh- und bekletterbaren Fischkopf. Durch Balancierbalken und -pfosten entsteht eine Verbindung zum Klettergerüst. Dieses ist mit einem Kletternetz und einer Hängebrücke bestückt, die an einer kleinen Kletterwand endet. Klettert man diese hinauf, kann man auf einer mit Plane bespannten Holzrutsche in das mit Sand gefüllte Wasserbecken gelangen, welches mit bunten Mosaiken verziert ist. Die umstehenden Bänke werden mit selbst entworfenen Tiermotiven versehen.
Es wurden mehrere Arbeitsgruppen gebildet und unterschiedliche Arbeitsfelder abgesteckt. Ein Teil kümmerte sich um die Reinigung des Bassins, ein anderer beginnt mit den Grabungen für die ersten Fundamente. Die Tischlergruppe begann ihre Arbeit in der Schulwerkstatt. Die Einrichtung sowie das uns zur Verfügung stehende Material stellen uns vor Herausforderungen. Allein der Klang der sich quälenden Maschine, dessen rotierende Scheibe nicht mehr viel mit einem Sägeblatt gemeinsam hat, lässt einem einen kurzen Schauer über den Rücken jagen. Anstelle der von uns bestellten Balken liegen vier riesige, 120 mm starke Bohlen im Holzlager. Nachdem wir ein entsprechend langes Verlängerungskabel aufgetrieben haben, trennten wir die Bohlen mit unserer gesponserten Handkreissäge auf, was sich als sehr langwierig herausstellt, da drei Schnitte von jeder Seite notwendig waren, um diese gigantischen 120 „Tropenholzmillimeter“ zu zerteilen.
Zur selben Zeit wurden die dünneren Bohlen für die Kletterwand und die Hängebrücke an der Tischkreissäge besäumt, grob zugeschnitten, abgerichtet und auf exakte Dicke gehobelt. Die Nut für das quer zu den Trittbrettern laufende Brückenseil wird mit der aus Deutschland mitgebrachten Oberfräse gefräst. Nach einer kurzen Einweisung übernahmen die mosambikanischen Schüler diese Aufgabe und stellen fest, dass diese Maschine u. a. auch ihre Bettgestellproduktion vereinfachen kann. Um die zwei Stützen für die Hängebrücke zu bauen, längten wir alte Telefonmasten mit einer Zweimann-Schrotsäge ab.
Nach Aushärtung der Fundamente wurden die Oberzüge des Gerüstes eingesetzt, an denen die Hängebrücke und das Kletternetz befestigt sind. Die einzelnen Bretter mit den montierten Klettergriffen wurden erst zur Stabilisierung an zwei ausgehobelte Latten und dann an das hintere Stützelement geschraubt. Da uns nur eine begrenzte Auswahl an Schrauben hatten, wurden die Längen dem jeweiligen Verwendungszweck mit einer Flex angepasst. Aus einer dünnen, aber sehr breiten Bohle, zwei Stabilisierungsbalken und langen Brettern zur Seitenbegrenzung sollte die Rutsche entstehen. Das Hobeln der Rutschfläche stellt sich als sehr staubige Angelegenheit heraus, da die Werkstatt nicht mit einer Absauganlage ausgestattet ist. Weil die Auszugswalze vor einer so breiten Bohle kapituliert, muss das Werkstück mit aller Kraft, inmitten der Spänefontäne stehend, aus der Maschine gezogen werden. Die ebenfalls gesponserte LKW-Plane wird auf die breite Bohle geklebt und zusätzlich durch die angeschraubten Stabilisierungsbalken, sowie durch die Seitenteile gehalten. Zum Schluss wurden einzelne Klettergriffe an Stützpfeiler und Kopf des Fisches geschraubt. Die Malerarbeiten an den Bänken waren bald abgeschlossen und auch der Fischkopf und die Mosaike an den Wänden des Sandbeckens strahlten in bunten Farben.
Reiseauswertung
Obwohl sich die Arbeitsbedingungen für alle Beteiligten als große Herausforderung darstellten, war nach zwei Wochen ein Spielgerät gebaut worden, das selbst diejenigen positiv überraschte, die dem Projekt zu Beginn kritisch gegenüber standen.
Der Werkstattmeister der ansässigen Berufsschule war beeindruckt von der Qualität der Arbeitsergebnisse und der Intensität der Arbeitsprozesse. Er hielt die deutschen Teilnehmer alle für Meister oder Lehrer und war erstaunt, als er erfuhr, dass einige der Tischler gerade ihr erstes Ausbildungsjahr vollendet hatten. Das Spielobjekt wurde von den Kindern begeistert angenommen und Lehrer der benachbarten Primarschule nutzen es auch im Sportunterricht. Allerdings merkte ein Lehrer an, dass die Kinder sich häufiger nach den Pausen verspäteten, da sie sich nicht vom Fantasietier-Spielplatz lösen können. (Hanna Purps, Andrew Meyer, Rainer Maehl) ■
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