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Technik und Design im Einklang

BMW Welt, München
Technik und Design im Einklang

Der Kunde soll König sein. Und wie kann man ihm das am besten zeigen? Man baut ihm einen Palast. Einen aus Glas und Stahl, ganz modern, transparent und visionär. Der Autobauer BMW empfängt seit Oktober 2007 seine Kunden in der neuen „BMW Welt“ in München. Es ist ein multifunktionaler Bau, der nicht nur Autofans zufrieden stellen soll. Für die Architekten, die ausführenden Handwerker und auch den Türenspezialisten Schörghuber war es kein leichter Auftrag.

Die BMW Welt ist sachlich betrachtet „nur“ ein Auslieferungszentrum, in dem Neukunden ihre Autos abholen; außerdem wird das Gebäude als Veranstaltungs- und Kongresshalle genutzt. Diese Darstellung wird den Machern und Bauherren des Glaspalastes viel zu profan klingen: Sie sehen das Gebäude als „bedeutende Schnittstelle zwischen dem Unternehmen, der Marke und seiner Umwelt“. Ähnlich wie schon die Konkurrenz in Wolfsburg ihre VW-Autowelt und in Dresden die gläserne Manufaktur gebaut oder Mercedes-Benz sein Museum in Stuttgart eröffnet hat, verfolgt der Münchener Autobauer mit der BMW Welt das Ziel: Der Käufer soll sich mit dem Fahrzeug und dem Hersteller persönlich identifizieren und sich eng an die Marke binden.

Die BMW Welt steht in direkter Nachbarschaft zur Konzernzentrale, dem berühmten Vierzylinder, der seit 1999 unter Denkmalschutz steht und als eines der Wahrzeichen Münchens gilt. Auch das Stammwerk befindet sich gleich gegenüber, ebenso das BMW Museum, das in diesem Frühjahr neu eröffnet wird. Auf der anderen Seite blicken die Besucher auf den Olympiapark mit dem 1972 eröffneten Stadion. Das Gebäude der BMW Welt sollte sich in diese Umgebung einpassen. Das Ergebnis ist eine offene Architektur mit riesigen, komplexen Glasfassaden, die viel Licht in das Gebäude lassen. Weiteres beherrschendes Baumaterial ist Stahl.
Das Gebäude hat eine Grundfläche von 15 000 Quadratmetern und besitzt kaum eine senkrechte Außenwand. Jeder einzelne Baukörper ist schräg gestellt oder in sich verdreht. Besonders markant ist der 30 Meter hohe Doppelkegel, der auf zwei Ebenen Raum bietet für wechselnde Ausstellungen oder Veranstaltungen. Besonders stolz ist der Architekt Wolf D. Prix vom Wiener Büro Coop Himmelb(l)au auf die Dachkonstruktion, die er als „schwebendes Wolkenfeld“ bezeichnet und die mit 16 500 Quadratmetern so groß ist, dass sie den Markusplatz in Venedig überdecken könnte.
Die Dynamik und Leichtigkeit, die die Fassade ausstrahlt, sollte sich auf Wunsch des Architekten auch im Inneren fortsetzen. Auch die Materialien und Farbgebung sollten sich in der Innenarchitektur widerspiegeln. An diese Vorgaben musste sich auch die Firma Schörghuber Spezialtüren halten, die insgesamt 444 Türelemente für die BMW Welt gefertigt hat. Wie üblich bei solchen Großprojekten, stand die Planung der Türen wieder am Ende der Bauphase, so dass sich der Ampfinger Spezialist mit den anderen Gewerken abstimmen und nach den Gesamtanforderungen richten musste. Die Planungen und Abstimmungen erstreckten sich über ein Jahr; gefertigt und geliefert werden musste dann wieder ganz schnell, in nur knapp zwei Monaten.
Wer durch das siebenstöckige und 180 Meter lange Gebäude schreitet, muss schon genau hinsehen, wo sich hier eine Tür befindet. Genau das war auch beabsichtigt: Die Türen sollen in den Hintergrund treten und sich dem jeweiligen Raum anpassen. Das ist auch auf der 1. Ebene so, die die „Premiere“ beherbergt, jener Automobilauslieferungs-Plattform, auf der die Neukunden ihren Wagen das erste Mal auf einem kreisenden Podest in Augenschein nehmen können. Von dort aus treten die stolzen Besitzer direkt ihre Jungfernfahrt an. Dass sie, um auf diese Plattform zu kommen, durch eine der edlen Holztüren gegangen sind, wird den meisten aufgeregten Kunden nicht aufgefallen sein. Im geschlossenen Zustand sind die Türen ohnehin flächenbündig. Außerdem sind sie genau auf das Rastermaß und Ton in Ton mit der Farbe der Wandpaneele abgestimmt.
Auch im Business Center und den angrenzenden Tagungsräumen sollten die hochschalldämmenden Türen (50 dB) die kühle, edle Gesamtoptik des Gebäudes unterstreichen. Die drei Meter hohen Türen aus weißem Schichtstoff sind innen und außen flächenbündig, haben Spezial-Stockzargen dreifach gefalzt und verfügen über Muschelgriffe aus Edelstahl. Die beiden Flügel sind asymmetrisch und werden aufgrund der Übergröße jeweils von vier Bändern gehalten.
Neben reinen, schalldämmenden Funktionstüren hat die Firma Schörghuber auch diverse Brand- und Rauchschutztüren geliefert (T30 und T90) sowie verschiedene Sicherheitstüren aus Holz und mit Stahlzargen, die eine fünffach Verriegelung in WK 3 und WK 4 aufweisen. Alle Türen entsprechen der Klimaklasse III. „Jede Tür hat eine andere Abmessung, individuelle Zargen und auch die Einbausituation war ganz unterschiedlich“, sagt Helmut Molterer, Geschäftsführer des Türenspezialisten.
Hinter beziehungsweise in einigen Türen steckt auch eine ausgefeilte Elektronik. So werden die riesigen Türen, die ins Auditorium – dem Hauptveranstaltungssaal – führen automatisch von Sensoren gesteuert. Da das Auditorium bis zu 800 Gästen Platz bietet und sowohl als Kinosaal als auch für Kongresse, Banketts, Produktpräsentationen oder Konzerte genutzt wird, wurden hier Rauchschutztüren mit einer Schalldämmung von 50 dB eingebaut. Die Türen haben eine Schleusenfunktion, an beiden Flügeln sind Panikstangen angebracht. Auf Wunsch des Architekten wurden die fast drei Meter hohen Türen mit einer vier Millimeter dicken Aufdopplung aus eloxiertem Aluminium versehen. Diese Aufdopplung kombiniert mit einer massiven Füllung, die den Schallschutz garantiert, verursacht ein extrem hohes Gewicht: Ein Flügel wiegt fast 200 Kilo. Spezial-Stockzargen mit Dreifachfalz und vier Schwerlastbänder pro Flügel federn dieses Gewicht ab.
Wesentlich leichter sind die Türen, die zum Business Club führen. Sie haben auch eine Metalloptik, sind aber mit einer grauen RAL-Lackierung versehen. Da dieser exklusive Club mit seinem großen Konferenztisch für geschlossene Tagungen oder Kamingespräche genutzt wird, musste wieder höchster Schallschutz (50 dB) garantiert werden. Dieses Kriterium mussten auch die Türen des Junior Campus erfüllen. Dieser besteht aus drei aufeinander aufbauenden Erlebnisräumen, in denen Kinder und Jugendliche mit allen Sinnen erfahren, was hinter dem Begriff Mobilität steckt. Damit die jungen Besucher im so genannten Campuslabor und in der Werkstatt ungestört Vorträgen lauschen und Experimente durchführen können, während im Campus Portal die Kinder spielen, wurden zwischen den Räumen hochschalldämmende Holzbrandschutztüren (T30) mit Stahlblockzarge angebracht. Die zweiflügeligen Türen zum Campus Labor haben einen automatischen Drehflügelantrieb und sind RAL-lackiert.
Individuelle Türen in den unterschiedlichsten Ausstattungen zu liefern, ist für die Firma Schörghuber nichts Besonderes. Der Auftrag der BMW Welt hat sich dennoch von anderen Projekten abgehoben. „Dass wir uns an diese kühle Industriearchitektur anpassen mussten, in dem sich beispielsweise die Metallplatten der Fassade auch an den Türen widerspiegeln sollten, das war auch für uns neu“, betont Geschäftsführer Helmut Molterer. Er sieht Industriebauten als einen Markt der Zukunft, der durchaus seinen Reiz hat. Im Gegensatz zu den klassischen Objekten wie Hotels, Wellness-Oasen, Banken, Luxuskaufhäuser oder Privatvillen, fordern diese Industrieobjekte andersartige Innovationen. Das Projekt BMW Welt hat Schörghuber erfolgreich abgeschlossen, doch gleich nebenan, in dem neuen BMW Museum, das in diesem Frühjahr eröffnet wird, laufen die Arbeiten noch auf Hochtouren. ■
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