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Papier mit Charme

Richlite fertigt Öko-Kompositplatten aus Papier und Harz
Papier mit Charme

Es war einmal ein Bäckermeister, der war unzufrieden mit der Platte, auf der er seinen Teig ausrollte. So ging er hin und verklebte viele Schichten Backpapier … so beginnt kein Märchen, sondern die reale Geschichte von Richlite. Seit Ende der 50er-Jahre wird das robuste Plattenmaterial mit ganz eigenem Charme in den USA produziert. Vertrieben wird es in Deutschland exklusiv von Spahn Holzwerkstoffe.

Thomas Böckmann

Make it with paper“ ist der Slogan des amerikanischen Herstellers Richlite. Im pazifischen US-Bundesstaat Washington fertigt er mit gerade einmal 40 Mitarbeitern seine Kompositplatten. Dabei werden – ähnlich wie bei HPL – eingefärbte, mit Phenolharz getränkte Papiere unter Druck und Hitze verpresst. So entsteht ein äußerst robuster Plattenwerkstoff: Richlite. Im Gegensatz zu HPL jedoch verwendet Richlite nur recyceltes Papier und die Platten enthalten auch nur 37 % Harz. HPL bringt es – je nach Fabrikat – auf einen Harzanteil von bis zu 50 %. Ein weiterer Vorteil: Der Kompositwerkstoff besitzt eine FSC-Zertifizierung und das Green Guard Label „Gold“.

Sehr robust und dreidimensional zu bearbeiten

Der geringere Harzanteil führt auch dazu, dass Richlite eine größere Härte als HPL hat, woraus wiederum ein besonderer technischer Vorteil resultiert: Im Vergleich zu einem gleich starken HPL sind somit größere Überspannungslängen möglich.

Das Material ist homogen aufgebaut und lässt sich zu massiv wirkenden Möbeln verarbeiten. Richlite-Platten werden in allen Bereichen des Möbel- und Innenausbaus eingesetzt. Im Angebot sind unter dem Label „Skatelite“ auch lebensmittelzertifizierte Versionen. Bereits seit den 60er-Jahren hat sich der robuste Werkstoff als Arbeitsfläche in kommerziellen Küchen etabliert. Aufgrund der erstklassigen hygienischen Eigenschaften der Oberfläche und des niedrigen Wartungsbedarfs blüht der Umsatz in diesem Bereich weiterhin.

Die Platten können mit herkömmlichen Holzbearbeitungsmaschinen bearbeitet werden. Besonders attraktiv und gern genutzt: Für Möbelfronten und Wandverkleidungen können die Platten dreidimensional mit individuellen Mustern versehen werden. Hierfür bietet sich die CNC-Bearbeitung an.

Richlite kann in Stärken von 3 bis 75 mm gefertigt werden. Standardmäßig ist die Platte in den Maßen 2440 x 1220 x 6, 12, 18, 25, 32 mm im Handel, wahlweise mit einer Größe von 3660 x 1525 mm. Wer Verbundplatten selbst fertigen möchte, greift auf 3-mm-Decks zurück – die dünnste lieferbare Plattenstärke.

In vielen Farben und Komposit-Varianten

Richlite ist in sieben Farben erhältlich: Von den Anwendern bevorzugt wird meist „Black Diamond“ – die schwarze Platte ist ab Lager verfügbar. Alle Farben bekommen mit der Zeit eine Patina. Das heißt: Helle Farben dunkeln über die Jahre nach, die schwarze Platte bekommt einen Grau-Schimmer.

Neben den homogenen Platten sind auch Varianten im Programm: „Little Tahoma“ und „Rainier“ gibt es mit verschiedenen Farbschichten. Die Produkte können ganz individuell gestaltet werden, was Plattenstärke, Anzahl und Dicke der Farben sowie den Rhythmus anbelangt. „Rainier“ erhielt in diesem Jahr eine Anerkennung beim Materialpreis der Raumprobe (siehe Seite 22f). Auch zwei Verbundplatten sind im Angebot: „Stratum“ gibt es einmal mit Bambus-Kern oder als „Birch Ply“ mit einem Kern aus Birke-Multiplex. Die Decklagen aus Richlite sind jeweils 3 mm stark. Die Gesamtstärke von „Stratum Bamboo“ beträgt 25 mm, bei „Stratum Birch Ply“ sind es 18,5 und 23,5 mm.

Noch mehr Robustheit durch Oberflächenversiegelung

Die Oberflächenstruktur von Richlite ist – nach entsprechender Behandlung – glatt, seidenmatt und undurchlässig. Wenn das Plattenmaterial direkt aus der Presse kommt, hat es die Qualität „mill finish“. Diese wird allerdings nur in der Senkrechten oder im Außenbereich verwendet. Wird eine belastbare Oberfläche in der Horizontalen benötigt, muss noch eine Oberflächenbehandlung, wie sie auch bei Holzoberflächen notwendig ist, erfolgen:

  • Beim sogenannten „leathered finish“ wird die Oberfläche mit dem Exzenterschleifer und einem Schleifvlies geschliffen und anschließend mit Wachsöl behandelt.
  • Beim sogenannten „honed finish“ wird mit einer 150er-Körnung längs, quer und zuletzt mit dem Exzenter geschliffen. Mit der abschließenden Wachsöl- Behandlung erhält man eine glatte, „smoothige“ Oberfläche.

Im Allgemeinen widersteht Richlite Flecken relativ gut. Trotz der Oberflächenbehandlung ist allerdings Folgendes zu beachten: Entsteht auf hellen Farben z. B. ein Rotweinglaskringel, so muss er sofort entfernt werden. Hartnäckige Flecken sollten mit einem nicht scheuernden, nicht bleichenden Haushaltsreinigungsmittel beseitigt werden. Bei dunklen Farben kann auch Abrieb von Edelstahltöpfen bzw. -Pfannen entstehen, auch dieser sollte sofort entfernt werden.

Dank des homogenen Aufbaus ist Richlite reparaturfähig: Kratzer können vor Ort ausgeschliffen und die Oberfläche neu versiegelt werden.

Vorteile, die Richlite für Arbeitsflächen prädestinieren

Im Vergleich zu Stein- und Quarzprodukten hat Richlite folgende Vorteile:

  • Es hält Hitze bis 176 ° C ohne Risse stand.
  • Es kann bei gleicher Dicke größere Spannweiten überbrücken.
  • Die Haptik ist warm, die Erscheinung ist seidenmatt und weich.
  • Das Produkt gibt geringfügig nach, sodass Glas oder Kristall nicht zerbricht, wenn ein Glas etwas zu fest abgesetzt wird.
  • Abtropfflächen oder -rillen können einfach in die Oberfläche eingefräst werden.

Auch im Außenbereich kann der Werkstoff eingesetzt werden, lediglich für den Fassadenbereich gibt es keine bauaufsichtliche Zulassung.

… und so geht die Geschichte weiter

Nachdem also besagter Bäckermeister 1943 Richlite quasi „erfunden“ hatte, aber nun nicht Platten herstellen sondern weiter backen wollte, suchte er einen Produzenten. Und so produziert Richlite seit Ende der 50er-Jahre dieses Plattenmaterial. Da das Unternehmen mit ca. 40 Mitarbeitern relativ klein ist, hat man sich Jahrzehnte lang auf den zwar auch nicht gerade kleinen, aber dennoch beschränkten nord- und südamerikanischen Markt konzentriert. Doch im Zuge einer Expansion überlegte sich Richlite, wo es noch weitere Absatzmärkte geben könnte. Dabei ging es nicht nach China, sondern nach Europa. In Großbritannien fand man die Materialagentur „Surface Matter“ in London, die seit ca. zehn Jahren das Material in Europa vertreibt. Danach folgten Vertriebspartner in der Schweiz und die Firma Spahn Holzwerkstoffe e. K. in Langerwehe bei Aachen, die bundesweit exklusiv Richlite vertreibt. Mittlerweile gibt es auch in anderen europäischen Ländern Vertriebe, so in den Niederlanden und Frankreich.


Der Autor

Dipl. Industrie-Designer Thomas Böckmann berät in Sachen Richlite Architekten und Verarbeiter in ganz Deutschland.

www.richlite-deutschland.de


Spahn Holzwerkstoffe e. K.

Exklusivvertrieb in Deutschland

Spahn Holzwerkstoffe e. K. ist ein in zweiter Generation familiengeführter Holzgroßhandel mit Sitz im nordrhein-westfälischen Langerwehe bei Aachen. Zum umfassenden Sortiment gehört seit ca. sieben Jahren auch der Werkstoff Richlite, den das Unternehmen exklusiv in Deutschland, Belgien und Österreich vertreibt.

www.spahn-platten.de

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