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Die Herzen bei Gott,die Hände bei der Arbeit

Shaker-Manufaktur: Tischlerei Seeland
Die Herzen bei Gott,die Hände bei der Arbeit

In aller Ruhe und im stetem Streben nach bester Qualität widmeten sich die Shaker ihrer Arbeit. Ihre kollektive Lebensgemeinschaft mit den kompromißlos einfachen, zweckmäßigen und zugleich qualitätsvollen handwerklichen Arbeiten ist berühmt geworden. Junge Tischler begeistern sich heute an der zeitlosen Schönheit der Shaker-Möbel und lassen dieses Handwerk weiterleben. Tischlermeister Peter Seeland, aus dem niedersächsischen Ort Gleichen, ist spezialisiert auf den originalgetreuen Nachbau von Shakermöbeln. Er liefert nicht nur an Privatkunden, sondern ist zudem daran interessiert, sein Wissen an Kollegen weiterzugeben und Möbel in Kooperation mit anderen Tischlereien zu fertigen, um ein umfassendes Sortiment anbieten zu können.

Vor über 200 Jahren haben die Shaker, aus England kommend, amerikanischen Boden betreten. Heute gibt es nur noch wenige „Believer“. Doch ihre Lebensprinzipien bestehen in den Zeugnissen ihrer Handwerkskunst fort. Die in den Shaker-Werkstätten und -Manufakturen geschaffenen Produkte waren ursprünglich nicht als Kunstobjekte gedacht. Einzig und allein als Gebrauchsgegenstände für das tägliche Leben entstanden die ersten Stühle, Werkzeuge und Kerzenleuchter. Um diese Alltagsgegenstände rankt sich ein Mythos, der rückblickend aus der Hektik unserer heutigen Zeit auf die selbstlose und utopische Lebensform der Shaker entstand. Die zeitlosen Qualitäten der Shaker-Objekte repräsentieren all das, was man sich gemeinhin unter einem einfacheren Leben vorstellt.

Schönheit beruht auf Zweckmäßigkeit
Die Möbel und überhaupt alle Gebrauchsgegenstände der Shaker, spiegeln die Begegnung von religiösen und weltlichen Prinzipien wider. Die Shaker-Handwerker entwarfen sie getreu den Maximen, die ihnen die geliebte Mutter Ann, die Gründerin, hinterlassen hatte: „Die Hände bei der Arbeit, die Herzen bei Gott“, „Schönheit beruht auf Zweckmäßigkeit“, „Tue Deine Arbeit so, als ob Du tausend Jahre vor Dir hättest, und so, als ob Du morgen sterben müßtest“, „Jede Kraft erzeugt eine Form“, und so fort. Und da die Shaker an einen Gott glaubten, dem nichts verborgen blieb, behandelten sie jedes Detail eines Möbelstücks mit der gleichen Sorgfalt.
Grazil, und doch stabil
Ein Merkmal der Möbel ist ihre grazile Form. Trotz dieser Zartheit sind die Möbel außergewöhnlich stabil. Die Holzverbindungen werden in traditionellen Schwalbenschwanz- oder Schlitz- und Zapfverbindungen ausgeführt und wo notwendig, mit Holznägeln oder Schrauben fixiert. Als Inbegriff der Shaker-Möbel gilt wohl der Sprossen-Stuhl. Seine Konstruktion orientierte sich am traditionellen Möbeldesign, und er bildete die Basis für die spätere Stuhlfabrikation der Glaubensgemeinschaft. Da die Shaker durchaus nichts gegen ein wenig Bequemlichkeit einzuwenden hatten, ist er etwas nach hinten geneigt. Der Stuhl ist leicht, aber stabil gebaut. Er vereint in sich Handwerkskunst und Zweckmäßigkeit. Die Stuhlpfosten wurden aus abgelagertem Ahornholz gedrechselt, einem guten harten Holz mit im allgemeinen klarer Maserung, aber man verarbeitete bisweilen auch Vogelaugenahorn. Andere Holzarten wie Kirsche, Birke und Walnuß wurden, wenngleich weniger häufig, ebenfalls verwendet. Alle Stühle besaßen drei Sprossen in der Rückenlehne, aus Gründen der Elastizität wurden sie gewöhnlich aus Ahornholz angefertigt. Auch die Querstreben bestanden aus Ahornholz, manchmal auch aus Esche oder Hickory. Für die Sitzfläche der ersten Stühle verarbeitete man biegsame Spanhölzer jeglicher Art, später verwendete man auch Leder, Peddigrohr, gewebte Bänder und geflochtenes Stroh.
Der Kippfuß
Eine der simpelsten und doch effektivsten Erfindungen der Shaker war der Kippfuß. Dieser saß in einem Kugelgelenk am unteren Ende der Hinterbeine des Standard-Stuhls. Wer auf solch einem Stuhl saß, konnte auf den hinteren Stuhlbeinen wippen, wobei die Stuhlbeine sicher auf dem Boden ruhten. Der Kippfuß bewahrte manchen Shaker-Fußboden, der meist aus weichen Kieferndielen bestand, vor Beschädigungen, die durch das Schaukeln mit konventionellen Stühlen leicht entstanden.
Konsequenterweise wurden auch richtige Schaukelstühle entworfen und in größerem Umfang hergestellt. Was für konservative Shaker als Luxus galt, erfreute sich bei den meisten „Believern“ und in der „Welt“ großer Beliebtheit.
Im Himmel gibt es keinen Schmutz
Zur Blütezeit der Bewegung florierte jedoch nicht nur die Stuhlproduktion, auch wenn sie die einzige Shaker-Industriebranche war, die überwiegend auf Verkauf und Gewinn orientiert und durchorganisiert war. Die von Brüdern angefertigten Kastenmöbel, Schränke, Truhen und Schubladenkommoden, dienten hauptsächlich dem Eigenbedarf und gelangten nicht in gleicher Weise auf den freien Markt wie die Stühle. Zu diesem Typ Möbel gehören auch die gewaltigen Einbauschränke, die noch immer die Räume der Shaker- Wohnhäuser zieren. Sie waren nicht die ersten, die Einbauschränke verwendeten, aber sie nutzten die Vorteile dieser Lagermöglichkeit in vollem Umfang. Es gibt Lagerräume mit 860 Einbauschubladen. Die Schubladen werden nach oben hin kleiner, ein typisches Gestaltungsmerkmal der Shaker. Man verband so gute Proportionen mit praktischem Nutzen: Schwerere Gegenstände konnten unten plaziert werden.
Einbauelemente kamen den Shakern sehr entgegen, da sich um und auf ihnen kein Schmutz ansammeln konnte. „Im Himmel gibt es keinen Schmutz“, hatte Mutter Ann oft wiederholt. Aus diesem Grunde standen Tische, aber auch Betten, oftmals auf Rollen, damit man sie zum Putzen leichter wegschieben konnte.
Auch an den bekannten Shakerleisten, die in allen Häusern in etwa zwei Meter Höhe an der Wand angebracht wurden, konnten nicht nur Kleidungsstücke, sondern auch Stühle, Uhren, Kerzenhalter oder Vorratsbehälter platzsparend aufgehängt werden, um unten den Boden wischen zu können.
Nice Boxes
Einer der charakteristischsten Gebrauchsartikel mit vielen Verwendungsmöglichkeiten war die ovale Spanschachtel – die sogenannte Shakerbox. Als Behältnis für Vorräte wurde sie von den Shakern nur nice box (hübsche Schachtel) genannt.
Das Holz wurde um eine Form gebogen und über Dampf gehalten oder in heißes Wasser getaucht; man ließ es auf der Form trocknen. Dann wurden die übereinanderliegenden Enden mit Eisen- oder Kupferstiften zusammengenagelt. Bei den Herstellern setzten sich die Kupferstifte durch, da diese nicht im Lauf der Zeit das Holz verfärbten und auch nicht oxidierten. Alle Schachteln besaßen Schwalbenschwänze als Verbindung des Hartholz-Streifens, der den Korpus bildete. Der Schwalbenschwanz wurde mit Hilfe einer Schablone zugeschnitten, mit einem Messer wurden die Kanten abgeschrägt, um die Schwalbenschwänze flexibler zu machen. Der Schwalbenschwanz war keineswegs nur ein rein dekoratives Element; er erlaubte dem Holz der Schachtel, zu arbeiten und zu atmen, ohne daß es aus der Form geriet, selbst wenn sich Luftfeuchtigkeit und Temperatur stark veränderten. Die Shaker stellten hauptsächlich ovale Schachteln her, aber auch runde Modelle waren durchaus üblich.
Regina Adamczak
Tischlerei Seeland
Seit 15 Jahren ist Peter Seeland selbständig. Von jeher fertigte er massive Möbel und beschäftigte sich zudem mit der Philosophie und dem Handwerk der Shaker. In den Jahren 1991 und 1992 besuchte er die letzten Shakerinnen in Amerika und sah sich die Shaker-Häuser in den Siedlungsgemeinschaften mit ihren liebevoll restaurierten Möbeln an. Seeland war begeistert von ihrer Funktionalität und Einfachheit, aber er fand auch Gefallen an den Ideen und der Philosophie der Shaker. So begann er nach Vorlagen die Möbel in ihrer ursprünglichen Form zu reproduzieren. Hierfür verwendet er überwiegend Kirschbaumholz. Die Verbindungen sind traditionell massivholzgerecht, die Oberflächen werden geölt und gewachst. Da auch die Shaker modernen, rationellen Fertigungsmethoden gegenüber aufgeschlossen waren, ist es durchaus folgerichtig, die Möbel mit modernen Maschinen zu fertigen und die Arbeit mit speziellen Vorrichtungen zu optimieren. Weil er auf spezielle Zubehörteile wie Rollen, Kippfüße oder gewebte Bänder angewiesen ist, arbeitet Seeland mit verschiedenen Handwerkern, Drechslern, Korbflechtern und Schlossern zusammen. Die Holzbiegetechnik eignete er sich selber an.(Tischlerei Seeland, Unterstraße 20, 37130 Gleichen, Tel. 0 55 92/15 00, Fax ~/850)
Die Geschichte der Shaker: Ordnung, Eintracht und gute Werke
Die Shaker waren die größte und bekannteste Glaubensgemeinschaft im Amerika des 19. Jahrhunderts. Um 1840 lebten und arbeiteten rund 6000 Brüder und Schwestern in 19 Kommunen. Sie waren berühmt wegen ihres ungewöhnlichen Lebensstiles, wegen ihrer einfachen und ausgezeichneten handwerklichen Arbeiten und wegen ihres religiösen Tanzes, der ihnen den Namen gab.
Die Geschichte der Shaker in Amerika begann im Jahre 1774, als Ann Lee, eine englische Arbeiterin, in New York ankam. Ann hatte Visionen gehabt und sah sich berufen ein neues Leben zu verkünden, in dem Männer und Frauen unschuldig wie Geschwister zusammen leben sollten, frei von Gewalt, Habgier und anderen schlechten Eigenschaften. Rassen und Geschlechter waren gleichberechtigt.
Die ersten Jahre waren schwierig, erst allmählich wuchs das Interesse an der neuen Religionsgemeinschaft und es wurden Siedlungsgemeinschaften gegründet, in denen die Shaker in ihren eigenen Häusern, abgeschieden von den Nichtgläubigen, wohnten. Das gemeinschaftliche Zusammenleben war in allen Bereichen streng geordnet. Gegenseitige Rücksichtnahme war ein wesentlicher Bestandteil des täglichen Lebens. Ordnung war auch im Haus sehr wichtig. Möbelstücke oder Werkzeuge wurden oftmals nach ihrem Standort gekennzeichnet. Die Schar war angewiesen, die Dinge so wegzuräumen, daß sie Tag und Nacht gefunden werden konnten.
Das meiste, was sie zum Leben brauchten, stellten die Shaker selbst her und darüber hinaus noch eine große Menge von hochwertigen Waren für den regionalen Markt: Außer Stühlen, Flanellhemden und Socken, Besen und Bürsten waren das vor allen Dingen landwirtschaftliche Produkte, wie Sämereien, Kräuter, Apfelmus oder Branntwein. Der einzelne arbeitete jedoch nicht für seinen persönlichen Profit, sondern zum Wohle der Gemeinschaft.Die Shaker stellten die Gegenstände oft in Serie her. Diese Produktionsmethode war nicht nur effizient, sondern garantierte auch die Gleichheit, auf die die Shaker so viel Wert legten. Möbelstücke wurden aber auch individuell für besonders große oder kleine Mitglieder gefertigt. Sie legten großen Erfindungsgeist und Ideenreichtum an den Tag, wenn es darum ging, die Arbeit zu erleichtern oder angenehmer zu gestalten.Um 1845 begann die Zahl der Shaker bereits abzunehmen. 1965 beschloß man den Konvent zu schließen und keine neuen Mitglieder aufzunehmen. Heute leben noch acht Shakerinnen in einer der vormals 19 Gemeinden.
Quellen: Shaker – Kunst, Handwerk, Alltag – von June Spring und David Larkin, 272 S., 98,- DM, ISBN 3-473-48364-8, Ravensburger BuchverlagDie Kunst der Shaker – von Michael Horsham, 127 S., 9,90 DM, ISBN 3-89508-190-6, Könemann, KölnDie Shaker – Stimmungsvoller Videofilm von Hatto Kurtenbach, 45 Min., 49,90 DM + Versand, Interteam München Filmproduktion GmbH, Alpenveilchenstr. 4, 82031 Grünwald, Tel 0 89/641 70 41, Fax ~/641 52 95
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