Der „Freund des Waldes“ Silverius Griessner ist ein Philosoph unter den Tischlern

Generalunternehmer für Wohnkultur

Wer aus dem sonnigen Lungau, von der Tauernautobahn kommend Richtung Osten fährt, den grüßt gleich nach der Landestafel der Steiermark eine haushohe Skulptur: Holzstraße steht darauf. Die folgenden Kilometer Richtung Murau sind von weiteren überdimensionalen Holzmonumenten eskortiert. Dazwischen das Holzmuseum und jede Menge Holz zur Dekoration der Häuser und Balkone. In so einer Gegend muss einer wie der Tischlermeister Griessner aus Neumarkt in der Steiermark leben: Er hört auf den seltenen Vornamen Silverius. Das heißt übersetzt: Freund des Waldes.

Silverius Griessner ist Tischler mit Leib und Seele. Den Holzvirus hat er auch an seine Söhne weitergegeben: Mario, der Ältere, hat nach der Tischlerlehre Zahnmedizin studiert und wartet jetzt auf seine Praxisausbildung an der Klinik. Der Jüngere, der heute im elterlichen Betrieb arbeitet, hat in der Tischlerwerkstätte der Diözese Gurk-Klagenfurt gelernt. Dort hat er naturgemäß auch viel Know-how für die Instandsetzung alter Möbel und sakraler Gegenstände mitbekommen. Das kommt dem Betrieb heute zu Gute. Denn die Tischlerei Griessner hat sich nicht nur mit modernem Design einen Namen gemacht, sondern auch mit einfühlsamen Restaurierungsarbeiten.

Von der „Holzwelt Murau“ in die Bundeshauptstadt
Einige wunderschön inStand gesetzte Stuben, Schränke, Tische oder Sessel zieren Wiener Bürgerhaushalte. Dort, in der Bundeshauptstadt, macht Griessner rund zwei Drittel seines Geschäftes. Umgekehrte Landflucht sozusagen. Zu seinen Kunden zählen heute Industriekapitäne ebenso wie prominente Schauspieler. Der Umgang mit Geldadel und Bühnenstars wurde dem 54jährigen keinesfalls in die Wiege gelegt. Er wuchs gemeinsam mit seinen fünf Geschwistern auf einer Hütte in 1350 Metern Höhe auf, wo seine Eltern als Senner arbeiteten. Nach neun Jahren Schule absolvierte der junge Silverius seine Tischlerlehre bei einem der damals bedeutendsten Tischler der Region.
Aus kleinen Aufträgen entstehen die Großen
Die familiäre Herkunft und die eigene Lebensgeschichte haben Griessner geprägt. Im Gespräch mit „BM“ vermittelt er Freude an der Arbeit, Bescheidenheit und Stolz auf das Erreichte. In über 31 Jahren als selbstständiger Tischlermeister mit allen Höhen und Tiefen hat Silverius Griessner eines gelernt: „Man muss jeden Auftrag gleich wichtig nehmen, denn aus den kleinen Aufträgen entstehen die Großen.“ Zusagen müssen eingehalten, ordentliche Arbeit abgeliefert werden, schwört der Steirer auf die Handwerkerehre. Seine künftigen Auftraggeber versucht der umtriebige Unternehmer schon beim Einrichten der Studentenbude oder der ersten Wohnung von Jungfamilien von sich zu begeistern: Er hat in Neumarkt ein Depot gemietet, wo er die aus den Wohnungen seiner Kunden geräumten alten Möbel zwischenlagert, statt sie in den Container zu werfen. Die ausgedienten Möbel bietet er, unter dem Motto: „Gratis bis billig“ dann sehr günstig oder sogar kostenlos auf seiner Website an. „Das kommt bei den jungen Leuten sehr gut an“, weiß Griessner. Daraus sei schon manche längere Geschäftsbeziehung entstanden.
Tischlerqualität kann mit Möbelhäusern mithalten
Wer sich nur um die Dritteinrichter kümmere, der habe schon verloren, meint Griessner. Denn: „Die haben sich doch längst orientiert.“ Als Unfug empfindet er es auch, wenn auf Billigmöbel aus dem Möbelhaus geschimpft werde. „Das richtet sich doch nur gegen den Kunden selbst.“ Er geht einen anderen Weg: Er schaut sich sehr genau an, was die großen Möbelhäuser zu bieten haben, Design, Preise und vor allem Garantiebedingungen. „Alles in allem können wir Tischler mit den Vorgaben des Möbelhandels ganz sicher mithalten“, ist der Innungsmeister des Bezirks Murau überzeugt. Vor allem Qualität und Haltbarkeit der Möbel machen den Unterschied aus. „Über 30 Lehrlinge habe ich im Laufe der Zeit ausgebildet und ihnen immer wieder eingeschärft, dass die Güte der Möbel beständig stimmen muss.“ Er hat deshalb ein eigens geprägtes Markenschild entwickelt, das an jedem Stück, das die Werkstatt verlässt, angebracht wird. Damit wird jedem seiner Mitarbeiter immer wieder vor Augen geführt, dass schlechte Arbeit auch auf ihn persönlich zurückfallen würde.
Als Bezirksinnungsmeister beklagt Griessner, dass das manche Berufskollegen zu wenig vermitteln. Ein Problem hätten viele seiner Kollegen auch beim Verkaufen, was deshalb besonders aktuell ist, weil die „Kunden inzwischen gelernt haben, zu feilschen.“
Drei Zutaten für das Erfolgsrezept
Auf drei Säulen ruht das Erfolgsrezept des steirischen Unternehmens:
  • Ausgesprochenes Qualitätsbewusstsein und Einhalten von Versprechungen: Wie sehr das die Kunden schätzen, sieht Griessner daran, dass mancher Stammkunde, der zwischendurch einmal „fremd geht“, bei der ersten Enttäuschung reumütig zurückkehrt.
  • Bessere Planung und Kooperation mit anderen Handwerkern: Die Konsumenten wollen alles aus einer Hand und immer die beste Lösung. Bei Modernisierungsaufträgen bringt Griessner gleich die anderen Gewerke mit, die dann sachgemäß Elektro- und Sanitärinstallationen, Malerarbeiten oder was halt sonst noch anfällt an Boden, Wand und Decke, fachgerecht und sauber erledigen. Kooperation bedeutet für Silverius Griessner auch, dass er Fenster von Gaulhofer verkauft, wenn es um Standardlösungen geht. „Ich könnte das zu dem Preis nicht machen.“ Sein Einsatz beginnt, wenn spezielle Kasten- oder Kirchenfenster gefragt sind.
  • Intensive Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Holz, woraus immer neue Designideen entstehen: Zur steirischen Landesausstellung wurde anlässlich eines Architektenwettbewerbes der „Murauer Sessel“ entworfen, der aus schichtverleimter Birke gefertigt ist und dem trotz fehlender Querverbindungen und absoluter Leichtigkeit im Design Objekttauglichkeit bescheinigt wurde. Für den Neumarkter „Naturlesepark“ entstand ein Schneckenhaus aus Lärchenschindeln, in das sich drei bis vier Menschen zur Kontemplation zurückziehen können.
Eine vierte Säule der Tischlerei Griessner darf nicht vergessen werden. Die hält sich aber bewusst immer im Hintergrund: Ehefrau Cornelia. Sie zieht viele Fäden. In der Familie ebenso wie in der Kundenberatung, im Marketing oder bei der Erstellung von Werbemitteln. Sie verwaltet das umfangreiche Fotoarchiv mit Referenzen und sorgt dafür, dass die Website immer mit neuem Inhalt gefüllt wird. ■

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