Leonardoprojekt „Tradition und Moderne“

Lehrwerkstatt Europa

Fünf Holzfachschulen aus verschiedenen europäischen Staaten arbeiten im Rahmen des Leonardoprojektes „Tradition und Moderne“ – das von der Europäischen Union gefördert wird – beim Entwurf und der Realisierung von verschiedenen Möbeln eng zusammen. Lehrer, Betreuer, Schülerinnen und Schüler aus Frankreich, Finnland, England, Italien und Deutschland trafen sich in Köln, London und jetzt zum dritten Mal in Paris und diskutierten die nächsten Maßnahmen.

Was unter Studierenden und Abiturienten schon seit vielen Jahren üblich ist, nämlich länderübergreifende Austauschprogramme, Auslandsaufenthalte bis hin zu Studienabschlüssen im Ausland, ist im Bereich der gewerblichen Berufe noch verhältnismäßig wenig verbreitet. Ein zunehmendes Zusammenwachsen der Europäischen Länder und eine Liberalisierung des Arbeitsmarktes wird dies aber in Zukunft auch für Handwerker ermöglichen.

Ein von der EU unter dem Projektnamen „Leonardo“ gefördertes Programm zeigt, dass ein Austausch und sogar eine fachliche Zusammenarbeit zwischen jungen Handwerkern und Gestaltern aus fünf verschiedenen europäischen Ländern, trotz vermeintlicher Sprachbarrieren möglich ist. Unter der Gastgeberschaft einer französischen Schule trafen sich zu Beginn dieses Jahres Teilnehmer aus Deutschland, England, Finnland und Italien zu einem Arbeitswochenende in Paris.
Im Rahmen eines länderübergreifenden Gestaltungsprojektes unter dem Arbeitstitel „Tradition und Moderne“ sollen unter Einsatz von jeweils landesspezifischen Handwerkstraditionen und -techniken zeitgemäße Möbelstücke entworfen werden. Diese sollen anschließend gefertigt und während einer im Herbst in allen Teilnehmerländern stattfindenden Ausstellung präsentiert werden. Dem voraus ging während verschiedener Aufenthalte an den Partnerschulen eine eingehende Analyse der jeweils landestypischen Traditionen und Techniken, aber auch der jeweiligen schulgegebenen Möglichkeiten.
Das Spektrum der Handwerkstechniken begrenzte sich dabei nicht nur auf das „Schreiner“-Material Holz, sondern reichte bis hin zu Glas, Keramik und Textilien. Die Schülerinnen und Schüler aber auch deren Betreuer erhielten während dieser Besuche vor Ort einen profunden Einblick in die Arbeitsweisen und Gestaltungsprinzipien der verschiedenen Länder und konnten teils selbst an Kursen und Übungen teilnehmen.
Dabei offenbarten sich auch die durchaus unterschiedlichen Ausbildungsziele: das Spektrum reicht dabei von der handwerklichen Erstausbildung im Bereich Holz, Papier, Vergoldung und Restauration an der französischen Partnerschule, einer qualifizierten Facharbeiterausbildung für die örtliche Möbelindustrie in Italien, über die berufliche Weiterqualifizierung zum Meister, Techniker und Gestalter an der deutschen Schule bis hin zu Diplomabschlüssen an den hochschul-ähnlichen Institutionen in England und Finnland.
Doch so unterschiedlich auch die Ausbildung und Abschlüsse, so wichtig unter Umständen die eigene Abgrenzung bzw. Einordnung innerhalb dieser Systeme, ganz oben in der Erfahrungsskala stand für jeden einzelnen Teilnehmer sicherlich die Erkenntnis, dass auch anderenorts gute handwerkliche und gestalterische Leistung erbracht wird. Einen bleibenden Eindruck bei allen Beteiligten wird allerdings die konstruktive und produktive Arbeits-stimmung während dieses Treffens hinterlassen. So waren doch die meisten „Probleme“ trotz diverser sprachlicher Hindernisse, manchmal mittels Zeichensprache oder auch einer schnellen Skizze zu lösen.
Es wäre zu hoffen, dass dieses Programm Schule machen und weitaus mehr Handwerker und Handwerkerinnen das Interesse und vor allem den Mut zur Teilnahme an solchen Austauschprogrammen finden oder gar einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz im Ausland annehmen. Und das trotz vermeintlicher Sprachbarrieren . . . oder wie heißt noch mal schnell „Zapfenband“ oder „stumpfer Türaufschlag“ auf Englisch, Französisch, Italienisch oder gar auf Finnisch?
Heinz Fink, Stuttgart
Partnerschulen des Leonardo Projektes „Tradition und Moderne“:
• CFA Ameublement, Paris /Frankreich
• Gewerbliche Schule für Holztechnik, Stuttgart / Deutschland
• Jurva School of Arts, Seinäjoki Polytech, Jurva / Finnland
• Buckinghamshire College, High Wycombe / England
• IPSIA Brugnera, Pordenone /Italien