Vedder erfüllt höchste Ansprüche für Luxusyachten

Perfektes Finish in der Schlüsselrolle

Schiffsinnenausbau zählt für Tischler und Schreiner zu den Königsdisziplinen. Erst recht, wenn es um die Ausstattung von Luxus-Yachten geht. Perfektes Finish auf edlen Hölzern und Materialien ist dabei ein Muss. Darauf und auf höchste Qualitäts- und Designansprüche ist die Vedder GmbH mit ihrem hochwertigen Schleifzentrum bestens eingestellt. Manfred Maier

I Der Slogan „Finest Interior“, den die Vedder GmbH im Untertitel führt, ist wahrlich keine Übertreibung: Edle Hölzer, wertvolle Edelmetalle, Hightech- und Leichtbau-Materialien, ausgefallene Oberflächen, feine Details für extravagantes Design und nicht zuletzt hohe Handwerkskunst prägen das Bild und die Atmosphäre in den Fertigungshallen am Standort Lüdinghausen.

Betriebsleiter André Risse erinnert an den ganz grundsätzlichen Charakter des Schiffsinnenausbaus: „Im Grunde arbeiten wir mit unserem hochqualifiziertem Personal so individuell wie eine große Tischlerei. Natürlich auf allerhöchstem Niveau. Alles ist sehr komplex, noch vielfältiger, extravaganter und sehr anspruchsvoll.“ Vedder realisiert die exquisite Ausstattung von Luxusyachten und Privatresidenzen für Multimillionäre in aller Welt. Das Unternehmen verfügt über hochentwickeltes Knowhow und zählt zu den wenigen kompetenten Manufakturen, die den Innenausbau von Luxusyachten in allen Facetten beherrschen. 1899 als Möbelschreinerei gegründet, war es Kilian Vedder, der den Betrieb im westfälischen Lüdinghausen in diese Position führte.
2008 hat er sein Unternehmen an die Depa Group, einem global operierenden Objekt-Inneneinrichter veräußert und inzwischen ist das Unternehmen noch schlagkräftiger: 2013 hat Vedder wesentliche Teile des Mitbewerbers und in Insolvenz geratenen Loher Raumexklusiv GmbH aus Wallersdorf/Niederbayern übernommen.
Neben den Kernsegmenten Yachten, Residenzen und Exterior Living Spaces, gehört nunmehr der Bereich Aircraft Interieur für Privatjets zum Leistungsportfolio. Heute beschäftigt Vedder an beiden, technisch bestens ausgestatteten, Standorten 350 Mitarbeiter. Die Produktionsfläche umfasst rund 22 000 m².
Auftraggeber sind spezialisierte Werften, stark im Spiel sind dabei international renommierte Schiffs- und Raumdesigner. Der exklusive Innenausbau repräsentiert oftmals den Löwenanteil des Gesamtbudgets einer Luxusyacht, das schon mal an die 100 Millionen Euro reichen kann. Projektlaufzeiten von bis zu zwei Jahren sind dabei dann keine Seltenheit.
Höchste Ansprüche
Keine Einrichtung gleiche der anderen, bedeutet André Risse: „Die eigenwilligen Wünsche der Yachteigner und Designer zu erfüllen, ist unser Leitmotiv. Wir arbeiten ausschließlich an Unikaten.“
Die Ansprüche sind hoch: „In der Regel findet die Vorabnahme der äußerst kritischen Auftraggeber bei uns im Hause statt. Die Ausführung und Qualität der Oberflächen ist dabei eine alles entscheidende Größe. Schleifen und Lackieren ist vor diesem Hintergrund eine Schlüsseltechnologie.“
Die Schleifaufgaben könnten vielfältiger kaum sein: Vom Kalibrieren von Massivholz über den Fein- und Lackzwischenschliff bis zum Strukturbürsten und zu Sägerau-Oberflächen reicht die Palette. Hochglanz, Effekte mit Metallpulver auf edlem Furnier oder künstlerische Farbkompositionen sind an der Tagesordnung. Wohlgemerkt, auf den unterschiedlichsten und technisch sehr anspruchsvollen Trägermaterialien wie Hightech-Aluminiumwaben, mineralischen Brandschutzplatten oder Kunststoff-Compounds aller Art.
Hightech schlägt Vielfalt
Wenn es ums Schleifen geht, konstatiert Risse eine weitere Tendenz, die der bisher genutzte Schleifautomat nicht mehr erfüllen konnte: „Die Qualitätsansprüche an die Oberflächengüte werden immer höher, Materialvielfalt und Effekte ständig extremer.“ Darüber hinaus galt es, den hohen manuellen Schleifaufwand deutlich zu reduzieren.
Der Weg zu hochwertigem Maschinenbau war damit vorgezeichnet. Der Schleifautomaten-Spezialist Heesemann aus dem ostwestfälischen Bad Oeynhausen konnte mit Hightech und detaillierter Fachberatung überzeugen. Die Wahl fiel auf einen Schleifautomaten vom Typ MFA Impression. André Risse rückblickend: „Der Baukasten von Heesemann bot genau die Optionen, die für uns entscheidend waren.“ Und er fügt hinzu: „In den Planungsgesprächen mit den Heesemann-Anwendungstechnikern hat die Chemie sofort gestimmt.“
Der Schleifautomat bei Vedder, die MFA Impression, ist mit einer für Vedder sehr individuell konfigurierten Aggregatefolge bestückt, die folgendermaßen aussieht:
  • Querschleifaggregat
  • Längsschleifaggregat mit Kalibrierfunktion
  • Längsschleifaggregat mit Drucklamellenband
  • Querschleifaggregat
  • Strukturierbürstenaggregat
Mit dieser Aggregatekombination ist Vedder in der Lage, die sehr unterschiedlichen Schleifaufgaben zu bewältigen. Die Maschine wird damit zum universellen Bearbeitungszentrum für die Oberflächenbearbeitung.
Gleich zwei Querschleifaggregate mit dem bewährten CSD-Magnetdruckbalken und Drucklamellenband sorgen im Zusammenspiel mit den beiden Längsschleifaggregaten im Kreuzschliffverfahren für feinste Oberflächen auf Massivholz und Furnier sowie den feinfühligen Lackzwischenschliff.
Das erste Längsschleifaggregat in der Kombiversion wird nicht nur zum Kalibrieren eingesetzt, sondern erzeugt über einen Zufallsgenerator unregelmäßige Schrupphobeleffekte oder wellenförmige Oberflächen.
Längsstrukturieren in harten und weichen Varianten ermöglicht das abschließende, frequenzgeregelte Bürstenaggregat. Dafür sind Walzen mit Stahllitzen oder Polyamidbürsten im Einsatz. Für weiteres haptisches Feeling ist auch ein Querband im Einsatz. Sägerau-Effekte, vollflächig oder auch partiell nach Programm einsatzgesteuert, erzielt Vedder mit groben Querbändern bis hin zur Körnung 16.
Auf Hochglanz eingestellt
Ein herausragender Schwerpunkt bei Vedder sind aufwendige Hochglanzoberflächen mit PUR- oder mit im Yachtbau oft geforderten Polyester-Lacken. André Risse hält mit kritischem Blick ein Werkstück unter die Inspektionsleuchte am Maschinenauslauf: „Schon die kleinste Delle oder leichteste Unruhe kann eine Reklamation bedeuten und wir müssen von vorne anfangen.“
Entsprechend hoch ist der Aufwand. Vom Feinschliff über den Sperrgrund bis hin zum Finish-Polieren: Insgesamt zwölf Arbeitsschritte, manchmal noch mehr, sind notwendig, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Hier leistet die MFA Impression mit sechs bis sieben detailliert abgestuften Schleifgängen bis hin zur Körnung 2500 ganze Arbeit. Hier machen sich auch das zweite Querband und ein bei Heesemann exklusives Maschinendetail mehr als bezahlt: Wassergekühlte Servomotoren ermöglichen extrem niedrige Drehzahlen bei minimalen Bandgeschwindigkeiten von bis zu 0,1 m/s und damit einen gleichmäßig sicheren Bandlauf mit voller Schleifleistung ohne Geschwindigkeitsschwankungen.
Mit den beiden Querbändern verbindet sich ein weiterer Kniff: Sie verfügen wahlweise über Links- oder Rechtslauf. „Dadurch können wir die Kreuzschliffqualität weiter steigern“, heißt es in Lüdinghausen.
Dauerhafte Präzision
Die MFA Impression repräsentiert nachhaltigen Maschinenbau. Stabile Konstruktionen im Industriestandard und hochwertige Aggregatetechnik sind auf dauerhafte Präzision ausgerichtet.
Die feingliedrige Abtastung der Werkstückkonturen leistet die exakte Information zur Steuerung des Schleifdrucks. Durch das segmentierte Heesemann-CSD-Magnetdruckbalkensystem (computergesteuerte, selektive Druckregelung) kann der Schleifdruck an jedem Element in Millisekunden verändert werden.
Außerdem werden Werkstücktoleranzen von 2 mm und mehr kompensiert. Bei Rahmen- und Schmalteilen z. B. aus leichten Sandwich-Trägermaterialien ein sehr wichtiges Detail. Maschinenbediener Rudolf Klimke: „Der Kantendruck ist sehr feinfühlig und präzise am Terminal einstellbar.“ Für eine einfache Bedienung der Maschine sorgen der leistungsfähige Industrie-PC und der große Touchscreen mit grafischer Bedienoberfläche. Rudolf Klimke profitiert von rund 40 hinterlegten Standard-, Spezial- und Effektschleifprogrammen: „Maschine, Steuerung und die Bedienoberfläche sind sehr komfortabel. Die hinterlegten Bearbeitungsprogramme lassen sich nach Bedarf einfach anpassen.“
Qualität und Flexibilität gesteigert
Alles in allem nennt André Risse die Investition in die MFA Impression unumwunden eine 100-Prozent-Lösung: „Die Heesemann würden wir immer wieder kaufen.“ Diese Aussage hat gute Gründe: Vedder profitiert in der Lüdinghausener Fertigung von zahlreichen positiven Auswirkungen durch den Einsatz des neuen Schleifzentrums. Der Betriebsleiter nennt zu allererst die dauerhaft reproduzierbare Bearbeitungs- und Finishqualität, weist auf den soliden Maschinenbau und den präzisen Bandlauf hin.
Nicht weniger ins Gewicht falle die gewonnene Flexibilität, mit der man auf ständig wechselnde Schleifaufgaben und auf jegliche Art der End- und Effektbearbeitung bestens vorbereitet sei. Gelöst sei damit das auch im Yachtinnenausbau aufkommende Thema Haptik in Form von Strukturoberflächen. Nicht nur auf purem Holz: Für die Erzeugung von Metalleffekten auf Massivholz und Furnier sind die Strukturierbürsten vorbereitend im Einsatz.
Letztendlich stehe die Wirtschaftlichkeit außer Frage. André Risse nennt ein Beispiel: „Bei den in Yachten nach wie vor sehr stark gefragten Hochglanzoberflächen sparen wir runde 40 % der bisherigen Schleif- und Nacharbeit.“ Darüber hinaus erwähnt Risse die gute Zusammenarbeit mit den Heesemann-Technikern bei anwendungstechnischen Fragen und in puncto Maschinenservice.
Auf gutem Kurs
Die Geschäfte mit dem Luxus gehen offensichtlich gut. Handwerkliche Spitzenleistungen und Zuverlässigkeit made in Germany sind gefragt. Die Fertigung in Lüdinghausen platzt derzeit aus den Nähten und schon rücken Erweiterungspläne in den Fokus. Stark nachgefragt werden derzeit die Themen Decks und Außenmöbel, für die bei Vedder eine eigene Abteilung aktiv ist. Gemeint ist damit die loungemäßige Ausstattung von Yachtdecks mit dem entsprechenden, feinen Mobiliar sowie wind- und wetterfesten Theken und Baranlagen.
An Marktbedeutung gewinne derzeit zudem das Geschäftsfeld „Refit“, das mit einer Vedder-Dependance in Barcelona unterstützt wird: Wenn Luxusyachten in den Kategorien 50 oder 70 Metern ihren Besitzer wechseln, wird zumeist eine umfangreiche Generalüberholung und prestigeträchtige Neuausstattung fällig. Für glänzenden und glitzernden Nachschub scheint also gesorgt. I

40417609

Der Autor
Dipl.-Ing. (FH) Manfred Maier war viele Jahre BM-Chefredakteur und arbeitet heute als freier Fachjournalist.