Wohnlichkeit, Komfort und Hightech sind die neuen Küchentrends

Frag den Kühlschrank!

Smarte Vernetzung und clevere Technik waren die alles überstrahlenden Trends auf der „Living Kitchen“. Die internationale Messe für Küchen, Elektrogeräte und Zubehör, die alle zwei Jahre zusammen mit der Möbelmesse in Köln stattfindet, zeigte wohnliche und gesellschaftsfähige Designlösungen, bei denen Komfort und auch Entertainment eine wichtige Rolle spielen. Katrin de Louw

I Zugegeben – es ist praktisch, wenn ich im Supermarkt via App einen Blick in meinen Kühlschrank werfen kann oder die Dunstabzugshaube weiß, dass der Herd an ist und sie deshalb gebraucht wird. Und: Man muss kein IT-Experte sein, um dem anspruchsvollen Küchenkunden clevere, moderne Lösungen anzubieten. Zum Beispiel ist intelligentes und wandelbares Licht in der Küche sowie guter Musiksound über den Möbelkorpus als Resonanzkörper sehr angesagt und recht einfach integrierbar.

Kochen als gemeinsames Erlebnis
Im modernen Küchengrundriss, der fließend in den Wohnraum übergeht, werden jetzt die planerischen Grenzen aufgehoben. Das bedeutet, wenn man heute eine „Küche“ plant, so sollte man den gesamten Raum betrachten: Wir haben einen Ort zum Kochen, zur Aufbewahrung von Lebensmitteln, sicher auch eine Spüle – aber all diese Funktionen sollen möglichst unauffällig, wenn nicht sogar versteckt sein. Darüber hinaus bietet dieser zentrale Raum in der Wohnung auch kommunikative Zonen, in denen wir gerne mit Gästen Platz nehmen. Diese sind angrenzend platziert, sodass man beim Kochen nicht außen vor gerät, sondern am Gespräch weiter teilnimmt: Die Essenszubereitung wird dabei zum gemeinschaftlichen Erlebnis. Die wohnlichen Vitrinen, Regale und das gemütliche Licht, welches nach dem Kochen ein stimmungsvolles Ambiente zaubert, sollte planerisch berücksichtigt werden.
Schluss mit Ober- und Unterschänken
Die Küchenmöblierung gleicht sich mehr und mehr gestalterisch den Wohnmöbeln an: Die Formensprache einer herkömmlichen Küchenzeile mit Ober- und Unterschränken löst sich auf. Anstelle der klassischen, in Reihe platzierten Hängeschränke treten raumhohe, architektonische Wandelemente, die keine Küche vermuten lassen. Oder aber die Hängeschränke werden aufgelockert an der Wand als Einzelelemente verteilt.
Dabei spielen aktuell offene Regale, allen voran schwarze Metallregale mit zierlichen Rahmen eine wichtige Rolle. Viele Anbieter zeigten diese Art der Regalelemente, die in Kombination mit Beton oder Rostoptik einen coolen, industriellen Look erhalten. Diese offenen Fächer befinden sich heute nicht mehr nur im Oberschrank, sondern auch im Unterschrankbereich und lassen die Küche leicht und wertig wirken. Darüber hinaus eignen sie sich hervorragend als Gestaltungselemente, die App-gesteuerte LED-Lichtszenarien in den Raum transportieren und so für Stimmung sorgen. Dabei gilt: Wir wollen keine Einbauleuchten sehen, sondern Licht durch die reflektierenden Flächen in der Küche erleben.
Die Geräte denken mit
Dekorative Pendelleuchten gestalten zwar den Küchenraum, aber bei genauerem Hinsehen sind das oftmals wohnlich gestaltete Dunstabzugshauben, die heute via Smart-Home-Technologie wissen, wann sie angehen sollen. Der Herd kann übrigens auch per SMS seinen Besitzer informieren, wenn dieser vergisst, ihn auszustellen. Ein weiteres Highlight moderner Küchenplanungen sind die sogenannten „Tischlüfter“ oder auch „Unterflurlösungen“, die den Dunst direkt an dem Kochfeld nach unten absaugen und somit eine sichtbare Dunstabzugshaube unnötig machen sollen. Mit der herkömmlichen Abzugshaube verliert die Küche ein wesentliches Erkennungsmerkmal und gewinnt an Wohnlichkeit, die ein wenig an eine Bar erinnert.
Auch Spülen, Armaturen und E-Geräte werden gerne unter beweglichen Arbeitsflächen oder hinter Schiebeelementen und Klappen so versteckt, dass die Küchenwand ein neutrales Gestaltungselement wird. Auch Gerätehersteller setzen auf den reduzierten Look und zeigen Touch-Bedienungselemente, die auf Knöpfe und Tasten verzichten und eine ruhige Front bewahren. Auf dem Stand von Nolte gab es zudem ein nahezu unsichtbares Induktionskochfeld zu erleben, welches in die Keramikarbeitsplatte integriert ist und die Kochfunktion perfekt versteckt: Die Töpfe und Pfannen kochen und braten einfach auf der Küchenarbeitsplatte.
Auch über Musik in der Küche haben sich viele Aussteller Gedanken gemacht, schließlich wollen die Küchenhersteller keinen Anlass geben, dass die Gäste nach dem Essen den Sitzplatz wechseln: Dunstabzugshauben haben eine Lautsprecherfunktion und werden per Bluetooth über das Handy angesteuert. Auch online vernetzte Wandler werden direkt an den Korpus angebracht, sodass dieser durch Schwingung selbst zum Resonanzkörper wird.
Mut zu dunklen Farben
An Bedeutung gewinnt die Auswahl der Materialien, insbesondere der Materialkombinationen. Das war in der Küche zwar immer schon ein großes Thema, aber jetzt kommen noch Stoffe hinzu: Esstischstühle sind gut gepolstert und oft mit gemütlicher Armlehne versehen. Sogar der Polstermöbelhersteller Cor zeigte erstmals eine Kücheneckbank. Aber auch an Kücheninseln wird der Korpus auf einer Seite so niedrig geplant, dass er, mit Kissen versehen, zur Sitzbank wird. Schließlich ist die Küche Kommunikationsplatz Nr. 1 in der Wohnung.
Neben weißen und schwarzen Küchen, die gerne supermatt daherkommen, sehen wir wieder mehr Farbe und auch mehr Holz in der Front, was die Küche richtig natürlich und wohnlich macht. Als Holzart war noch immer viel helle und dunkle Eiche zu sehen. Aber Nussbaum ist auch wieder stark angesagt und wird kombiniert mit mattem Schwarz. Die Küche hat insgesamt wieder mehr Mut zu dunkleren Farben, auch Dunkelblau und Dunkelgrün kommen als klassische Farben in modernen Materialkombinationen zurück. Die Reduzierung der weißen Flächen macht das Ambiente der modernen Küchen gemütlicher, eleganter und hochwertiger. Ab und zu tauchen Akzente auf in leuchtendem Gelb, natürlichem Grün oder Pastellrosa.
Grifflösungen hinter den Fronten
Ein weiteres, neues Gestaltungselement sind Designgläser für Vitrinenschränke in der Küche und darüber hinaus. Nachdem wir in den letzten Jahren wieder getönte Gläser als Trend gesehen haben, kommen jetzt neu – inspiriert von altem Kristallglas in der modernen Tischkultur – wieder strukturierte Flachgläser zurück. Gemeinsam mit gusseisernen Beschlägen darf es also auch wieder etwas nostalgisch werden.
Möbelgriffe sind, wenn man sie überhaupt findet, oftmals schwarz oder in der gleichen Farbe wie die Küchenfront. Am häufigsten sieht man noch immer grifflose Designlösungen. Und da man in der Küche nicht gerne mit fettigen Fingern vorne auf die Fronten tippt, um diese zu öffnen, zeigen die Hersteller unendlich viele Varianten, von oben, von unten oder seitlich so hinter die Front zu greifen, dass diese geöffnet werden kann. Und für das High-End-Segment gibt es auch schon die berührungslose Öffnungselektronik: Nähert sich eine Hand, schwebt die große Hängefront von alleine nach oben. I

Die Autorin

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Die Innenarchitektin Katrin de Louw ist Inhaberin von Trendfilter und führende Expertin für Möbel- und Materialtrends im Innenraum.