Elektrifizierte Fahrzeugeinrichtungen für Akkuwerkzeuge

Mobiler Lade-Raum

Um Elektrowerkzeuge sicher zur Baustelle zu transportieren, bieten Hersteller diverse Systeme an. Wer Akkus unterwegs laden oder vor Ort komplett unabhängig vom Netz sein will, kann ebenfalls auf verschiedene Lösungen zurückgreifen. Heinz-Alfred Losch

Auch wenn viele Schreiner die Einrichtung ihres Werkstattwagens selbst zusammenzimmern, sind maßgeschneiderte Lösungen professioneller Hersteller bei einem Unfall mit Sicherheit die bessere Wahl. Hersteller von Fahrzeugeinrichtungen wie Bott oder Sortimo prüfen ihre Ausbauten in aufwendigen Crashtests und sorgen damit für die Sicherheit der Fahrzeuginsassen und natürlich die der teuren Werkzeugausstattung an Bord. Eindrucksvolle Videos dazu finden Sie auf bm-online.de, Suchwort: „Fahrbereite Werkstatt“. In diesem Beitrag widmen wir uns speziellen Lösungen zum sicheren Transport von Elektrowerkzeugen samt Zusatznutzen.

Im System – L-Boxx, Systainer und Einzelkoffer
Der fachgerechte Transport von Elektrowerkzeugen fängt beim Koffer an. Hier stoßen zwei Welten aufeinander. Der Systainer von Tanos (Festool) und die L-Boxx von Sortimo (Bosch). Festool ist mit seinem Systemkoffer schon seit vielen Jahren aktiv (mittlerweile in der neuen Ausführung T-Loc) und vor allem bei Schreinern beliebt. Deshalb liefern auch eine ganze Reihe anderer Hersteller ihre Elektrowerkzeuge in Systainern oder mindestens kompatiblen Koffern.
Bosch setzt erst seit wenigen Jahren auf die L-Boxx von Sortimo. Auch hier gibt es einige Systempartner. Das L-Boxx-System ist umfangreicher als die Systainer-Linie und bietet deshalb auch Herstellern von Handwerkzeugen oder Verbrauchsmaterialien mehr Gestaltungsmöglichkeiten.
Nur wenige Elektrowerkzeug-Hersteller, wie Dewalt und Milwaukee, setzen auf eigenständige Lösungen.
Sowohl die L-Boxxen, als auch die Systainer lassen sich jeweils gut zusammenklicken. Tipp: Die neuen T-Loc-Systainer müssen immer oben sein, die alten Classic-Systainer unten. Kombinieren lassen sich die Systeme schwer miteinander. Das gilt auch für den Transport im Werkstattwagen. Hier bieten die beiden Kofferhersteller komplette Lösungen für ihre Koffer an, aber teilweise auch Adapter für Fremdsysteme.
Modulbauweise – branchenspezifisch flexibel
Meist ist es sinnvoll, seinen Werkstattwagen branchenspezifisch einzurichten. Denn während Elektriker viel festen Stauraum für Kleinteile brauchen, kann es für Schreiner, Tischler und Fensterbauer eher sinnvoll sein, ihre Fahrzeuge mit unterschiedlichen Modulen zu bestücken, damit an Bord immer ausreichend Stauraum für Werkstücke bleibt.
Hohe Flexibiliät bietet hier das WorkMo-System von Sortimo. Zudem können die einzelnen Module bei Belieben vor Ort die Basis für eine Hobelbank bilden. Spannende Praxiserfahrungen dazu lieferte unser BM-Lesertest „Mobile Hobelbank“.
„Lade-Raum“ – mobile Power an Bord
Da immer öfter Akkuwerkzeuge auf der Baustelle zum Einsatz kommen, stellt sich die Frage, ob diese während der Fahrt von einem Kunden zum nächsten nicht gleich wieder aufgeladen werden können.
Bosch bietet hier im Rahmen seines Wireless Charging Systems die wohl komfortabelste Lösung an. In einem BM-Praxistest zum Markstart des Systems Ende 2015 schilderten uns Schreiner und Tischler ihre Erfahrungen. Das Prinzip: Induktive Energieübertragung. Wie man es von elektrischen Zahnbürsten kennt, bleibt der Akku am Gerät und wird einfach zusammen mit der Maschine aufs Ladegerät gestellt. Soll also ein Akkuschrauber während der Fahrt aufgeladen werden, kann dieser samt Ladegerät in ein sogenanntes Holster gesteckt werden. Im Lieferumfang sind hier ein Wireless-Charging-Akku (2 oder 4 Ah), das passende Ladegerät (230 V) und ein Wechselrichter (12 auf 230 V) für den Zigarettenanzünder. enthalten. Tipp: Achten Sie darauf, dass der Stromanschluss nur bei eingeschalteter Zündung aktiv ist, weil sonst das Ladegerät die Autobatterie über Nacht vollständig entladen könnte.
Da der Akku so nur während der Fahrt aufgeladen wird, kann das in der Praxis bei einem vollständig entladenen 4-Ah-Akku jedoch bis zu 95 min dauern. Dank Li-Ion-Technik tritt aber auch bei ständigem Nachladen kein schädlicher Memory-Effekt auf.
Mit der Wireless-Charging-L-Boxx Bay bietet Bosch noch eine Alternative fürs Aufladen der Elektrowerkzeuge im Fahrzeug an. Dabei handelt es sich um eine spezielle Ladestation, die mit einem Wechselrichter im Auto angeschlossen wird. Sie lädt bis zu zwei Akkus, die in einer darübergeschobenen oder draufgeklipsten L-Boxx befinden. Jede L-Boxx 136 soll Angaben zufolge passen.
Allerdings ist eine spezielle Einlage für das drahtlose Laden im Koffer erforderlich und die gibt es bisher nur für Maschinen der GSB/GSR 18V-Dynamic-Serie. Entsprechende Einlagen für weitere Geräte sollen vielleicht in den nächsten Jahren kommen. Auch für die L-Boxx Bay gilt die Einschränkung, dass nur während der Fahrt geladen werden kann.
Wechselrichter – das sollten Sie beachten
Spezielle 12 V-Autoladegeräte bieten Dewalt (nur für alte Akkus), Makita und Milwaukee an. Auch sie laden nicht besonders schnell. Um die sichere Unterbringung im Fahrzeug muss sich der Handwerker hier selbst Gedanken machen.
Die anderen Elektrowerkzeughersteller überlassen das mobile Laden ganz und gar dem Anwender. Sprich: mit herkömmlichem Wechselrichter in Kombination mit dem normalen Akkuladegerät.
Dabei sind die Leistungsaufnahme des Ladegeräts und der Wirkungsgrad des Wechselrichters (ca. 80 %) zu beachten. Standardladegeräte haben eine Aufnahmeleistung von ca. 100 W, Schnellladegeräte etwa das Doppelte. Bis etwa 150 W genügt die Autosteckdose. Bei höherer Leistung ist eine eigene Verkabelung notwendig – selbst wenn die Autosteckdose stärker abgesichert ist. Denn die oft sehr dünnen Kabel sind nicht für höhere Dauerströme ausgelegt und können bei hohen Ladeströmen schnell heiß werden und dann sogar einen Fahrzeugbrand verursachen. Der Einbau eines Trennrelais kann sicherstellen, dass nur bei laufendem Motor geladen werden kann.
Härtefälle – von Zweitbatterie bis Generator
Wer seine Akkuwerkzeuge auch unabhängig vom Fahrzeugmotor laden möchte, braucht eine Zweitbatterie, die bei ausgeschaltetem Motor von der Fahrzeugbatterie getrennt wird. Bei älteren Fahrzeugen wird der zweite Stromspeicher während der Fahrt mitgeladen. Neuere Autos haben oft eine „intelligente Lichtmaschine“, die abschaltet, wenn die Fahrzeugbatterie voll ist. Dann wird noch ein zusätzlicher Ladebooster benötigt. Wem das noch nicht reicht, kann mit einer Solaranlage, entsprechender Auslegung von Zweitbatterie, Wechselrichter sogar 230 V-Maschinen im Fahrzeug betreiben. Andernfalls bräuchte man für dafür einen Stromgenerator, den Bott sogar vom Fahrzeugmotor antreiben lässt.
Fazit – mit Sinn und Verstand einrichten
Egal welche Lösung nun verlockend scheint, sollte jeder zuerst für sich abwägen, ob sich der Aufwand für den zusätzlichen Nutzen lohnt oder der Komfort im Fokus steht.
Viel wichtiger ist eine Lösung, bei der Werkzeug und Material für den Transport optimal gesichert sind. Damit die Koffer während der Fahrt nicht durchs Fahrzeug fliegen, zu Bruch gehen oder jemanden verletzen. I

Der Autor
Heinz-Alfred Losch ist als freier Journalist spezialisiert auf die Bereiche Elektro- und Handwerkzeuge sowie Messtechnik.