Werkstattbesuch in der Stellmacherei Thiede in Burgtonna. Phönix aus der Asche - BM online
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Phönix aus der Asche

Werkstattbesuch in der Stellmacherei Thiede in Burgtonna
Phönix aus der Asche

Mercedes 290 Cabriolet D, Citroën B14G Torpedo, DKW F8 Luxus Cabrio – alles Namen, die Kenner historischer Automobile in höchste Verzückung versetzen. Die Stellmacherei Thiede im thüringischen Burgtonna verhilft diesen Juwelen aus Holz und Blech aus den Glanzeiten des Automobilbaus in den 20er- bis 50er-Jahren zu neuem Leben. BM-Redakteur Heinz Fink

I Von Karren, Kutschen und Karossen erfährt, wer Uwe Thiede in seinerer Werkstatt im beschaulichen Burgtonna, etwa 20 km nördlich von Gotha, besucht. Denn der 58-Jährige brennt für sein Handwerk. Das merkt man, wenn er mit Begeisterung von seiner Arbeit erzählt. Uwe Thiede ist mit Leidenschaft Stellmacher – und das bereits in der dritten Generation. Und: Er hat sich einen Namen unter Liebhabern historischer Automobile gemacht, denn er restauriert Fahrzeuge, deren Karosserie aus Holz und Blech besteht.Der Stellmacher – oder Wagner, wie dieser traditionsreiche Holzberuf in Süddeutschland heißt – stellte in früheren Zeiten neben allerlei landwirtschaftlichem Gerät vor allem Wagen und Kutschen her. Mit der Entwicklung der Eisenbahn im späten 19. Jahrhundert waren die Stellmacher mit ihren Fertigkeiten auch als Waggonbauer begehrt. Dann, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, mit Aufkommen der Automobile fanden viele Stellmacher Arbeit im Karosseriebau der Autohersteller. Der Stellmacher oder Wagner kann somit als Vorläufer des Karosseriebauers gesehen werden.

Lange Handwerkstradition
Schon Uwe Thiedes Großvater Wilhelm war Stellmachermeister und arbeitete in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg in einer Omnibusfabrik in Schlesien. Nach Kriegsende und Rückkehr aus der Gefangenschaft in Serbien erfolgte 1949 der Neubeginn in Burgtonna in Thüringen. Auch sein Sohn Gisbert erlernte das Stellmacherhandwerk und führte den Betrieb als Meister fort. Der Rückgang an klassischen Stellmacheraufträgen führte den Familienbetrieb in den 60er-Jahren hin zur Bauschreinerei und hier vor allem zur Fertigung von Fenstern, Türen und Toren. Uwe Thiede erlernte schon nicht mehr den Beruf des Stellmachers, sondern wurde Zimmermann. Mit seinem Einstieg ins elterliche Unternehmen wurde das Arbeitsspektrum um die Zimmerei und den Treppenbau erweitert. Bereits zu dieser Zeit setzte man, eher nebenbei und zumeist für gute Bekannte, das ein oder andere historische Fahrzeug instand.
Hobby zum Beruf gemacht
Im Jahr 2005 – die väterliche Bauschreinerei gehörte längst der Vergangenheit an und Uwe Thiede hatte inzwischen einige Jahre als Zimmerermeister im Baugewerbe gearbeitet – folgte er seiner eigentlichen Leidenschaft und erweckte die Stellmacherei Thiede zu neuem Leben. Zusammen mit einem Mitarbeiter restauriert er heute in den Räumen der väterlichen Werkstatt historische Holzkarosserien für Kunden aus ganz Europa.
Beim manchen der Fahrzeuge, die seine Werkstatt erreichen, erinnert nicht mehr viel an ein Auto: Vermorschte und gebrochene Holzteile, rostige und verbogene Bleche und im günstigsten Fall noch ein paar Zierbeschläge – mehr ist oft nicht übrig von den einst elegant geformten Karossen. Für Uwe Thiede kein Problem. In sechs bis acht Wochen ist der hölzerne Unterbau aus gedämpfter Buche und Sperrholz in der Regel wieder hergestellt. Oft dienen ihm Teile baugleicher Modelle, die er von vorhergehenden Restaurierungsarbeiten aufgehoben oder von denen er Schablonen abgenommen hat, als Muster für die Neuanfertigung. Durch Schlitz und Zapfen verbunden, überblattet, eingestemmt oder stumpf verschraubt entsteht so nach und nach ein neues Traggestell für die spätere Blechhaut auf.
Gewerksübergreifende Zusammenarbeit
Kleinere Blecharbeiten erledigt Uwe Thiede in seiner angegliederten Metallwerkstatt selbst, drückt hier und da ein Ergänzungsblech und schweißt dieses in die noch vorhandenen Karosserien ein. Für umfangreichere Blecharbeiten arbeitet er mit einem spezialisierten Karosserieblechner zusammen. Gleiches gilt für den Kfz-Mechaniker, Autolackierer und Autosattler – alles Kollegen, mit denen Uwe Thiede schon jahrelang zusammenarbeitet. Auch hier koordiniert der Meister im Dienste seiner Kunden das reibungslose Zusammenspiel aller Gewerke. Klingt aufwendig? Ist es auch. Doch das Ergebnis rechtfertigt den Aufwand. Liegt der Wert der wie Phönix aus der Asche auferstandenen Schönheiten nach der Restauration doch schnell mal im fünf- bis sechsstelligen Eurobereich.
Gewachsenes, handwerkliches Know-how
Das Wissen, das zur Restaurierung alter Holzkarosserien notwendig ist, lässt sich auf keiner Schule lernen. Neben einer gehörigen Portion Erfahrung und handwerklichen Könnens, so Uwe Thiede, gehören dazu vor allem Neugier und Interesse. Daher studiert er ständig alte Fachbücher und Kataloge und besucht Oldtimer-Messen in ganz Europa. Dabei kommt es nicht selten vor, dass er dem ein oder anderen der inzwischen über 100 von ihm restaurierten Schätzchen wieder begegnet. I
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