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Verwandelte Bäume

Ein Besuch in der Werkstatt der Duisburger Bildhauerin Regina Bartholme
Verwandelte Bäume

„Meine Skulpturen entstehen erst während des Arbeitens“, sagt die Bildhauerin Regina Bartholme. Das Material bestimme maßgeblich die spätere Form. Die Künstlerin verwandelt Baumstämme und einfache Kanthölzer zu abstrakten Figuren. Und aus Furnierholz entstehen interessante Bilder und Installationen.

Autor: Claudia Schneider

I Beim Arbeiten lässt sich Regina Bartholme nicht gerne über die Schulter schauen. Am liebsten ist sie alleine in ihrem 200 m2 großen Hinterhof-Atelier. Hoch konzentriert und in sich versunken leistet die 52-Jährige dort harte Arbeit. Zentnerschwere Baumstämme stemmt die schlanke Frau gekonnt auf die Werkbank. Und wenn sich die Kettensäge dröhnend ins Holz frisst, um die groben Konturen zu formen, bewältigt sie den nächsten Kraftakt. Doch längst sind ihr die Abläufe in Fleisch und Blut übergegangen, genauso wie die Feinarbeit mit Hammer und Beitel.

Ein Bildhauer-Kurs an der Volkshochschule führte die Duisburgerin vor fast 30 Jahren zur Kunst. „Das Dreidimensionale an der Bildhauerei gefiel mir.“ Doch es folgten erst einmal eine Ausbildung zur Grafikerin, dann zwölf Jahre Teilzeitarbeit in einer Werbeagentur. Die andere Hälfte der Zeit blieb für die bildende Kunst. Mit ihrer Geschäftsidee „einem Baum eine neue Gestalt zu geben“, ist die Ruhrgebietsfrau im Jahr 2001 erfolgreich in die Selbstständigkeit gestartet. Seitdem haben Kunden aus ganz Deutschland ihre altersschwachen Bäume im Garten als Skulptur weiterleben lassen oder holen sich einen künstlerisch gestalteten Baum ins Wohnzimmer. Allerdings fertigt Regina Bartholme heute nicht mehr vor Ort beim Kunden, denn „das ist arbeitstechnisch total unpraktisch, dann bräuchte ich ein Gerüst.“ Außerdem hat sie in der Werkstatt mehr Ruhe.
Keine plakativen Aussagen
Der Prozess „des Machens“ übt für sie den größten Reiz ihrer Arbeit aus. Der Wuchs des Baumstammes gibt die Grundform der späteren Skulptur vor. Die Bildhauerin arbeitet zwar figurativ, aber ihre Skulpturen haben weder Arme noch Gesichter. „Ich möchte keine plakativen Aussagen machen“, meint die 52-Jährige, „aber trotzdem ist immer ein Ausdruck erkennbar.“ Dass die meisten Skulpturen und Figuren eher Frauenkörpern ähneln, habe sich so ergeben: „Frauenkörper haben in ihrer Form eben mehr zu bieten.“
Ihre Figuren sollen ruhig Risse und Kanten haben, denn das mache sie menschlich. „Die Unikate verkörpern die Individualität des Menschen.“ Die Formgebung läuft so ab: Der rohe Baumstamm wird von oben nach unten gestaltet. Zuerst arbeitet Regina Bartholme sozusagen einen Charakterkopf heraus. Die grobe Form des abstrakten Körpers wird dann mit der Kettensäge gestaltet, ehe mit Hammer und Beitel zentimeterweise die Rundungen entstehen. Wenn die Form angelegt ist, wird der Baumstamm zum Trocknen aufgestellt, das kann einige Wochen dauern. Das Zerreißen während des Trocknungsprozesses bezieht die Bildhauerin nicht nur in ihre Arbeit ein, sondern nutzt es aktiv: Sie stellt Werke in die Sonne oder vor den Ofen, um ein schnelleres Arbeiten des Holzes zu provozieren, oder ins Kühle, um es aufzuhalten.
Eibe ist ihr Lieblingsholz
An frisch geschlagenem Holz mangelt es der Duisburgerin nicht. Viele Gartenbesitzer schenken ihr gefällte Bäume und der Förster aus dem Duisburger Stadtwald besorgt Wunschbäume für kleines Geld. Ihr Lieblingsholz stammt von der Eibe, die unter Naturschutz steht und deswegen selten geschlagen wird. „Eibenholz strahlt Wärme und Lebendigkeit aus und lässt sich gut verarbeiten“, schwärmt die Bildhauerin. Aber auch Obstbäume seien von der Farbigkeit sehr schön und hübsch geschwungen.
Am wenigsten mag Regina Bartholme die Lärche, denn „die ist so zäh und nicht angenehm zu verarbeiten.“ Dafür habe das Lärchenholz aber oft eine schöne Maserung und sei sehr witterungsbeständig, sodass es für Skulpturen, die im Freien stehen sollen, ideal sei. Auch die deutsche Eiche, Zeder und Robinie sind für alle Wetter gemacht. Die Materialkunde hat sich die Duisburger Künstlerin durchs Ausprobieren angeeignet. Auch Bäume, die man sonst im Handwerk kaum nutzt wie Magnolie, Goldregen, Japanische Kirsche oder Mammutbaum hat sie schon verarbeitet.
Stapelweise Rio-Palisander geerbt
Seit Neuestem gestaltet sie nicht nur ganze Baumstämme, sondern arbeitet mit dünnen Furnierhölzern. „Ich habe die Werkstatt damals von einem Möbelrestaurator übernommen, der mir stapelweise Rio-Palisander-Furnier hinterließ“, erzählt sie, „aber erst neulich habe ich die Furniere aus dem Regal hervorgeholt und hatte Lust, sie in meine Arbeit einzubeziehen.“ Die Furnierhölzer haben Regina Bartholme inspiriert und entstanden sind ganz andere Kunstwerke: Statt Skulpturen sind es Bilder und Installationen. Mal steht das Furnier im Vordergrund, mal entdeckt der Betrachter das Furnier erst im Bildhintergrund. „Ich habe Seife püriert und als Relief auf das Holz aufgetragen. Das wirkt wie ein Porträt, das auf Holz gemalt wurde“, erklärt die autodidaktische Künstlerin.
Verschiedene Materialien kombinieren
Die Kombination von verschiedensten Materialien kennzeichnet alle Werke von Regina Bartholme. Auch ihre Baumskulpturen haben sich im Laufe der Jahre dadurch weiterentwickelt: Anfangs wurde das Rohmaterial puristisch gestaltet. Davon zeugt noch eine Skulptur in ihrer Werkstatt, die aus einem alten Eichen-Dachbalken eines Fachwerkhauses geformt wurde. Dann experimentierte die Duisburgerin: Die Oberflächen der Baumstämme wurden zunächst mit Farbe, Gips, Wachs und Feuer gestaltet. „Ich probiere gerne viel aus. Und ich interessiere mich dafür, wie sich Materialien verhalten.“ So ist es auch zu den „Badekappen-Damen“ gekommen: Die Köpfe der Büsten aus Zedernholz, Eibe, Birne, Fichte und Goldregen tragen fantasievolle Kappen etwa mit wachsüberzogenen Kamille-Blüten, Kunststoffplättchen, Papier oder Heftzwecken.
„Aber der Werkstoff Holz taucht immer wieder in meinen Arbeiten auf“, versichert sie, „ich verarbeite sogar alte Türen, Tischplatten oder Holzrollladen.“ Und natürlich immer wieder Baumstämme, so wie jetzt bei ihrem Auftrag „Madonna mit Kind“. Ab Herbst soll die 1,70 m hohe „moderne“ Madonna in einer kleinen Kapelle in Österreich stehen. Sie wird aus einer alten Eichen-Skulptur umgeformt – hierzu wird das bisherige weiße Kleid von der Oberfläche gestemmt und mit der Kettensäge wird der Po verkleinert, denn die Madonna soll sehr schlank sein. Der Kopf des Kindes wird aus dem Brustbein entstehen. Normalerweise macht die Künstlerin nie vorab Skizzen, aber bei konkreten Kundenaufträgen schon.
Zustande gekommen ist dieser Auftrag wie so oft durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Durch Ausstellungen gewinnt Regina Bartholme ebenfalls viele Kunden. Das nächste Mal lädt sie vom 26. bis 29. Juni in ihr Hinterhof-Atelier an der Memelstraße 65 in Duisburg ein (15 bis 20 Uhr, Sa. und So. 12 bis 20 Uhr). Ihre Schwester, die Designermode und Taschen aus Altkleidern gestaltet, wird ebenfalls mit ausstellen. I
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