Polykarp Schnell – eine Manufaktur, die auf Vielfalt setzt

Alles auf Kante

Ob geprägte Kanten, Hirnholzkanten, glänzende oder matte Aluminiumkanten, Materialmixkanten mit eingelegten Alu- und Acrylstreifen oder Kanten mit Wurmholzoptik – das sind nur die außergewöhnlichsten Produkte des Spezialisten Polykarp Schnell. Selbstverständlich zum Angebot gehören auch Stark- und Furnierkanten in all ihren Facetten und in allen am Markt verfügbaren Holzarten.

BM-Redakteurin Regina Adamczak

Spezieller geht es nimmer. Doch entstanden ist Polykarp Schnell aus einer Bauschreinerei. Schon vor über hundert Jahren war sie gegründet worden in Obernheim, das idyllisch auf dem Großen Heuberg liegt, dem südwestlichsten Teil der Schwäbischen Alb im Naturpark Obere Donau. Doch was als Allroundbetrieb begonnen hatte, entwickelte sich weiter. Erst entstand eine kleine Möbelfabrik, später kam die Kantenentwicklung dazu. „Hier gibt es ganz viele Spezialunternehmen“, erzählt mir Geschäftsführer Christoph Günther schon während der Anfahrt. Und so ein Spezialunternehmen ist auch Polykarp Schnell. Als Wolfgang Neef, Rosenheimer Holzingenieur, Ende der 70er-Jahre in den Betrieb eintrat und als Pionier die Furnierkante auf der Rolle vorantrieb, war die Spezialisierung perfekt. „Doch die Furnierkante war ihm nicht genug“, berichtet Günther weiter. „Er hat mit den unterschiedlichsten Materialien experimentiert. Acrylwerkstoffe, Aluminium, sogar eine Barkcloth-Kante aus Rindentuch hat es schon gegeben.“ Und er fügt schmunzelnd hinzu: „Wir bringen alles auf Rolle, was sich wickeln lässt. Sonst hätten wir es sicherlich auch schon mit Beton versucht.“

Vielfalt von Aluminium bis Zirbe

Diese Vielfalt ist es auch, die das Unternehmen immer noch auszeichnet. Unter der Marke „Edelkanten“ werden Produkte wie zum Beispiel die Step-Line-Prägekante in Säge- oder Wurmholzoptik, die Materialmixkante Aluplex-Wenge, die Hirnholzkante in Eiche, Buche, Ahorn oder Nussbaum oder Aluminiumkanten in Matt oder Hochglanz gefertigt. Doch auch wenn Polykarp sich mit solchen Innovationen immer wieder ins Gespräch bringt, das Hauptangebot sind die Furnierkanten von der Rolle, die in ca. 150 Holzarten gefertigt werden. „Es ist fast schade, dass in den Möbelhäusern hier in Deutschland schon seit Jahren nur Eiche zu sehen ist“, meint Christoph Günther. „Wir freuen uns immer wieder, wenn kreative Schreiner und Innenausbauer auch andere Holzarten wieder in den Blick nehmen und unsere Kanten-Vielfalt nutzen, um exklusive Projekte umzusetzen.“ Während meines Besuches werden gerade Kanten aus Zirbenholz produziert, ein Trend, der nicht nur im Alpenraum sein Zuhause hat.

Wir wollen ein sicheres Produkt anbieten

Doch das A und O ist nicht die Vielfalt, sondern die Kunst sei es, diese Vielfalt zu beherrschen, stellt Günther klar. „Wir bieten nicht nur ein sehr hochwertiges, sondern auch ein sicheres Produkt an.“ Und er setzt hinzu: „Das ist es vor allem, was unser Angebot von anderen abhebt.“ Umfangreiche Prüfverfahren vor, während und nach der Fertigung lassen alle Parameter nachvollziehbar werden: Holzfeuchte, Luftfeuchte, Leimart, Press-Einstellungen. Schon früh wurden die Verfahren über EDV systematisiert. Und: „Auch unsere Mitarbeiter sind mit den Qualitätsanforderungen vertraut und sie haben das dazugehörige Fingerspitzengefühl. Die meisten von ihnen sind schon so lange bei uns, dass sie einen persönlichen Ehrgeiz für die perfekte Kante entwickelt haben“, lächelt Günther.

Eine der langjährigen Mitarbeiter ist die Produktionsleiterin Sandra Walther. Seit 25 Jahren wacht sie über den reibungslosen Ablauf in der hochspezialisierten Fertigung mit vielen selbst entwickelten Spezialmaschinen. „Bei uns gibt es im Grunde genommen keine Fließfertigung. Aufgrund unserer enormen Produktvielfalt fertigen wir nicht auf Lager. Bei alledem sind wir hochflexibel: Wenn ein guter Kunde anruft und ganz schnell eine besondere Kante braucht, bekommt er diese, auch wenn wir dann wegen der entsprechenden Rüstzeiten mal ein Auge zudrücken müssen.“

Furnierkanten sind ein sensibles Produkt

Doch auch wenn die Kanten des Spezialisten technisch ausgereift sind, ist Polykarp auch auf das Know-how der Verarbeiter angewiesen. „Ein Schreiner weiß einfach, dass eine Hirnholzkante innerhalb von Sekunden austrocknen kann. Ihm als Fachmann brauchen wir nicht zu erklären, dass Furnierkanten ein sensibles Produkt sind, dass die Maschinenparameter angepasst werden müssen.“ Doch Christoph Günther empfiehlt auch, die Verarbeitungshinweise, die es zu jedem Produkt gibt, genau zu beachten. Dann stehe der perfekten Schmalflächenbeschichtung nichts mehr im Wege. Tischler und Schreiner in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhalten die Kanten von Polykarp Schnell über ein umfassendes Händlernetz.

Polykarp Schnell GmbH
72364 Obernheim
www.polykarp.de