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Holz trifft auf Glas

Planung und Montage von Küchenrückwänden mit bedrucktem Glas
Holz trifft auf Glas

Um eine harmonische Gesamtgestaltung in der Küche zu realisieren, wurde ein Teil der bestehenden Spaltholzwand im Essbereich der Küche abfotografiert und auf Glas gedruckt – klingt einfach, ist es aber gar nicht. Was alles bei der Planung und Montage beachtet werden muss, erklären die Firmen König Glasbau aus Helmstedt und der Druckspezialist Kleinhempel aus Hamburg.

BM-Redakteur Stefan Kirchner

Bei einer Küchensanierung sollte die Optik der Reliefwand aus geöltem Eichenspaltholz von der Reichert Holztechnik aus Pfalzgrafenweiler zum Teil abfotografiert und auf Glas gedruckt werden. Die in der gegenüberliegenden Raumecke zu installierende Küchenglasrückwand dient in diesem Fall als Spritzschutz hinter dem Spülenbereich. Sowohl die Reliefwand wie auch die reproduzierte Glasrückwand in Holzoptik sollten über Eck montiert werden.

Glasauswahl ist entscheidend

Die erste Herausforderung besteht darin, das richtige Glas zu wählen. ESG-, VSG- oder Floatglas: In diesem Fall wurde Floatglas statt ESG eingesetzt, weil keine Temperatureinflüsse bspw. durch einen Gaskochherd oder Biegezugbelastungen auf das Glas einwirken können, außerdem waren keine Glasdurchbrüche nötig. Auf VSG kann auch verzichtet werden, weil die Grafik nicht zwischen zwei Scheiben laminiert werden muss. Die Wahl fiel auf das leicht satinierte Weißglas AGC Matelux light clearvision mit 6 mm Dicke und polierter Kante. Weißglas deswegen, damit die neutrale Farbe des Glassubstrats nicht zu einer Farbveränderung der Hinterdruckung führt. Leicht satiniert, um die Reflexe zu reduzieren, wie sie sonst auf üblichen Hochglanz-Glasoberflächen zu sehen sind, und um die Natürlichkeit der Holzreproduktion zu gewährleisten.

Beim Aufmaß nicht zu stramm messen

Neben der maßlichen Festlegung des Glases sollte man sich einen Eindruck über logistische Gegebenheiten und Hinderungspunkte verschaffen. Dazu gehören bei Küchen insbesondere Wasserhähne, Steckdosen, Hängeschrank-Beleuchtungskörper, aber auch Tragfähigkeit der Wandoberflächen und Unebenheiten usw. Möglicherweise sind notwendige störende Elemente mit zu berücksichtigen, alternativ große Scheiben, soweit möglich, zu teilen. Auch hier gibt es häufig bei der Beratung die Möglichkeit, Trennschnitte nicht nur einfach stumpf, sondern gestaltet einzusetzen. Bei den Außenmaßen ist zu berücksichtigen, dass ringsum genügend Luft gegeben wird, damit in zu versiegelnde Fugen (z. B. zwischen Arbeitsplatte und Glas) das Silikon eingefügt werden kann – ca. 3 mm sind dafür ausreichend. Das Glas genau passend zu machen, kann risikobehaftet sein. Zum einen reißen zu geringe Fugenbreiten sehr gern ab, zum anderen können Bewegungen im Baukörper dazu führen, dass das Glas Kantendruck bekommt und so reißt. Tipp: Eine Floatglasscheibe kann zur Not nachgearbeitet und auch auf der Baustelle gebohrt werden. Ein ESG muss in jedem Fall neu gefertigt werden.

Eine häufig gestellte Frage in diesem Zusammenhang: Wie bekomme ich defekte Scheiben wieder von der Wand? Soweit überhaupt notwendig, mit einer Splitterschutzfolie, die die Oberfläche bindet, und mit einem Stahldraht, der die Verklebung zur Wand abschneidet. Meist ist jedoch die praktikablere Wahl einfach eine neue Scheibe auf die defekte aufzukleben.

Grafik mit hoher Auflösung wählen

Ein gestalterisches Element sollte immer mit Bedacht gewählt werden – schließlich sind fest mit dem Trägermaterial verbundene Glasoberflächen sehr nachhaltig, weil sie über einen langen Zeitraum ohne Patinaschäden funktional sind. Ein sich wiederholendes Element zu schaffen, bedarf im ersten Schritt der fotografischen Reproduktion der Holzwand, die dem Original sehr nahekommt. Hierfür werden hochauflösende Bilddaten benötigt, die idealerweise durch einen Fotografen mit hinreichendem Licht und genügend Erfahrung erstellt werden. Die Grafik sollte in einer sehr hohen Auflösung und mit einem dem Original nahekommenden Tiefeneffekt ausgeführt werden. Ausdrücklich wird hier vor der Verwendung von Handyfotos gewarnt, da die Auflösung in vielen Fällen nicht geeignet ist, um die notwendige Größe zu reproduzieren.

Anschließend erfolgt die Postproduktion im Grafikbüro, um die fotografischen Daten an die Gegebenheiten vor Ort anzupassen – sowohl farblich als auch hinsichtlich der Darstellung der Oberflächenstruktur. Dabei sollten immer mehrere Probedrucke auf dem Glas vorgesehen werden. Nachdem der Druck zur realen Wand deckungsgleich ist, kann der Druck auf den Scheiben erfolgen. Hier einen Spezialisten ans Werk gehen zu lassen, ist wichtig. Neben der Qualität des Drucks kann nur ein erfahrener Partner sicherstellen, dass die Haftung am Glas genauso perfekt ist, wie bei der zum Schutz der Grafik absolut blickdichten zusätzlichen Deckschicht.

Hochwertiger Glasdruck mit Tiefenwirkung

Die Wahl fiel auf einen UV-Digitaldruck direkt aufs Glas mit zusätzlicher Blackout-Beschichtung von Kleinhempel (siehe Kasten). Einige verworfene Alternativen: keramischer Digitaldruck auf ESG (nicht brillant genug), bedruckte Folie hinter Glas (nicht dauerhaft genug), andere organische Drucklösungen (nicht UV- oder feuchtebeständig genug), Fotolaminat zwischen VSG (zu kostenintensiv) u. v. m. Der Spezialist Kleinhempel druckt von digitalen Daten oder beschafft entsprechend hoch aufgelöste Motive, die ein eindrucksvolles Endprodukt versprechen. Für den Glasdruck (z. B. Küchen- und Duschrückwände) benötigt die Firma Bilddateien in einer Auflösung von mindestens 100 dpi bezogen auf das endgültige Format des Glases. Die Druckauflösung beträgt 900 bis 1080 dpi, das entspricht einer Fotoauflösung. Die maximale Druckgröße beträgt in der Länge 400 cm, in der Breite 320 cm, das Gewicht einer Glasscheibe sollte 120 kg nicht überschreiten (Sonderwünsche sind auf Nachfrage möglich). Zum Schutz des Druckes kann die Rückseite des Glases lackiert werden und ist dadurch unempfindlich gegen Kleber und Feuchtigkeit.

Keine Raumluft einschließen bei der Montage

Bevor die eigentliche Montage losgeht, ist es manchmal hilfreich, vorher einen Trockenlauf (ohne Kleber anzugeben) mit dem Glas durchzuführen. Der Wasserhahn kann in vielen Fällen ebenso hinderlich bei der Montage sein wie montierte Leuchten oder andere Hindernisse, die beim Einstellen oder Einkanten des Glases den reibungslosen Ablauf behindern.
Für das Verkleben wird als erster Schritt doppelseitiges Spiegelklebeband in senkrechten Streifen auf die Wand geklebt. Das verwendete Klebeband sollte mindestens 1,5 mm, idealerweise ca. 3 mm dick sein. Grund ist, eine Hinterlüftung herzustellen, die dem Kleber ein schnelles und ungehindertes Abbinden ermöglicht und später für auftretende Feuchte einen Verdunstungsraum bietet.
Anschließend werden neben die Klebebänder und in ca. 20- bis 30-cm-Abständen senkrechte Kleberaupen aufgetragen, die idealerweise doppelt so dick sein sollten wie das Klebeband selbst. Senkrecht deswegen, damit sichergestellt ist, dass sich keine Raumluft im abgeschlossenen Bereichen sammeln und zwischen Glas und Wand idealerweise eine Konvektion entstehen kann. Doppelt so dick deswegen, damit die Scheibe auf dem Kleber schwimmen und in die richtige Position gebracht werden kann, bevor sie auf das Klebeband gedrückt wird. Das Klebeband hat lediglich die Aufgabe der Anfangshaftung, das tatsächliche Verkleben des Glases mit der Wand erfolgt ausschließlich über den Kleber.
Achtung: Beim schiebenden Positionieren des Glases auf der Wand darauf achten, dass keine harten Teile zwischen Wand und Glas die Lackierung des Glases verletzen.
Die Scheibe ringsum vermitteln und fest auf das Klebeband drücken. Eventuelle Ausschnitte wie Steckdosen besonders intensiv mit Kleber hinterlegen.

Zum Klebesystem: Soweit keine überprüften eigenen Erfahrungen mit geeigneten Klebern oder Klebeband vorliegen, sollte man sich an den glasverarbeitenden Partner wenden. Gewarnt sei vor dem Risiko, irgendein Klebesystem zu verwenden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Klebeband und Kleber durch reaktive Wirkung auf die rückseitige Beschichtung des Glases durchschlagen und sich so zur Sichtfläche markieren.

Abschließend sollten nur die Fugen versiegelt werden, die unbedingt vor eindringender Feuchte geschützt werden müssen. Mindestens die obere Fuge sollte komplett offen bleiben, damit Feuchte entweichen kann.


Druckspezialist Kleinhempel

Fast alles kann bedruckt werden

Kleinhempel ist ein inhabergeführtes Hamburger Druck- und Medienunternehmen, das seinen Kundengruppen, wie z. B. Architekten, Planern, Tischlern, Glasereien, Malern und Privatleuten, internationalen Fullservice rund ums Bild liefert. Seit über 80 Jahren beschäftigt sich die Firma mit der Produktion von fotografischen Aufnahmen, Druckerzeugnissen und Sonderwerbeformen. Kleinhempel ist im Großformatdruck neben den klassischen Blow-ups und Bannern auf die Produktion von Interieurausstattungen im Bereich der Shop- und Objekteinrichtungen spezialisiert. Zudem werden Kunstunikate wie Fine-Art-Prints und Digigrafien zu Wanddekorationszwecken hergestellt.
Neben flexiblen Materialien wie Stoffen werden auch viele starre Materialien wie z. B. Glas, Holz, Acryl, Fußböden, Wand- und Deckenpaneele oder Stahl und Blech in Einzelstücken und kleinen Auflagen in einer Druckbreite von 3,2 m mit Bildmotiven und Dekoren bedruckt. Auch IMO-zertifizierte Druckverfahren für Yachten und Kreuzfahrtschiffe sowie Digital-Signage-Lösungen werden angeboten und stetig ausgebaut. Die Verhüllung des Brandenburger Tores ist ein beispielhaftes Projekt, das umgesetzt wurde.

www.kleinhempel.de


König Glasbau mit langer Tradition

Breit aufgestelltes Netzwerk

Die seit 1898 familiengeführte König Glasbau GmbH Co. KG aus Helmstedt wird in vierter Generation geführt und bietet alles rund um das Thema Glas – von der fachgerechten Beratung bis zur professionellen Umsetzung vor Ort. Neben Glas in privaten Büro-, Wohn-, Küchen- oder Badräumen werden auch komplexe Großverglasungen für namhafte Dienstleistungs-, Handwerks- und Industriebetriebe regional bis zu einem Umkreis von 100 km angeboten. Für überregionale Projekte bietet das Unternehmen ein breit aufgestelltes Netzwerk mit vielen Partnerbetrieben. Angeboten werden maßgeschneiderte Lösungen sowohl für Privat- als auch für Geschäftskunden oder Hausverwaltungen. Das gut geschulte und ausgebildete Personal berät und unterstützt bei der Planung und Umsetzung.

www.glasbau-koenig.de


Der Autor

Thomas Ploeger ist Architektenberater für Designglas im Interieur und Exterieur bei König Glasbau in Helmstedt.

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