Abgehängte Deckenkonstruktionen im Ladenbau

Unter der Decke

Ein ausgefallener Innenausbau erregt Aufmerksamkeit und lockt Passanten an. Warum nicht einmal im Café, Restaurant oder Laden die Decke zum Star des Designs erheben? Bei diesen fünf gelungenen Beispielen aus aller Welt lohnt sich der Blick nach oben. Katharina Ricklefs

I Wenn es darum geht, wie die Technik unter der Decke kaschiert werden soll, muss es nicht immer auf eine abgehängte Konstruktion aus Gipskartonplatten hinauslaufen. Vielmehr lohnt es sich, kreative Lösungen zu entwickeln und gestalterisch in Szene zu setzen.

Unterm Blätterdach
In fußläufiger Entfernung zur Bastille im Herzen der französischen Hauptstadt gestaltete das Pariser Architekturbüro Joshua Florquin Architects den Friseursalon „Les Dada East“. Bereits durch die großen Schaufenster fällt die raffinierte Decke des Hair & Styling Salons sofort ins Auge. Als Vorbild für den Entwurf benennt der Architekt die Schönheit der Natur und ließ sich davon inspirieren, wie an einem sonnigen Tag im Wald das Sonnenlicht glitzernd durch die Blätter scheint. Um diesen Effekt unter der Decke des Friseursalons nachzuahmen, kreierte Joshua Florquin ein abstrahiertes Blätterdach aus Sechsecken. Die nur 10 mm starken Birkensperrholz-Paneele mit einer Kantenlänge von 80 cm sind in drei unterschiedlichen Höhen versetzt angeordnet und von der Decke abgehängt. An drei Punkten ist jedes Sechseck über Metallstangen an einem orthogonalen Raster an der Decke befestigt. Damit diese Unterkonstruktion für die Salonbesucher unsichtbar ist, überlappen die Paneele rundum jeweils um 10 cm. Wenn schließlich die hinter der Decke verborgenen Leuchtmittel eingeschaltet werden, zaubert das durch die Spalten zwischen den Sechsecken scheinende Licht blendfreie Lichtakzente an die Salondecke – fast wie im Wald.
12 000 Holzstäbe
Keine Filiale der spanischen Bäckerei „be fast – pan & pasteles“ gleicht der anderen. Einzig die Firmenfarbe Magenta zieht sich wie ein, in diesem Falle anstatt dem sprichwörtlichen roten, pinkfarbener Faden durch alle Ladenausbauten. Das Architekturbüro ideo arquitectura legte für die neue Zweigstelle in der Altstadt von Alcalá de Henares zunächst die über 150 Jahre alten Backsteinwände des Altbaus frei. In Kontrast zu dem rauen Mauerwerk platzierte die Architektin Virginia del Barco eine kunstvolle Installation aus 12 000 Holzstäben unter der Decke. Die unterschiedlich langen Massivholzstäbe mit einem Durchmesser von 30 mm aus leichtem Balsaholz sind in drei Nuancen der Farbe Magenta lackiert. Nach einem punktgenauen Plan wurden die Holzstäbe auf 10 mm starke Kunststoffplatten von 1,80 x 1,00 m angeordnet und einzeln senkrecht verschraubt. Durch die transparente Kunststoffunterkonstruktion sind zwischen den pinken Holzstäben die historischen Deckenbalken nach wie vor erkennbar. Ein geschliffener rosafarbener Mikrozementboden bildet den ruhigen Gegenpol zur Deckeninstallation.
Chinesisches Kästchenspiel
Nudelrestaurants gehören zur jahrhundertealten Tradition der chinesischen Küche. Das „Dacong’s Noodle House“ in Shanghai ist vor allem für seine Pekinger Nudelspezialitäten bekannt, bei der handgezogene Nudeln mit Sojapaste verfeinert und mit frischen Delikatessen serviert werden. Für den Innenausbau des 210 m² großen Restaurants kombinierten Jeremy Li und David Wang von The Swimming Pool Studio geometrische Formen mit traditionellen Werkzeugen der Nudelherstellung. Die Lüftungsrohre der Klimaanlage und die Leitungen der Leuchten verschwinden unter einer abgehängten Decke aus zahlreichen übereinander angeordneten und über Metallklammern miteinander unsichtbar verzahnten Kuben. Die offenen Würfel von 35 x 35 cm sind aus Eichenkanthölzern mit 1,5 cm Querschnitt gefertigt. An einer Leichtmetallunterkonstruktion ist das kunstvolle Kubenraster von der Stahlbetondecke des Restaurants abgehängt.
Im Dreieck
Statt hinter Gittern, sitzen die Gäste des „Jury Café“ im australischen Melbourne umgeben von Dreiecken. Der historische Altbau, in dem auch das Café liegt, beherbergte einstmals als Strafanstalt Pentridge Prison Schwerverbrecher und wurde seit der endgültigen Schließung 1997 sukzessive zum angesagten Wohn- und Shoppingkomplex umgebaut. An die dunkle Vergangenheit gemahnt heute nur noch der Name: „Jury Café“, den die Betreiber als Referenz an die Geschworenenjury wählten, die im angelsächsischen Rechtssystem in Strafprozessen über die Schuld des Angeklagten entscheidet. Der Architekt Jean-Pierre Biasol vom Biasol Design Studio hängte von der kahlen Betondecke des nur 47 m² großen Innenraums eine Rahmenkonstruktion aus 60 rechteckigen Feldern mit aussteifenden Diagonalen ab, sodass ein Muster aus 120 Dreiecken die Decke überzieht. Die Kanthölzer aus Konstruktionsvollholz mit einem Querschnitt von 4,5 x 9 cm wurden geschliffen und lackiert. In den Farben Schwarz, Weiß, Pink und Blau lackierte Flächen lenken den Blick auf einzelne Dreiecke. Wie die Decke gestaltete der Designer Biasol auch die Rückwand und den Tresen. Die Pendelleuchten mit den skulpturalen Glühlampen sind an der Betondecke befestigt und durch die Deckenkonstruktion durchgeführt. Indem die flexiblen roten Netzkabel der Leuchten mehrfach um die Kanthölzer geschlungen sind, lässt sich die Höhe über den Tischen und dem Tresen bedarfsgerecht einfach regulieren.
Welle aus Lamellen
Der „Fresh & Easy Concept Store“ in der spanischen Hauptstadt Madrid versteht sich quasi als kleiner Marktplatz und bietet auf 140 m² japanisches Sushi, eine klassische Metzgerei und eine Bäckerei mit Kaffeebar. Die Idee einer traditionellen Markthalle, wo ein Holzdach die Verkaufsstände zusammenfasst, griffen auch die Designer von jump & fly auf und entwarfen einen Baldachin aus Lamellen, der das unterschiedliche Angebot an Brot, Fleisch und Fisch überspannt. Doch die optisch an eine Welle erinnernde Konstruktion ist nicht nur dekorativ, sondern trägt durch die Brechung der Schallreflexionen zu einer guten Akustik in dem 5,50 m hohen Raum bei. Die 200 mm breiten und 15 mm starken Sperrholzlamellen unterschiedlicher Länge sind über bis zu 2,5 m lange Stahlgewindestäbe von der Decke abgehängt. Der vertikale und auch horizontale Abstand zwischen den Lamellen beträgt dabei stets 20 cm. Unterlegscheiben und Muttern fixieren die Lamellen an der 15 mm starken Gewindestange. Die untersten zwei Lamellenschichten fungieren als Regalborde und sind daher in einer Stärke von 30 mm ausgeführt. I

Die Autorin
Katharina Ricklefs schreibt als freie Journalistin über die Themen Architektur, Design und Bauwesen. Für BM verfasst sie regelmäßig Objektberichte zu schönen bis ungewöhnlichen Innenausbauten.

Objektbeteiligte

Les Dada East, Paris, Frankreich
Joshua Florquin Architects
75018 Paris, Frankreich
be fast – pan & pasteles, Alcala de Henares, Spanien
ideo arquitectura
28029 Madrid, Spanien
Dacong’s Noodle House, Shanghai, China
The Swimming Pool Studio
200011 Shanghai, China
Jury Café, Melbourne, Australien
Biasol: Design Studio
Prahran VIC 3181, Australien
Fresh & Easy Concept Store, Madrid, Spanien
jump & fly
28027 Madrid, Spanien

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