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„Tischler 4.0 oder Tischler 1700 plus?“

Leserbrief zum Thema C-Techniken in der Ausbildung
„Tischler 4.0 oder Tischler 1700 plus?“

„Tischler 4.0 oder Tischler 1700 plus?“
Wünscht sich eine zukunftsorientierte Ausbildung: Burkard Weiß

„Mit großem Interesse verfolge ich seit März die BM-Artikelreihe von Michael Ludolph zur CAM-Thematik. Für eine gewisse Erheiterung sorgte bei mir die Aussage, dass von Seiten der Betriebe beklagt würde, dass es keine bundesweite CNC-Grundausbildung während der Berufsausbildung gäbe und damit bei der Mitarbeiterschulung quasi „bei Null“ begonnen werden müsse.

Vor gut 15 Jahren arbeitete ich zusammen mit Michael Ludolph und Vertretern der ÜLU und der Maschinenhersteller als Berufsschullehrer in einem bundesweiten Arbeitskreis CNC-Technik. Ziel war es, in einer von der EU finanzierten Vorstudie ein Konzept für die Vermittlung der CNC-Grundkenntnisse während der Tischler-Grundausbildung zu entwickeln. Für die Durchführung eines großen Pilotprojekts waren mehr als eine Million Euro an EU-Fördermitteln in Aussicht gestellt. Leider scheiterte die Bewilligung an der mangelnden Unterstützung durch unsere Fachverbände. Da waren Argumente zu hören wie: „Das ist eine Technik für die Industrie.“, „Wir sind Handwerker!“, „Das sind nur unnötige Kosten für einen zusätzlichen Kurs in der ÜLU.“

In mehreren Bundesländern wurden daraufhin für die Berufsschulen verschiedene Konzepte zur Vermittlung der CNC-Technik entwickelt – meist mit der Möglichkeit einer freiwilligen Zusatzqualifikation zur „CNC-Fachkraft“. Auch einige Bildungseinrichtungen der Kammern und Landesinnungsverbände bieten vergleichbare Kurse an.

Die neue Ausbildungsordnung brachte in den Neunzigern dezente Hinweise auf CAD und CNC, die seither an den Berufsschulen je nach Ausstattung und organisatorischen Möglichkeiten in unterschiedlichem Umfang zu den klassischen Inhalten dazugepackt werden.

Landauf, landab pflegen wir bis heute in der Berufsausbildung unsere Tischler- und Schreinertradition, erstellen Furnierbilder wie im 18. Jahrhundert, schlitzen von Hand, was das Zeug hält und prüfen nach drei Jahren Lehre am Ende halb verdeckte Zinkungen und klassische Schubkastenführungen.

Verstehen Sie mich richtig – ich arbeite für mein Leben gerne von Hand mit klassischen Techniken – aber Berufsausbildung sollte nicht in erster Linie das Pflegen von alten Traditionen sein, sondern das Vorbereiten unserer/ihrer künftigen Mitarbeiter auf die beruflichen Herausforderungen von heute und morgen. Und da ist es wenig zielführend, wenn wir zu den ganzen traditionellen Inhalten (die wir weiterhin auch eifrig prüfen) einfach zusätzlich noch CAD und CNC hinzunehmen und das Ganze dann als „Aufträge“ handlungsorientiert verpacken – das ist in drei Ausbildungsjahren kaum zu schaffen.

Es wird vermutlich in absehbarer Zeit eine Überarbeitung der Ausbildungsordnung geben. Alle reden von „Handwerk 4.0“. Schaffen wir es, unsere Inhalte radikal zu entmüllen und Platz zu schaffen für eine zukunftsorientierte Ausbildungsordnung für den „Tischler 4.0“ oder bleiben wir bei „Tischler 1700 plus“?“

gez. Burkard Weiß, Berufsschullehrer an der Kinzig-Schule, Schlüchtern

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