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Entwurfsgeschichte(n)

Kreativer Entwurf von Meisterstücken
Entwurfsgeschichte(n)

Mühevoll und häufig nicht sogleich von Erfolg gekrönt: Der Designprozess ist ein „Untersuchen von Möglichkeiten“, ein Bilden von Alternativen, das Nicht-Zufrieden-Sein mit der ersten Konzep- tion
Der Entwurf des Meisterstückes gehört von jeher zur großen Herausforderung. Mancher hat bei Entwurfsbeginn bereits klare Vorstellungen. Andere tun sich schwer, ein Thema zu finden, das des „heiligen Meisterstückes“ würdig ist. Selten geht der Blick über die eigenen Bedürfnisse wie Bett, Kommode, Barschrank oder Hifi-Möbel hinaus. Das muss nicht sein.

Die Entwurfstechnik eines Designers sei den Schülern zumeist sehr fremd, meint Gudrun H. Hölzer. Die Diplom-Designerin arbeitet seit 1999 als Lehrbeauftragte an der Meisterschule Schwäbisch Hall. Sie unterrichtet Entwurf und Gestaltung.
Wenn es um den Entwurf und die Gestaltung von Meisterstücken geht, heißt es für Gudrun H. Hölzer im ersten Schritt: Barrieren abbauen! Ihre Erfahrung ist: „Hat der Schreiner eine Idee parat, sind die Gedanken sofort bei der Fertigung, bei Sägeblatt und Fräskopf.“ Das habe auch mit der mangelnden Erfahrung im Bereich des Entwerfens zu tun. „Woher soll es kommen?“ Das weiß auch Gudrun H. Hölzer: „Nach dem Entwurf des Gesellenstückes besteht in der weiteren beruflichen Praxis eher selten die Möglichkeit, Möbel im Sinne eines „guten Designs“ zu entwickeln. Und das Handwerk des Entwerfens will auch gelernt sein.“
Vom ersten Thema zu neuen Möglichkeiten: Gudrun H. Hölzer versucht ihre Schüler anzuregen, die ersten Ideen und Themen für das Meisterstück zu hinterfragen und das Blickfeld zu erweitern. Dabei werde beispielsweise der Begriff Bedürfniswandel diskutiert. Aus diesem Hinterfragen entstehen neue Einsichten und Erkenntnisse. Häufig werden daraufhin schon Anregungen aufgegriffen und Nischen für neue Produkte und Zielgruppen gesucht.
So beginnt eine erste Auseinandersetzung mit dem Thema Meisterstück damit, Sichtweisen und Einstellungen und bereits definierte Standpunkte zu beleuchten. Bei diesem kreativen Themenfindungsprozess erweitern sich die bestehenden Ansätze zum Meisterstück oder entwickeln sich Themen ganz neu.
Vom Brainstorming zum klaren Konzept: Die nun entstehenden Ideen werden aufgezeichnet, verglichen, auf den Innovationsgrad geprüft, ausgewählt und weiter verfolgt. Alternativen werden erarbeitet. Parallel dazu bauen die Schülerinnen und Schüler Kleinmodelle aus Pappe.
Vom Brainstorming zum klaren Konzept zu gelangen, ist die nächste Herausforderung. Dass dabei Konstruktion und Funktion optimal sind, sollte bei gutem Design selbstverständlich sein – bedeutet für Gudrun H. Hölzer aber erste Überzeugungsarbeit: „Oft herrscht die Meinung, „Gutes Design“ habe weniger etwas mit Funktion und Konstruktion zu tun, sondern mit dekorativen Elementen – ein großer Irrtum. Design ist nicht „verzierend“! Konstruktives, funktionsorientiertes und konzeptionelles Denken ist Basis des Designentwurfes.“
Der Designprozess ist ein „Untersuchen von Möglichkeiten“ in allen Bereichen: Das Nicht-Zufrieden-Sein mit der ersten Konzeption, das Weiterdenken, das Bilden von Alternativen, das weitere Hinterfragen, das Ausreizen der Kombinationsmöglichkeiten, das Ausreizen des Material-Einsatzes. Der Designprozess ist mühevoll und häufig nicht sogleich von Erfolg gekrönt. Hier wird es meist anstrengend und die Schüler wollen sich nicht weiter mit der Gestaltung auseinander setzen, das ist die Erfahrung von Gudrun H. Hölzer: „Die Schüler meinen zu oft, Sie seien bereits fertig.“
Innerhalb des Designprozesses müssen sie sich mit Design-Thesen und Designkriterien auseinander setzen. Dazu einige Beispiele:
  • Gutes Design ist innovativ. Technologien und Materialien entwickeln sich ständig weiter. Dies gilt es zu nutzen und die Produkte zu optimieren.
  • Gutes Design macht ein Produkt brauchbar, ist zweckdienlich.
  • Gutes Design macht die Funktion eines Produktes verständlich und klar.
  • Gutes Design ist konsequent, ansprechend und ästhetisch. Dies durch seine logische und unaufdringliche Formgebung.
  • Gutes Design ist umweltfreundlich und nachhaltig. Das fordert Sparsamkeit bei der Auswahl des Materials.
Diese und weitere Kriterien zu erfüllen, ist nicht einfach. Und wie schwierig es ist, einen Entwurf auf das Wesentliche zu reduzieren, zeigen die Entwurfswege. Nach den ersten Hürden erkennen die Schülerinnen und Schüler, dass ihre Entwurfsideen reifer werden. Und nach einiger Überwindung entstehen z. B. beim Bau des Pappmodells plötzlich Modellserien bis zu zehn Alternativen. Diese Art der Design-„Fragekultur“ und ein guter Designprozess führen letztlich zu ausgereiften Ergebnissen.
Am Ende stellt Gudrun H. Hölzer mit ihren „Schäfchen“ meist ein gutes Zeugnis aus: „Es ist oft erstaunlich und beglückend, wie die angehenden Meisterinnen und Meister in kürzester Zeit ihr kreatives und entwurfstechnisches Potenzial freisetzen und hervorragende Entwurfsarbeit leisten.“
Gudrun H. Hölzer
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