Werkstattbesuch beim Holzflugzeugbauer. Könige der Lüfte - BM online
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Könige der Lüfte

Werkstattbesuch beim Holzflugzeugbauer
Könige der Lüfte

Sie tragen solch klangvolle Namen wie Falke oder Samburo – Namen, welche die Herzen von Segel- und Kunstflugfreunden höherschlagen lassen. Christian Fröhlich betreibt im Altbayrischen Aichach eine der letzten Werkstätten für den Bau und die Restaurierung von Segelflugzeugen und Motorseglern aus Holz.

BM-Redakteur Heinz Fink

Mit kräftigen Zügen gleitet der Putzhobel über die Fläche und nimmt mit einem pfeifenden Geräusch Span um Span hauchdünnen Materials ab, das sich zu feinen Locken gerollt, auf dem Werkstück und dem Boden sammelt. Immer wieder wird das Werkzeug beiseite gelegt und Daumen und Zeigefinger der linken Hand tasten die Qualität des Schnittes ab, prüfen die Bündigkeit zu den anschließenden Bauteilen – wenn nötig, kommt der Hobel noch einmal zum Einsatz. Zu guter Letzt wird sich durch Auflegen einer Schablone und einem peilenden Blick, sozusagen als letzte analoge Instanz, des ebenmäßigen Verlaufes der Kontur vergewissert. Christian Fröhlich ist zufrieden mit dem Ergebnis. Das Querruder des hölzernen, kunstflugtauglichen Lo 100Zwergreiher ist bereit für den nächsten Arbeitsschritt. Seit mehr als 30 Jahren fertigt der gelernte Schreiner Christian Fröhlich aus Aichach Segelflugzeuge, Motorsegler und Doppeldecker in klassischer Holzbauweise.

Zwei langgehegte Leidenschaften

Die Begeisterung fürs Holz und das Fliegen hat Christian Fröhlich schon in jungen Jahren gepackt. Geboren und aufgewachsen in Dachau absolvierte er nach Abschluss der Schule gegen Ende der 1970er-Jahre eine Schreinerlehre in einem größeren, örtlichen Innenausbaubetrieb. Nach seinem Wehrdienst war er dort auch als Geselle beschäftigt und konnte umfassende Kenntnisse in der Bau- und Möbelschreinerei, vom Möbel- und Innenausbau bis hin zum Treppenbau, gewinnen. Auch sein Interesse für die Fliegerei und den Flugzeugbau rührt aus dieser Zeit. Denn schon als Schüler beschäftigte er sich mit dem Bau flugtauglicher, ferngesteuerter Flugzeugmodelle und half in den Ferien bei einem Flugzeugbauer in der Nachbarschaft aus. 1985 legte er selbst den Segelflugschein und späterer auch die Prüfung zum Fluglehrer für Segelflugzeuge und Motorsegler ab. Als Kunstflieger brachte er es Mitte der 90er-Jahre bei den Internationalen Deutschen Meisterschaften sogar bis zum Sieger in der Aufsteigerklasse.

Eine glückliche Fügung brachte Christian Fröhlich schließlich Ende der 1980er-Jahre zum Holzflugzeugbau, als die Werkstatt, die er seit seiner Jugend besuchte, Flugzeugbau Scheibe in Dachau, einen neuen Lieferanten für die Tragflächen seiner Falke-Motorsegler suchte. Nach kurzer Tätigkeit in dessen Betrieb machte sich Christian Fröhlich 1990 selbstständig. Später kam ein weiterer Flugzeugbauer in der Nähe von Wilhelmshafen dazu, für dessen Motorsegler Samburo er Tragflächen und Leitwerke fertigt. Heute besteht sein Auftragsspektrum zu gleichen Teilen aus Neubauten und Restaurierungen historischer Flugzeuge.

Maximale Gewichtsersparnis

Etwa ein bis sechs Monate arbeitet Christian Fröhlich, je nach Modell, an einem Flügelpaar aus Holz. Auf der Basis von Lichtpausen handgezeichneter Konstruktionszeichnungen, die teilweise noch aus den 1950er-Jahren stammen, fertigt er die Teile für zahlreiche seiner Flugzeugklassiker. Auf einer Helling, einer stählernen Unterkonstruktion, die als Arbeitsbock dient und gleichzeitig die Längs- und Querform sowie die Torsion des Flügels bestimmt wird die Grundstruktur aus Längsholmen und Querrippen aufgebaut.

Zur Längsstabilisierung der Tragfläche dient ein spezielles, mit Resorcinharz verleimtes und zum Flugzeugbau zugelassenes Buchensperrholz (TeBu), das in der Länge geschäftet wird. Daran im 90°-Winkel angesetzt werden, zu den Flügelspitzen hin zunehmend kleiner werdende, der Kontur des Flügels folgende Querrippen. Diese erinnern, nach Schablonen gefertigt, an die Fachwerkkonstruktion einer historischen Stahlbrücke mit ihren verstärkten Knotenplatten, nur dass hier beidseitig aufgeklebte Plättchen aus dünnem Fliegersperrholz die Verbindungsstöße stabilisieren.

Für die Fachwerkstreben verwendet Christian Fröhlich ausschließlich feinjähriges Kiefernholz, da dieses das beste Verhältnis von Gewicht zu Stabilität besitzt. Die gerundete Form der Flügelnase wird mit 0,8 bis 2 mm starkem, speziell verleimtem Fliegersperrholz belegt, wobei wichtig ist, dass alle Stöße sauber angeschäftet, sprich im Verhältnis 1:15 angeschrägt sind, um eine möglichst große Leimfläche zu erhalten.

Dünne Haut auf feinem Rahmen

Bevor die Tragflächen mit einem speziellen Polyestergewebe bespannt werden, muss ein Prüfer des Luftfahrtbundesamtes die fachlich korrekte Ausführung der Konstruktion, aber auch der Metallteile für die Ansteuerung der Ruder- und Leitwerke abnehmen. Anschließend wird die Oberfläche mit einem Polyesterfüller beschichtet und von Hand geschliffen, um die Grundierung der nicht immer ebenen Flächen nicht durchzuschleifen. Nach Kundenwunsch erhält der Flügel abschließend einen elastischen Decklack auf Acrylbasis in den passenden Farben zum Rumpf.

Gute Aussichten

Gut 450 Paar Flügel hat Christian Fröhlich in seiner über 30-jährigen Laufbahn allein für den Flugzeugbauer Scheibe gefertigt. Dazu weitere für Neubauten anderer Hersteller und zahllose zur Restaurierung historischer Flugzeuge aus Holz. Sobald die gut 10 m langen Tragflächen des aktuellen Projektes die Werkstatt verlassen haben, wartet schon eine neue Herausforderung auf Christian Fröhlich: Das kommende Dreivierteljahr wird ihn die Rekonstruktion der Tragflächen einer Bücker 131, einem historischen Doppeldecker von 1935, beschäftigen.

www.holzflugzeugbau.com

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