Werkstattbesuch beim Holzgestalter Horst Kontak. Poesie in Holz - BM online
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Poesie in Holz

Werkstattbesuch beim Holzgestalter Horst Kontak
Poesie in Holz

Kegel, Kugel und Zylinder – ein scheinbar überschaubares Formenrepertoire. Doch der Pritzwalker Drechsler und Holzgestalter Horst Kontak schafft daraus einen ganz eigenen Kosmos fein gedrehter Dosen und Objekte – reduziert in ihrer Formensprache und sinnlich zugleich.

BM-Redakteur Heinz Fink

In einem Rollwagen sauber aufgereiht, Dutzende von Werkzeugen: Drehröhren und -meisel, Schlicht- und Abstechstähle unterschiedlichster Form und Größe. Fein abgezogen und
in bequemer Reichweite stehen sie, bereit zum Einsatz an der soliden Drehbank. Dahinter an der Wand, auf einer mattschwarzen Tafel, mit weißer Kreide und leichter Hand skizzierte Ideen, Formen und Varianten. Hier scheint nichts dem Zufall überlassen, alles hat seine wohldurchdachte, stimmige Ordnung. Da passt es, dass im Hintergrund leise klassische Musik erklingt und eine fast kontemplative Stimmung schafft. Bald mischt sich das Surren der sanft anlaufenden Drehbank in die Musik, überlagert diese mit steigender Drehzahl und Tonhöhe zunehmend – ja, blendet sie fast aus, als das Werkzeug in die Oberfläche des hölzernen Rohlings eingreift und feine, scheinbar im Rhythmus der Musik tanzende Späne abnimmt.
Ein perfektes Ambiente für ein handwerklich-kreatives Schaffen. Es ist das Reich von Horst Kontak, Drechsler und Holzgestalter aus dem brandenburgischen Pritzwalk – hier entstehen seine international bekannten Arbeiten, fein gedrechselte Dosen und filigrane Objekte aus Holz.

Langer Weg zum Holz

Doch am Anfang von Horst Kontaks Karriere stand nicht etwa das Holz. Nach seiner Ausbildung zum Metalldreher und einem anschließenden Maschinenbaustudium arbeitete er gut 20 Jahre als Konstrukteur in einem lokalen Zahnradwerk in Pritzwalk. Seine ersten Drechselversuche unternahm er, inspiriert durch die Arbeiten von Lüder Baier aus Dresden, einem der großen Meister der Holzgestalterszene der DDR. Noch bevor er Baier persönlich kennenlernte, waren ihm dessen reduziert gestalteten Dosen und Objekte ein Begriff. Seine ersten Dosen schuf er – ganz der Konstrukteur – auf einem von ihm selbst zur Drechselbank umgebauten Wartburg-Motor.

Mitte der 80er-Jahre besuchte Horst Kontak Lüder Baier in seinem Dresdner Atelier, um ihm seine ersten Dosen zu zeigen. Überzeugt durch deren handwerkliche und gestalterische Qualität wurde Baier zu Horst Kontaks Mentor, der ihn ermutigte, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Doch es sollte erst einmal anders kommen. Da er eine Familie gründete und nach der Wende eine Tätigkeit im Außendienst eines großen westdeutschen Stahlhändlers aufnahm, geriet die Drechslerei in den darauffolgenden 20 Jahren etwas in den Hintergrund. Horst Kontaks Reisetätigkeit ließ es jedoch immer wieder zu, Lüder Baier zu besuchen, Arbeiten von ihm zu erwerben und, was noch viel wichtiger war, in einem gegenseitigen künstlerischen Diskurs zu bleiben.

Inspiriert durch den Besuch einer Ausstellung des deutschen Drechslers Ernst Gamperl im Jahr 2004 in Hamburg, fand Horst Kontak den Wiedereinstieg in die Drechslerei. Ausstellungen in verschiedenen Galerien machten seine Arbeiten schnell überregional bekannt und führten 2010 schließlich zu seiner Aufnahme in den AdK Hamburg, einem der ältesten Kunsthandwerkervereine in Deutschland.

Die Dose als Gestaltungsprinzip

Seit Beginn seiner Drechslertätigkeit hat sich Horst Kontak dem Thema Dose und deren Variationen verschrieben. Sie entstehen aus den Grundformen Kugel, Kegel und Zylinder und wirken durch die Schlichtheit ihrer Formen und die bewusste Auswahl der Materialien. Vorwiegend aus einheimischen Hölzern gefertigt – Robinie, Eiche oder Esche aber auch Bergahorn, Linde, Platane, Walnuss und alle Obstbaumarten – tragen seine Dosen kaum Dekor. Hier und da ein paar bewusst gesetzte Rillen auf dem Umfang oder konzentrische Kreise auf der Oberseite, das muss genügen.
Große Abwechslung zeigen seine Dosen in der Form ihrer Deckel: Mal klassisch in oder auf dem Dosenkörper sitzend mit angearbeitetem Griff, aber auch auf Abstand über der Dose schwebend.

Als Besonderheit verwendet Horst Kontak manchmal auch kleine Ästchen, Fundstücke aus der Natur, als Griffe für seine Dosen.
Je nach Wuchs erscheinen diese als kleine Geweihe oder als filigrane Figuren, die auf dem Deckel zu tanzen scheinen – ein feinsinniger, poetischer Gegenpol zu den streng geometrischen Formen seiner Dosen.

Das Prinzip des Aufbewahrens findet sich auch in Horst Kontaks filigranen Objekten aus Zweigen, denen hölzerne Formen übergestülpt sind. Kleine Ringe, Scheiben und durchbohrte Hohlkörper, die, zusammengesetzt und auf den Zweig aufgesteckt, wiederum kleine Behältnisse für die Aufbewahrung von Ringen bilden.

Von der Skizze zum fertigen Objekt

Die Ideen für seine Arbeiten entwickelt Horst Kontak meist anhand von Skizzen und kleinen Modellen in entspannter Atmosphäre am Schreibtisch – oft bei leise laufender Musik, mal Jazz, mal Klassik. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich so gut drei Dutzend Skizzenbücher mit locker hingeworfenen Bleistift- und Tuschezeichnungen gefüllt. Ebenso konsequent führt Horst Kontak seit seinem ersten Werk Buch über seine Arbeiten. Inzwischen ist Opus 537 fertiggestellt – und wen wundert’s, es ist eine Dose.

www.horstkontak.de

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