Innenausbau einer Stadtwohnung in München

Reduktion

Ausdrucksstarke Asteiche, weiße Schleiflackoberflächen und tiefmatter, anthrazitfarbiger Schichtstoff – wenige Materialien und eine kompromisslos reduzierte Formensprache prägen den durch die Holzrausch GmbH geplanten und ausgeführten Innenausbau einer exklusiven Stadtwohnung in München.

BM-Redakteur Heinz Fink

Von den lichten, von Bächen durchzogenen Auenwäldern, die einst die Flächen des Münchner Stadtteils Lehel prägten, ist heute nichts mehr zu sehen. Auch von seiner einstigen Geschichte als Armen- und Tagelöhnerviertel ist nichts mehr zu spüren. Ganz im Gegenteil, das zwischen Isar und Englischem Garten gelegene Stadtviertel zählt heute zu den begehrtesten Wohnlagen der bayerischen Landeshauptstadt. Just hier, mit Blick auf Münchens grüne Lunge, ist in jüngster Zeit eine exklusive Wohnanlage mit 23 großzügigen Wohnungen enstanden. Eine davon ziert ein nicht minder extravaganter Innenausbau der Holzrausch GmbH. Auf gut 200 m² hat das Team der Münchner Schreinerei einen individuellen Innenausbau geschaffen, der die Grenzen zwischen Einbauten und Architektur aufzuheben scheint.

Konsequente Gestaltungshaltung

Die Holzrausch GmbH, 1998 von den beiden Schreinermeistern Sven Petzold und Tobias Petri gegründet, steht seit 20 Jahren für hochwertigen Möbel- und Innenausbau. Ursprünglich von der Küche herkommend, plant und realisiert das Handwerksunternehmen mit gut 45 Mitarbeitern und eigenem Planungsbüro in der Münchner Innenstadt heute komplexe und umfangreiche Innenausbauprojekte im In- und Ausland – vom innenarchitektonischen Konzept bis hin zur detaillierten, handwerklichen Ausführung.

Und an feinen Details mangelt es auch dem Projekt am Englischen Garten nicht. Der Küchenblock aus mattem, anthrazitfarbigem Schichtstoff (Fenix) mit seinen spiegelbelegten Grifffugen und Sockelblenden scheint an der ebenfalls verspiegelten Säule – ein bauseitig vorhandener Versorgungsschacht – zu schweben. Im Sockelbereich eingebaute LED-Bänder unterstützen diesen Eindruck noch zusätzlich. Alle Innenausstattungen wie Korpusse, Schubkästen und Innenauszüge sind in Räuchereiche ausgeführt. In die kräftig dimensionierte Platte aus Naturstein (Virginia Black) sind zwei Induktionskochfelder mit einem dazwischenliegenden Kochfeldabzug (Bora) eingelassen. In die Vorderkante der Steinarbeitsplatte sind neben den Kochfeldreglern auch zwei Steckdosen integriert.

Die hinter dem Küchenblock liegende, raumhohe Hochschrankzeile wiederum ist in weißem Schleiflack ausgeführt, was den hellen, luftigen Raumeindruck verstärkt. Auch hier verbergen sich hinter den bis auf 15 mm an die Decke und den Boden reichenden Fronten – die eigentlichen Sockel und Deckenblenden liegen dahinter – zahlreiche Geräte und Funktionen. So finden hinter einer Dreheinschubtüre (Hawa-Concepta) ein Dampfbackofen, ein Backofen, eine Wärmeschublade und Schubladen für Backbleche und Auflaufformen ihren Platz.

Die Arbeitsfläche und Nischenrückwand des angrenzenden Spülenbereiches ist als Hohlkehle aus weißem Mineralwerkstoff (Corian/Hasenkopf) geformt. Auch hier sind das Spülbecken und die Steckdosen aus demselben Material flächenbündig integriert. Darüber bieten breite, elektromotorisch betriebene Klappen (Blum Aventos) reichlich Stauraum. Links der Nische setzt sich die Frontabwicklung über weitere Hochschränke in der Wandtasche einer breiten Schiebetür, mäandrierend bis zu den Flureinbauten und in weiteren Wandverkleidungen fort.

Selbstbewusster Solitär

Eingangsbereich und Wohnraum werden durch einen raumhohen Einbau in lebhaft gezeichneter Asteiche getrennt, der je nach Ansicht unterschiedliche Funktionen hat. Die Stirnseite zu Küche und Essplatz nimmt einen Weinklimaschrank und den dazugehörigen Bar- und Zubehörschrank auf. Um nirgendwo die Materialstärken sichtbar zu machen, sind die Fronten auf Gehrung gearbeitet. Die Tür zum Weinklimaschrank ist an der Ecke um etwa 50 mm abgekantet und dient hier gleichzeitig als Griff. Zum Wohnraum hin findet sich hinter grifflosen Drehtüren mit Tip-on-Technik reichlich Platz für Geschirr bzw. Bücher, die Seite zum Flur hin dagegen nimmt Schuhe und Garderobe auf.

Der geschlossen fast skulptural wirkende Einbau wird im hinteren Teil durch einen breiten, schräg verlaufenden Spalt getrennt. Er gliedert den Block, dient als Blickfuge zum Eingangsbereich und bildet mit seiner integrierten Beleuchtung ein reizvolles gestalterisches Element.

Feine Details durchdacht geplant

Im Eingangs- und Flurbereich setzen sich die Einbauten in weiß lackierten Wandverkleidungen und flächenbündig integrierten, raumhohen Zimmertüren fort – ein Spiegel am Stirnende lässt den schmalen Flur weitläufiger erscheinen. Die Drückergarnituren aus Schwarzstahl, der an verdeckten Tectusbändern angeschlagenen Zimmertüren wurden eigens für das Projekt entworfen.

Eine raumhohe, vollflächig verspiegelte Drehtür verschließt den weitergehenden Flur zu den Privaträumen hin. Die Tür wird über einen in den Parkettboden eingelassenen, extra angefertigten Beschlag in geschlossener Position gehalten. Dabei zieht ein in die Unterkante des Türblattes integrierter Magnet einen Riegel hoch und verschließt sie – in geöffnetem Zustand liegt die Tür flächenbündig in einer Wandnische und der Riegel verschwindet eben im Parkett. Dahinter, in der dem Schlafzimmer vorgelagerten Ankleide, schaffen Einbauten in Weißlack und Eiche viel Raum für Kleider, Schuhe und Accessoires.

Schlichte Formensprache, durchdachte Details und eine reduzierte Materialauswahl sind die Merkmale dieses Innenausbaus. „Wie bei allen Projekten von Holzrausch wurden die Einbauten auch hier vom Raum her gedacht“, so Sven Petzold. „Sie sind weniger Möbel, denn Teil der Architektur – Architekturmöbel!“


Objektbeteiligte

Entwurf und Planung

Holzrausch Planung GmbH

80469 München

www.holzrausch.de

Innenausbau

Holzrausch GmbH

85659 Forstern

www.holzrausch.de