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Ben ist exzellent

Benjamin Supé bei den WorldSkills 2022: Der Fast-Livebericht aus Basel
Ben ist exzellent

„One minute! One minute!“ und immer wieder: „Ben, Ben, Ben!“ Dann nur noch zehn Sekunden, schließlich der Jubel, die Erleichterung, Freude pur. Die letzte Minute des eigentlichen Wettkampfes bei den WorldSkills 2022 ist, gemessen an den vier vorangegangenen Tagen, nicht viel mehr als ein kurzer Augenblick, dennoch enthält sie alles, was die große Faszination für die Berufsweltmeisterschaften ausmacht.

Fridtjof Ludwig, TSD

Es ist ein Moment, der – live miterlebt – Gänsehaut pur verspricht. Es gibt sogar ein Video von der Szene und der Zuschauer spürt förmlich, wie die Anspannung von Benjamin Supé abfällt, nachdem er vier Tage lang Höchstleistungen vollbracht hat. Ein Einsatz, der ihm einen Tag später die Exzellenzmedaille einbringen wird, die Ben dafür erhält, dass er mehr als 700 Wertungspunkte errungen hat. Doch alles schön der Reihe nach.

Der Startschuss für die Weltmeisterschaften 2022 im Tischler- und Schreinerhandwerk in der Kategorie „Möbelschreiner“ fällt am 11. Oktober. Aufgrund der Coronapandemie läutet er allerdings nicht wie ursprünglich geplant ein Megaevent mit über 60 verschiedenen Berufsdisziplinen in Shanghai ein, sondern ist der Auftakt für die drei Disziplinen aus dem Holzsektor. Ausgetragen werden diese auf der Holz-Messe im schweizerischen Basel, einem von mehreren Standorten aus 15 verschiedenen Ländern, die sich zur Durchführung der „WorldSkills Competition 2022 Special Edition“ bereit erklärt hatten.

Vier Tage voller Spannung

Es ist eine milde Herbstwoche in Basel, ab und zu regnet es etwas, doch dafür wird Ben in den nächsten Tagen keinen Blick haben. Ganz anders dagegen verhält es sich mit der technischen Zeichnung, die er erhalten hat. Sie wird sich ihm in den nächsten Stunden ins Gedächtnis einbrennen. Es gilt, einen schmalen Sekretär zu bauen, mit Klappe, Schubkasten und filigranem Gestell – keineswegs das komplizierteste Möbelstück, das er in den vergangenen Monaten der Vorbereitung gefertigt hat. Doch hier in Basel kommen Messerummel, Anspannung und der Konkurrenzdruck hinzu. „Fehlerfrei kommt da niemand durch“, weiß Bundestrainer Florian Langenmair aus Erfahrung. „Das wäre unmenschlich bei dem Druck und der Anspannung.“ Umso größer ist sein Respekt vor der Leistung seines Schützlings. Denn Ben bleibt äußerlich ruhig, fokussiert und macht sein Ding.

Und so steht am ersten Tag bereits der Korpus, und die Furnierarbeit für die Klappe ist ebenfalls fertig. Am zweiten Tag erhält die Klappe dann ihren Rahmen und Ben beginnt mit dem Gestell. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Dieses Teil wird ihn am Folgetag noch Nerven kosten. Denn da jede einzelne handwerkliche Verbindung vor dem Verleimen bewertet wird und dazu abgegeben werden muss, ist auch an dieser Stelle Timing gefragt. In Bens Fall sind es gleich sechs andere Teilnehmer, die in der Bewertungsabfolge vor ihm liegen. Das kostet Zeit, denn für das Tagesziel ist das verleimte Gestell von zentraler Bedeutung. Am Ende müssen für diesen Arbeitsschritt 20 Minuten genügen, und das werden sie auch. Denn Ben ist schnell und gut. Zudem nutzt er die Wartezeit, um den Schubkasten zu zinken.

Am Ende kommt er gut durch den Wettbewerb und alle seine angereisten Unterstützer erleben eine mitreißende Schlussminute sowie einen Ben, der alles aus sich herausgeholt hat, um eine Topleistung zu zeigen. Dabei wäre jede von Ben angefertigte handwerkliche Verbindung einen Preis wert – allein für die Präzision und perfekte Ausführung. Doch auf diesem höchsten fachlichen Niveau muss es auch Unterschiede geben und die Jury wird welche finden. So erreicht Ben am Schluss 712 von maximal 800 möglichen Punkten und damit nur 18 weniger als der Erstplatzierte. Ben wird mit diesem Ergebnis Achter und gewinnt darüber hinaus die prestigeträchtige Exzellenzmedaille für seine hervorragende Gesamtleistung von über 700 Wertungspunkten. Die Goldmedaille geht indes aufgrund der geringen Punktedifferenz von nur einem Punkt gleich an drei Nationen, nämlich nach Südkorea, China und ins Vereinigte Königreich. Eine Silber- oder Bronzemedaille wird nicht vergeben.

So sprechen Sieger

Und was sagt Ben, nachdem er sich monatelang auf die Weltmeisterschaften vorbereitet und damit auch einen persönlichen Traum erfüllt hat? „Wenn du hier antrittst, willst du natürlich am besten gewinnen. Jetzt bin ich in einem superengen Teilnehmerfeld Achter geworden und habe die Exzellenzmedaille gewonnen. Also um ehrlich zu sein: Ich bin superglücklich, habe alles gegeben und diese großartige Erfahrung gemacht.“ Denn auch das gehört zu den Berufsweltmeisterschaften: Als Achtplatzierter in einem Spitzenfeld, das punktemäßig sehr eng beieinanderliegt, darf man sich immer noch als Gewinner fühlen.

Nun heißt es erst einmal durchschnaufen und die anstrengenden Monate verarbeiten. Für Ben beginnt dann im kommenden Jahr ein neuer Lebensabschnitt, der kaum weniger spannend und aufregend ist. Er wird zusammen mit seiner Freundin für ein Jahr nach Australien reisen – „Work and Travel“ heißt es dann für ihn. Für die Holzbranche in Down Under ist das natürlich ein großes Glück, schließlich kommt da einer der weltbesten Schreiner. Und für Ben wird es zweifelsohne ein weiteres großes Abenteuer.

Gänsehaut-Momente

Die letzte Minute bei den WorldSkills 2022, Kategorie „Möbelschreiner“ zum Anschauen und Miterleben …

 


Rückendeckung fürs Team

Starke Partner

Die Teilnahme an den WorldSkills sowie die Vorbereitungsphase werden von Tischler Schreiner Deutschland organisiert. Hauptsponsor ist TSD-Zukunftspartner Kleiberit. Die exklusive Betreuung und Ausstattung mit Profi-Handmaschinen erfolgt durch Festool. Außerdem unterstützen Dictum, Spax International, Christoph & Oschmann, Shaper Tools, Klöpferholz, Schorn & Groh, Reinhold Beck Maschinenbau und E.C.E.-Tischlerwerkzeuge das Tischler-Schreiner-Nationalteam. Medienpartner ist natürlich das Fachmagazin BM.


Berufsweltmeisterschaften

Hintergrund WorldSkills

„Skill“ (engl.) bedeutet Fähigkeit oder Geschick. Bei den WorldSkills messen sich die internationalen Nachwuchstalente verschiedener Gewerke aus Industrie und Handwerk. Neben Schreinern und Tischlern kämpfen zum Beispiel auch Maurer, Friseure und Mechatroniker um die Medaillen. Insgesamt treten 2022 mehr als 1000 Spitzenfachkräfte in über 60 Berufsdisziplinen an. Im Tischler- und Schreinerhandwerk werden die Wettkämpfe in zwei Kategorien ausgetragen, wobei das Tischler-Schreiner-Nationalteam in diesem Jahr nur bei den Möbel-, aber nicht bei den Bauschreinern gestartet war. Die deutschen Bau- und Möbelschreiner zählen seit Jahrzehnten zur Weltspitze und haben bereits vier Bronze-, acht Silber- und fünf Goldmedaillen gewonnen.

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