BM-Lesertest: Sortimo Lastenfahrrad ProCargo CT1. Total abgefahren - BM online

BM-Lesertest: Sortimo Lastenfahrrad ProCargo CT1

Total abgefahren

Er ist Stadtstau, Parkplatzsuche und Knöllchen leid – Tischlermeister Michael Overath hat für uns Sortimos elektrisch unterstütztes Lastenfahrrad sechs Wochen in Hamburg getestet. Wo konnte das Cargobike im Praxisalltag beim Kollegen punkten?

von BM-Redakteur Marc Hildebrand

Für unseren ganz besonderen BM-Lesertest zum elektrisch unterstützten Sortimo-Lastenfahrrad CT1 erreichten uns überraschend viele Bewerbungen von Schreinern und Tischlern – doch es konnte diesmal nur einen geben.

Das Rennen machte Michael Overath, Inhaber der Tischlerei Lübker.

Der Bezirksmeister der Hamburger Tischlerinnung erledigt beinah täglich Reparaturen im Umkreis von 12 km. Dabei kämpft der Kollege mit Zufahrtsbeschränkungen im Hafen auf der Cap San Diego, erledigte sogar schon Aufträge mit dem Kanu und kann auf dem vorhandenen „Dienstfahrrad“ leider zu wenig Werkzeug transportieren. Natürlich stehen ihm, seinen vier Gesellen und den beiden Auszubildenden auch dieselbetriebene Lastentiere auf vier Rädern zur Verfügung – doch Stadtstaus sind immer schlechter kalkulierbar. Und dann war da noch die nervige Sache mit dem Parkplatz: „Inzwischen gibts einen eigenen Ordner für Parkautomatenbelege und Falschparktickets,“ klagt der Tischler. Wir waren gespannt, ob das ProCargo CT1 sich bewährt, um Hamburgs Straßen mit ihren Pollern und Pfosten umweltfreundlich auf alternativen Wegen zu erobern.

Getting started – Bitte aufsteigen

Unser Lesertest begann Anfang Mai 2018 mit der Lieferung des ProCargo CT1 in der Version L2 (Gesamtlänge 2548 mm). An Bord: eine Transportbox mit rund 150 l Fassungsvermögen unter dem verschließbaren Deckel plus einer Schublade (Cargo-Unit STL L2). Overaths Firmenlogo zeigt rot auf schwarz, wer hier so innovativ unterwegs ist: die Tischlerei Lübker.

Nach umfassender Einweisung fanden erste Probefahrten im Hof statt. „Die Bedienung ist intuitiv und erfordert wenig Erfahrung“, erzählt der Kollege. Links am Lenker wird der gewünschte Modus eingestellt. Die Stufen Eco, Tour, Sport und Turbo regeln die elektrische Unterstützung des Pedalantriebs. Das Display informiert auch über Geschwindigkeit, zurückgelegte Strecke und verbleibende Reichweite.

Am rechten Griff bedient der Fahrer dann die Nuvinci-Nabenschaltung. Im Automatikmodus überwacht das System Pedalumdrehungen sowie Geschwindigkeit. So bleibt die Trittfrequenz allzeit konstant. Im manuellen Modus entspricht die Funktionsweise weitgehend einer herkömmlichen Gangschaltung. Angetrieben wird Sortimos Bike von einem Bosch-Elektromotor samt 500-Wh-Akku. (Details zu Auststattung, Motorisierung und Modellvarianten finden Sie unterhalb dieses Beitrags als PDF-Download)

„Ein Fahrertraining ist sinnvoll. Man kann es sich aber selbst beibringen, indem man auf ca. 5 km wenig befahrener Strecke Anhalten, Abbiegen und Kurvenfahren übt – man muss sich nur trauen,“ weiß Overath nach seinen ersten Fahrversuchen im Hof und freut sich auf Hamburgs Fahrradstraße entlang der Alster „in der schönsten Stadt der Welt zum Radfahren.“

Tischler on Tour – jetzt wirds ernst

„Wir sind mit dem Fahrrad in 15 Minuten am Hafen,“ schrieb der Tischlermeister zu Beginn in seine Bewerbung. Der Praxistest zeigte nun: Mit dem ProCargo CT1 erreichte er sein Ziel immer schneller als per Auto. Staufrei gings voran bis zum VIP-Parkplatz vor der Tür des Kunden – und: „Wo kein Scheibenwischer, da kein Knöllchen.“

Abkürzungen bescherten ihm Fuß- und Radwege sowie Einbahnstraßen, die er mit dem Rad in beide Richtungen benutzen darf. Auch dass die Max-Brauer-Allee ab 31. Mai für die Dieselpferde bis Euro5 gesperrt wurde, bedeutet für den elektrischen Drahtesel keine Umwege.

Der Stauraum bot ausreichend Platz für die Werkzeugkiste samt etwas Kleinmaterial, Kabeltrommel, Handfeger sowie ggf. ein paar Holzmuster. Eine Leiter: Fehlanzeige.

Sperrige Güter wie Platten und Leisten können allenfalls die Mitarbeiter auf ihrer Tour mit dem Auto unterwegs am Montageort vorbeibringen. „Diesbezüglich eignet sich das Lastenfahrrad nicht als Ersatzauto. Für Kleinstaufträge, Reparaturen oder fürs Aufmaß klappt alles gut,“ lautet das Fazit zu den Einsatzbereichen. Wünschenswert wäre allerdings, so der Kollege, dass der Schlüssel für den Deckel auch zum Schließzylinder des Schubladenschlosses passt.

Antrieb und Ausstattung

Bestnoten gab Michael Overath der Technik: „Top! Auch bei Steigungen und voll Beladen. Super Unterstützung bis 25,6 km/h. Damit ist man schneller als die meisten anderen Radler.“

Meist war er im Turbomodus unterwegs. Für ca. 35 km Fahrtweg reicht dann eine Akkuladung in der Praxis. Die Neigetechnik stabilisiert das Gefährt und sei klasse für entspanntes, zügiges Fahren auf langer Strecke. „Sie bedarf jedoch viel Baulänge,“ erkennt er schnell. Ein zu großer Wendekreis in vielen Situationen ist der resultierende Nachteil. „Unser Hof ist extrem eng. Wir hatten Platzprobleme beim Parken und in der Werkstatt stand das Bike schlicht im Weg“. Auf seinen Touren durch Hamburgs Straßen und (Rad-)Wege ist unserem Tester zudem folgendes aufgefallen:

  • Gutes Fahrverhalten und Top-Bremsen
  • voll beladen besser gefedert mit satterer Straßenlage, Schwerpunkt dann spürbar höher, aber gut zu handeln
  • schwierig mit einer Hand zu lenken (ungünstig beim Anzeigen der Fahrtrichtung)
  • auf der Straße zu langsam um im fließenden Verkehr mitzuhalten
  • in 30er-Zonen können Pkw nicht überholen
  • auf befestigten Sandwegen gut zu fahren
  • Breite des Lastenbikes in Fußgängerzonen und auf Radwegen bei Gegenverkehr durch Skater oder Kickbordfahrer hinderlich.

Weitere Eindrücke aus dem Testzeitraum

 

 


Was sagen Kollegen und Kunden?

Von anderen Radfahrern, vor allem Kurieren, aber auch Passanten sei das Lastenfahrrad durchaus mit Interesse zur Kenntnis genommen worden. Seine Firmenbeschriftung auch. Overath empfiehlt jedoch eine auffälligere Gestaltung, damit das Erscheinungsbild des ProCargo-CT1-Lastenfahrrads dem eigenen Werbeeffekt nicht den Rang abläuft.

Als „innovativ und umweltfreundlich“ bezeichneten Kunden das elektrische Dreirad, wenn der Tischler damit vorfuhr. Bei Kollegen traf es auf Begeisterung, eingeschränkt vom Argument Platzbedarf fürs Tischlers Werkzeug. Einmal wurde das ProCargo sogar verliehen.

Die Mitarbeiter kamen über eine Probefahrt nicht hinaus. „Man muss sich schon genau überlegen, was man vor Ort braucht, statt einfach alles ins Auto zu packen,“ weiß der Meister. Seine Termine kann der Chef zeitlich jedoch besser kalkulieren und die Tourenplanung sei sehr entspannt. „Wie eine Radtour im Urlaub,“ berichtet Michael Overath und zählt uns die für ihn überzeugendsten Merkmale auf: E-Motorunterstützung, Parken vor der Tür, Umweltgedanke und Bewegung im Büroalltag.

Empfehlenswert aber preisintensiv

Alles in allem hat es unserem Tester Freude gemacht, bei Servicefahrten aufs Lastenfahrrad umzusteigen und er würde es auch Kollegen empfehlen – „wenn im Betrieb die Möglichkeit besteht, das Bike geschützt abzustellen. Vor allem im Winter,“ fügt er hinzu – kostet das gute Stück samt Ausstattung doch rund 7000 Euro. Eine Investition, die erstmal verdient sein will, mag so mancher Tischler- oder Schreinerkollege nun sagen. Leasing ist eine Möglichkeit und auch Förderungen versprechen Unterstützung – wenn auch noch nicht überall für kompakte Modelle wie das ProCargo CT1 von Sortimo.

Kaufprämien statt Knöllchen

Zwar unterstützt der Staat seit Kurzem den Erwerb von E-Cargo-Bikes bundesweit durch eine 30%-ige Erstattung des Kaufpreises – allerdings erst ab einem Transportvolumen von 1m3. Das wiederum ist für die meisten Handwerker wohl nicht praxistauglich. „Mir wäre das deutlich zu groß, um im Alltag damit zu fahren,“ weiß Overath.

Doch regional sieht es schon anders aus. Vorreiter sind das Land Baden-Württemberg sowie einzelne Landkreise bzw. Städte. So winken die Schwaben mit bis zu 3000 Euro. Eine Liste mit Förderprogrammen und weiterführenden Links bietet das Internet (z. B. www.cargobike.jetzt/kaufpraemien). Dass die Sache Fahrt aufnimmt, zeigen Zahlen aus München. Letztes Jahr gingen hier über zwei Anträge pro Tag ein. Da Fördertöpfe meist begrenzt sind, lohnt schnell sein ebenso wie Entwicklungen im Auge zu behalten. Und vielleicht können auch bald Hamburgs Tischler von einer Prämie profitieren und so die „Akte Knöllchen“ günstiger schlank halten.

Webseite BM-Lesertester: www.tischlerei-luebker.de

Webseite Hersteller: www.sortimo.de/das-lastenfahrrad-procargo-ct1/


Förderungen für Cargobikes im Kommen

Alternative in den Startlöchern?

Neben Erfahrungen des Kollogen hat der BM-Lesertest zwei weitere Dinge gezeigt: Es gab mehr Bewerber als gedacht – allein das Thema scheint also einige zu bewegen. Zudem zeigen Recherchen, dass Kaufprämien von Städten und Kommunen so gut genutzt werden, dass selbst große Fördertöpfe für (Lasten-)Pedelecs teils bereits erschöpft sind und neu aufgelegt werden. Es scheint sich unter geeigneten Voraussetzungen zu lohnen – vielleicht auch für tretfreudige Tischler oder Schreiner. Frischer Wind und Abwechslung sind auf jeden Fall garantiert.

Marc Hildebrand, BM-Redakteur
Foto: Marco Leibetseder

 

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BM-Grafik

 

Details zu Ausstattung, Motorisierung und Modellvarinaten als PDF-Download

Klick aufs Bild: Produkt-Broschüre des ProCargo CT1 als PDF anschauen und herunterladen.

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