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Modern und effizient

Von 0 auf 100 – Schreinerei Bäumle auf dem Weg zur digitalen Schreinerei
Modern und effizient

Harald Bäumle, Inhaber der Schreinerei Bäumle, nimmt sein Team mit in die digitale Zukunft des Handwerks. Automatisierte Abläufe mithilfe von Software und Hardware sind sein Steckenpferd für ein erfolgreiches Betriebskonzept. Mit öffentlichen Fördergeldern, viel Mut und vollem Einsatz setzt er seinen innovativen Plan um.

Anna-Katharina Ledwa

Von außen noch eingerüstet, ohne Firmenschild und ohne Hausnummer, laufe ich erst einmal an der Halle vorbei. Die Schreinerei Bäumle liegt in einem ländlichen Gewerbegebiet bei Stockach unweit von Ludwigshafen am Bodensee. Das neue Gebäude ist ein Hinweis auf den Wandel, der hier im Gange ist. Inhaber und Schreinermeister Harald Bäumle hat einen enormen Schritt gewagt. Einen Schritt in die Zukunft des Handwerks. Einen großen Schritt voran in die Digitalisierung seiner Werkstatt. Seit Anfang des Jahres ist die Schreinerei Bäumle in dieser neuen Halle zu Hause. 800 m2 Fertigung und bald noch 200 m2 Bürofläche dazu. Harald Bäumle ist hier mit seinem fünfköpfigen Team aus Holztechniker, zwei Gesellen, Gesellin und Lehrling zu Hause.

Neue Halle, neue Maschinen

Noch ist nicht alles fertig. Die Bürogebäude warten auf ihren Innenausbau. Doch die Fertigung allein ist schon beeindruckend genug. Neben den klassischen Maschinen des Schreinerhandwerks hat die Schreinerei noch einige Besonderheiten zu bieten: eine 5-Achs-CNC von Homag, Venture 316 M, eine Feuerungsanlage der Firma Endress und eine komplette Fertigungszelle des Herstellers SCM. Die erste Fertigungszelle dieses Herstellers in Deutschland. An deren Anfang steht ein vollautomatisches Plattenlager, das eine Etikettiermaschine beschickt, von wo aus die gelabelten Platten dann an eine 5-Achs-Nestinganlage, die Morbidelli x400, weitergegeben wird. Mit dieser Anlage ist Bäumle Pilotbetrieb und Vorzeigeanwender in einem. „Bis die Anlage auf unsere Bedürfnisse angepasst war und zuverlässig lief, vergingen schon einige Monate,“ erzählt mir der Inhaber. „So eine Maschine bekommt man nicht geliefert und am nächsten Tag gehts los,“ betont der Schreinermeister.

Digitalisierung in Abschnitten

Doch: Die Arbeit mit ihr macht sich bezahlt. Die Fertigungszelle läuft etwa drei bis vier Stunden am Tag. Steigerung in Aussicht. Wenn der Inhaber anfängt von der Technik im Handwerk und seinen digitalen Werkzeugen zu sprechen kommt er ins Schwärmen. Schrittweise sollte die Digitalisierung in seiner Schreinerei ablaufen. Alles fing 2014 an. Zehn Jahre nach Beginn der Selbstständigkeit, war jetzt die finanzielle Unterstützung der Existenzgründung ausgelaufen und Bäumle wollte wachsen. Noch in der kleinen Werkstatt am elterlichen Wohnhaus, ein ehemals Landwirtschaftliches Gebäude, entscheidet er sich für die Investition in die Homag 5-Achs CNC BMG Venture 316 M, einen Kantenanleimer Brandt 1230 Higflex und eine vertikale Plattenaufteilsäge von Striebig.

Mit Visionen voran

„Viele Kollegen haben mich für verrückt erklärt. Ich hatte nur einen Lehrling als Mitarbeiter,“ schmunzelt Bäumle. Mit viel Kraft und Learning by doing macht er sich mit der CNC vertraut und merkte schon bald, dass ihm etwas fehlt. Die passende Software. Bislang wurde mit einer CAD-Software konstruiert und händisch an der Maschine programmiert. Für ihn zu zeitintensiv. Also entscheidet er sich 2016 für die CAD-Software ix von Imos. Mit CAM-Anbindung. Große Unterstützung findet er dabei in der Firma S-Cad Markus Kaiser. „S-Cad hat mit mir die Software nach meinen Bedürfnissen eingerichtet. Die Schulungen und die Einrichtung der Datenbank waren essenziell,“ betont Bäumle. Für den Tischlermeister steht fest: Die Software ist der Schlüssel zum Erfolg. Automatisches Lager und CNC sind nur ausführende Werkzeuge.

Öffentliche Förderung

Sein Ziel ist es, die Arbeitsvorbereitung so weit zu digitalisieren, dass Kollegen eigenständig und individuell Aufträge planen können. Diese Daten können dann von der Schreinerei Bäumle übernommen werden, um die Aufträge zu produzieren, wie es mir der Inhaber verrät. B2B ist die Nische, die der Schreinermeister bedienen und in der er zu den Besten gehören möchte. Mit der Nestinganlage inklusive angebundenem automatischem Plattenlager und Etikettiermaschine, die Ende 2021 einziehen, macht Schreinerei Bäumle den größten Schritt in diese Richtung. Alles unterstützt durch das Förderprogramm „Spitze auf dem Land“. Mit Geldern des Landes Baden-Württemberg und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung werden innovationsorientierte Betriebe im ländlichen Raum gefördert, die das Potenzial haben, einen Beitrag zur Technologieführerschaft Baden-Württembergs zu leisten.

Pläne werden umgesetzt

Gewährt wird ein einmaliger Zuschuss von 20 % der Investitionssumme, maximal 400 000 Euro. „Ich habe mich bewusst für die Automatisierung meines Schreinerbetriebes entschieden, anstatt Fertigteile und Halbfertigteile zuzukaufen, um dem wachsenden Kostendruck standzuhalten“, begründet Harald Bäumle die große Investition in sein Unternehmen.

Die Zusage der Förderung kommt Ende 2019. Der erste Spatenstich der neuen Halle ist im Frühjahr 2021 und der Umzug vom alten zum neuen Standort dann im Februar 2022. Mittlerweile kann Bäumle guten Gewissens von einem geregelten Betriebsablauf sprechen und sich auf den nächsten Schritt seines Konzeptes zur Digitalisierung konzentrieren.

iX Scout und Nesting Studio

Noch Ende 2022 wird iX Scout eingeführt. „Ich möchte alle Infos zu den Bauteilen, die in der Fertigung im Umlauf sind oder aber schon beim Kunden stehen, digitalisiert zur Verfügung haben“, erklärt der Schreinermeister. Keine ausgedruckten Pläne mehr. Statt zeitintensivem Stöbern in Mails, Lieferscheinen und Unterlagen sollen neben anderen Funktionen auf Abruf alle Bauteilinformationen mit Zukaufteilen, Montageinformationen und Auftragsaktualisierungen angezeigt werden.

Ein Unternehmer wie Harald Bäumle hat natürlich auch den übernächsten Schritt fest im Blick. Die Einführung der Software Nesting-Studio von Cad-Line soll die Zuschnittoptimierung auf ein neues Level heben. „Hier verspreche ich mir eine bessere Integration der Frässtrategie, die Anbindung ans automatisierte Lager und das Nesting in unregelmäßigen Außenkonturen“, verrät Bäumle. Der Schreinermeister ist schon jetzt gedanklich beim Erstellen des Antrags für die Digitalisierungsprämie des Landes Baden-Württemberg.

Der Umwelt zuliebe

Was das Umweltbewusstsein angeht, macht Bäumle ebenso einen enormen Schritt in Richtung Zukunft. Seine Halle wird mit einer 150-KW-Feuerungsanlage der Firma Endress geheizt. Brennstoff ist der zu Briketts gepresste Holzstaub, der im laufenden Betrieb anfällt. Ein großer Lagerraum ermöglicht sogar die Speicherung des Brennstoffs über die Sommermonate hinweg. In den kälteren Monaten wird über eine sehr feine Dosierung der Brennstoff im Feuerraum verbrannt, um dann Wasser zu erwärmen, welches durch Schleifen im Betonkern des Bodens der Halle fließt und somit über die gesamte Fläche der Halle eine konstante und angenehme Wärme abgibt.

Digitalisierung so weit mein Auge reicht, warme Füße, wohin ich trete. Harald Bäumle und sein Team wissen, wie modernes Handwerk aussehen kann, und sind dabei in ständigem Wandel. Mein Besuch ist hier zu Ende, aber Harald Bäumle plant seine Zukunft im Kopf schon weiter.

Schreinerei Bäumle

www.schreiner-bäumle.de

Technologiepartner:

www.endress-feuerungen.de

www.s-cad.eu

www.cadline.de

www.imos3D.com

www.scmgroup.com

www.homag.com


Die Autorin

Anna-Katharina Ledwa ist Tischlerin und Projektgestalterin (HWK), arbeitet als Gesellin in der AV und entwickelt nebenberuflich eigene Produkte.

www.annaledwa.de


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