Das triale Studium

Drei Abschlüsse

Gesellenbrief, Meisterprüfung und den Bachelor – Wenn Fabian Albrecht sein triales Studium nach in 4,5 Jahren abgeschlossen hat, wird er drei Abschlüsse in der Tasche haben. Für die Tischlerei Resch ist das Pilotprojekt eine Chance, leistungsstarke Jugendliche zu gewinnen.

Anna-Katharina Ledwa

„Zwei Jahre lang habe ich Bauingenieurwesen studiert, aber dann abgebrochen“, erzählt Fabian Albrecht. Ein reines Studium war nicht das richtige für ihn. Er wollte den Mix zwischen Theorie und Praxis. Doch klar war auch: Die Theorie in der Tischlerlehre würde ihn unterfordern. Also: Keine Alternative. Wo aber bekommt man das gesunde Gleichgewicht zwischen Theorieeinheiten auf Hochschulniveau und der praktischen Arbeit im Handwerk? Andreas Resch, Inhaber der Firma Innenausbau Resch im hessischen Babenhausen, ist durch Zufall auf das triale Studium gestoßen, das die Handwerkskammer zu Köln in Kooperation mit der Fachhochschule des Mittelstandes anbietet. „Das war ein Glück, denn so konnten wir Fabian etwas für ihn Passendes vorschlagen, um einen weiteren leistungsstarken Mitarbeiter zu bekommen“, freut sich der Tischlermeister. „Und er war einverstanden.“

Pendeln zwischen Frankfurt und Köln

Anfangs gab es für die Reschs viel zu organisieren. Juniorchef Magnus Resch berichtet: „Die eigentliche Tischler-Ausbildung findet ganz normal bei uns im Betrieb statt, aber parallel werden kaufmännische, betriebswirtschaftliche und rechtliche Grundlagen innerhalb eines Teilzeitstudiums an der HWK Köln vermittelt.“ Zuerst einmal galt es also, die Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main, die das triale Studium gar nicht kannte, dazu zu bewegen, mit der HWK Köln zu kooperieren, um Ausbildung und Studium zu verknüpfen.

Zur Zeit fährt Fabian Albrecht also jedes zweite Wochenende für zwei Tage nach Köln, um die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) zu besuchen. Fünf Tage die Woche arbeitet er in der Werkstatt. Die Distanz von 230 km und etwa zweieinhalb Stunden Bahnfahrt will bewältig werden. „Wo andere ins Wochenende gehen, fahre ich Freitagmittag nach der Arbeit in die Uni,“ erklärt er. Doch der Aufwand ist es ihm wert und ein bisschen Freizeit habe er schon noch. Im Mai hat der 23-Jährige dann den ersten Schritt geschafft: Die Gesellenprüfung legt er nach 2,5 Lehrjahren ab.

Anfang 2020 beginnt dann ein neunmonatiges Vollzeitstudium in Köln. In dieser Phase wird er nicht in der Werkstatt sein. Anschließend folgt entweder die Meisterschule in Vollzeit oder es wird zuerst die Bachelorarbeit geschrieben – je nachdem, zu welchem Zeitpunkt in den unterschiedlichen Gewerken die Meisterschule startet.

Danach vertraglich für drei Jahre gebunden

Doch auch die Kollegen in der Schreinerei mussten sich erst einmal an das neue Modell gewöhnen. Magnus Resch: „Wir haben versucht, alle miteinzubeziehen und ihr Verständnis zu gewinnen für das Mehr an Zuwendung, das Fabian bekommt.“

Und nicht zuletzt ist die ganze Sache für die Reschs natürlich mit Kosten verbunden: Studiengebühren, Fahrtkosten, Arbeitsmittel. „Das muss sich auch rentieren“, bringt es Andreas Resch auf den Punkt. Die Anforderungen an Fabian Albrecht sind deshalb höher als an seine Mit-Azubis, verrät er. Obwohl man sich auch klar machen müsse, dass Fabian eben auch noch ein Auszubildender ist.

Nach viereinhalb Jahren wird das natürlich anders aussehen. Mit drei Abschlüssen in der Tasche kann Albrecht einiges vorweisen. Dann wird er erstmal für drei weitere Jahre in der Schreinerei bleiben und sein Wissen der Firma zugute kommen lassen. „So haben wir es im Vertrag festgehalten. Und dafür stand uns ein Berater der HWK Köln zur Seite,“ erklärt Magnus Resch. Allerdings betont der junge Schreinermeister auch: „Vertrag hin oder her. Natürlich zwingen wir keinen Mitarbeiter zu etwas. Wir freuen uns, wenn alle gerne bei uns im Team sind, aber wenn sie neue Erfahrungen machen wollen, halten wir sie nicht davon ab.“ Anderweitig würde man sich nur die guten Beziehungen kaputt machen. Und wer weiß, vielleicht begegnet man sich ja eines Tages wieder und es entsteht eine neue Zusammenarbeit? Auf welche Art auch immer.

Triales Studium: Gerne wieder!

Eines ist sicher: Für Andreas und Magnus Resch ist das triale Studium eine interessante Alternative zur normalen Schreinerlehre. Vor allem für Abiturienten öffnen sich so im Handwerk neue Wege. „Wenn Fabian fertig ist, bieten wir diese Möglichkeit jederzeit wieder an, wenn wir entsprechende Bewerber haben“, bestätigt der Juniorchef. Denn: „Auch wenn es mehr Arbeit und Geld kostet, wird man am Ende mit einer guten Fachkraft belohnt. In Zeiten des Fachkräftemangels muss man sich schon etwas einfallen lassen, um gute Leute zu akquirieren.“ Da kann so eine Ausbildungsmöglichkeit eine tolle Motivation für zukünftige Lehrlinge sein.


Die Autorin

Anna-Katharina Ledwa ist Tischlerin und Projektgestalterin (HWK), arbeitet als Gesellin in der AV und entwickelt nebenberuflich eigene Produkte.

www.annaledwa.de


Das triale Studium

Für leistungsstarke Jugendliche

Das triale Studium bietet leistungsstarken Jugendlichen mit Abitur die Möglichkeit, sich auf zukünftige Führungsaufgaben im Handwerk vorzubereiten. Voraussetzungen dafür sind das (Fach-)Abitur, ein Ausbildungsvertrag mit einem Handwerksbetrieb und ein Eignungstest – bestehend aus einem Persönlichkeitsprofil, einem Englischtest und einem Auswahlgespräch.

Im trialen Studium durchläuft der Studierende innerhalb von ca. 4,5 Jahren die Ausbildung zum Gesellen, die Weiterbildung zum Handwerksmeister und das betriebswirtschaftliche Bachelor-Studium „Handwerksmanagement“. Am Ende hat er die drei anerkannten Abschlüsse Gesellenbrief, Meisterbrief und den Bachelor of Arts in in der Tasche.

Von montags bis freitags konzentrieren sich die Teilnehmer auf ihre Berufsausbildung. Alle zwei Wochen steht Freitagabends und Samstag das Studium im Vordergrund. Ergänzt werden diese Termine durch die alle zwei Wochen stattfindende Online-Vorlesung, welche die Teilnehmer bequem von zu Hause aus verfolgen können.

Zurzeit wird das triale Studium in 19 Gewerken von den Handwerkskammern in Köln, Düsseldorf und Hannover sowie der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach angeboten.

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