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Fenster wie Möbel

Fenstertrend: Innen und außen flächenbündig
Fenster wie Möbel

Das Angebot und die Variantenvielfalt an innen und außen flächenbündigen Fensterkonstruktionen in Holz-Alu mit verdeckt liegenden Beschlägen hat zugenommen. Die Lieblinge der Architekten kommen zwar immer noch überwiegend aus der Schweiz, Österreich und Südtirol, aber auch hierzulande erfreuen sich die schlichten, gestalterisch reduzierten Bauteile offensichtlich wachsender Beliebtheit. Christian Härtel

Das „normaldeutsche Lochfenster“ hat Konkurrenz bekommen. Innen und außen flächenbündig, ohne sichtbare Beschläge, kantig und schlicht ausgeführt entdecken die Fensterbauer vermehrt die Chance, das Loch in der Wand zu gestalten. Und das ist gut so. Für Bauherren, aber auch für die Branche insgesamt. Zwar wohnt den puristischen Konstruktionen kein Automatismus für gute Gestaltung inne, aber Chancen dazu, die sind doch reichlich vorhanden. „Flächenbündige Holz-Aluminium-Fenster fügen sich in die moderne, schlichte Bauweise sehr gut ein. Das wird von allen Beteiligten wie Bauherren und Architekten so gesehen. Da es diese Art von Fenstern noch nicht so lange gibt, sind es jedoch vermehrt die Planer, die den Bauherrn auf diese Konstruktion aufmerksam machen“, sagt Christian Taucher, Marketingleiter beim österreichischen Fensterproduzenten Gaulhofer. Als kundenspezifische Lösungen gibt es solche Design-Varianten freilich schon recht lange, etwa in der Schweiz von Huber-Fenster. Wolf-Fenster in Südtirol nimmt für sich in Anspruch, als Erster die Flächenbündigkeit angeboten zu haben. Es scheint, als ob nicht wenige Fensterbauer diesen Nischenmarkt zunächst „verdeckt“ bearbeitet haben. Dies ändert sich wohl gerade. Die Palette der dazu benötigten verdeckt montierten Beschläge ist inzwischen angewachsen. Kaum ein namhafter Beschlaghersteller, der nicht auch ein Modell der unsichtbaren Technik im Programm hätte. Dass die Fensterbauer in der Schweiz, in Österreich und aus Südtirol in puncto Innovationsfreudigkeit die deutschen Mitbewerber hinter sich lassen, hört man in der Branche oft, wenngleich eher hinter vorgehaltener Hand.

Mehr Vor- als Nachteile?
Bleibt die Frage, welche Gründe denn dafür oder dagegen sprechen, das Fenster als gestalterisches Element in der Fassade zu begreifen. Konstruktion, Fertigung oder Gebrauchstauglichkeit scheinen es nicht zu sein. „Flächenbündige Systeme weisen konstruktionsbedingt keine besonderen Knackpunkte auf“, stellt Peter Sauer, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Schreinerhandwerk, klar. Unter dem Strich kommt Sauer im Gegenteil zum Ergebnis, dass es neben den optischen Vorteilen vor allem wärmetechnische Pluspunkte gibt. Denn: „der komplette Rahmen verschwindet in der Wärmedämmebene“, so Sauer, wodurch das gesamte Rahmenprofil hinter der Aluschale wärmer sei. Die Flügelpartie ist aus Sicht des Experten mehr oder weniger mit herkömmlichen Konstruktionen gleich zu bewerten. Aber: „die Lastabtragung der Scheibe nach außen muss gut ausgeführt sein“, so Sauer.
Das bestätigt auch Dietmar Hammer, Leiter der Produktentwicklung bei Gaulhofer: „Wichtig ist, dass die Scheibe im Flügel so weit wie möglich nach außen gerückt wird, dabei aber alle Scheiben getragen werden, damit die Gebrauchstauglichkeit für Fenster von etwa 30 Jahren gegeben ist.“ Bei vielen am Markt befindlichen Konstruktionen werde bei der inzwischen häufigen Dreifach-Verglasung die äußerste Scheibe nicht unterstützt, was infolge zu einem Versagen der Isolierglaseinheit führe, also dem Absacken der Scheibe, einhergehend mit einem Gas- und infolge dessen einem entsprechenden Dämmverlust.
Als weiteren Nachteil vieler am Markt befindlicher Konstruktionen nennt Hammer die Trockenverglasungsdichtung des Flügelrahmens, da diese auf Dauer nicht schlagregendicht sei. „Grund dafür ist das natürliche Schrumpfverhalten der Dichtungsprofile und das „Pumpen“ der Verglasung, verursacht durch Luftdruckschwankungen, Winddruck und Windsog“, weiß Hammer.
Auch würden die flächenbündigen Konstruktionen, mehr als andere Varianten, tendenziell eher nach außen in der Laibung platziert. Dies führe zu einer höheren Belastung der Konstruktion durch Schlagregen. Damit das Wasser über den Glasanschlag nicht in den Glasfalz gelangt und so die Konstruktion durchfeuchtet, setzt man bei Gaulhofer deshalb innen wie außen auf die händisch eingebrachte Nassversiegelung mit einem speziellen Silikon. „So entsteht auf Dauer ein hermetisch abgedichteter Anschluss“, erklärt Hammer.
Ganz schön viele Hausaufgaben
Flächenbündige Fenster ohne sichtbare Beschlagteile findet der Bauherr in allen Rahmenmaterialien. Zumeist geht es dabei aber um Holz-Alu-Fenster. Mutmaßlich, weil der höhere Designanspruch der allgemein anerkannt hochwertigen Materialkombination dem gehobenen Preissegment am ehesten entspricht. Das bedeutet auch ein Umdenken und eine gewisse Neuorientierung für viele Fensterbauer und auch deshalb ist das Thema gerade in Deutschland immer noch eine Nische, weil zuallererst der Preis das Geschehen bestimmt.
Flächenbündige Konstruktionen sind per se etwas teurer als herkömmliche Varianten. Der Grund: „Konstruktionsbedingt ist der Einsatz von voll verdeckt liegenden Beschlägen erforderlich, was wiederum eine hohe Genauigkeit hinsichtlich Toleranzen in den einzelnen Bearbeitungsschritten erfordert“, sagt Hammer. Denn das Ganze ist aufwendiger. Ungenauigkeiten kann man sich weniger leisten. Die umlaufenden Ansichtsfugen müssen stimmen, denn der Charme der Flächenbündigkeit kommt nur dann zur Geltung, wenn das Ganze auch wirklich „eben“ ist und sitzt – sprich wie ein Möbel wirkt. Die verdeckten Beschläge bieten für den Bauherrn Vorteile. Der offenkundige Aspekt bei dieser Art der Konstruktion: Die Funktionselemente wie Stulpschienen und Treibstangen sind im Falz zwischen Flügel- und Blendrahmen platziert. Die Verschmutzung von Eck- und Scherenlagern ist deutlich vermindert. Vorteil für den Benutzer: Dieser muss die Elemente deutlich weniger oft reinigen.
Fenster wie Möbel, dazu gehören auch klare Ecken und Kanten, was den Fensterbauer in Schwierigkeiten bringt aufgrund der geltenden Vorschriften und Normen. Klare Kante entspricht nicht den Gepflogenheiten der Branche. Trotzdem wird es gemacht, und auch das ist gut so. Zum Beispiel in den genannten Regionen. Warum es dort geht und hierzulande nicht, obwohl Österreich und Südtirol auch an die europäischen Normenwerke gebunden sind, bleibt offen. Ähnlich diffus in der Konsequenz, wie die gestalterisch feinere Ausführung der Kantenradien, verhält es sich mit der Holzartenwahl. Neben dem Standard in Fichte, Tanne oder Kiefer kann der Bauherr seine Fenster inzwischen auch in anderen Holzarten wie etwa Lärche oder Eiche haben. Die U-Werte der so ausgeführten Bauteile sucht der Interessent jedoch meist vergebens in den Informationsblättern der Anbieter. I

Der Autor
Christian Härtel, Schreiner und Forstingenieur, arbeitet als Autor und Produktentwickler für das gestaltende Handwerk.
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