Kosten und Nutzen von Materialdatenbanken

Material im Überfluss

Materialdatenbanken helfen, schnell einen Überblick der wichtigen Anbieter und Alternativen für Material, Halbzeuge und Produkte zu bekommen. Unser Autor wollte wissen, was sie leisten, bringen und kosten.

Autor: Christian Härtel

I BMW gehört dazu, auch Zaha Hadid und Nestlé sind dabei – und natürlich Swarovski und Ikea. Gemeinsam ist ihnen, dass sie bei ihrer Arbeit die Dienste von Materialdatenbanken nutzen. In der Mehrzahl sind es jedoch weniger bekannte Namen, Planer und Handwerker. „Viele unserer Kunden sind Schreiner. Vor allem wenn es um exklusiven Innenausbau geht, greifen innovative Betriebe auf eine vielfältige Palette von Materialien zurück. Bei keinem anderen Gewerk laufen so viele verschiedene Materialien zusammen“, weiß Hannes Bäuerle, Geschäftsführer von Raumprobe in Stuttgart.

Vor neun Jahren hat Bäuerle zusammen mit seinem Partner Joachim Stumpp angefangen, die schier explodierende neue Materialvielfalt in ein System zu bringen. „Das war auch aus einem eigenen Bedürfnis heraus, von unserer Arbeit als Innenarchitekten.“
Angaben über die Zahl der Materialien trügen
„Und wir haben gesehen, dass auch andere die Vielfalt gerne gesammelt, geordnet und abgebildet haben wollten“, sagt Bäuerle. Das scheint heute wichtiger als je zuvor, denn die Entwicklung läuft weiterhin rasant und das Angebot wird immer komplexer. Viele neue Materialien entstehen in den Werkstätten, im Laufe von Projekten und vor allem auch in ganz anderen Branchen und durch Kombinationen von ehemals fein getrennten Fachrichtungen. „Ich bekomme täglich mindestens ein neues Material auf meinen Tisch, oft sind es auch fünf“, erklärt Bäuerle. Wie viele neue Werkstoffe tatsächlich tagtäglich erfunden werden, weiß niemand. Generell ist es schwierig, über die Anzahl der Materialien zu sprechen. Denn je nachdem wie gezählt wird, vervielfachen Varianten die Zahl der Werkstoffe schnell. So kann ein HPL-Schichtstoff eines Herstellers hunderte verschiedener Farben und Dekore haben, zumal auch die Kollektionen immer schneller wechseln. Für Bäuerle ist aber ein HPL-Schichtstoff eines Herstellers ein Material. Die verschiedenen Dekore werden erwähnt und gelistet, tauchen aber nicht als extra Muster im Archiv auf. Andere zählen anders, deshalb ist bei den Angaben über die Größe des Archivs generell Vorsicht geboten.
Klar ist indes: Auch für den Schreiner gibt es hunderte, wenn nicht tausende unterschiedliche Materialien, die er verarbeiten kann. Deshalb wird das Wissen um Material immer entscheidender. Eine reichhaltige Spielwiese für Materialdatenbanken und für die, die den Weg durch das Dickicht aufzeigen können. Für Bäuerle ist die Vielfalt mehr eine Chance denn eine Last. Allerdings weiß er auch, dass die Erfahrung im Umgang mit den Materialien immer weiter der Entstehungsgeschwindigkeit hinterherhinkt. Ein weites Feld für erfahrene Praktiker.
Mit Leib und Seele im Material
In den letzten Jahren gab es einige Ansätze für weitere Materialdatenbanken, die aber allesamt wieder vom Markt verschwunden sind. „Viele unterschätzen den Aufwand, der dahinter steht“, sagt Bäuerle. Im Gespräch mit dem Experten fallen immer wieder Worte wie „spannend“ und „leidenschaftlich“. Es scheint, als ob man an dem Thema einen Narren gefressen haben muss, weil es ständig unter Hochspannung läuft.
Wichtig dabei sei die Konzentration auf Materialien, sagt Bäuerle. Denn eine Abgrenzung zum Halbfertigprodukt oder Produkt ist in der Realität nicht ganz so einfach, wie es scheinen mag. Ist ein Haustürrohling nun ein Material, ein Halbfertig-Bauelement oder ein Produkt? Für Raumprobe ist das keine Frage. „Wir haben die entsprechende Platte mit der Aluminium-Kaschierung als DIN A4-Muster im Archiv und machen dann einen Schnitt. Als Bauelement mit Profilen und Anwendung zeigen wir das Element nicht, sondern verweisen darauf“, so Bäuerle.
Die in Köln angesiedelte Materialconnexion verfährt ähnlich, während die Darstellung bei den Designprodukt-Portalen, die auch Materialien zeigen, für den Praktiker eher etwas willkürlich wirkt. Immer wieder scheint es etwas durcheinander zu gehen, kommen die Materialdatenbanken offensichtlich nicht umhin, auch Produkte für etwas mehr Würze in der Präsentation zu zeigen. Ganz nüchtern geht das Schweizer Materialarchiv damit um. Eher auf die Elemente und wissenschaftlich ausgerichtet, werden Materialtypen erklärt und gezeigt – Markenverflechtung eher unwahrscheinlich.
Damit der Planer seinen Weg durch den Materialdschungel findet, wird neben einer Suchfunktion auf den Portalen auch die Hilfestellung durch die Experten immer wichtiger. Jeder, der schon einmal ein spezielles Material über die allgemeinen Suchmaschinen des Internets gesucht hat, weiß um den Zeitaufwand, der damit verknüpft ist. Die Informationen in der Materialwelt scheinen längst viel zu komplex und zu speziell zu sein und „nicht immer, ist der aktuelle Stand bei den Herstellern online abgebildet“, weiß Bäuerle. Obwohl die acht Mitarbeiter von Raumprobe sich um nichts anderes als neue Materialien kümmern, „bekommen auch wir nicht immer alles mit“, räumt Bäuerle ein.
Scout-Dienstleistungen gesucht
Das Wissen darum, in welcher Schublade welches Material zu finden ist oder wer wann einmal was gemacht hat, ist inzwischen wichtig geworden. Führt die eigene Materialrecherche über ein Anbieterportal nicht zum Erfolg, werden die Scouts bemüht. Bei Raumprobe ist ein einfacher Gang zu den Schubladen im Archiv im Preis inbegriffen. „Müssen wir selbst recherchieren, dann erhält der Kunde ein Angebot für die Dienstleistung. Das wird immer öfter genutzt“, sagt Bäuerle. Die Qualifikation der Mitarbeiter bei den Materialexperten sieht Bäuerle auch deshalb als entscheidend an. Das ist auch der Grund, warum sich das Unternehmen auf den Standort Stuttgart konzentriert. „Zwei Drittel der Bedürfnisse werden durch die Nutzung der Ausstellung befriedigt. Aber ein Drittel macht dann auch die Beratung aus und das Personal, das hochmotiviert sein muss. Deshalb können wir das Unternehmen nicht einfach an andere Standorte kopieren, das funktioniert so nicht“, weiß Bäuerle.
Vielmehr komme es darauf an, dass man ganz nah dran sei, um den Puls der Material-Zeit zu fühlen. Denn nicht selten entsteht ein neuer Werkstoff im Laufe eines Projektes, bei dem die bekannten Teile A plus B zu einer – dann neuen – Variante C führen. Was wohl nicht nur im Hause Raumprobe dazu führt, dass das Besprechungszimmer immer öfter belegt ist. Es bleibt spannend: denn kein Material, zu dem es nicht immer eine Alternative gibt. I

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