Qualität ohne Abstriche. Tipps und Tricks zur Wasserlack-Verarbeitung - BM online

Qualität ohne Abstriche

Tipps und Tricks zur Wasserlack-Verarbeitung

Wasserlacke neuester Generation sind in ihren Eigenschaften nicht nur als gleichwertig mit den Lösemittellacken anzusehen, sondern übertreffen diese sogar in Teilbereichen deutlich. Ein Grund mehr, dass sich Schreiner und Tischler intensiv mit dem Thema Wasserlacke auseinandersetzen und diese gegebenenfalls in ihren betrieblichen Arbeitsprozess aufnehmen. Birger Lange, Leiter der Anwendungstechnik von Zweihorn, erklärt, worauf es bei der professionellen Anwendung von Wasserlacken ankommt, damit am Ende ein optimales Oberflächenergebnis steht.

Seit mehr als 15 Jahren werden Wasserlacke von den Lackherstellern konsequent weiterentwickelt. Betrachtet man die Produktentwicklungszyklen, so ist heute die dritte Generation von Wasserlacken in der Anwendung. Hatten die ersten Produkte noch viele Defizite, sowohl in der Verarbeitung als auch in ihren Nutzungseigenschaften, so ist den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Lackindustrie mit den Eigenschaften der neuesten Wasserlackgeneration nahezu ein Quantensprung gelungen. Dies war insbesondere durch den Einsatz neuer Rohstoffe möglich, die die Grundlage für neue Rezepturen lieferten.

Heute sind Wasserlacke bedenkenlos einsetzbar – auch in Feuchträumen wie Küche und Bad.
Wasserlacke und VOC: Deutliche Pluspunkte
Ein erheblicher Vorteil von Wasserlacken liegt in den geringen Anteilen an Lösemitteln und in den geringeren Emissionen bei Verarbeitung und Trocknungsprozess. Sie unterschreiten deutlich die durch die ChemVOCFarbV festgelegten Grenzwerte für Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen. Demnach sollen Lacke mit hohen Lösemittelanteilen, die diese Grenzwerte nicht erfüllen, möglichst vom Markt verschwinden.
Dies betrifft allerdings nur Lackierungen von Gebäuden bzw. Gebäudeteilen, sprich festen Einbauten. Der Schreiner und Tischler leistet durch die Verarbeitung von Wasserlacken und der Unterschreitung der VOC-Grenzwerte einen wichtigen Beitrag für die Erreichung der ökologischen Gesamtziele. Da sich die Rahmenbedingungen aufgrund der nächsten Stufe der VOC-Verordnung weiter verschärfen, werden viele Schreiner und Tischler entsprechend ihren Leistungsangeboten gezwungen sein, auf Wasserlacke umzusteigen. Dieser Prozess erinnert an die Einführung von bleifreiem Benzin in den 80er Jahren: Anfangs herrschten große Bedenken, heute ist es für alle der Standard.
Auch wenn Wasserlacke als eine Alternative zu den bekannten lösemittelhaltigen Lacksystemen in Betracht kommen, muss sich der Verarbeiter auf die Besonderheiten wasserbasierender Systeme einstellen. So sind z. B. bei der Lagerung, der Verarbeitung, der Auftragsgeräte andere Parameter gegenüber lösemittelhaltigen Lacken zu beachten. Nur dann wird ein fachmännisches, einwandfreies Ergebnis erzielt.
Die richtige Ausrüstung für professionelle Lackierung
Das erfolgreiche Arbeiten mit Wasserlacken beginnt bereits bei der Lagerung und den Arbeitsgeräten. Da Wasserlacke frostempfindlich sind, sollten sie nicht unter 5 °C gelagert und transportiert werden. Auch ist darauf zu achten, dass sie keiner übermäßigen Hitze bzw. Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Für die Lagerung werden Kunststoffgebinde empfohlen. Sollten Wasserlacke in Metalldosen umgefüllt werden, müssen diese unbedingt innenbeschichtet und unbeschädigt sein.
Nach der Entnahme von Lack sind die Gebinde sehr sorgfältig und dicht zu verschließen, damit sich keine Haut bilden kann. Damit keine Bakterien und Keime in den Lack geraten, ist es zu vermeiden, dass angetrocknete Lackreste oder Fremdmaterialien in den Lack fallen. Ebenso dürfen übrig gebliebene Reste nicht in das Originalgebinde zurückgeschüttet werden. Zum Verdünnen sollen keine anderen Flüssigkeiten wie beispielsweise Leitungswasser in das Originalgebinde gegeben werden.
Spezifische Voraussetzungen gelten auch bei den Arbeitsgeräten, die für das Lackieren mit Wasserlacken eingesetzt werden. Sie müssen aus nicht rostenden Materialien wie Kunststoff oder Edelstahl sein. Der Verarbeiter sollte darauf achten, dass sämtliche Teile, die mit den wässrigen Produkten in Berührung kommen, dafür geeignet sind. Besonders praktisch sind Einmalfließbecher, die mit dem angemischten Lack auf die Spritzpistole aufgeschraubt werden und nach der Verwendung einfach entsorgt werden können.
Die Reinigung der Geräte erfolgt am besten sofort, bevor der Lack antrocknet. Hierzu genügt in der Regel Leitungswasser. Hartnäckige Verschmutzungen können mit Universalreiniger entfernt werden. Bei der Umstellung von lösemittelhaltigen Produkten auf wasserbasierte Produkte wird eine sehr gründliche Reinigung mit Universalreiniger UR empfohlen. Anschließend wird dann mit Leitungswasser nachgespült.
Während dem Spritzen sollten Düse und Luftkappe zwischendurch öfter gereinigt werden. Bei leichten Verschmutzungen reicht das Reinigen mit nassem Lappen oder einem geeigneten Pinsel mit Wasser.
Für das Lackieren mit Bunt- und Klarlacken werden 1,6–2,0 mm Düsen eingesetzt, beim Füller eine 2,5 mm-Düse. Wer dies nicht beachtet, läuft Gefahr, dass eine ungeeignete Lackdüse eine Oberflächenstörung hervorruft.
Wichtig: Schutzausrüstung nicht vernachlässigen
Obwohl der Lösemittelanteil in Wasserlacken deutlich geringer ist als bei herkömmlichen Lacksystemen, ist die Verarbeitung selbst nicht ungefährlich. Denn hierbei können, wie auch beim Lösemittellack, durch das Zerstäuben mit der Spritzpistole feinste Partikel durch Einatmen in den Körper gelangen. Daher der dringliche Rat, auch bei der Verarbeitung von Wasserlacken eine entsprechend geeignete Schutzausrüstung, bestehend aus Atemschutzmaske mit Aktivkohlefilter, zu tragen.
Gewusst wie – Moderne Wasserlacke in der Praxis
Mit den Wasserlacken der dritten Generation lassen sich heute hervorragende Lackierergebnisse erzielen, die gegenüber lösemittelbasierten Lacken keine Defizite mehr haben, sondern in Teilbereichen wie z. B. Abriebfestigkeit und Härte sogar noch bessere Resultate ergeben. Dazu ist es natürlich notwendig, dass alle spezifischen Parameter für die Wasserlack-Lackierung auch konsequent eingehalten werden, denn sonst produziert auch der Profi fehlerhafte Oberflächenbilder.
Vor der Verarbeitung sollten Wasserlacke generell gesiebt werden, da sich bereits ausgehärtete Lackteile bei einem Wasserlack nicht mehr im flüssigen Lackmaterial auflösen können und so die Oberfläche im ungünstigen Fall pickelig wird.
Stark aufrauende Holzsorten sollten mit wässrigen Lacken beim ersten Auftrag dünner beschichtet werden, um die Aufrauung zu reduzieren. Ebenfalls ist das Wässern und anschließende Schleifen vor dem Lackieren bei stark aufrauenden Holzarten durchaus sehr empfehlenswert.
Ein wässriger Klarlack sieht im flüssigen Zustand milchig aus und lässt das Holz im nassen Zustand zunächst unansehnlich erscheinen. Bei der Trocknung, mit dem Verdunsten des Wasseranteils, geht der Lack in einen transparenten Zustand über. Dieser Vorgang ist normal, weshalb eine Lackoberfläche mit wässrigen Klarlacken erst nach vollständiger Trocknung beurteilt werden kann.
Neben der Wahl der richtigen Düsen, ist die Einstellung des Drucks von besonderer Relevanz: Wird ein Wasserlack mit einem Druck von 2 bar appliziert, ist das Ergebnis wie gewünscht, stellt man die Pistole deutlich niedriger ein, wird die Oberfläche durch die großen Lacktröpfchen rau und ungleichmäßig.
Trägt der Lackierer zu viel Material auf, „säuft“ der Lack geradezu ab und wird beispielsweise bei Verarbeitung eines Metallic-Effektlackes viel dunkler. Typisch ist auch der bekannte Bilderrahmeneffekt bei Buntlackaufbauten, welcher häufig durch Überbeschichtung und/oder zu stark vedünntem Lackmaterial auftritt.
Inzwischen stehen aber bereits Additive zur Verfügung, die diesem Effekt entgegenwirken sollen. Außerdem können sie das langsam verdunstende Leitungswasser zum Verdünnen ersetzen und dadurch die Trocknung beschleunigen.
Des weiteren muss der Verarbeiter genau auf Störungen durch Fremdkörper bzw. -stoffe wie beispielsweise dem beim Lackieren gefürchteten Silikon achten.
Häufig liegt die Ursache von Oberflächenstörungen auch in der Verunreinigung der Druckluftanlage. Spezielle Filtereinheiten, die vorgeschaltet werden, schaffen in solchen Fällen wirkungsvoll Abhilfe. Wasserlacke haben hier im Vergleich zu den lösemittelbasierten Lacken eine höhere Neigung zur Kraterbildung. Dazu hat die Lackindustrie auch für Wasserlacke ein Antikrater-Mittel (Anti-Silikon) entwickelt.
Darüber hinaus kann der Lackierer inzwischen auf weitere Additive zugreifen. Beispielsweise bietet Zweihorn auch einen Sunblocker und für das Lackieren senkrechter Flächen einen Verdicker zum Optimieren der Lackkonsistenz an.
Nicht nur auf Holz und Holzwerkstoffen, auch auf sämtlichen Untergründen wie beispielsweise Melaminharzplatten und Grundierfolie kann mit Wasserlacken ein gutes Ergebnis erzielt werden. Ein guter Schliff ist hierfür natürlich eine wesentliche Voraussetzung. Für den Zwischenschliff von wässrigen Produkten empfehlen sich qualitativ gute Schleifpapiere für Wasserlacke, da sich diese beim Schleifen durch ihre thermoplastische Eigenschaft anders verhalten als herkömmliche Nitro- oder PUR-Lacke. Es ist sehr wichtig, die Oberfläche vor dem Schliff ausreichend trocknen zu lassen, um ein optimales Schleifergebnis zu erzielen. Vor dem Weiterlackieren ist natürlich darauf zu achten, dass sämtlicher Schleifstaub gründlich entfernt wird (z. B. mit einem Staubbindetuch), da sich dieser beim Überlackieren nicht wieder anlöst und die Oberfläche pickelig auftrocknen lässt. Wird eine Grundierfolie überlackiert, ist die Zugabe von Härter wichtig. So bekommt der Lackfilm in sich mehr Halt und kann nicht vom Untergrund abgezogen werden.
Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflussen Trocknung
Bei jedem wässrigen Lack muss das Wasser, welches eher träge verdunstet, aus der Lackschicht transportiert werden. Die Trockenzeiten sind deshalb länger als bei den bekannten Lacken auf Lösemittelbasis. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte beim Verarbeiten und bei der Trocknung zwischen 40 und 70 % liegen.
Für die Möbellackierung ist eine zu hohe Luftfeuchtigkeit sehr negativ, da die Luft bereits mit Wasser gesättigt ist und somit das Wasser aus dem Lack entsprechend träge verdunstet. Durch zusätzliches Heizen (auch im Sommer) kann die Luftfeuchte reduziert und dadurch die Trocknung begünstigt werden. Wichtig sind außerdem eine gute Luftbewegung und ein Luftaustausch, damit die feuchte Luft durch trockenere ersetzt wird.
Zum Entfeuchten der Luft können auch elektrische Luftentfeuchter eingesetzt werden, die dann zu einer schnelleren Trocknung und Durchhärtung der Lackschicht führen. Zur Kontrolle der Luftfeuchtigkeit empfiehlt sich die Anschaffung eines Hygrometers. Die Trockenzeiten sind natürlich ebenfalls sehr stark von der jeweiligen Schichtstärke abhängig.
Die optimale Lackiertemperatur für wasserbasierte Lacke liegt bei ca. 18 bis 25 °C, eine Mindesttemperatur von 15 °C sollte nicht unterschritten werden. Diese Angabe gilt für das komplette Umfeld wie Lackierkabine, Lackmaterial, Werkstück und Trockenraum. Eine Unterschreitung der Temperatur kann gravierende Folgen für die Oberfläche haben. Der Lackfilm kann sich dadurch nicht richtig „entwickeln“, so dass beispielsweise eine narbige Oberfläche zurückbleibt, die außerdem eine schlechte mechanische und chemische Beständigkeit aufweist.
Ergebnisse, die sich sehen lassen können
Werden die beschriebenen Parameter konsequent berücksichtigt, erzielt man mit Wasserlacken hervorragende Oberflächenergebnisse. Je nach objektspezifischer Anforderung können 1K- oder 2K Wasserlacke eingesetzt werden.
Dem Schreiner und Tischler steht mit der dritten Generation an Wasserlacken ein durchgängiges Sortiment an Bunt- und Klarlacken für jeden Einsatzzweck zur Verfügung. Doch gibt es auch hier noch einige Besonderheiten zu berücksichtigen.
Durch eine andere Untergrundbenetzung gegenüber konventionellen lösemittelhaltigen Lacken bekommt das Holz mit wässrigen Klarlacken eine etwas andere, ungewohnte Optik. Beizfarbtöne können ebenfalls vom gewohnten Standard abweichen. Wird ein gebeiztes Holz ablackiert, macht es einen Unterschied, ob zuvor mit einer wässrigen oder lösemittelhaltigen Beize gearbeitet wurde. Bei Letzterem wird das Erscheinungsbild etwas blasser. Bei einer wässrigen Beize ist das Gesamtergebnis feuriger. Daher ist auf jeden Fall zu empfehlen, vor der Produktion ein objektspezifisches Muster anzulegen.
Leistungsfähige Systeme für nahezu jeden Bedarf
Durch den Einsatz moderner, leistungsfähiger Wasserlacke kann der Schreiner und Tischler seinen eigenen Anteil für den nachhaltigen Schutz der Umwelt leisten. Die Lackindustrie offeriert heute leistungsfähige Wasserlacke für jeden Bedarf. Es liegt nun an jedem Handwerksmeister selbst, die Sache auch konsequent in die Hand zu nehmen.
Die Lackindustrie steht dabei sicher mit Rat und Tat zur Seite. Wasserlacke sind heute erprobt und ausgereift. Und letztendlich ist es in stark umkämpften Märkten vielleicht auch ein gutes Verkaufsargument, seinen Kunden emissionsarme Lacke anzubieten und in deren Wohn-, Lebens- und Arbeitsräume einzubauen. ■

Wasserlack-Lackierung: Das sollten Sie beachten

  • Generell alle Wasserlacke vor der Verarbeitung sieben.
  • Härter bei 2K-Lacken sofort gründlich einrühren und anschließend verdünnen. Auf angegebene Verarbeitungszeit achten.
  • Den ersten Auftrag dünn spritzen, um die Holzanrauung zu reduzieren, gegebenenfalls Holz vorher wässern und schleifen.
  • Düsenauswahl bei Klar- und Buntlacken 1,6 -2,0 mm, bei Füllern 2,5 mm.
  • Den Druck laut Angaben des Spritzgeräteherstellers einstellen. Zu niedriger Druck führt zu einem schlechten Oberflächenbild.
  • Die optimale Lackiertemperatur liegt zwischen 18–25 °C. Die Umfeldtemperatur (Werkstück, Kabine, Trockenraum) darf 15 °C nicht unterschreiten.
  • Die relative Luftfeuchte sollte 40–70 % betragen. Es ist auf guten Luftaustausch zu achten, gegebenenfalls heizen und/oder mit Luftentfeuchtern arbeiten.
  • Für den Schliff geeignetes Schleifpapier für Wasserlacke verwenden und Schleifstaub immer gründlich entfernen.
  • Additive wie Optimizer, Verdicker, Anti-Silikon können die Wasserlackverarbeitung vereinfachen und das Ergebnis verbessern.
  • Die Anfeuerung des Holzes, auch bei gebeiztem Holz, kann im Vergleich zu Lösemittellacken anders ausfallen, daher vorher Muster herstellen.

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